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18. Oktober 2012

Chris P. Rolls, Pegasuscitar II – Mit gewaltigen Schwingen



Gay Fantasy
Das Netz aus Intrigen und Täuschungen um den Citar Feyk zieht sich unbarmherzig zusammen. Durch Verrat innerhalb der Pegasusfeste fällt er sogar in Bohruns Hände und wird in den Nordwesten verschleppt. Die Erkenntnis, wer in Bohrunsfeste wirklich die Fäden in der Hand hält, birgt für den verzweifelten Feyk eine unangenehme Überraschung. Bohrun rüstet für den Krieg, der unvermeidbar scheint. Vigar und die Custore machen sich unterdessen zu Feyks Befreiung auf, begleitet von Aldjar, der ein weiteres Geheimnis hütet.



Leseprobe:

22 In Bohruns Feste

„Vigar, pass a ...!“
Der Schrei brach gurgelnd ab. Der junge, schwarzhaarige Custor wirbelte herum, das Schwert sirrte durch die Luft, fegte seinen Gegner von den Füßen. Vigar setzte nach, stieß ihm das Schwert tief in den Leib und zog es hastig heraus. Mit zwei großen Schritten war er neben dem anderen Custor.
Zu spät. Aufgerissene, leere Augen starrten ihn an. Ein Pfeil hatte die Kehle durchbohrt, ein weiterer steckte im Herzen. Vigar blieb keine Zeit, zu trauern. Er vernahm das Geräusch eines weiteren Pfeiles und warf sich auf den Boden. Das Geschoss zischte über ihn hinweg, bohrte sich in den leblosen Leib eines Pegasus.
Dicht auf den Boden gepresst, robbte sich Vigar hastig an den Pegasus heran, der ihm spärliche Deckung vor weiteren Pfeilen geben würde. Mit keuchendem Atem sah er sich gehetzt um.
Die meisten Custore waren tot. Zwei kämpften in einiger Entfernung gegen vier von Bohruns Reitern einen verzweifelten Kampf. Migark war ebenfalls verletzt, hielt sich mühsam auf den Beinen, während Groduk seine Waffe unablässig kreisen ließ. Am anderen Ende der Lichtung attackierte der aus dem Buzahvolk stammende Dorj den Bogenschützen Bohruns, zerschlug in eben diesem Moment dessen Bogen und rammte ihm die Faust ins Gesicht.
Fest schloss sich Vigars Hand um den Griff seines Schwertes. Wem sollte er als erstes zur Hilfe eilen? Doch bevor er aufspringen konnte, vernahm er über sich den Flügelschlag von weiteren Pegasus und blickte fluchend hoch. Vor dem Himmel waren drei Silhouetten auszumachen, die zur Landung ansetzten. Zorn wallte in dem jungen Custor hoch, als er die verkrüppelten Flügel sah. Sein eigener Pegasus stand unerreichbar weit entfernt zwischen den Bäumen des Waldes von Noyr. Er war verletzt, humpelte auf drei Beinen. Eine tiefe Wunde zog sich über Kruppe und Bein hinab. Er würde definitiv nicht fliegen können.
Grimmig verzog Vigar das Gesicht. Die Reiter Bohruns hatten sie völlig unvorbereitet in ihrem Lager erwischt und waren in der Überzahl gewesen. Zwei Pegasus waren ihnen zwar entkommen, zwei weitere hatten die Reiter Bohruns jedoch eingefangen.
Die Luft wurde plötzlich kälter und Vigar richtete seine Aufmerksamkeit abrupt auf die neuen Pegasusreiter. Sein Blick fiel augenblicklich auf einen großen, schlanken Mann mit weißblonden, langen Haaren. Ihm stockte der Atem. Das war einer vom Nordvolk, einer der legendären Akylongin.
Er hatte nie zuvor einen gesehen, nur die Geschichten und Legenden von ihnen gehört, aber dies hier musste einer sein. Der Mann hatte sehr helle Haut, ein hartes, scharf geschnittenes Gesicht mit dünnen, festen Lippen. Ungewöhnlich helle Augen sahen sich aufmerksam um und Vigar spürte regelrecht, wie sie sich auf ihn richteten.
Kalte Luft ballte sich auf der Lichtung, ließ den jungen Custor frösteln. Unendlich lange ruhten diese merkwürdigen Augen auf ihm, Augenblicke, in denen er sich nicht rühren, nicht einmal atmen konnte. Vigars Glieder wollten ihm nicht recht gehorchen, als er sich vollständig aus seiner Deckung erhob und sein Schwert mit beiden Händen packte.
Der Nordmann verzog den Mund kaum merklich in der Andeutung eines winzigen Lächelns. Er wandte den Kopf zu den anderen Männern und bedeutete ihnen zurückzutreten.
Vigars Herz klopfte härter in seiner engen Brust. Aus dem Augenwinkel sah er Dorj zu Boden gehen, doch die Augen des Nordmannes bannten seinen Blick. Er wagte es nicht einmal, einen Wimpernschlag lang den Kopf zu wenden, um nach den anderen zu sehen. Schauer tanzten über Vigars Rücken, Gänsehaut überzog seine Arme. Instinktiv wusste er: Dieser Mann war überaus gefährlich, obwohl er keine sichtbare Waffe trug.
