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Rezensionen

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20. Oktober 2012

Norman Nekro, Der Todestagverkäufer



Die exakte Todeszeit
möchte ich mir ja nicht voraussagen lassen. Ich würde auch denken, dass der Magus Mortimer, der einen Liliputaner an Seite hat, sowie eine Kralle anstatt einer Hand, nichts als ein Scharlatan ist und Geld-aus-dem-Säckel-Zieher. Der Medicus Froebius in dem Städtchen am Main ist ganz genau meiner Meinung, da er ein modern denkender Mann ist, obwohl die Geschichte 1818 spielt. Und ihm ist schnöder Grusel ebenso zuwider wie mir. Aber da hat er sich gewundert, ebenso wie ich. Mehr möchte ich gar nicht über den Inhalt preisgeben, das muss man einfach selbst lesen. Nebelgrauen, Schemen, düstere Atmosphäre, Friedhofsbesuche, Hinterzimmer, spärlich mit blakenden Kerzen erhellt. Kurzum, ein schönes Gebinde: Geisterstunde vom Feinsten.

Adjektivitis ist mir ein Graus
wenn ich meine Bücher schreibe, meide ich weitgehend die Nutzung von Eigenschaftswörtern und versuche, Menschen und Gegenstände anders zu beschreiben. Auf den ersten Seiten gleich prasselte hier eine Fülle von Adjektiven auf meine Augen ein. Ich zwinkerte, las aber tapfer weiter. Und mit einem Mal war mir sonnenklar, warum der Autor derart hemmungslos in den unerschöpflichen Topf der üppigen Beschreibungswörter griff und greifen musste. Und ich leistete innerlich Abbitte. Denn dieser Erzählstil ist natürlich genau richtig für die Zeit, in der die Bücher um Dr. Froebius angesiedelt sind. Da kann man nicht cool und modern, flapsig oder puristisch schreiben, da muss auch der Text prall und üppig daherkommen, wie die Menschen es taten, gehüllt in schweren Samt und steife Seide. Ganz hervorragend nimmt Norman Nekro seine Leser an die Hand und entführt sie fast physisch in die Nach-Napeolonische Zeit. Die Geschichte wäre halb so spannend, hätte Nekro einen anderen Erzählton angeschlagen.

Dramaturgisch einwandfrei
gebaut ist die Geschichte von vorn bis hinten. Das berühmte „Tschechow’sche Gewehr“ hängt immer zur rechten Zeit über dem Kamin, ehe es lange danach abgenommen und verwendet wird. Mit einem Wort: Der Autor kennt sich aus im Metier des Schreibens.
Das eBook ist außerdem einwandfrei formatiert, da gibt’s auch nichts zu mäkeln. Schade eigentlich, ich hätte gern ein bisschen was kritisiert, damit es nicht so aussieht, als würde ich Herrn Nekro protegieren.

So kann ich nur meine wärmste Empfehlung für diese Buchreihe aussprechen!  
       

  


Der Autor
Unter dem Namen Norman Nekro schreibt der gestandene Wirtschaftsjournalist und Fachzeitschriftenverleger historische Romane, Krimis sowie Mystery- und Grusel-Thriller. Aus seiner Feder stammt auch die in der Nach-Napoleon-Ära spielende Gruselserie »Froebius! - Im Bannkreis des Unheimlichen«.
Nach einer Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule und einem abgeschlossenen Jura-Studium hat ihn sein »Zivilberuf« über 30 Jahre lang nur wenig Zeit für seine literarische Passion gelassen. Neben vielen hunderttausend Druckzeilen im journalistischen Metier kann Norman Nekro an (Papier-)Buchveröffentlichungen daher bislang nur die populärwissenschaftlich geschriebene Biographie „Geiserich. Vandale ohne Vandalismus“ (erschienen 1987) vorweisen.
Heute, zwanzig Jahre später, ist der Weg zum Schreiben in seinen Lieblings-Genres Historischer Roman und Mystery frei. Drei Folgen der Froebius!-Serie sowie ein Medizin-Thriller und drei Kurzgeschichten aus der Schattenwelt zwischen Sein und Ewigkeit zeugen von der Leidenschaft, mit der der Autor seinen Lesern historische Themen ebenso packend serviert wie er ihnen ungewöhnliche Einblicke in die zwielichtig-dunklen Seiten des Lebens (die, anders als im »Zivilberuf«, diesmal ausdrücklich nichts mit Börsenkursen, Marketingstrategien und Profitmaximierung zu tun haben!) eröffnet.


Norman Nekro, Der Todestagverkäufer





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