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17. September 2012

Deddine Kuschel-Swyter, Traumpfade enden nicht



Als Katrina nach Australien auswandert, fühlt sie sich voller Kraft und Lebensmut. Das Alte und Vertraute lässt sie unbekümmert zurück. Bewusst nimmt sie ihr Leben in die Hände, fasziniert von der Idee, es selber formen zu können.
Mit Wilma, die sie in Sydney kennenlernt, reist sie kreuz und quer über den Kontinent, immer auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle.
Freundschaften, auch Liebesbeziehungen, können Katrina nicht halten, weder zu Terry, den sie auf der Moonari Station in den Flinders Ranges kennenlernt, noch zu William C., den Besitzer von Three Oaks auf Tasmanien, in den sie sich leidenschaftlich verliebt.
Aber sie kämpft auch mit Schuldgefühlen gegenüber ihrer in Deutschland zurückgelassenen Familie, und der aufkommende Wunsch nach einem Zuhause lässt sie immer öfter an ihrer Entscheidung zweifeln.
Doch dann kommt sie nach Kununurra, im Nordwesten von Australien und lernt Daniel kennen.
Ein Reisebericht, eine Liebesgeschichte, ein Frauenroman.


Leseprobe:


Dann waren sie wieder allein. Katrina hockte auf ihrem Rucksack und malte Figuren in den Sand. Es wurde heiß; und sie warteten.
Ein alter verdreckter Pickup kam, und er hielt. Der Mann am Steuer war das, was Katrina sich unter einem richtigen australischen Original vorstellte: ein Buschmann vom alten Schlag; das Alter undefinierbar zwischen 50 und 70; braune, tiefgefurchte Haut, wobei man nicht genau sagen konnte, was Sonnenbräune und was Schmutz war; wache, bisweilen schelmische, muntere helle Augen. Er war nicht besonders groß, eher hager, aber sehnig und zäh; seine Hände waren grobe Pranken; der alte, verstaubte Hut im Nacken, ein ärmelloses Hemd über einer mit Gummiband zusammengehaltenen Hose; der Wagen voll bepackt mit allem, was er besaß und was er zum Überleben brauchte.
„You break my heart“, sagte er und verstaute sie und ihr Gepäck in dem überladenen Fahrzeug.
Zwei Tage und zwei Nächte verbrachten Katrina und Wilma mit diesem Typen.
„You call me Joe“, hatte er gesagt, und mehr erfuhren sie nicht über ihn, wohl aber über seine Meinung zu allen möglichen Themen. Er redete stundenlang, war überzeugt von sich und seinem Weltbild, wusste auf alles eine Antwort, und was er nicht wusste, interessierte ihn nicht. Der Rest der Welt war ihm so egal wie der Fliegenschiss auf seiner Windschutzscheibe. Das waren seine Worte.
Die Schwarzen verfluchte er mit den unflätigsten Ausdrücken, und von denen kannte er viele.
Nur von einem Mann namens Hitler schien er viel zu halten, und je länger Katrina ihm zuhörte, ihm zuhören musste, desto überzeugter war sie, dass es dazu eine Vergangenheit gab.
Über 1000 Meilen legten sie mit Joe zurück, das meiste davon auf unbefestigten Wegstrecken. Nur zwischen Broome und Fitzroy Crossing gab es noch einmal 250 Meilen geteerte Straße.
Abends schlugen sie ein einfaches Lager am Wegrand auf. Joe hatte gleich für Arbeitsteilung gesorgt. Nachdem Wilma ihm auf seine Frage hin erklärt hatte, dass sie wirklich nicht kochen könne, wurde Katrina mit dieser Arbeit beauftragt. Wilma löste ihn dafür zeitweise am Steuer ab, was ihm Gelegenheit gab, sich noch intensiver seinen eindrucksvollen Vorträgen hinzugeben.
Es wurde heißer. In einem weiten Bogen umfuhren sie die Great Desert, anfangs in nördlicher Richtung, bis Broome, dann ostwärts, durch die Ausläufer der Kimberleys bis Halls Creek. Nur die Nächte blieben angenehm kühl. Längst hatten sie den Regen und die Kälte des Südens vergessen, die nassen Füße, fröstelnd, an windigen Straßenkreuzungen, und das Sehnen nach Sonne und Wärme.