Gemessenen Schrittes trat er auf Vigar zu, ließ den jungen Mann nicht aus den Augen. Winzige Eiskristalle schienen seine hochgewachsene Gestalt glitzernd zu umgeben und die Kälte des Nordens mitzubringen.
Vigars Handflächen waren feucht, Schweiß lief ihm über den Rücken. Er blinzelte und befeuchtete sich nervös die Lippen, während er ein wenig seitlich auswich und festen Stand suchte. Die Schwertspitze zitterte kaum merklich.
Der Nordmann blieb außerhalb der Reichweite der Waffe stehen und musterte ihn eindringlich. Noch immer lag ein angedeutetes Lächeln auf seinen ebenmäßigen Zügen. Die Augen waren von einem so hellen Blau, das sie zu leuchten schienen. Vigar starrte ihn ungläubig an, als sich das Licht darin zu intensivieren schien und immer heller wurde.
Verblüfft blinzelte Vigar. Das grelle Licht brannte in seinen Augen.
Ruckartig wandte der Akylongin den Kopf. Gleißend helle Blitze zuckten aus seinen Augen, trafen die beiden anderen Custore und ließen diese in knisterndem Eis erstarren.
Erschrocken sog Vigar zischend den Atem ein. Fassungslos starrte er auf die beiden Männer, deren Körper einfach zerbrachen und in tausend Eissplittern auseinanderfielen.
Panik drohte den jungen Custor zu überwältigen, zerrte an seiner Haut, an den Nerven. In seinem Hals steckte ein fester Kloß, der ihn würgen ließ. Sein Kopf war wie leergefegt. Klamm legte sich die Kälte auf seine Lungen und er bekam kaum noch Atem. Jeder Schrei erstickte in seinem Hals.
Der Nordmann hatte die Custore getötet, unbekannte Magie verwendet, die sie zu Eis hatte werden lassen. Diese Männer hatten neben Vigar gekämpft, waren ihm zum Teil Freunde gewesen. Nun war nur noch er übrig. Und dieser fremdartige Mann, der einem Dämon gleich kam.
Vigar wartete nicht erst, bis sich ihm der Akylongin ganz zugewandt hatte. Mit einem Satz sprang er nach vorne und griff an, stieß sein Schwert nach dem Nordmann. Hell blitzten dessen Augen auf, ein Blitz traf das Schwert. Eisige Kälte raste über das Metall, verbrannte Vigars Finger. Mit einem erschrockenen Laut ließ dieser die Waffe fallen. Klirrend kam das Schwert auf und zerbarst in winzige Splitter.
Bestürzt sah Vigar auf seine taube Hand hinab. Die Finger waren gefühllos, die Haut bläulich verfärbt. Entsetzen erfasste ihn, doch er ließ gar nicht erst zu, dass es ihn überwältigte, ballte die linke Faust und rammte sie dem Nordmann fest in den Unterleib.
Mir einem überraschten Stöhnen krümmte sich dieser zusammen und Vigar setzte eine rasche Folge von Fußtritten und Schlägen nach.
Sein Atem dampfte in der kalten Luft. Flüssiges Eis schien durch seine Kehle in die Lunge zu gelangen und Vigar rang schmerzhaft nach Luft. Eine kalte Faust drückte seinen Körper zusammen, erfasste sein Herz. Dennoch gelang ihm ein weiterer Schlag gegen die Schulter des Akylongins, bevor dessen Hand vorschoss und sein Handgelenk umklammerte.
Keuchend ging Vigar zu Boden. Eisige Kälte zog seinen Arm hinauf, machte diesen gefühllos. Hastig zog er die Beine an und trat nach dem Nordmann. Er traf ihn an der Hüfte und für einen Moment löste sich der harte Griff.
Stöhnend sackte Vigar zu Boden, rollte sich zur Seite und versuchte hastig auf die Beine zu kommen. Jeder Knochen seines Körpers war vor Kälte erstarrt, die sich schleichend ausbreitete und seine Bewegungen verlangsamte. Mit letzter Kraft tastete er nach dem Messer am Gürtel, biss vor Schmerz die Zähne zusammen. Die Waffe drohte ihm zu entgleiten und er zischte auf, als seine Finger bei der Anstrengung glühende Schmerzen durch jeden Nerv entsandten. Seitlich blieb er liegen, atmete flach, versuchte seine Gedanken auf den einen, letzten Stoß zu richten.
Kaum erschien die Gestalt des Nordmanns über ihm, stieß er mit aller Kraft nach oben. Er traf, die Wucht prellte ihm jedoch das Messer aus der Hand. Sein Gegner keuchte auf und im nächsten Moment schoss seine Faust vor, traf Vigars Schläfe und raubte diesem das Bewusstsein.

