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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

6. August 2012

Elsa Rieger, LiebesWellen

Pädophilie, ein heikles Thema, welches viel zu wenig Beachtung findet!
Dennis Meyers, ein 24 jähriger Amerikaner, Gitarrelehrer ohne Abschluss, weiss nicht so recht mit seinem Leben etwas anzufangen und wird von seiner Mutter mit einem One-Way-Ticket in die Wüste bzw. nach Triest (Italien) verdonnert, wo er sich klar darüber werden soll, was er nun mit seinem Leben anfangen will.
Wie jedes Mal joggt er zur San Giusto hoch und legt sich hinter der Kirche ins Gras, wo er von einer wunderschönen Frau mit Namen Undine (22 Jahre alt) angesprochen wird.


Böse Träume
Es entwickelt sich nur sehr langsam eine Beziehung zwischen den Beiden, die aber immer wieder auf die Probe gestellt wird, weil Undine ein komisches Verhalten an den Tag legt und häufig in eine andere Welt abtaucht, die für Dennis unverschlossen bleibt! Aus unerklärlichen Gründen fällt Undine immer häufiger in einen Trancezustand, singt hin und wieder eine liebliche, ungewöhnliche Melodie, womit Dennis so gar nichts anzufangen weiss. Ihm wird immer mehr klar, dass Undine ein schreckliches Geheimnis seit ihrer Kindheit mit sich herumschleppt, was nach und nach immer mehr die seelische Oberfläche ankratzt. Dennis hat inzwischen einen Teilzeitjob bei Fredo, einem Buchhändler, angenommen, der ihn immer wieder auffängt, wenn es Streitigkeiten zwischen ihm und Undine gibt. Dann kommt Dennis bester Freund Ahmad für 3 Wochen zu Besuch, den er schon vom Kindergarten her kennt.

Ahmad ist Traumatherapeut
der automatisch mit in den Strudel/Sog reingezogen wird, weil er der Einzige ist, der Undines Geheimnis mit Hilfe seiner Hypnosestunden Stück für Stück lüften kann. Nach und nach kristallisiert sich heraus, dass Undines Vater ein Pädophiler ist und ihre damals beste Freundin Carla und sie über Jahre mißbrauchte. Durch dieses schwere Trauma fügt sich Undine regelmäßig Schnittverletzungen zu, um so den Schmerz besser rauslassen zu können, den sie nie aufgearbeitet hat!
Abgesehen von der Selbstverletzung hat Undine zu Dennis Schrecken ihre Persönlichkeit aufgespaltet, weil sie davon überzeugt ist, eine Nixe zu sein. Als sie Dank Ahmads Hilfe und Dennis' Liebe die Wahrheit entdeckt, reagiert sie. Das Ergebnis dieser Spurensuche verrate ich nicht an dieser Stelle, das müssen die Leser schon selbst entdecken...

Explosiv
Zunächst einmal dachte ich, das Buch sei schnell durchgelesen, was überhaupt nicht der Fall war, Pustekuchen!
Elsa Rieger schlüpft jeweils in die Protagonisten und erzählt in der Ich-Form, sodass ich manchmal Schwierigkeiten hatte, mich in die jeweiligen Personen reinzulesen.
Mir wurde dadurch aber auch wieder bewußt, dass ich nur der Geschichte folgen kann, wenn ich dem Buch LiebesWellen meine volle Aufmerksamkeit schenke, um so der Autorin den Respekt und die Achtung entgegenbringe, die sie verdient hat!
Obwohl sie oft die einzelnen Kapitel nur ganz kurz, knapp, dennoch berührend anreißt, schafft sie es, das heikle Thema Pädophilie mit Nachdruck und ohne Umschweife aufzugreifen, um so die Leser intensiv darauf aufmerksam zu machen!
Die Autorin beschreibt auch wunderbar, dass es wichtig ist, sich seinen Verletzungen, die die Menschen oft ein Leben lang mit sich herumschleppen, zu stellen, weil nur so Heilung im Herzen/Seele stattfinden kann!

Ich finde es großartig, wie Elsa Rieger mit wenigen Worten und knappen Sätzen, das Buch zur Explosion bringen kann, um den Lesern ihr Anliegen näherzubringen!
Hut ab vor dieser Leistung!
Es wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch von Elsa Rieger sein, versprochen!
Vielen Dank an die Autorin, die es versteht, ihre Leser in den Bann zu ziehen...

Ulrike Jansen


Leseprobe:
 
12. Ätschbätsch!


