Salon

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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

30. November 2012

Anja Blum, Grundglück

Die erfolgreiche Unternehmensberaterin und leidenschaftliche Pferdefrau Cilly Brahms nimmt den in der Reiterszene bekannten Hof von Markus Berner unter die Lupe. Obwohl sie vom taffen Chef persönlich beauftragt wurde, ist nicht jeder der Mitarbeiter über ihr Erscheinen erfreut. Cilly muss sich gegen verdeckte und offene Anfeindungen erwehren. Erst ein tragischer Zwischenfall verwandelt die ausgelebte Antipathie der Dressurreiterin Lisa Feller in freundschaftliche Gefühle für Cilly.

Wird Cilly nach dem entsetzlichen Verlust ihres Pferdes je wieder auf einem Reitturnier starten? Und soll die vom Scheitern jeder Beziehung überzeugte junge Frau doch noch das Gegenteil erfahren?

Begleiten wir Cilly Brahms bei ihrem Wirken auf dem Hofgut Berner und gesellen uns in den Alltag seiner Bewohner und deren Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein können.


Leseprobe:

(...)
Die Zeit verging wie im Flug. Schon war der Winter in seiner ganzen Pracht da. Cilly war voll in den Hofalltag integriert und ließ auch ihr Ziel, die eigentliche Arbeit, nicht aus den Augen. Gestern Abend erst hatte sie bis tief in die Nacht die Betriebsbücher geprüft. Heute Morgen wachte Cilly schon vor dem Wecker klingeln auf und wollte die Zeit nutzen, den Schnee zu genießen.
Klirrende Kälte schlug Cilly entgegen, als sie den Hof betrat. Erneut hatte es geschneit. Der durch die Beleuchtung glitzernde Schnee hatte sich schützend über Bäume, Sträucher, Koppeln, über den ganzen Hof gelegt. So muss es im Märchenland aussehen, dachte Cilly. Sie mochte den Schnee, alles sah so friedlich aus. Ganz warm eingepackt wollte Cilly mit dem kleinen Hofhund Schulze, mit dem sie Freundschaft geschlossen hatte, einen Winterspaziergang ins nahegelegene Wäldchen machen. Die Freude darauf hatte sie sogar eher aus dem Bett gebracht, damit sie die unberührte Natur noch vor dem Stalldienst genießen konnte. Freudig sprang Schulze um Cilly herum, um dann gleich wild im neuen Schnee herumzutoben. Leicht und langsam schwebend tanzten noch vereinzelte Schneeflocken zum Boden. Cilly hielt ihre Hände vor und fing sie. Zu gerne bestaunte sie die Kunstwerke, die die einzelnen Schneekristalle darstellten. So grazil und so gleichmäßig waren sie, und jedes Kristall anders. Cilly war nach wie vor fasziniert davon.
»Komm’ Schulze«, rief sie und stapfte Richtung Wäldchen los. Der Marsch durch den tiefen Neuschnee war bald beschwerlich und Schulze nahm recht schnell den Platz hinter Cilly ein, die ihm den Weg etwas ebnete.
Die Tannenbäume mit ihren Schneehauben, die so idyllisch aussahen, ließen Cillys Herz höher schlagen. Alles sah so friedlich und einfach wunderschön aus. Durch den vielen Schnee war alles ganz leise, gedämpft. Die beiden gingen eine schmale Lichtung entlang - der Schnee knirschte unter Cillys Füßen – und sahen plötzlich viele Spuren im Schnee. »Hier scheint ein Wildwechselpfad zu sein und die Rehe müssen gerade eben hier lang gekommen sein«, sprach Cilly zu Schulze. Der schaute sie an und schnüffelte gleich die Spuren intensiv ab.
Der Pfad wurde schmaler. Ein Auto würde hier nicht mehr durchfahren können. Vereinzelt ragten dornige Zweige aus dem Schnee, die noch ein paar vergessene Blätter hatten. Den Rest der Brombeersträucher deckte der Schnee zu. Für die Waldtiere war es jetzt sehr schwer, Futter zu finden. Die Wildfütterung in der Nähe hatte Hochkonjunktur. Cilly hatte bereits Bekanntschaft mit dem Förster gemacht. Das war im Herbst, als sie mit Romeo das Wäldchen durchstreifte. Die beiden hatten sich eine Weile unterhalten und fanden sich gegenseitig ganz sympathisch.
»Komm’ Schulze, wir gehen mal zur Futterraufe. Vielleicht sehen wir die Tiere. Du musst aber ganz brav und ruhig sein«, sagte Cilly zu dem Hund. Aber das hätte sie gar nicht sagen müssen, denn Schulze war eine treue, folgsame und unproblematische Seele.
Langsam wurde es heller, der Tag kündigte sich an. Das durch den Schnee stapfen brachte den beiden zum Glück ziemliche Wärme. So spürten sie den eisigen Frost nicht, der Cillys Nase ganz rot gefärbt hatte.
An der Futterstelle war Betrieb. Cilly zählte sieben Rehe, die sich an der frisch gefüllten Heuraufe satt fraßen. Wie zeitig ist wohl bloß der Förster aufgestanden, um die Raufen zu füllen? Cilly nahm sich vor, ihn das nächste Mal danach zu fragen.
Cilly könnte die Zeit vergessen in diesem Märchenwald. Es half alles nichts, sie musste zurück, um Mario und die anderen nicht allein all die Pferde versorgen zu lassen. Sie konnte nicht einfach ihren Dienst schwänzen, damit würde sie ihre weitere Arbeit selbst erschweren, denn die Kollegen würden sicherlich die Achtung vor Cilly verlieren.
Cilly fühlte sich pudelwohl, als sie auf dem Hof ankam. Fritz Thiele war bereits mit seiner Schneeräummaschine unterwegs. Schulze hatte auch die volle Freude an dem frischen Schnee und dem ausgiebigen Spaziergang in der Früh. Mit Schnee im Bart und total freudig und niedlich anzuschauen hüpfte der kleine Hund auf Fritz Thiele zu. Am liebsten wäre Schulze an der Schneeräummaschine hochgesprungen. Cilly ließ einen Pfiff los und der Hund kehrte auf der Stelle um zu ihr. Er sollte nicht unter die Räder kommen vor lauter Freude.