*****
Kälte umgab ihn, als Vigar die Augen aufschlug. Blinzelnd versuchte er sich zu orientieren. Es war dunkel und sein ganzer Körper schmerzte. Er lag auf feuchtem Stroh und unter seinem Körper konnte er harten Stein spüren. Sein rechter Arm und die Hand prickelten unangenehm und brannten. Es war zu dunkel, um viel zu erkennen.
Erst als sich seine Augen an das dämmerige Licht, welches aus einer winzigen Öffnung hoch über ihm hereindrang, gewöhnt hatten, konnte er immerhin erkennen, dass er in einem kleinen Verlies lag. Der Geruch von moderigem Holz, feuchtem Stroh und Urin lag in der Luft.
In seinem Kopf pochte ein dumpfer Schmerz und er tastete nach der Stelle, an der ihn der Nordmann getroffen hatte. Seine Finger berührten die Beule und er zog sie stöhnend zurück. Langsam setzte er sich auf. Er war alleine, konnte jedoch entfernt Stimmen und Stöhnen hören. Schwankend kam er hoch, stützte sich an der Wand ab und wartete einen Moment, bis der Schwindel nachließ.
Er lebte und die anderen waren tot. Die Erkenntnis traf Vigar hart. Er war schon auf ein paar Einsätzen gewesen und auch in Kämpfe verwickelt worden, bislang hatte es aufseiten der Custore jedoch nur Verletzungen gegeben.
Hatte man ihn in Bohruns Feste gebracht? Der Gedanke ließ ihn schaudern. Er war der einzig Überlebende der Custore. Natürlich würde man ihn befragen, was sie im Wald von Noyr gesucht hatten.
Vigar war sich nur zu bewusst, dass sein Leben nichts mehr wert war. Die Angst vor der Folter trieb schmerzende Stiche durch seinen Leib und verursachte ihm Übelkeit. Hart presste er die Lippen zusammen.
Er hatte seinem Herrscher Aclodh die Treue geschworen, einen Eid als Custor vor diesem abgelegt, ihm bis zum Tode treu zu sein und er würde diesen halten. Kein Wort würde seine Lippen verlassen, egal, was sie ihm antun würden.
Ewigkeiten vergingen, in denen Vigar unruhig die Wände entlang durch die Zelle wanderte. Die Tür war aus massivem Holz und außer dem Haufen losen Strohs enthielt das Verlies rein gar nichts. Als sich die Tür endlich öffnete, zuckte er erschrocken zusammen und wandte sich rasch um. Fackelschein erhellte den Gang und er konnte zwei Gestalten ausmachen. Ein Schwall kalter Luft ließ ihn schaudern und unwillkürlich wich er zurück, als die hochgewachsene Gestalt des Nordmannes die Zelle betrat. Hart schluckte Vigar und spannte sich an, blieb jedoch vor der Wand stehen. Furcht kroch durch jede Ader, reizte jeden Nerv. Nichtsdestotrotz zwang er sich, den anderen Mann direkt anzusehen. Vigar presste die Lippen aufeinander, um sich nichts von seiner Angst anmerken zu lassen.
Der Akylongin blieb vor ihm stehen. Die Tür wurde hinter ihm geschlossen, das warme Licht der Fackeln erlosch und Dunkelheit umgab sie. Es dauerte einen Moment, bis sich Vigars Augen erneut an die Finsternis gewöhnt hatten. Sein Herzschlag erschien ihm viel zu laut, erfüllte seine Ohren und jeden Bereich der Zelle. Der Nordmann strahlte Kälte aus, die in jeden Winkel drang.
Ein Mann, mit dem Gesicht und der Gestalt eines Gottes, schoss es Vigar durch den Kopf. Oder ein Dämon des Eises.
Wortlos musterte ihn der fremde Mann und Vigar nahm seinen eigentümlichen Geruch wahr. Ein Duft, der in der Nase kitzelte, wie Frost an einem Wintertag, frisch und herb, mit einem Geruch von Männlichkeit darunter, der Vigar seltsam faszinierte.
„Aclodhs Custor.“ Die Stimme des Nordmanns klang kühl und dennoch überaus angenehm, hatte einen melodischen Klang, der seltsam vibrierte. „Wie lautet dein Name?“
Sein Herz schlug schwerer und Vigar hob das Kinn an, fixierte die helleren Punkte in der Dunkelheit, die Augen des Akylongins. Sein Mund blieb verschlossen, kein Laut entkam ihm. Er würde schweigen, nichts verraten. Er war ein Custor Aclodhs. Er würde seinen Herrscher nicht enttäuschen. Das dämmerige Licht ließ die Gesichtszüge des Nordmanns nur erahnen, allerdings war sich Vigar sehr sicher, dass sich dessen Mundwinkel zu einem erneuten Lächeln hoben.
„Du willst also nichts verraten“, stellte dieser, nicht sehr überrascht klingend, fest. Die Kälte nahm zu und Vigar spürte sie auf klammen kleinen Füßen über sein Rückgrat kriechen.
„Du weißt, dass Bohrun alle Informationen über euren Einsatz im Norden von dir erfahren möchte“, fuhr der Akylongin fort. „Ihm wird jedes Mittel recht sein, diese zu bekommen. Fürchtest du die Folter nicht?“ Vigar bewegte sich nicht, starrte fest auf das kaum zu erkennende Gesicht, beherrschte seine Züge.
Ein leises Seufzen entkam dem Nordmann.
„Du fürchtest sie und dennoch wirst du schweigen“, stellte er fest. „Dumm und unnötige Verschwendung.“ Er klang wahrhaftig bedauernd. „Du bist noch sehr jung, Custor.“ Beinahe mitleidig war seine Stimme und Vigar runzelte irritiert die Stirn, hatte sich jedoch sofort wieder im Griff.
„Ich werde das nicht zulassen“, murmelte der Nordmann gänzlich unerwartet und offenbar mehr zu sich selbst. „Dein Körper ist viel zu schade, um zerstört, dein Stolz zu schön, um gebrochen zu werden.“ Damit drehte er sich um und verließ die Zelle, ließ einen verblüfften Vigar zurück, der die merkwürdigen Worte nicht verstand.
Was würde der Akylongin nicht zulassen? Dass man ihn folterte? Wie wollte er das verhindern? Und was für ein Interesse hatte der Nordmann an ihm?
Verwirrt sackte er auf das Stroh zurück. Dieser Mann faszinierte ihn auf eigenartige Weise, wenngleich die Furcht vor ihm und seiner gewaltigen Magie überwog. Seufzend schloss er die Augen und lehnte den Kopf an die Wand. Er konnte ohnehin nichts tun, musste abwarten, welches Schicksal ihn erwarten würde.
Die Zeit verging, nur unterbrochen von einem Wächter, der ihm einen Krug Wasser hinstellte. Das Wasser schmeckte schal, enthielt einen unbekannt auf der Zunge prickelnden Nachgeschmack, aber Vigar war zu durstig und trank den Krug in einem Zug leer.
Das Wasser rann ihm kühl durch die Kehle, blieb jedoch kalt und schwer in seinem Magen liegen. Eine Spur von Übelkeit erfasste ihn und er setzte sich erneut mit dem Rücken zur Wand. Seine Beine fühlten sich wackelig an und eine eigenartig brennende Wärme durchströmte seinen Körper.
