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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

12. November 2012

Manu Wirtz, Katzenfeuer



Samtpfote jagt Feuerteufel
In Jules 3. Fall hat die Katze alle Pfoten voll zu tun. In ihrer Umgebung gehen nachts Ställe und Scheunen in Flammen auf. Die samtpfotige Detektivin hat Nachwuchs bekommen, aber gleichzeitig sucht sie den gefährlichen Feuerteufel, der in der Eifel Angst und Schrecken verbreitet.
Als mitten im Dorf ein Haus abbrennt und in dem wütenden Feuer ein Ehepaar ums Leben kommt, ist das ein Fall für die beiden Dauner Kommissare Wolf und Diesel. Jule hilft ihnen heimlich, auf die Spur des Mörders zu kommen. Dabei wird es auch für die Verbrecherjägerin brenzlig!





Leseprobe:

September

Ich schreckte aus dem Schlaf hoch. Ein Gefühl der Gefahr hatte sich in meinen Traum gedrängt und mich alarmiert.
Angestrengt sah ich durch den nachtschwarzen Raum des Heuschobers, wo ich das Nest mit meinen Welpen hatte, und lauschte. In der Dunkelheit, die für meine Augen keine war, konnte ich in ein paar Metern Entfernung kleine huschende Bewegungen ausmachen.
Ich fuhr mir mit der Zunge über das Maul. Ein, zwei Feldmäuse kämen mir jetzt gerade recht, meldete mein Magen Bedarf an. Meine Ohren bewegten sich hin und her, ich war immer noch aufs Höchste gespannt, meine Schwanzspitze zitterte erregt. Ich unterschied die nächtlichen Geräusche nach dem Plätschern der Kyll, die draußen in 50 Metern an den Feldern vorbeifloss, dem Wusch von ein paar Autos, die auf der K47 an Niederbettingen vorüberfuhren, den Rufen von einem Käuzchen aus dem Wald und einem weit entfernten Knistern, das ich zuerst nicht zuordnen konnte.
Ich dehnte und streckte meinen Oberkörper und reckte dabei den Kopf über das Heunest, als ich in der milden Nachtluft Partikel von Rauch in die Nase bekam. Ein Schreck durchfuhr mich und meine Haare sträubten sich.
Irgendwo brannte es! Ich konzentrierte mich jetzt ganz auf
den Geruch und orientierte mich am Luftstrom.

Vorsichtig, um die schlafenden Kätzchen nicht zu wecken, kletterte ich auf Pfotenspitzen aus dem Heulager heraus und
folgte der Geruchsspur nach draußen. Vor dem Heuschober war der Rauchgeruch noch deutlicher zu merken. Ein leichter Sommernachtwind wehte von der Pees herunter in das Kylltal und führte den Brandgeruch mit sich. Ich umrundete den Heuschober und lief den Feldweg zu dem Hügel im Eiltempo hinauf.
Oben angekommen, sprang ich mit einem Satz auf einen großen Stapel mit Brennholz. Von hier aus konnte ich einen weiten Rundumblick nehmen. Das Tal lag ruhig in der Sommernacht vor mir. Der Himmel war sternenklar. Im Norden konnte ich in einiger Entfernung ein flackerndes Feuer ausmachen.
Auf den Feldern vor dem einsam gelegenen Weberhof brannten ein paar Rundballen. Fauchend schossen die Flammen in die Höhe.
Nicht einen Tropfen Wasser hatte es in der Eifel in den vergangenen vier Wochen geregnet; die Felder und Waldgebiete waren trocken wie Zunder und genauso schnell entzündlich.
Die Kreisverwaltung in Daun hatte bereits die Gefährdungsstufe vier für Waldbrandgefahr ausgerufen. Wenigstens waren die Felder um den Weberhof in den vergangenen Tagen abgeerntet worden, nur die kurzen Stoppeln ragten aus dem staubtrockenen Boden. So war die Gefahr für einen Flächenbrand nicht so groß, allerdings konnte auch ein Funkenflug noch weiteres Feuer entfachen, ging es mir durch den Kopf.
Ein lauter, dunkler Ton hallte plötzlich hinter mir durch das Tal und schwoll immer mehr an. Ich drehte mich um. Die Sirene auf dem Dach der Freiwilligen Feuerwehr in Bolsdorf schlug Alarm und rief die Feuerwehrmänner aus ihrem tiefen Schlaf. In einem Dutzend Häusern gingen die Lichter an, und sehr schnell sah ich schon den ersten Mann im Laufschritt zum Feuerwehrhaus rennen.

