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25. August 2012

Rosita Hoppe, Das Glück fährt Taxi


Nach ihrer Trennung von Tom steht für Carly Bellmann fest: Sie braucht keinen Mann. Da beschließen Nadine und Jenni, Carlys Freundinnen, ihrem Liebesleben auf die Sprünge zu helfen, doch das Schicksal hat längst in Form von Philipp Reuter zugeschlagen, einem Schriftsteller, der seinen Lebensunterhalt mit Taxifahren verdient. Als es Ärger mit Tom gibt, der Philipp vormacht, Carly sei wieder mit ihm zusammen, fährt Carly genervt nach Italien, um Abstand und Klarheit über ihre Gefühle zu bekommen. Philipp reist ihr nach, kommt jedoch zu spät. Carly ist nach Deutschland zurückgekehrt, weil in ihre Boutique eingebrochen wurde. Verzweifelt versucht sie Philipp zu erreichen...


 

Leseprobe „Das Glück fährt Taxi“


Carly schrak auf, als das Taxi mit einem Ruck hielt. Philipp drehte sich zu ihr um. „Wir sind da.“ Und nach einem kurzen Augenblick des Schweigens fügte er hinzu: „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“ Doch sein Blick erschien Carly alles andere als unschuldig. Carly schluckte und starrte ihn verdutzt an. Zum ersten Mal nahm sie bewusst seine Erscheinung wahr. Am eindrucksvollsten fand sie seine leuchtend blauen Augen, die ihr bis in die Seele zu blicken schienen. Dunkelbraune Haare standen ihm wirr um den Kopf und verliehen ihm ein jungenhaftes Aussehen. Sie widerstand dem plötzlichen Impuls ihm durch die Haare zu fahren, wie sie es früher mit dem kleinen Bruder einer Schulfreundin gemacht hatte. „Wie? Nein...“ Carly beugte sich über ihre Tasche und suchte irritiert nach der Geldbörse. Als sie ihm einen Schein entgegenstreckte, berührten sich ihre Finger für einen Moment. Ihr war, als würde sie ein Stromschlag bekommen, und sie zog ihre Hand schnell zurück. Sie wagte kaum ihn anzusehen. Ob er es auch gespürt hatte? Carly öffnete die Autotür und wollte aussteigen, da fiel ihr etwas ein. „Können Sie für morgen, neun Uhr, einen Wagen zu mir schicken?“ „Wird gemacht, Lady und schönen Abend noch.“ Carly nahm ein tiefes Durchatmen wahr, bevor die Autotür hinter ihr ins Schloss fiel. Am nächsten Morgen kurz vor neun Uhr hörte Carly ein Auto hupen. Sie schaute vom Balkon und erkannte Philipp, der ihr zuwinkte. Schnell nahm sie ihre Handtasche und rannte die Treppe hinunter. „Guten Morgen!“, rief sie fröhlich. „Machen Sie eigentlich nie Feierabend?“ „Wenn schöne Frauen mich rufen, nie!“ Sie sah ihn missbilligend an. Er schien zu kapieren, dass er mit dieser Antwort nicht bei ihr landen konnte. Das konnte sie an seinem Gesichtsausdruck ablesen. „Übrigens, ich gratuliere Ihnen.“ Carly glaubte plötzlich, ihm etwas Nettes sagen zu müssen. „Wozu? Ich habe heute keinen Geburtstag und auch nicht im Lotto gewonnen.“ „Weil Sie dazugelernt haben und heute überpünktlich sind.“ „Bin extra eine Stunde früher aufgestanden.“ Philipp grinste Carly schelmisch an. „Ehrlich? Kaum zu glauben.“ Mit diesen Worten stieg sie in den Wagen. Sie nannte den Namen eines Autohauses. „Dann war wohl nichts mehr zu retten?“ „Nein, leider nicht. Dabei hänge ich so an dem Polo. Er war mein erstes Auto, und ich musste damals lange darauf sparen.“ Carly seufzte. „Ich könnte Ihnen beratend zur Seite stehen, damit Sie nicht übers Ohr gehauen werden.“ „Verstehen Sie was von Autos?“ „Würde ich sonst Taxi fahren? Aber im Ernst, ein wenig Ahnung habe ich schon.“ „Ein wenig? Und das reicht?“ „Ja! Sie werden sehen, ohne meine Hilfe sind Sie verloren.“ Carly war froh zu sitzen. Der intensive Blick dieses Mannes ging ihr durch und durch, und ihre Knie zitterten plötzlich. Schnell riss sie sich von seinem Blick los und fuhr ihn an: „Nun fahren Sie endlich. Wenn Sie überall so viel quatschen, ist es kein Wunder, wenn Sie immer zu spät kommen!“ „Sehr wohl, gnädige Frau.“ Carly schaute angestrengt aus dem Fenster und rang um ihre Fassung. Was war nur mit ihr los? Warum konnte dieser unverschämte Kerl sie so durcheinander bringen? Sie sprachen während der Fahrt nicht miteinander doch immer wieder spürte sie seine Blicke auf sich ruhen. Vor dem Autohaus angekommen, bestand Philipp darauf, ihr beim Autokauf beratend zur Seite zu stehen. „Müssen Sie denn nicht zurück zur Zentrale?“ „Ich nehme mir einfach ein paar Stunden frei.