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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

7. September 2012

Susanna Montua, Tyrannosaurus Ex

Warten Sie, ich helfe Ihnen: Ene, mene Miste - gekauft. Lange habe ich überlegt, wie ich Ihnen dieses Buch schmackhaft machen könnte und kam zu keinem Ergebnis, denn, meinen Run durch die Fettnäpfchen des Älter werdens, lassen sich kaum in kurze Sätze zwängen. Oder können Sie etwas mit spannungsvollem Schwimmunterricht, Tamponbenutzung auf holländisch oder den Tücken der Polizeibegegnungen anfangen? Nein? Konnte ich auch nicht, bis ich damit konfrontiert wurde. Und glauben Sie mir, dass ich heute davon berichten kann, grenzt an ein Wunder! Können Sie sich nicht vorstellen? Na, dann lesen Sie selbst...

 
Leseprobe
Kapitel 9

Allerdings bin ich heute noch felsenfest davon überzeugt, dass diese andauernde Konfrontation mit enorm vielen Männern auf einem Haufen und diesem maskulinen Werkstattgeruch ausschlaggebend dafür war, dass Mutter Natur mich postwendend in die Pubertät schickte.

Die Geschichte der Menstruation ...

... ist in der Tat voller Missverständnisse.
Ich habe ja ein besonderes Händchen für schlechtes Timing.
So leider auch bei meiner ersten Periode.
Ja ihr lieben männlichen Leser, dies ist nun sicherlich kein Abschnitt, der für Euch sonderlich interessant sein dürfte, bleibt tapfer, es lohnt sich!
Meine erste Periode bahnte sich auf der Fahrt in unseren Italienurlaub an. Ich bin nicht einmal mehr sicher, wie alt ich da war, wohl um die dreizehn oder vierzehn. Bereits auf der Fahrt gab mir mein Körper sehr sonderbare Signale. Ich hatte Ausdünstungen an mir, die selbst meinen Bruder dazu brachten, aus dem Fahrzeug springen zu wollen.
Meine Mutter beschuldigte bei jedem Windchen, das mir entwich   meinen Vater, der aber selbst überlegte, ob sich irgendwo im Auto ein toter Fuchs versteckt hatte.
Dies als bildliche Untermalung der körpereigenen Gerüche, die man durchaus in solch einer Zeit entwickelt. Es ist der Frau ja nicht genug, etwa eine Woche lang durch zu bluten und das ohne jegliche Bluttransfusionen zu überstehen. Nein, Mutter Natur hat insoweit ganze Arbeit geleistet, dass dies durch diverse Duftakzente wirklich jeder im Umkreis von mehreren Metern mitbekommen kann.
Zu meinem (Un)Glück begann der Urlaub für mich mit einem Sonnenstich – Schwimmen war somit kein Thema mehr, um das ich mich hätte sorgen müssen.
Im Wasser war ich genau ein einziges Mal. Und dies bei einer Wetter- und Wellenlage dir für Surfer ein Paradies, für einen gesundheitlich angeschlagenen, frisch gewaschenen Teenager der in einen Schwimmring gezwängt wird, eine Katastrophe war!
Ich erinnere nur an meinen „Bettbleibe-Tag“ und meine Erfahrung mit dem Schwimmring am Baggersee …
Beruhend darauf bestand mein Gastspiel am Strand und im Meer von Italiens Küsten nur aus wenigen Minuten, die Gefahr des Kenterns war mir dann doch zu groß. Und die Aussicht auf angelockte Haie war ebenfalls nicht förderlich für meinen Spaß am Schwimmen.

Ein Jahr später, im Ungarnurlaub, stand ich erneut vor dem „Regelproblem“. Wieder einmal sehr gutes Timing! Direkt nach der Ankunft nahm das Schicksal in Form meiner Periode seinen Lauf. Mein berühmter Körpergeruch hatte mich gewarnt, doch ich hoffte, wenn ich ihn ignoriere, bleibt auch meine Regel weg – leider vergeblich.
Meine Schwester Lisbeth kam auf die Idee, ich könne mir ja Tampons holen, damit könnte ich ja wenigstens schwimmen gehen.
Tolle Idee! Also: Losgezogen und Tampons gekauft. Die gibt es, glaube ich, überall auf der Welt.
Was ich sehr praktisch fand, war die beiliegende Bedienungsanleitung. Die Theorie ist ja bekannt, Torpedo aus der Folie holen, Rückholfaden prüfen, zielen und Schuss!
Aber die Praxis spricht leider eine andere Sprache. In meinem Fall die Niederländische!
Also nahm ich mir den „How-to-do-Zettel“ zur Hand und fand zu meiner Überraschung jede Sprache - außer Deutsch.
Meine Rettung war dann die holländische Version von Tampon Benutzung. Holländisch unterscheidet sich nicht sehr von der deutschen Sprache. Es ist eher ein Mix aus Deutsch, Englisch und ein wenig Fantasie.


Da stand:
1.) Was je Handen - dies war einfach, das konnte ich verstehen. Also stiefelte ich ins Bad und schruppte meine Finger und Handflächen ordentlich durch. Anschließend wäre ich bereit gewesen, eine Operation zu leiten.

