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10. Oktober 2012

Tine Sprandel, Ungerecht!



         Krimi für Jugendliche und Junggebliebene ab 12 Jahren


Ein echtes Kloster, mit Kreuzgang, Mönchen und Geheimgängen. Das ist die Schule, die Jakob nach dem Umzug der Familie erwartet. Die flapsige Bemerkung des Klassenlehrers über Überwachungskameras, veranlasst Jakob mit Jonny und Danny den Keller zu untersuchen, der an ihr Behelfs- Klassenzimmer angrenzt. Jonny findet zudem heraus, dass im siebzehnten Jahrhundert zwei Stiftsschüler aus diesem Kloster mit 12 Jahren als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. So wie damals vermutet er auch heute eine weitverzweigte Überwachungsaktion im Kloster.
Bei der Aufklärung schlittern die Schüler in eine verbotene Situation nach der anderen, sie werden zu Recht und zu Unrecht bestraft. Jakobs neue Klasse ist so turbulent wie ungewöhnlich, doch dann droht ihm der Schulverweis. Ist das alles nicht irgendwie ungerecht?


Leseprobe aus dem 5. Kapitel:
Wir sind drin!

Als sie im Klassenzimmer waren, gab Jonny mit erhobenen Kopf Anweisungen. „Zuerst gehen wir in den Schacht. Jule und Daniela passen hier auf. Im Schacht teilen wir uns auf, Carlo und Jakob bleiben am Eingang und hören auf die Mädchen. Friedel und Matts gehen nach rechts ...“
Carlo setzte sich auf seinen Stuhl und verschränkte die Arme vor der Brust. „Jetzt haben wir eh nicht mehr genug Zeit.“
Daniela schraubte gerade den Lüftungsdeckel ab und stieg mit einem Bein hinein.
„Verdammt eng, wie bist du da rein gekommen?“, fragte sie Carlo.
„Ihr seid schön blöde“, sagte Jule. „Im Garten gibt es einen direkten Zugang!“
Alle waren still. Danielas Kopf hing noch aus dem Lüftungsschacht. Matts begann zu kichern. „Woher willste das wissen?“
„Hab ich gleich gesagt, ihr braucht uns!“ rief Daniela.
Jonny wandte sich sofort zur Terrassentür: „Los. Wir nehmen den Eingang, Daniela kann ja durch den Schacht kriechen.“
„Pass auf, dass du keine Spinnweben ins Klassenzimmer schleuderst, sonst müssen wir wieder putzen ...“, feixte Friedel.
Danny fauchte.
Durch den Schacht kriechen, wenn man auch durch eine Tür gehen kann – Blödsinn. Jakob rannte in den Garten.

Jule testete die Holztür links von der Terrassentür. Nicht verschlossen.
Jakob prüfte seine Uhr. Es war jetzt 7.40 Uhr. Zwanzig Minuten blieben ihnen noch. Sie betraten einen Schuppen. Rechen, Harken, Rasenmäher und Kisten. Unmengen von alten und neuen Tontöpfen lagerten auf zwei Ebenen. Wie bei Großmutter im Keller. Mitten im Raum führten ein paar Steinstufen eine halbe Etage tiefer. Dort lehnten zwei altmodische Sensen, Grabgabeln und Schneeschaufeln an der Wand. Keine weitere Tür. Nichts. Daniela nirgends zu sehen.
Doch es klopfte an einer Wand. Sie räumten die Geräte im unteren Teil zu Seite.
„Mist“, rief Carlo, „hab mir das Schienbein aufgeschürft. Die sind verdammt scharf diese Teile.“
„Also sind sie noch in Benutzung“, sagte Jonny. „Irgendwo muss das Kloster noch große Wiesenflächen haben.“
Von Carlos Schienbein tropfte Blut auf den Boden.
„Spuren. Wir hinterlassen zu viele Spuren“, murmelte Jonny. „Wenn uns hier jemand drauf kommt“
„Wir sollten für heute abbrechen“, sagte Jule.
„Morgen wieder so früh?“ rief Carlo „Im Leben nicht!“
„Wie viel Zeit haben wir noch?“, fragte Jonny.
„Zehn Minuten.“
„Wir machen weiter.“
An der Wand, von der die Klopfzeichen kamen, legten sie eine Tür mit einem Türknopf frei. Jonny testete: verschlossen.
„Wir müssen alles noch zurück räumen, außerdem habe ich Hunger“, nörgelte Carlo.
„Du bist echt bauchgesteuert“, sagte Friedel und untersuchte das Schloss.
Fahles Morgenlicht strömte in den Schuppen, plötzlich fiel die Tür hinter ihnen knarzend ins Schloss. Sie standen im Dunklen.
„Hat jemand eine Taschenlampe?“, fragte Friedel.
„Super Planung“, sagte Carlo. „Ich habe Hunger und gehe jetzt zurück.“
Jakob holte seinen Schlüsselbund mit der Miniaturtaschenlampe hervor.
„Na wer sagt es, Jay denkt mit“, sagte Matts. Er legte seine Hand auf Carlos Schulter. „Zurück gehen wir alle zusammen.“
Jakob richtete den bläulichen Lichtstrahl auf das Schloss.
„Wisst ihr, dass das Einbruch ist?“
„Hört, hört, der Neue ist schlau“, höhnte Matts.
In dem Moment ging die Tür auf. Daniela hatte von innen geöffnet!
Jonny jauchzte: „Wir sind drin!“
Jakob jauchzte nur innerlich. Doch kein Einbruch.

Ab dann redete niemand mehr.
Jakob leuchtete mit seiner Taschenlampe und sie folgten dem Gang.
(...)


Die Autorin
Tine Sprandel, Jahrgang 1964. Ich lebe in der Nähe von München. Nach Jahren als Gartenbauingenieurin bin ich nun als Autorin und Schriftstellerin selbstständig. Geblieben ist aus der Zeit des Gärtnerns die Begeisterung für Wachsen und Gedeihen. Große und kleine Kinder. Draußen sein. Pflanzen hegen und pflegen. Eine kleine Welt auf die Bühne bringen. Mit Geschichten andere Welten erschließen. Schreiben.
Tines Blog: www.asprandel.de




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