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8. September 2012

Rosita Hoppe, Zuckersüße Küsse



Niemand kann vorhersagen, wann und wo es geschieht. Ob im Urlaub, beim Job oder einer ganz anderen Begebenheit. Wer weiß das schon genau …

Plötzlich ist sie da, die große Liebe. Und manchmal ist das Gefühl auch nach zwanzig Jahren noch so stark, wie am ersten Tag. 

In sechs Kurzgeschichten erzählt Rosita Hoppe von der Liebe.




Leseprobe aus Heute Nacht - oder nie
Es war einfach nicht zu fassen. Christina nervte wieder einmal! Obwohl wir seit unserer gemeinsamen Tanzstundenzeit beste Freundinnen waren, fand ich sie manchmal etwas anstrengend. Häufig redet sie ohne Punkt und Komma, besonders dann, wenn sie ihren Willen durchsetzen will.
Und genau das war im Moment ihre Absicht. Ich hielt den Telefonhörer ein wenig vom Ohr weg und verdrehte die Augen.
“Nein, ich habe keinen Bock auf so einen Blödsinn”, versuchte ich zum wiederholten Mal, Christina ihre verrückte Idee auszureden.
“Nun sei doch nicht so spießig, es wird bestimmt lustig.”
“Ich habe Nein gesagt!”, rief ich erneut doch meine Freundin hörte einfach nicht zu.
“Bitte.”
“Du nervst!”
“Ist ja gut! Ich hör schon auf.” Sie lachte. “Aber nur, wenn du heute Abend mitkommst.”
Ich seufzte - und gab mich geschlagen. Statt mich auf einer dämlichen Pyjamaparty lächerlich zu machen, hätte ich mich viel lieber mit einem spannenden Buch in meinem Bett verkrochen. Schon seit Langem verspürte ich keine Lust mehr auf Vergnügungen - welcher Art auch immer. Genau genommen, seit Holger mich wegen einer Anderen verlassen hatte. Das war zwar schon vor vier Monaten passiert, aber es tat trotzdem noch weh. Und Bekanntschaften mit männlichen Wesen zu machen, interessierte mich sowieso nicht mehr.
Dennoch versuchte Christina seit Wochen immer wieder, mich zu verkuppeln. Ich vermutete, dass sie für heute Abend wieder irgendetwas arrangiert hatte.

Als wir auf der Party eintrafen, war schon mächtig was los. Neugierig schaute ich mich um und erkannte zu meinem Entsetzen, dass fast alle Gäste verkleidet waren. Von Omas Nachthemd mit Spitzenhäubchen bis zu raffinierten Negligés war alles vertreten. Wir kämpften uns zur Bar durch und bestellten uns etwas zu trinken. Kurze Zeit später tummelte sich Christina auf der Tanzfläche. Währenddessen nippte ich an meinem Drink und wünschte mich weit weg. Das war ja hier kaum auszuhalten und ich schnitt eine Grimasse, während ich die Gestalt neben mir begutachtete. Neben mir stand ein Mann in uraltem Nachtgewand und mit Zipfelmütze auf dem Kopf.
Wie kann man sich nur so zum Affen machen?!  Doch der Typ schien sich recht wohl zu fühlen. Zu allem Überfluss schien er bemerkt zu haben, dass ich ihn anstarrte, denn er drehte sich zu mir um, zog eine Augenbraue in die Höhe und betrachtete mich vom Kopf bis zu den Füßen.
“Haben Sie Ihren Schlafanzug vergessen?” wollte er wissen.
“Ich schlafe immer so!”, gab ich, wie ich glaubte, ziemlich schlagfertig zurück. Da ich nicht die geringste Lust verspürte mich weiter zu rechtfertigen, ließ ich ihn links liegen und widmete mich wieder meinem Drink.
“Ich nicht”, erklärte der Typ ungerührt weiter. Er beugte sich zu mir herüber und fügte etwas leiser hinzu: “Aber ich konnte ja schließlich nicht nackt hierher kommen …


Die Autorin
Bücher begleiten mein Leben von Kindesbeinen an. Obwohl ich oft dachte es müsse toll sein sich Geschichten auszudenken, bin ich lange Zeit nicht auf die Idee gekommen es selbst zu versuchen. Erst im Jahre 2003 begann ich mit dem Schreiben. Es entstanden ziemlich rasch einige Kurzgeschichten und die Rohfassung zu „Nur ein Traum?“.
Doch bis zur ersten Veröffentlichung verging noch einige Zeit und ich absolvierte erst einmal einen Schreibkurs.
Seit Ende 2005 bin ich als freie Mitarbeiterin bei einer Lokalzeitung tätig.
Inzwischen sind meine Romane „Nur ein Traum?“, „Das Glück fährt Taxi“, sowie zahlreiche Shortstories bei verschiedenen Zeitschriftenverlagen, in Anthologien, Literaturkalender und als E-books, auch unter Pseudonym, veröffentlicht.

In meiner Freizeit lese ich gern oder lasse mir beim Inliner fahren den Wind um die Nase wehen.



Rosita Hoppe, Zuckersüße Küsse


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