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Rezensionen

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28. Juli 2012

Kirsten Wendt, Migräne ist ein bisschen Psycho


Ein Gang nach Canossa
ist der Leidensweg durch die Institutionen des Gesundheitswesen, den Kirsten Wendt zunächst beschreibt. Als Migränikerin ist sie chronische Schmerzpatientin. Migräne sieht man nicht von außen, dennoch überfallen die Autorin diese Attacken derart massiv, dass sie sich krankschreiben lassen muss. Nun also beginnt der Canossagang zur Kranken-, dann Rentenversicherung, der Kotau vor Referenten, die nicht einsehen wollen, warum Wendt nicht arbeiten sollte. Sie fleht um Hilfe, vorübergehende Unterbringung in einer Schmerzklinik, nichts scheint zu fruchten, obwohl diese Erkrankung sie in den Burnout getrieben hat.


Oh heiliger Freud

Der gute alte Sigmund Freud stufte in den Anfängen der Psychotherapie das Schmerzgeschehen der Migränepatientinnen als Teil der hysterischen Persönlichkeitsstörung ein. Demnach wäre Migräne schiere Einbildung? Auch heut noch, und das ist erstaunlich, ist das Gang und Gäbe, wie die Autorin erleben muss. Denn in der Versicherung drängt man auf eine Entscheidung, da ihr ansonsten das Krankengeld gestrichen würde. Schließlich will man sie in eine Klinik für psychisch Kranke einweisen und Wendt fragt sich, ob sie wirklich ein bisschen Psycho ist und die Migräne reine Fantasie? Wendt wehrt sich, sagt wieder, sie benötige eine Schmerztherapie, die es aber offenbar nicht gibt.

Der Anfang vom Ende?

Schließlich gelingt es der Autorin, wenigstens einen Kuraufenthalt von 6 Wochen in einer Reha zu bekommen, statt zwischen Psychosen in einer Klinik zu sitzen.
Die Reha bietet ihr einen Fulltimejob, Wendt rennt von einem Therapietermin zum nächsten, nur das Wochenende bleibt zur Entspannung. Von der herkömmlichen Vorstellung, eine Kur diene der Erholung von Geist und Körper, muss sich die Autorin verabschieden. Leider. Nachdem Migräne auch als Gewitter im Kopf bekannt ist, gegen das nur Entspannung hilft, wird die Patientin widerständisch und möchte wenigstens an besonders schmerzhaften Tagen die Termine reduziert haben. Das wird jedoch verweigert, schließlich ist die Reha wiederum der Versicherung Rechenschaft schuldig! Harte 6 Wochen für die Migränikerin, auch wenn nebenher Freundschaften entstehen und der eine oder andere Therapeut es schafft, Nähe und Verständnis anzubieten.
Wie es endet? Vielleicht mit einem Anfang.

Ein bisschen Psycho    

ist Kirsten Wendt gewiss nicht. Sie ist es nämlich überhaupt nicht. Sie hat bloß Migräne! Das kann ich nach diesem Büchlein durchaus sagen. Sie hat mein vollstes Mitgefühl, denn Migräne ist wohl eine der scheußlichsten Qualen im Alltag. Ihre Erfahrungen hier zu lesen, war äußerst interessant für mich, ich hoffe, ich gerate niemals in diese Situation und wünsche der Autorin alles Gute und Erleichterung.

Elsa Rieger


Über die Autorin
Als Kind lebte Kirsten Wendt auf einer kleinen Nordseeinsel, Tür an Tür mit einer Bibliothek. Dort lieh sie sich nachts heimlich all die Erwachsenenbücher aus, schmökerte in den „Buddenbrooks“ und „Onkel Toms Hütte“ und träumte davon, eines Tages selbst eine berühmte Schriftstellerin zu sein. So sollte es vorerst nicht kommen, denn sie schlug eine klassische Sekretärinnen-Laufbahn ein und landete später im Vertrieb. Mit 40 Jahren beschloss Kirsten Wendt, nun endlich ihren Traum vom Schreiben ernsthaft in die Tat umzusetzen. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Sie schreibt Sachartikel und Kolumnen für Online- und Printmedien und lässt ihrer Phantasie in Kurzgeschichten sowie Romanen freien Lauf. Mit ihren Büchern möchte die Autorin zum Lachen und Weinen anregen, zum Nachdenken bewegen und letztendlich einfach gut unterhalten.

Kirsten Wendt, Migräne ist ein bisschen Psycho, eBook


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