War er so erschöpft? Waren dies die Nachwirkung des Kampfes? Er fühlte sich leicht und schwer, schien zu schweben und im nächsten Moment aus großer Höhe zu fallen. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Ihm war kalt und gleich darauf heiß. Schweißtropfen perlten klebrig auf seiner Stirn und seine Haut fühlte sich rau und rissig an. Irritiert rieb er sich über die Arme. Was war mit ihm los? So hatte er sich noch nie gefühlt.
Ein Geräusch an der Tür ließ ihn hochschrecken und er sprang hastig hoch, kämpfte mit einem plötzlichen Schwindel. Der Nordmann betrat die Zelle, eine Fackel in der Hand, die er in eine Halterung an der Wand steckte. Das Licht blendete Vigar, brannte in seinen Augen und er blinzelte, hob schützend seine Hand. Das leise Knistern des brennenden Pechs erschien ihm ungewöhnlich laut. Verwirrt schüttelte er den Kopf und versuchte, den Nordmann anzusehen. Das hellhäutige Gesicht schwankte, wie der ganze Raum. Irritiert blinzelte Vigar, versuchte sich auf den anderen Mann zu konzentrieren, die plötzliche Schwäche zu vertreiben.
„Kämpfe nicht dagegen an“, erklärte der Nordmann nachsichtig und lächelte offen. „Die erste Phase ist verwirrend für menschliche Sinne.“
„Phase?“ Vigars eigene Stimme schien ihm merkwürdig rau, klang krächzend, schabte unangenehm über sein Trommelfell. „Was …?“ Schwindel erfasste ihn und sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Er taumelte. Sein Körper wurde urplötzlich von Hitze erfasst, die seine Haut glühen ließ.
„Das Wasser“, stöhnte er entsetzt. „Du hast mich vergiftet.“ Stolpernd wich er zurück. Der Akylongin kam näher, sein Lächeln blieb unverändert.
„Eine Droge“, erklärte er mit seltsam beruhigender Stimme. „Sie stammt aus den Steinbergen. Man nennt sie Aklain. Ihre Wirkung setzt sehr schnell ein.“
Götter, eine Droge? Vigar stieß hart mit dem Rücken an die Wand. Die Gestalt des Nordmannes schien zu wachsen und zu schrumpfen, das Gesicht mit den hellen Augen kam ihm gefährlich nahe und er schlug halbherzig danach. Kühle Finger legten sich täuschend leicht und dennoch hart um seine Handgelenke. Schwach kämpfte er dagegen an, versuchte sich zu entziehen, trat nach dem Akylongin. Der Tritt ging ins Leere, viel zu langsam waren seine Bewegungen. Kälte und Hitze jagten im Abstand von Wimpernschlägen über seine Haut.
„Wehre dich nicht dagegen“, murmelte der Nordmann. „Es ist sinnlos. Je eher du die Bindung akzeptierst, desto leichter wird es.“
„Was … geschieht mit mir?“, flüsterte Vigar, jedes Wort hinterließ ein brennendes, prickelndes Gefühl auf seinen Lippen.
„Aklain nimmt dir den Willen“, erklärte die weit entfernte Stimme des Akylongin, hallte im nächsten Moment jedoch so laut in Vigars Ohren, dass dieser aufstöhnte. Kühle Finger strichen über seinen Hals, berührten sein Kinn. „Es macht dich willenlos, junger Custor, entlockt dir jedes Wort, welches ich hören will. Es macht dich zu meinem Eigentum.“
Panik erfasste Vigar und er warf sich zurück, prallte schmerzhaft gegen die Wand, kämpfte wie von Sinnen gegen den Zugriff des anderen Mannes. Sein Kopf war erfüllt von wispernden Stimmen, jeder Nerv angespannt, jeder Sinneseindruck verschärft. Er würgte, als der Geruch des schimmeligen Strohs seine Nase flutete, er keuchte, rang nach Atem. Das Fackellicht brannte Löcher in seine Augen, das Schaben seiner Hände und Füße riss ihm die Trommelfelle entzwei und seine Haut fühlte sich offen und blutig an, dort wo seine Kleidung sie berührte. Voller Angst zerrte er daran, versuchte sich zu befreien. Stoff riss mit einem scharfen Geräusch, welches seinen Körper ebenso zu zerreißen drohte. Unglaublich schmerzhaft und hart schlossen sich Fäuste um seine Schultern, brachten ihn in eine aufrechte Position, fixierten seinen zitternden Körper.
„Wie lautet dein Name?“ Die Worte trafen ihn wie feste Schläge, verloren umgehend ihre Bedeutung, schwangen wie Fragmente einer vergessenen Erinnerung in seinem Kopf herum. Einem Dolch gleich bohrte sich die Stimme in seinen Kopf: „Dein Name?“
Vigar stöhnte auf. Sein Schädel barst, wurde von Hammerschlägen zerstört. Zitternd kämpfte er darum, nicht zu stürzen.
Streichelnde Berührungen, kühl, angenehm, tröstend fuhren über sein Gesicht, umfassten sein Kinn. „Sag mir deinen Namen.“ Die Stimme rann wie Balsam über seine Nerven, lockte, versprach, täuschte.
Dieser Mann war ein Feind. Vigar biss sich die Lippen blutig, erstickte beinahe an dem Wort, welches mit der drückenden Gewalt eines Wasserfalls seine Kehle verlassen wollte. Heftig warf er sich hin und her, stöhnte vor Schmerz. Jemand hielt ihn fest, unentrinnbar und gleichzeitig beruhigend.
„Nenn mir deinen Namen.“ Vigar würgte, keuchte und presste die Zähne so hart aufeinander, dass er glaubte, sie würden zerbrechen. Seine Zunge formte, versuchte gegen seinen Willen dieses Wort zu entlassen.
„Du kannst dich nicht gegen mich wehren.“ Die Stimme so leise, tröstend, streichelte seine gereizten Nerven, wurde zum ruhigen Zentrum inmitten des Sturms aus Schmerzen und überreizten Sinnen.
„Vigar“, flüsterte dieser, jeder Buchstabe quälte sich schmerzvoll über seine brennenden Lippen, entkam mühsam seinem Willen. Kühle Finger streiften seine Wange, die Stirn, berührten seine Brust. Der viel zu harte, raue Stoff seines Hemdes war endlich fort. Stattdessen tanzten die Finger des Nordmannes weich, federleicht darüber. Zärtlich erkundeten sie jedes Stückchen der glühenden Haut.
Vigar zitterte, fror und schwitzte zugleich. Sein Widerstand zerbrach, wurde hinweggefegt von den behutsamen Berührungen, der Sanftheit der raunenden Stimme, den betörenden Worten, die er nicht verstand. Sein Körper bog sich diesen entgegen, schmolz hinein, wollte sich ganz ergeben.
„Vigar also“, hauchte kühler Wind wohltuend über dessen wunde Haut. „Mein Name ist Thyon und du gehörst nun mir.“
Das gelborangefarbene Licht der prasselnden Flammen erlosch, verschwand unter einem grellen, weißblauen Blitz, der Vigar aufschreien ließ, seinen Körper zerfetzte, seine Seele offen und ungeschützt preisgab. Er verlor sich in dem grellen weißen Licht, welches ihn umhüllte, gleich einem Eiskokon gnadenlos um ihn schloss und ihm die Sinne raubte.