Ohne mich anzusehen, sagt Papa: „Was willst du mit dem?“
An allen Jungen, die ich mitgebracht habe, hatte er etwas auszusetzen. Bei Dennis wollte ich mir das ersparen. Ich bin erwachsen, Papa, schreie ich innerlich. Warum hat Dennis die Begegnung nur erzwungen? Beinahe traf mich der Schlag vorhin.
„Papa, ich liebe ihn.“
Mit einer heftigen Bewegung zerdrückt er die halbgerauchte Zigarre im Aschenbecher, sie zerkrümelt zu einem Häufchen Tabak. Er ist auch wütend.
„So? Lächerlich. Eine Witzfigur, mehr nicht, meine Prinzessin.“ Er blickt mich abwartend an, was soll ich antworten?
„Komm, Kleines“, sagt er.
Das erleichtert mich. Bloß keine Predigt über die Gemeinheit
der Männer jetzt! Wenn er Dennis besser kennen lernt, dann wird bestimmt alles gut.
Er legt den Arm um mich. Mama öffnet die Tür.
„Was?“, sagt Papa.
„Ist unser Gast gegangen?“
„Hast du Teller auf den Augen, Liebes?“
„Papa, bitte!“
„Ich muss mit meiner Tochter etwas besprechen, lass uns allein.“
Mama zuckt die Achseln und verschwindet.
Tochter. Er kann sich nicht eingestehen, dass ich doch nur adoptiert bin, es keine Blutsverwandtschaft zwischen uns gibt. Eifersüchtig wacht er über mich, seit ich denken kann. Mein erster Freund hat mich deswegen allein gelassen. Jetzt muss das ein Ende haben. Ich liebe Dennis.
„Prinzessin, hüte dich vor den Kerlen. Die wollen nur das Eine“, er streichelt meinen Schenkel, „danach werfen sie dich weg.“
Ich kann es nicht mehr hören! „Nicht Dennis.“ Meine Stimme piepst schon wieder.
Papa drückt meinen Kopf an seinen Hals, ich bekomme keine Luft, kann seinen Geruch nicht mehr ertragen.
„Meine Kleine, du bist mein Sonnenschein, mein Augenstern, ich wünschte, du würdest immer bei mir sein.“ Seine Stimme brummt aus dem Brustkorb, ich habe das Gefühl zu ersticken, mir wird übel, in meinem Kopf rauscht es, und wieder einmal verliere ich mich.

Schon kommt der Albtraum und ich sehe zwei kleine Mädchen in der Badewanne, eine blond, die andere brünett ... Plötzlich singt die dunkle, die mich an Carla erinnert: „Dein Papa hat mich viiiel lieber als dich, ätschbätsch, dummes Huhn!“ Dann rennt ein kleines Mädchen durch die Stadt ... es gießt ... sie schüttelt eine Nixe aus Plüsch, drückt sie wieder an ihre Brust und schluchzt: „Rosa, warum bist du so gemein ... jetzt hab ich niemand mehr, der mich lieb hat ...“

„Prinzessin, hörst du mich?“ Es klingt so weit weg, ich bin wie in Watte eingeschlossen. Klatschen auf meinen Wangen, ich sehe das angstverzerrte Gesicht Papas. „Madonna, hast du mich erschreckt“, sagt er.

Mir ist schwindlig, wie immer, wenn diese Bilder in meinem Kopf sind, ich muss mich hinlegen.
„Mara!“, schreit er.
Sie nimmt mich in die Arme, wir gehen in mein Zimmer.
Ich kuschle mich ins Bett. Wenn ich die Bilder endlich einordnen könnte! Kleine Filmausschnitte, die nach Lust und Laune in meinem Kopf abgespielt werden, zusammenhanglos und erschreckend.
Lange sitzt Mama bei mir, streicht mir übers Haar und flüstert: „Schlaf, mein Kind, das ist das Beste.“ Immer und immer wieder sagt sie das; wie ein Kinderlied klingt es, verschwimmt irgendwann. (...)



Die Autorin
Ich arbeite als Atemtrainerin. Warum ich schreibe: Mich fasziniert das Menschsein, Menschbleiben in unserer Welt der Polaritäten. Ist es nur möglich, ein kriegerisches 'Entweder - Oder' ins Leben hinauszubrüllen und darauf zu beharren, Recht zu haben? Oder haben wir die Chance, uns auf ein behutsames 'Sowohl - als auch' einzulassen und in die Welt zu tragen, damit sich die Akzeptanz unter uns ausbreiten kann? Die Akzeptanz, dass schwarz nicht immer einfach schwarz und weiß nicht unbedingt für jeden gleich weiß ist. Sowohl als auch. Das verbinde ich in meinen Texten.



Elsa Rieger, LiebesWellen

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