Salon

Salon

Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

3. August 2012

Wolfgang Schulze, Kreta - Eine Initiationsreise



Zwei Männer,
Vater und Sohn,
auf einer Wanderung
von der Westspitze Kretas
Richtung Osten

Eine Initiationsreise

Bericht in 75 Strophen
von Wolfgang Schulze


Auftakt
So beginnt das Buch und entführt die Leser in die raue Welt Kretas. Eine harte Wanderung über Wochen, gemeinsam mit seinem Sohn, dokumentiert Wolfgang Schulze in diesem wunderschönen Buch in Poesie und Bildern. Angelehnt an Homers Odyssee, durch die Strophenform, aber ohne leibhaftige Götter.
Helden jedoch kommen vor: Vater und Sohn.  

Die Anteilnahme
wächst, je tiefer man in diese lyrische Reise eintaucht. Eine Landkarte, auf der man die Reise verfolgen kann, ist im Buch, ebenso stimmungsvolle Fotos in schwarz/weiß. Man ist einfach dabei.
Wir werden Zeuge der Anstrengung, der begnadeten und berührten Natur, der Schönheit des Abendhimmel, der Erfrischung des Meeres. Wir schwitzen mit den beiden Wanderern, genießen ihren Feierabend, teilen die Sorgen, keine Unterkunft zu bekommen, lassen uns das wohlverdiente Bier mit ihnen munden.

Berührung
ergreift mich angesichts der Idee und der Durchführung derselben, dass ein Vater und sein erwachsener Sohn einen wochenlangen Fußmarsch unter der brennenden Sonne Kretas durch die Kargheit gewagt haben. Das fordert alles, das bringt neue Nähe, auch überraschende Fremdheit, muss zu meditativem Umgang miteinander führen und letzten Endes zu einem großartigen Band der Liebe. Chapeau für das Projekt und die gelungene poetische Niederschrift.

Elsa Rieger   


Leseprobe:

5
Endlich doch Aufbruch, folgen
Unbändigen, melodischen Rufen
Ungeborener Frucht. Sitzen
Zwischen Rädern, vom Komma
Zum Punkt zu gelangen. Abschließt
Ersten Schritt, Luft macht zweiten.

8
Dornige Ebenen, tiefgründige
Pfade. Von Sandhosen bestaubt,
Über steile Hänge, rutschiges
Geröll zu zeichenlosen Abstiegen.
Blutende Waden, nasse Hemden.
Wasser fließt in trockne Kehlen.
Im Blick solches, dass der Sturm
Hoch aus Wogen wolkend stäubt.

18
Erinnerungsnotiz...
Sturm, der Liegen segeln lässt.
Ächzende Bougenvillen, denen
Ihr Dunkelrot abgerissen.
Keine Änderung in Sicht.
Blasen, die Füße quälen. Arme,
Die die Tagesfreuden foltern.
Ach ja, Frühstück im Bett.

31
Leidenswege. Freudentänze.
Hin in Reiche anderer Welten,
Dem Genuss flachen Atems,
Bis zum Frühstück mit oder
Ohne Speck. - Lächeln. Lachen
Ersetzt große Worte.

44
Erfischendes, schwarze Oliven.
Pikanten Käse, Walnüsse gebadet
In dunkler Schokolade.
Das warme, frische Brot
Direkt dem Steinofen entnommen.
Mehr als eine Lehrstunde
In Paximadi und Gastfreundschaft.
Zuguterletzt Kaffee Eleniko.

55
Zwischen zwei bestrüppten Höhenzügen,
Vorbei an sich wiegenden Olivenhainen,
Mal grünen, meist braunen Hängen.
Zikaden schrillen in Ohren. Meerwärts
Blaublauer Linie entgegen,
Nicht selten im schnelleren Schritt.

66
Und manchmal ist Zeit der Pfad
Auf dem die Schnecke eilt,
Gelegentlich das Wasser,
Sich zu Tode stürzt. Dabei
Läuft der feine Sand stets
Im gleichen Zeitenfluss
Vom oberen Glas hin
Zum erzählenden Bodensatz.

(...)


Der Autor

Wolfgang Schulze, Jahrgang 1955, kam erst im Alter von 50 Jahren zum Schreiben. Davor war er in leitender Funktion in der Personalwirtschaft tätig.
In der Nähe von Hamburg geboren, lebt er heute in der Kleinstadt Eutin.

Die "Seelen-Heimat" des Autors ist allerdings die Insel Kreta, auf der er sich so oft wie möglich aufhält. Weil er dort von seinen Freunden nur "Petros" genannt wird, verwendet er gerne diesen Namen auch als Pseudonym. Wen wundert es da noch, dass Nikos Kazantzakis zu seinen Lieblings-Autoren zählt und sein Hund "Sorbas" heißt.

Wolfgang Schulze schreibt vorwiegend Gedichte und Poesie. Er selbst nennt sein Geverstes und Gestrophtes "Lürick". Ganz besonders haben es ihm Kurzgedichte im Stil japanischer Kurzlyrk angetan. „Meine Arbeitsweise ist der Zufall des Wortes“, sagt der Autor über sein Schreiben.

Darüber hinaus fühlt er sich als Aphoristiker. Einer seiner wohl bekanntesten Aphorismen lautet:

ES GIBT ALLES AUF DER WELT, WAS DU DIR NICHT VORSTELLEN KANNST.

Nach wie vor veröffentlicht der Autor aber die meisten seiner Gedichte, Aphorismen und anderen Texte in einem frei zugänglichen Blog unter http://blogpoesie.de

Seit wenigen Wochen ist Wolfgang Schulze auch unter die Verleger gegangen: Verlag Wortdicht 

Wolfgang Schulze, Kreta - Eine Initiationsreise






Kommentare:

Petros hat gesagt…

Ich danke dir sehr, Elsa!
Es ist toll, wie du mein Werk umrahmst, nachdem du ein- und wieder aufgetaucht bist.

Gruß
Petros

schreibtalk hat gesagt…

Gern geschehen, Petros!
Dein Werk verdient es in jeder Hinsicht!

Liebe Grüße
ELsa