***
(...)
Lisa Feller fand sich mit Doktor Jürgen Kalkow an der Bar ein. Das Tanzen machte durstig. »Zwei Bier bitte«, bestellte der Doc bei der Barfrau. Anna Berner hatte für den Abend diesen Job übernommen und meisterte ihn ganz gut. »Fünf Euro bitte.«
Lisa stieß mit dem Doktor an und genoss dann das herrlich kühle Bier. Cilly blickte während des Tanzens kurz in Richtung Bar und sah Lisa Feller gerade beim Biertrinken. Sie dachte noch, dass sie das Lisa Feller nicht zugetraut hätte, ganz entspannt und genüsslich ein Bierchen zu zischen, und war dann mit ihren Gedanken schon wieder bei Mario Senne, der sie galant herumwirbelte.
»Ich bin gleich wieder da«, verabschiedete Lisa sich bei Jürgen Kalkow.
»Gut, ich warte hier.«
Das war eindeutig, fand Lisa Feller und wunderte sich etwas, dass ihr Herz ein wenig mit Rasen anfing. Sei nicht so töricht, schalt sie sich insgeheim.
Sie machte sich auf in die Nacht, um noch einmal nach ihrem Pferd zu sehen. Sie war nach wie vor ziemlich beunruhigt über die leichte Unklarheit im Gang des Tieres. Lisa machte nur das kleine Eingangslicht am Stall an, um nicht alle Tiere aufzuschrecken. Sie hatte nicht bemerkt, wie ihr jemand gefolgt war. Die Box des Rappen war die vorletzte auf der linken Seite. Die letzte Box war leer. Dort waren ein paar Strohballen gelagert.
»Na mein Großer, wie geht es dir?« Der Rappe lag da. Beim Klang von Lisas Stimme, die ihm vertraut war, drehte er seinen Kopf mit gespitzten Ohren in Lisas Richtung. Das Pferd erhob sich und nahm gerne die Karotte, die Lisa ihm hinhielt. Plötzlich, das Klirren eines Blecheimers aus Richtung des Eingangs. Aufmerksam schaute der Rappe dort vor.
»Hallo, ist da jemand?«, rief Lisa Feller in die Richtung, aus der das Geräusch kam, erhielt aber keine Antwort. Sicher nur eine Katze, dachte sie und widmete sich wieder ihrem Pferd. Für den Rappen war es aber noch nicht erledigt. Angespannt blickte das Tier Richtung Tür. Spürte er die Bedrohung? Lisa wurde auch etwas unruhig. Sie konnte bei dem Schummerlicht auch gar nichts erkennen.
»Wer ist da?«, versuchte sie es noch einmal. Wieder keine Antwort.
(...)



Rezension folgt ...


Die Autorin
Anja Blum ist 1963 in Dresden geboren, wo sie wohlbehütet aufwuchs. Heute lebt sie in Baden-Württemberg und geht dort ihrer Leidenschaft, dem Schreiben nach.
Das Schreiben spielt seit vielen Jahren eine große Rolle in Anja Blums Leben. Zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten hatte sie bereits zu Papier gebracht, als dann endlich ihr Debütroman erschien. Darin verknüpft sie ihre lockere, interessante und spannende Schreibweise mit ihrer zweiten Leidenschaft, den Pferden. Das lag auf der Hand, ist Anja Blum doch seit ihrer Kindheit selbst eine passionierte Reiterin und Pferdeliebhaberin.
Kurz nach der Veröffentlichung ihres ersten Romans erschien die Geschichte »Sommerabenteuer in Dobberdau«, ein Buch für Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren, als eBook bei Amazon. 
Weitere Buch-Projekte sind bereits begonnen bzw. leben schon im Kopf der Autorin.
Anja Blum ist Mutter zweier erwachsener Töchter.



Anja Blum, Grundglück. Engelsdorfer Verlag


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