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Rezensionen

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22. Juli 2012

Xaver Leonhard Lichtblau, Liebe.Ficken.Tod.


Härte auf den Punkt gebracht

Nicht ein Wort zu viel, stets auf den Punkt, schafft der Autor Lichtblau es, mir Kälteschauer über die Haut zu jagen. Kalt kann einem wirklich werden angesichts der liebesfernen Sexualität in den Geschichten. Denn die Suche der Protagonisten, die Sehnsucht nach wirklicher Liebe und Erfüllung ist zweifelsfrei spürbar. Doch sie erstickt in der Lethargie, der Hinnahme der Gegebenheiten, an innerer Dunkelheit. Vielleicht aus alten Verletzungen entstanden.

  

Es ist, was es ist, sagt die Liebe. Schrieb Erich Fried.

Und die Männer in Lichtblaus Geschichten hätten gute Chancen, dies zu erleben. Aber entweder sie kommen viel zu spät drauf und die Frau, die es möglich gemacht hätte, ist über alle Berge oder sogar an einer Krankheit gestorben, oder sie sind während der Begegnung nicht in der Lage, sich zu äußern. Außer durch Ficken. Durch verzweifelte Lust. Die Protagonisten sind beschädigt. Und das ist auch gut so, denn Langeweile kommt niemals auf. 

Und dann trinkt Mann 

sich schwere Gedanken weg. Im Nebel lässt sich Lieblosigkeit leichter ertragen. Die Vorhölle mit einem gewissen Amüsement hinnehmen und/oder einfach mitmachen. Für mich als Frau sind diese Texte überaus schmerzhaft. Immer wieder möchte ich dem Protagonisten zurufen: Mach das doch nicht mehr! Befreie dich aus den Schwaden des Unglücklichseins, das Leben ist schön, die Liebe ein Geschenk an den Menschen.

Ernst nehmen

Auch wenn ab und zu ein Schmunzler die Leserin erleichtert – eine der Geschichten, in der das personifizierte Matriarchat zu Wort kommt, schafft das hervorragend – liegt das Hauptgewicht doch in der Verzweiflung der Figuren. Und das ist ein wichtiges Thema, mit dem der Autor sich auseinandersetzt. Lichtblau ist ein Autor, der einwandfreie Shortstories schreibt. So, wie sie gebaut sind, kommen sie an die klassische „American Shortstory“ heran. Rein in eine Situation, raus aus der Szene. Mehr erfährt der Leser kaum über die Geschichte der handelnden Personen. Den Rest reimt sich der Leser zusammen. Ich schätze diese Form der Erzählung. Wenn sich dann mittendrin in der rauen Härte mit einem Mal eine zarte poetische Formulierung schmiegt, die genau dort passt, kann ich nur sagen, der Autor hat sein Handwerk gelernt. Ich hoffe, es wird noch mehr Bücher dieser Art zu lesen geben von Herrn Lichtblau.


Elsa Rieger


Xaver Leonhard Lichtblau, Liebe. Ficken. Tod. Schwarze Geschichten. epubli 2012

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