2.) Pak de bovenkant met één hand vast, verwijder het gekleurde trekbandje en verwijder de wikkel aan de kant van het koordje – Was wollte mir dieser Absatz sagen? Nach Mehrmaligem laut lesen war es klar, ich sollte wohl den Tampon mit der Hand gut festhalten, also tat ich dies. Irgendwas Verwirrtes sollte ich am Band ziehen …, soviel stand fest. Ich kombinierte mir das so zusammen, dass es wohl nun an der Zeit war, das komische blaue Bändchen rings um den Tampon abzuzwirbeln, was ich dann auch erfolgreich tat. Ein Meilenstein!

3.) Maak het koordje aan de onderkant van de tampon los – auch dies war einfach zu verstehen, ich sollte die Kordel, besser bekannt als Rückholbändchen, an der Unterseite losmachen. Zum Glück nahm ich dieses „Losmachen“ nicht gar so genau. Mit einer Schere in Griffnähe hätte ich dieses wohl entfernt.

4.) Trek er even kort en krachtig an - dieser Absatz war schon etwas kniffliger, irgendwas sollte ich krachen lassen, nur was?
Ich zog, während ich darüber nachgrübelte, ein paar Mal kräftig an dem Rückholbändchen, bis ich ein leises Schnalzen des Bändchens vernahm. Gut, dies kam einem „Krachen“ nahe, eventuell war das ja auch damit gemeint?

5.) Duw de top van je wijsvinger tegen de kant waar het koordje uit komt – Ehrlich gesagt habe ich nahezu kein Wort davon verstanden. Irgendeinen Finger sollte ich wohl an irgendeine Kante legen. Da die Sprache von Koordje, also wohl Kordel war, musste es die Unterseite des Tampons sein. Unsicher, wie ich mir war, steckte ich mir den Tampon also auf den Zeigefinger - sah zumindest logisch aus.

6.) Verwijder nu het bovenste deel van de wikkel – Hmm, was wollte mir der niederländische Bedienungsanleitungsschreiber wohl damit zu verstehen geben? Als Laie bedeutete dies, dass ich den Tampon in irgendwas einwickeln sollte … oder doch erst mal auswickeln? Ich nahm also die Schutzkappe vom oberen Teil runter. Es ergab sich immer mehr ein logisches Bild. Ich war dem Ziel nahe!

Die weiteren Details erspare ich ihnen an dieser Stelle lieber, nur so viel, Niederländer haben beim Einführen eines Tampons eine „vrije“ Hand, wo andere eine „freie“ haben und anstelle eines „Beckenboden“ einen „Bekkenbodem“. Man lernt eben nie aus, ganz witzig ist auch, als Neuling auf dem Gebiet der Absatz „[…]heen door je zo goed mogelijk te ontspannen[…]“ wie bitte, soll man bei erstmaliger oder jeder anderen Anwendung eines Torpedos entspannen? Man muss blind zielen, hängt dabei wie ein Halbmond in der Gegend herum, soll das Atmen nicht vergessen und auf irgendeinen Beckenboden achten, wo vorher außer den, aus dem Biologie–Unterricht bekannten Organen, nichts war.
Für Teenager-Nerven ist das die erste Lebenskrise schlechthin. Ganz interessant, wenn man der Sprache nicht mächtig ist, ist der Absatz von wegen „konnt nit findan“ – ja Himmel, was heißt da, wenn ich das Ding nimmer finde, das muss doch an seinem Platz bleiben?
Nach dieser Odyssee bin ich ganz schnell wieder zu Frauen–Windeln, alias Binden, übergegangen. Schwimmen konnte ich eh nicht aus Angst „ik konns net findan“ oder gar noch Haie anzulocken.
Letzteres ist im Süßwasser zwar eher unwahrscheinlich, aber einmal ist bekanntlich immer das erste Mal und das sollte nicht ausgerechnet bei mir sein.


Rezension folgt bald ...



Die Autorin
Geboren im Februar 1982 und wohnhaft in Walldorf/Baden.

Nach ihrer Ausbildung als Groß- und Außenhandelskauffrau widmete sie sich gänzlich ihren Kindern.
Nebst ihrer Familie und ihrer Arbeit kümmert sie sich um ihren Traum: die Schriftstellerei. Bereits mehrere Beiträge, verschiedenster Genres, haben es in Anthologien geschafft und ihr Debüt: Tyrannosaurus-Ex: Das Ungeheuer „Erwachsenwerden“ wurde im Juli 2012 veröffentlicht. Bereits für Frühjahr 2013 steht das erste Urban-Fantasy-Werk zur Veröffentlichung an.
Sie ist immer auf der Suche nach etwas Neuem, etwas Spannendem, dass es zu erzählen lohnt und ist mit Fleiß und Ehrgeiz bei der Sache.

Mehr zu der Autorin auch auf www.SusannaMontua.de


Twitter: @Susanna0282 (Susanna Montua)

eMail: Titelblatt@SusannaMontua.de

Susanna Montua, Tyrannosaurus Ex


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