Es ging weiter nach Norden. Wilma saß am Steuer, gelassen eine Selbstgedrehte rauchend, der rechte Arm ruhte im offenen Fenster, ihr suchender Blick bisweilen im Rückspiegel.
Joe redete. Er lehnte im Beifahrersitz, breitbeinig, den Hut im Nacken; und er redete. Er schimpfte und er lachte, er schlug sich auf den Schenkel.
„These bastards!“
Das Land war felsig und struppig, karg und trocken; nur wenn der Abend kam, erglühte es rostig-rot zwischen den langen Schatten in der warmen Abendsonne.
Eine Plage waren die Fliegen. Bei jeder Rast fielen sie in Schwärmen über sie her. Katrina verrichtete alles nur mit einer Hand; die andere wedelte ständig vor ihrem Gesicht. Wilma versuchte es mit Kettenrauchen, was auch nicht viel half. Nur Joe blieb unbeeindruckt. Irritiert beobachtete Katrina, wie die kleinen, schwarzen Biester in seinem Gesicht herumkrabbelten, um seine Augen, in den Mundwinkeln, unbelästigt. Nur von Zeit zu Zeit wischte Joe mit einer Hand lässig darüber, aber im nächsten Moment waren sie wieder da, als gehörten sie zu diesem runzeligen, durchfurchten Gesicht.
An einem Freitagnachmittag erreichten sie Kununurra. Joe setzte sie vor einem großen, modernen Hotelkomplex direkt am Highway ab. Fröhlich grinsend verschwand er.
Sie schulterten ihr Gepäck und betraten die kleine Rezeption. Erst in dem leicht verunsicherten Blick der freundlichen Dame am Tresen nahmen sie ihre eigene äußere Erscheinung war.
Dies war keines der üblichen, hinterwäldlerischen Outback-Hotels. Dies war ein ‚modernes, komfortables Hotel für gehobene Ansprüche’, so lasen sie es später im Hausprospekt.
Katrina und Wilma waren zwei schmuddelige, verstaubte und sicher nicht ganz frisch riechende Gestalten, mit strähnig-struppigen Haar, Arme und Beine zerstochen und zerkratzt, Shorts und T-Shirt überfällig für die Wäsche.
Umständlich kramten sie ihr Geld heraus, 21 Dollar (ohne Frühstück!) und blätterten es auf den Tisch. Die Dame lächelte und reichte ihnen den Schlüssel.
„Unit 17, zweiter Trakt links.“
Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatten, prusteten sie los. In dem weißgekachelten, blitzblanken Badezimmer stellten sie sich vor den großen Spiegel und betrachteten amüsiert ihr landstreicherhaftes Aussehen.
Sie genossen den Luxus. Baden; im tiefen Schaum versinken; frische, duftende, weiße Handtücher, ganz weich; saubere, glatte Bettwäsche; und eine große Kanne Tee in der gekühlten Luft des hellen, freundlichen Zimmers.
Das Telefon klingelte.
„Hallo?“
Es war die Rezeption. Der Chef ließ fragen, ob sie vielleicht Arbeit suchten. Er würde sie morgen in seinem Büro erwarten.
So begann ihre Zeit in Kununurra.







Die Autorin


Deddine Kuschel-Swyter wurde 1949 in Ostfriesland geboren und lebte viele Jahre lang in Australien und Neuseeland, sowie in Lateinamerika.
Sie zog vier Kinder groß und arbeitete als Bildende Künstlerin in der Textilkunst und Malerei (unter dem Künstlernamen Loko Suederdiek), und als Gärtnerin und Buchhändlerin.
Eigene Texte (Lyrik und Prosa) haben sie ihr Leben lang begleitet.
Mit "Traumpfade enden nicht" bringt sie ihren ersten Roman heraus.
Deddine Kuschel-Swyter lebt heute in Deutschland (in der Nähe von Göttingen) und im Süden von Spanien.
Kontakt: https://www.facebook.com/D.KuschelSwyter


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