“ „Und das geht so einfach?“ Philipp schenkte ihr wieder einen seiner tiefen Blicke. „Ich bekomme alles was ich will.“ Carly schnappte nach Luft. „Vielen Dank. Ich möchte Ihre wertvolle Zeit nicht länger als nötig in Anspruch nehmen. Ich fahre sowieso mit meinem neuen Auto nach Hause. Schönen Tag noch“, fauchte sie und eilte davon. Nun war es Philipp, der verdutzt guckte. „Der raubt mir noch den letzten Nerv mit seiner penetranten Aufdringlichkeit“, schnaubte Carly. Nur mit äußerster Anstrengung gelang es ihr, sich auf die angebotenen Gebrauchtwagen zu konzentrieren. Wenn ich ein neues Auto habe, sehe ich ihn zum Glück sowieso nicht mehr, überlegte sie weiter. Nach einem intensiven Beratungsgespräch entschied sie sich erneut für ein gebrauchtes Modell. Man schmeißt das Geld nicht zum Fenster hinaus, hatte ihre Tante immer gesagt und Carly versuchte, sich nach Möglichkeit daran zu halten. Es war wieder ein Polo. Irgendwie glaubte Carly, sich dadurch leichter von ihrem alten Auto trennen zu können. Da sich die Zulassungsstelle ganz in der Nähe befand, ging sie zu Fuß dorthin, um ihre neue Errungenschaft anzumelden. Kurze Zeit später lenkte sie ihren neuen Wagen durch den Stadtverkehr. Da kam ihr die Idee, zur Feier des Tages noch einen Cappuccino bei Luigi zu trinken. Dort traf sie auf Nadine. Die Freundin saß vor einem Salatteller, auf den Stühlen rechts und links standen zahlreiche Tüten. „Hey Nadine, was machst du um diese Zeit hier?“ „Kraft tanken. Ich hab eingekauft. Ein paar Babysachen, und einige Zirkuszelte für mich. Ich passe in nichts mehr rein.“ Nadine seufzte. „Ich glaube, ich platze bald.“ „Na, hoffentlich nicht hier“, erwiderte Carly und kicherte, um der Freundin ihren Frust zu nehmen. „Mach du noch Witze darüber!“ Aber dann musste Nadine selbst lachen, und sie widmete sich erneut ihrem Salat. Nach einer Weile schaute sie auf. „Sag mal, bist du uns noch böse?“ „Nein, nicht wirklich. Trotzdem bin ich der Meinung, ihr solltet euch nicht in mein Leben einmischen. Mir geht es gut, so wie es ist. Ich habe keinen Bock auf Beziehungsstress und Enttäuschungen.“ „Willst du dein ganzes Leben ohne dieses wundervolle Gefühl geliebt zu werden, verbringen?“ Nadines Gesicht nahm einen schwärmerischen Ausdruck an, und sie seufzte leise. „Seit ich mit meinem Jan zusammen bin, schwebe ich auf Wolke sieben. Carly, es ist so wunderbar zu lieben und geliebt zu werden. Bist du sicher, darauf verzichten zu wollen?“ Carly zuckte mit den Schultern und sah ihre Freundin kläglich an. „Ich habe Angst vor einer neuen Enttäuschung. Das würde ich nicht verkraften.“ „Ich verstehe dich ja.“ Nadine legte ihre Hand beruhigend auf Carlys verkrampfte Finger. „Aber ich bin fest davon überzeugt, der richtige Mann kommt für dich noch. Nicht jeder ist so ein Fiesling wie Tom.“ „Können wir von etwas anderem reden? Bitte!!“ „Na gut. Erzähl mir, warum du zu dieser Tageszeit hier bist. Hast du dir heute frei genommen?“ Carly erzählte von ihrem Pech mit dem Auto und versprach Nadine, sie mit all ihren Tüten nach Hause zu fahren. Anschließend wollte sie schleunigst in den Laden, Susi würde bestimmt schon warten. Das wiederholte Aufeinandertreffen mit diesem unverschämten Taxifahrer, der ihr immer wieder im Kopf herumspukte, erwähnte sie Nadine gegenüber nicht.



Die Autorin
Bücher begleiten mein Leben von Kindesbeinen an. Obwohl ich oft dachte es müsse toll sein sich Geschichten auszudenken, bin ich lange Zeit nicht auf die Idee gekommen es selbst zu versuchen. Erst im Jahre 2003 begann ich mit dem Schreiben. Es entstanden ziemlich rasch einige Kurzgeschichten und die Rohfassung zu „Nur ein Traum?“.
Doch bis zur ersten Veröffentlichung verging noch einige Zeit und ich absolvierte erst einmal einen Schreibkurs.
Seit Ende 2005 bin ich als freie Mitarbeiterin bei einer Lokalzeitung tätig.
Inzwischen sind meine Romane „Nur ein Traum?“, „Das Glück fährt Taxi“, sowie zahlreiche Shortstories bei verschiedenen Zeitschriftenverlagen, in Anthologien, Literaturkalender und als E-books, auch unter Pseudonym, veröffentlicht.

In meiner Freizeit lese ich gern oder lasse mir beim Inliner fahren den Wind um die Nase wehen.


Rosita Hoppe, Das Glück fährt Taxi



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