23 Aklain

Als Vigar die Augen aufschlug, war es hell. Das Licht war nicht so grell wie vorher, tat ihm dennoch in den Augen weh. Tränen brannten in seinen Augenwinkeln, ließen ihn blinzeln. Sein Kopf war unglaublich schwer und sein Körper schien zu schweben. Etwas Kühles lag auf seiner Stirn.
„Ruhig“, murmelte eine vertraute Stimme neben ihm. „Bewege dich nicht zu hastig.“ Vigar schloss die Augen, wollte sich einen Moment wirklich fallen lassen, sich ganz der angenehmen Kühle dieser Finger auf seiner Stirn überlassen und riss im nächsten Augenblick die Lider weit auf. Das war die Stimme des Nordmanns gewesen. Viel zu schnell versuchte er hochzukommen. Scharfer Schmerz zerfetzte ihm die Eingeweide und Vigar krümmte sich stöhnend zusammen.
„Nicht so schnell“, ermahnte ihn Thyons Stimme dicht an seinem Ohr. „Es wird dauern, bis die erste Phase abklingt. Lass dir Zeit, Vigar.“ Sein Name klang wunderbar weich, vertraut aus diesem Mund, eine zärtliche Liebkosung, die Vigar verwirrte und dennoch seltsam gut tat.
Heftig nach Luft ringend setzte sich der junge Custor auf, wandte sich dem anderen Mann zu und sah sich um. Er lag auf einem großen Bett. Es war ein Zimmer mit hellen Steinwänden und durch einen Vorhang drang gedämpftes Licht herein. Helle Möbel, ein Schrank, ein Tisch und Stühle standen darin.
„Vigar.“ Kühle, schlanke Finger legten sich weich auf seine Schultern, drückten ihn sanft, jedoch bestimmt zurück. „Leg dich wieder hin.“ Vigar gehorchte sofort, sein Körper führte aus, was Thyon verlangte, auch wenn er instinktiv versuchte, sitzen zu bleiben. Bestürzt starrte Vigar hoch zu dem anderen Mann, der sich über ihn beugte.
Was war hier los? Hatte der Nordmann Kontrolle über seinen Körper erlangt? Was geschah mit ihm? Thyons Hände strichen über Vigars Brust, gleichmäßige, beruhigende Gesten auf der blanken Haut. Seine kühlen Finger taten unendlich gut, beruhigten die brennende Hitze, nahmen den Schmerz. Vigar wollte mehr, wollte diese Hände überall auf sich fühlen, sich ihm hingeben, mehr Zärtlichkeiten empfangen.
Überdeutlich nahm Vigar den Geruch des fremden Mannes wahr. Ein Duft, der ihn anlockte, erregte, seinen Unterleib reagieren ließ. Kaum weniger, als die sanften Berührungen der Finger, die nun über seine Brustwarzen und durch die Haare auf seiner Brust strichen.
Vigar kannte solche Berührungen durchaus. Er hatte schon einige Male mit Frauen und auch anderen Männern das Lager geteilt, doch nie war es so gewesen. Die Lust schien tief in ihm zu sitzen, ohne seine Kontrolle heiß zu glühen, sich zu verselbstständigen. Sein Körper verlangte nach einem intensiveren Kontakt, wollte sich an Thyon reiben, ihn vollständig fühlen. Sein Verstand schrie, protestierte, entsetzte sich. Dieser Mann war sein Feind. Es war völlig abwegig, sich zu ihm hingezogen zu fühlen, auch wenn sein Gesicht und seine Gestalt durchaus attraktiv waren und unter anderen Umständen sehr wohl Vigars Interesse geweckt hätten.
Thyon lächelte, ließ seine Hände über Vigars Hals wandern. Bestürzt starrte dieser den Akylongin an. Es erschien ihm mehr als merkwürdig, wie dieser ihn, einen Gefangenen, berührte. Er hatte mit Folter gerechnet, mit Verletzungen und Schmerzen, die man ihm körperlich zufügte, nicht mit diesem Wechselbad von verwirrten Sinneseindrücken und Schmerzen, die seltsam irreal waren und unter der zärtlichen Berührung des Nordmanns verschwanden.
Halbherzig versuchte Vigar, Thyon von sich zu schieben, erntete jedoch nur ein nachsichtiges Lächeln und Kopfschütteln. Der Nordmann legte eine Hand auf Vigars Oberschenkel. Der Stoff schien sich aufzulösen und Vigar spürte die Finger auf seiner Haut, viel zu nahe an seinem Schritt.
„Was …?“, brachte Vigar verwirrt hervor, erschrocken vor seiner eigenen Stimme, die krächzend klang und unangenehm über seine Haut schabte. Sein ganzer Körper schien zu summen, unter einer inneren Anspannung zu vibrieren. Einzig dort, wo ihn der Nordmann berührte, kam das Summen zur Ruhe. Unwillkürlich drückte er sich dessen Berührung entgegen und schreckte im nächsten Moment davor zurück. Misstrauen ließ ihn fragen: „Was hast du vor?“
Angst mischte sich mit Verblüffung und einer zunehmenden Erregung, die sich Vigar einfach nicht erklären konnte. Immerhin war dieser Mann einer von Bohruns Männern, er hatte die anderen Custore getötet, Vigar gefangen genommen. Das letzte, was er bei dessen Berührung empfinden sollte, war Lust. Unbestreitbar war dieses Gefühl jedoch da.
Vigar schlug Thyons Hand an seinem Oberschenkel weg, nicht ohne ein Bedauern zu empfinden. Was geschah mit ihm? Was war mit seinem Körper, warum fühlte er sich so seltsam?
Thyon lachte leise, ein Laut, der Vigar die Hitze durch den Körper trieb. Mühsam unterdrückte dieser ein Stöhnen, als Thyons Finger von Vigars Kehle aus die Mittellinie seines Körpers entlangfuhr.
„Du bist jung, aber dies ist offenbar nicht neu für dich“, bemerkte Thyon. Vigar krümmte sich der Berührung entgegen und ihm entkam ein weiteres Stöhnen, als der Finger über seinen Bauchnabel strich. Hastig verschloss er den Mund.
Götter wie verhielt er sich? Das war nicht er, nicht sein Körper. In Vigars Magen ballten sich Eisklumpen, zerplatzten mit einem hellen Zischen, welches zitternd durch jeden Nerv raste. Das Zimmer schwankte, das Licht wurde hell und dunkel. Seine Sinne spielten verrückt, er konnte ihnen nicht mehr trauen. Das einzig Reale schien Thyon und dessen Berührungen zu sein.
„Du weißt, wie es sich anfühlt, wenn Männer sich nahe kommen“, vermutete dieser. Seine hellblauen Augen näherten sich Vigar, füllten mit einem Mal dessen gesamtes Gesichtsfeld aus. Kühle Seen, verlockende Erfrischung. Köstliche Lippen, die er nur zu berühren brauchte, um den Schmerz zu bannen.
Vigar nickte ungewollt abgehackt. Jede Bewegung ließ die Welt schwanken. Thyon beugte sich über ihn, näherte seine Lippen Vigars. Dessen Kopf bewegte sich ohne sein Zutun dem Nordmann entgegen, bereit, den Kuss zu empfangen. Entsetzen erfasste Vigar und er ballte die Faust. Unkoordiniert kam diese hoch und schlug nach Thyons Gesicht.
