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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

19. August 2012

Belá Bolten, Codewort Rothenburg



»Schade um dich, meine Kleine. Aber wir leben in gefährlichen Zeiten. In sehr gefährlichen Zeiten.«
Kitty Schmidt

Berlin, Frühjahr 1941. Ein mysteriöser S-Bahn-Mörder hält die Stadt in Atem. Als eine weitere Frauenleiche gefunden wird, führen die Spuren Kriminalkommissar Axel Daut aber in eine andere Richtung. Das Opfer arbeitete als Prostituierte in einem noblen Bordell. Warum will offiziell niemand etwas von diesem „Salon Kitty“ wissen? Trotz Anweisung von höchster Stelle, den Fall zu den Akten zu legen, ermittelt Daut weiter und betritt eine geheimnisvolle Welt aus Spionage und rauschhafter Begierde, der auch er sich nicht entziehen kann.
Währenddessen schließt sich Dauts Ehefrau Luise ohne sein Wissen einer Widerstandsgruppe an.
Als deutsche Soldaten in Russland einmarschieren und Bomber Nacht für Nacht Tod und Zerstörung auch nach Berlin bringen, kommt es zu einem dramatischen Finale, an dessen Ende nichts mehr ist, wie es war. 



Rezension

Das ist die Berliner Luft, mit ihrem holden Duft
fällt mir zu Boltens Buch ein.

Vor allem ein Textstück daraus:
Wenn sonst man „Mir kann keener“sagt
so sagt in jedem Falle
wenn's dem Berliner nicht behagt
er sanft: „Mir könn'se alle.“

Und prallvoll ist der Roman von dieser Luft. Allerdings durchsetzt vom Giftodem des 3. Reichs und dem Naziregime.


Durch dieses Berlin 
begleiten wir Kriminalkommissar Daut, der den Titel Sturmbandführer trägt, ohne großartig über die politische Dunkelzeit nachzudenken. Er macht seinen Job, liebt Frau und Kinder, sauft manchmal einen. Bis, ja bis ihm alles um die Ohren fliegt. Da wacht er auf, woran seine schwangere Frau nicht unschuldig ist, und reibt sich die Schleier der Verdrängung aus den Augen.

Bolten hat es drauf
in seinem Krimi, der viel mehr ein Sittenbild jener Zeit ist, die Leser einzuspinnen in das Grauen, enger und enger legt sich das klebrige Netz um einen, bis man vermeint, darin zu ersticken. Und ich denke, das liegt vor allem daran, dass Bolten fast kühl, sich als Autor ganz zurücknehmend, über schlimmstes Leid erzählt. Das packt einen wirklich im Herzen.

Lokalkolorit und Ambiente
sind eindringlich geschildert, die Geschichte lief wie ein Film vor meinem inneren Auge ab, obwohl ich noch nie in Berlin war. Bolten sucht nicht nach literarischen Künsteleien, niemals ist der Text manieriert, er erzählt handfest, was Sache ist. Ohne Kitsch oder Sentimentalität, ohne erhobenen moralisierendem Zeigefinger treibt er die Geschichte voran, Kompliment!
Der historische Erzählstrang ist meines Erachtens hervorragend recherchiert, alles wirkt glaubwürdig, authentisch, eindringlich. Die Figuren, selbst die Nebendarsteller, sind niemals flach, sondern mehrdimensional angelegt. Der Stil ist flüssig, locker, man liest keinerlei Anstrengung heraus, perfekt.
Nebenbei, das Buch ist großartig lektoriert, ich musste mich nicht über Fehler ärgern, das Lesen machte Freude.

Ich kann das Buch wärmsten empfehlen.

Elsa Rieger



Der Autor   
Béla Bolten kam 1957 in einer Kleinstadt im Münsterland zur Welt.
Nach dem Studium (Geschichte und Philosophie) arbeitete er zunächst als Historiker und veröffentlichte Artikel und Sachbücher zu verschiedenen Themen der Zeitgeschichte.
Heute lebt und arbeitet Béla Bolten am Bodensee und schreibt als Ghostwriter Biografien und zeithistorische Sachbücher.
Mit »Codewort Rothenburg« publizierte er 2012 seinen ersten zeithistorischen Kriminalroman.

Mehr über den Autor im Internet:
http://belabolten.wordpress.com/


Belá Bolten, Codewort Rothenburg



Kommentare:

Tanja hat gesagt…

Ich lese das Buch grade, und bisher bin ich ganz Ihrer Meinung :-)

schreibtalk hat gesagt…

Vielen Dank, freut mich!

James Henry Burson hat gesagt…

Hab schon einiges über ihn, aber noch nichts von ihm gelesen.
Er taucht hin und wieder in meiner FB-Welt auf.
Das Buch werde ich mir mal zur Brust nehmen.
Danke, Elsa für die Vorstellung.
Ich mag es, wenn jemand ungekünstelt und einfach sagt, was Sache ist.
Merci. ★(•‿•)★

Elsa Rieger hat gesagt…

Kann ich dir wärmstens empfehlen, lieber James!