Greller Schmerz durchfuhr Vigars Hand, jeder Finger schien zu zersplittern, glühende Geschosse durch seinen Arm zu entsenden und Vigar schrie gequält auf. Thyon gab ein überraschtes, grunzendes Geräusch von sich und sein Gesicht verschwand. Vigar ignorierte den reißenden Schmerz in seinem Körper und wälzte sich zur Seite. Er fiel tief in einen unendlichen Abgrund und keuchte erschrocken auf. Mit einem lauten, donnernden Geräusch schlug er hart auf und rollte sich stöhnend herum. Blitze zuckten vor seinen Augen, nahmen ihm die Sicht.
Eine Hand griff nach ihm, presste ihm die Schulter zusammen. Blind schlug er um sich, traf und kam frei. Glühende Messer durchbohrten seine Glieder, zerrten an jedem Gelenk. Dennoch versuchte er, auf die Knie zu kommen. Er konnte nichts sehen. Der Duft von Holz, Asche, Schnee, feuchter Erde und tausend anderer Gerüche gleichzeitig benebelte seine Sinne.
Etwas umklammerte ihn, drückte ihn zu Boden, nahm ihm die Luft zum Atmen. Wie von Sinnen schlug der junge Custor um sich, vernahm ein weiteres Keuchen, doch der Felsen, der ihn in den Boden drückte, ließ sich nicht abschütteln, drohte ihn zu zerquetschen.
„Du kannst dich nicht dagegen wehren, Vigar.“ Die Worte erklangen direkt in dessen Kopf, direkt hinter seiner Stirn. Er wurde hochgezerrt und verlor jedes Orientierungsgefühl. Im nächsten Moment versank er in weichen Stoffen. Blinzelnd versuchte er, etwas zu erkennen.
Erneut erschienen Thyons hellblaue Augen vor ihm, lähmten ihn, nahmen ihm allerdings auch das Gefühl zu versinken.
„Das Aklain entfaltet nun seine volle Wirkung“, flüsterte Thyon. „Deine menschlichen Sinne sind damit überfordert. Ich werde noch warten, bis die erste Wirkung abklingt. Ich bleibe bei dir, Vigar. Dir wird kein Leid geschehen.“
Ein Teil von Vigar erfasste die Bedeutung der Worte, seine Gefühle versanken allerdings bereits in einem grellen Ball von Sinneseindrücken, die ihn schreien ließen bis seine Kehle platzte.
Als er eine Ewigkeit später die Augen aufschlug, lag er abermals auf dem Bett. Thyon saß noch immer neben ihm. Die Schmerzen waren weniger, dennoch fühlte sich Vigar eigenartig entrückt und war kaum in der Lage, sich zu bewegen. Seine Arme und Beine schienen Tonnen zu wiegen. Das Licht einer Öllampe gab Helligkeit, die dennoch zu grell war und Vigar schloss blinzelnd die Augen.
Das Geräusch von rauschendem Wasser erfüllte seine Ohren. Eine Hand schob sich unter seinen Kopf, hob diesen an und kühles Nass benetzte unsagbar wohltuend seine spröden Lippen.
„Trink, es wird dir gut tun“, meinte Thyon. Vigar gehorchte. Das Wasser rann angenehm durch seine wunde Kehle, die Hand im Nacken war kühl. Vorsichtig öffnete er die Augen.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du derart viel Kraft hast, dich dagegen zu wehren.“ Thyon lächelte anerkennend und rieb sich das Kinn. „Du hast einen harten Schlag.“ Vigar antwortete nicht, musterte den anderen Mann abwartend. Erfolglos versuchte er, sich zu bewegen. Seine Arme gehorchten ihm nicht, er war völlig hilflos.
„Gib mir ein Schwert und ich zeige dir, was ein harter Schlag ist“, zischte er zornig. Thyon lachte und nickte. „Davon bin ich überzeugt. Vielleicht werde ich es tun, wenn Bohrun von dir die Antworten bekommen hat, die er haben will.“
„Ich werde nichts verraten“, erklärte Vigar entschlossen.
Thyons Lächeln blieb unverändert und er beugte sich dichter heran. Sein Daumen strich über Vigars Lippen. „Du wirst alles tun, was ich verlange und jedes Geheimnis erzählen. Ich habe verhindert, dass sie dich foltern, aber Bohrun erwartet Informationen, die du ihm dank des Aklains geben wirst.“
„Diese Schmerzen kann ich aushalten. Ich werde nicht reden“, gab Vigar mutig zurück, versuchte den Kopf abzuwenden, doch Thyon ergriff plötzlich sein Kinn fester und drehte ihn zu sich herum. Seine hellen Augen bohrten sich in Vigars.
„Du verrätst mir doch bereits, was ich wissen möchte“, erklärte er und fügte hinzu: „Stammst du aus den Steinbergen oder dem Gelsikgebirge?“
„Gelsikgebirge“, entkam es Vigars Lippen und er presste sie erschrocken aufeinander. Der Nordmann nickte.
„Dies ist nicht das erste Mal, dass dich ein Mann berührt“, vermutete Thyon weiter. „Wie hieß der Erste, mit dem du intim geworden bist?“
„Adred“, flüsterte Vigar gepresst, schämte sich entsetzlich, konnte dem Zwang in der melodischen Stimme jedoch nicht entkommen. Er erinnerte sich sehr genau an seinen trunkenen Zustand, die Unsicherheit des anderen Reiters, die Sensation der warmen Enge, der Nähe. Gerüche und flackernde Bilder tobten durch seinen Geist.
Thyons Schmunzeln wurde breiter und er murmelte: „So war das also.“ Plötzlicher Hass tobte durch Vigar, starke Gefühle, denen er hilflos ausgesetzt war. Der Nordmann hatte Macht über ihn, viel mehr, als jemals ein Mensch über ihn haben sollte.
„Also das war dein erstes Mal mit Adred.“ Sein Name klang aus Thyons Mund beschmutzt. Vigar funkelte den anderen Mann zornig an und setzte zu einer wütenden Entgegnung an. Thyon verschloss jedoch seine Lippen mit einem Kuss.
„Nun wirst du das Gleiche fühlen, wie er, junger Custor. Ich werde dir die Schmerzen nehmen und dir eine Lust schenken, von der du bisher noch nicht die geringste Ahnung hast.“ Seine Finger glitten zu der langen Narbe an Vigars linkem Arm.
„Es gibt nicht viele Menschen, die lebend einem Avolanteangriff entkommen sind“, meinte er nachdenklich. „Du bist etwas besonderes, Vigar, ich wusste es, als ich dich das erste Mal gesehen habe. Stolz, voller Kraft und schön. Ein ungebrochener Kämpfer. Ich werde der Einzige sein, der je deinen Willen bricht, dem du vollständig gehören wirst. Ich mache dir ein Geschenk, welches ich keinem anderen Mann je gegeben habe.“
Thyon richtete sich auf und zog sein Hemd aus. Vigars Atem ging keuchend, war bei jedem Satz, jedem Wort hektischer geworden. Sein Herz pochte laut, der Puls war in seinem ganzen Körper überdeutlich zu spüren. Hitze raste durch jede Ader und jeden Nerv, sammelte sich in seinen Lenden. Er ahnte, was Thyon vorhatte. Abscheu und blankes Entsetzen umklammerte ihn. Zugleich sehnte er sich danach, wollte diesen Körper mit der hellen Haut ganz dicht an seinem fühlen.
„Nein“, flüsterte er, versuchte erneut sich zu bewegen. Unsichtbare Fesseln hielten ihn. Noch immer waren seine Sinne geschärft, vernahm er jeden Geruch, jedes Geräusch überdeutlich. Der Nordmann entledigte sich seiner Kleidung und Vigar konnte nichts anders tun, als ihm atemlos, mit wachsendem Begehren und steigender Erregung zuzusehen.
Thyon war wunderschön, der Bauch flach, Muskeln, die unter der weißen Haut spielten. Die Haut leuchtete wie Schnee, die langen, silberblonden Haare fielen ihm geschmeidig über die sehnigen Schultern bis zu den Ellenbogen. Sein Penis hatte sich erhoben, stand aufrecht in einem Nest aus weißblonden Haaren.
Vigar schluckte hart. Der Anblick sandte wilde Lust durch seine Lenden, ließ ihn vor Begierde beben. Seine Finger prickelten, wollten die straffe Haut des Glieds ertasten, die klebrige Feuchtigkeit unter den Fingerkuppen spüren. Er wollte den besonderen Duft einatmen, den salzigbitteren Geschmack auf der Zunge schmecken, die wohligen Laute hören, die der andere Mann ausstoßen würde.
Nur mühsam erinnerte Vigar sich, wo er war, wer Thyon war, was er ihm antun wollte. Sein Herz raste, als Thyon näher trat und sich über ihn kniete. Die langen Haare fielen auf Vigars Brust, als er sich vorbeugte und den jungen Custor anlächelte. Dessen überempfindliche Sinne spürten jede Berührung und Vigar stöhnte verhalten auf. Verzweifelt versuchte er, seine Hände und Arme zu bewegen. Vergebens.
Hitze erfasste seinen Unterleib, explodierte geradezu, als Thyon sich vorwärts schob und sein Geschlecht sich gegen Vigars drückte. Küsse fingen seine Lippen ein, benetzten das Kinn, wanderten über Vigars Hals hinab. Er schloss stöhnend die Augen, riss sie sofort keuchend auf, als Thyons Zunge seine Brustwarzen umspielte.
„Hör auf“, schnaufte Vigar. Es gelang ihm, seine linke Hand ein wenig anzuheben, die Finger zu bewegen. Mehr jedoch nicht. Kraftlos sank sie zurück auf das Bett. Thyon widmete sich bereits der anderen Brustwarze. Blitze aus feuriger Glut jagten durch Vigars Körper, ließen ihn zusammenzucken.
„Nicht“, stöhnte er, rieb seine Hüfte stärker gegen Thyon. Er wollte dies nicht und sehnte es sich dennoch herbei. Vigar konnte sich selbst nicht länger trauen, seinem Körper, seinen Gefühlen. Hass und wilde Begierde wechselten sich fortlaufend ab. Er wollte Thyon anschreien, ihn schlagen, ihn küssen, ihn berühren, sich nehmen, seine Hände über diesen wundervollen Körper gleiten lassen.
Mit einem leisen Aufschrei stieß er in Thyons Mund, der seine Lippen über Vigars Erektion gestülpt hatte und dessen Zungenspiel den jungen Custor in den Wahnsinn trieb. Die lange Zunge schien sich vollständig um die pralle Haut zu winden, liebkoste ihn von allen Seiten gleichzeitig. Ruckartig riss Vigar seine Hände hoch und krallte sie in Thyons lange Haare. Er zerrte wie von Sinnen daran, presste dessen Kopf tiefer hinab, zog ihn ruckartig zurück.
Der Nordmann keuchte auf, würgte und entließ Vigars Erektion. Hart umschlossen seine Hände dessen Oberarme und er versuchte, ihn zurückzudrücken. Die hellblauen Augen waren voll Verlangen, wirkten dunkler, wilder und gefährlicher als zuvor. Einige Augenblicke rangen sie miteinander, bis es Thyon gelang, Vigar zurückzustoßen. Rasch packte er ihn an der Hüfte und warf ihn herum.
Vigar versuchte unter ihm hervorzukommen. Eine starke Hand drückte ihn im Nacken nach unten. Thyon schob sich über ihn und legte sich vollständig auf Vigar. Seine kühle Haut berührte diesen überall und wild stöhnend hob der Custor seine Hüfte, suchte den Kontakt zu der harten Erektion des Nordmanns.
Götter, der Akylongin würde ihn tatsächlich nehmen, in ihn eindringen, sich mit ihm vereinen. Scham und Verlangen wechselten schneller als das flackernde Licht des Feuers im Kamin. Vigar spürte Finger in seiner Spalte, ein forderndes Tasten und schob sich heftig keuchend dagegen. Er wollte es fühlen, er wollte erfahren, wie es war, wenn Thyon sich in ihn schob. Schmerz schoss durch seinen Körper, süß und quälend, feurig und heiß, fachte die Lust seines Körpers nur noch stärker an.
„Vigar.“ Thyons Stimme ein Raunen, summte durch dessen Körper, sprach jeden Trieb an und raubte ihm den letzten Widerstand. Mit großer Anstrengung kam Vigar auf die Knie, öffnete die Beine und fühlte Thyons Erektion augenblicklich dazwischengleiten. Die Finger wurden durch dessen Glied ersetzt, welches sich mit ziehendem Schmerz in Vigar schob. Unaufhaltsam, tiefer und tiefer, über jeden Widerstand hinweg.
Der Nordmann keuchte bei jedem Zusammenziehen von Vigars Muskeln, jedem Zittern in dessen Körper. Sein Oberkörper lag auf dem des jungen Custors, presste sich so fest auf ihn, dass größtmöglicher Hautkontakt entstand. Erneut entkam ihm Vigars Name, lauter, lustvoller, begehrlicher. Er stieß ihn noch einmal aus, als er völlig in diesem vergraben war, ihn gänzlich ausfüllte.
Schweiß bedeckte Vigars Körper, bildete einen feuchten Film zwischen ihm und Thyon. Er bewegte sich vor und zurück und der Schmerz nahm zu, wurde reißend, nur um im nächsten Moment in einer herrlichen Qual zu explodieren, die Vigar beinahe die Sinne raubte. Noch einmal stieß er sich zurück, trieb Thyon tiefer in sich und langsam nahm der Nordmann den Takt auf.
Ihr lautes Keuchen und Stöhnen füllte Vigars Ohren, seine gesamte Welt aus. Er roch, fühlte, schmeckte, sah und hörte Thyon, nahm ihn mit jedem Sinn überdeutlich war. Jede Zelle seines Körpers wurde zu Eis, schmolz und verflüssigte sich, ging auf in der Gegenwart des Akylongins. Der Höhepunkt kam rasend heran und ließ Vigar schreiend kommen, riss Thyon in ihm mit sich, presste diesen so fest zusammen, dass auch der Akylongin aufschrie.
Glitzerndes Eis flackerte vor Vigars Augen auf. Kälte umhüllte seinen Körper. Ein eisiger, scharfer Wind raste durch seine Adern, fegte jedes bewusste Denken weg.
„Thyon“, flüsterten seine blauen Lippen. Jemand drehte ihn herum, legte sich auf ihn, wärmte ihn, gab ihm Halt. Arme umschlangen ihn und er umklammerte den anderen Körper fest, verbarg sein Gesicht in dessen schweißnasser Haut. Sanfte Wärme umfing ihn, entließ ihn in einen Schlaf, in dem es keine Schmerzen, keine Verwirrung mehr gab. Nur einen Namen, der ihn begleitete und zum Zentrum seines Denkens und Begehrens wurde.
„Thyon.“





Die Autorin
Chris P. Rolls ist das Pseudonym einer Autorin, die überwiegend Fantasy und Romance mit homosexuellen Hauptcharakteren schreibt.
Geboren 1971 in England und in Deutschland aufgewachsen, fand sie schnell Gefallen an Fantasybüchern und begann früh eigene Geschichten zu schreiben und Welten zu erfinden, die sie gerne detailliert ausschmückt.
Nach einem Pädagogikstudium machte sie sich als Reitlehrerin und Pferdetrainerin selbstständig. Heute lebt sie in Mecklenburg Vorpommern, gibt Seminare und züchtet Arabische Vollblüter.
Nach ersten Veröffentlichungen im Internet trat der FWZ-Verlag an sie heran und veröffentlichte ihre Gay Fantasyromanreihe „Die Anderen“. Mit zwei ihrer Romane konnte die Autorin zudem Wettbewerbe gewinnen, die ebenfalls im FWZ-Verlag veröffentlicht wurden.
Aktuell sind 10 Bücher der Autorin erhältlich und zwei Geschichten in Anthologien veröffentlicht worden.


Bruderschaft der Küste, Gay Romance ISBN: 9783942539043

Die Anderen, Gay Mystic Fantasy:
Band I Das Dämonenmal ISBN: 978-3-942539-06-7
Band II Das Erbe erwacht ISBN: 978-3-942539-19-7
Band III Das Siegel des Gaap ISBN: 978-3-942539-35-7
Band IV Der Weg aus der Dunkelheit ISBN 978-3-942539-48
zwei weitere Bände sind für 2013 geplant

Pegasuscitar I- Auf magischen Schwingen, Gay Fantasy ISBN: 978-3-942539-31-9
Pegasuscitar II- Mit gewaltigen Schwingen, Gay Fantasy ISBN: 978-3-942539-25-8

First Love-Reihe
Kavaliersdelikt- Liebe ist universell, Gay Romance ISBN: 978-3-942539-14-2
Die Sache mit Jo und Mo, Gay Romance ISBN: 978-3-942539-1-59

Irgendwie Anders, Gay Erotic Romance, ISBN:

Geschichten in Anthologien:
Sommerliebe- 8 Gay Love Storys, Anthologie ISBN: 978-3-942539-67-8
Winterliebe- 5 andere Love Storys, Anthologie ISBN: 978-3-942539-51-7



Chris P. Rolls, Pegasuscitar II – Mit gewaltigen Schwingen


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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der arme Kerl auf dem Cover musste ein Teil seiner Schulter rausschneiden, oder wieso fehlt da ein Stück? xD Da sollte wirklich sauberer gearbeitet werden, tut mir leid.

schreibtalk hat gesagt…

Wo fehlt ein Stück? Meinen Sie den Teil, der hell in der Sonne leuchtet? Genau schauen, bitte.

LG

James Henry Burson hat gesagt…

Wer - wie ich - beim Lesen, die Worte in Bilder umsetzt, kann gar nicht schnell lesen - nicht, bei diesem Text.
Da jagen sich Sätze, von denen jeder eine ganze Geschichte erzählt - so, wie dieser: "Am anderen Ende der Lichtung attackierte der aus dem Buzahvolk stammende Dorj den Bogenschützen Bohruns, zerschlug in eben diesem Moment dessen Bogen und rammte ihm die Faust ins Gesicht." Da muss ich das Buch absetzen und schaue mir den Film dazu an, der sich vor mir auftut...
Ich liebe das!
Die Geschichte ist packend geschrieben, die Figuren sehr eindringlich dargestellt und - das Ganze, macht zudem noch Sinn.
Einfach Klasse!
Danke dafür, Elsa.

schreibtalk hat gesagt…

Lieber James, mir geht es ebenso :-)

Liebe Grüße
Elsa