›Verdammt, die wecken mir die Kleinen auf‹, dachte ich verärgert und sprang von dem Holzstapel herunter. Mit riesigen Sätzen rannte ich den Feldweg entlang zu meinem Wurflager.
Im Heuschober empfing mich bereits ein vierstimmiges Klagekonzert und wies mir den Weg durch die Dunkelheit.
Ich antwortete gurrend und sprang vorsichtig ins Nest. Aus schwarzen und gestreiften Plüschbällchen blickten mich runde Knopfaugen ängstlich an. Seit gestern hatten sie erst ihre Augen offen und blickten voller Erstaunen in die Welt. Ich beschnüffelte meine vier Welpen und leckte dem Nächststehenden mit der Zunge übers Fell. Immer wieder gab ich Gurrlaute von mir, um die Kleinen zu beruhigen. Draußen heulte noch immer die Sirene, und ich hörte die Motoren der beiden Fahrzeuge starten.
›Können die nicht endlich ruhig sein?‹, dachte ich stocksauer.
Ich seufzte, legte mich bequem hin und überließ mich dem Gerangel an den Zitzen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis jeder der vier unter Gemaunze und Geschubse seine Lieblingszitze gefunden hatte und zufrieden nuckelte.
Hier im Heuschober kehrte wieder Ruhe ein. Draußen auf den Feldern löschte die Freiwillige Feuerwehr eilig die brennenden Rundballen. Ich lag mit offenen Augen da und starrte nachdenklich in die Dunkelheit. Rundballen konnten sich auch selbst entzünden. Dazu musste das Heu feucht sein und ein Gärprozess im Kern des Ballens stattfinden, bei dem sich Hitze entwickeln konnte. Aber das war nach der Schönwetterperiode der letzten vierzehn Tage nicht möglich, dazu waren alle Pflanzen und Gräser viel zu trocken.
Morgen Mittag sollte ich mich mal wieder zu Hause blicken lassen und mich satt fressen. Bestimmt konnte ich am Mittagstisch etwas über das Feuer heute Nacht erfahren, wozu war Jonas-der-Löschknecht schließlich Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bolsdorf?






Die Autorin

Manu Wirtz ist Jahrgang 1959, gebürtige Solingerin und gelernte Kommunikationsdesignerin, lebt in der Eifel mit ihrem Ehemann und der Katze Jule. Seit Jahren arbeitet sie im Marketing, in der Werbung, für Buchverlage und Druckereien. Daneben ist sie Autorin zahlreicher Artikel über Computerkunst, Marketing oder Rettungshundearbeit und seit 2010 auch Krimis.



·        Hrsg. und Kurzgeschichte „Eifelquelle“ in Krimis mit Fell und Schnauze, Anthologie mit 8 spannenden Tierkrimis, BoD, 2011, ISBN 978-3-842-37050-0, Paperback, 160 Seiten
·        Kurzgeschichte „Schrödingers Katze“ in der Anthologie Geschichten auf vier Pfoten, Codi-Verlag, 2011
·        Todes-Wind, Samtpfote auf Mörderjagd, BoD, 2010, ISBN: 978-3-8391-5307-9, Paperback, 156 Seiten: Was macht eine ganz normale Hauskatze außer jagen, spielen und fressen? Wenn sie in der Eifel lebt, geht sie auf Mörderjagd!
·        Manuela Eckenbach-Arndt, Co-Autorin in Der Rettungshund, RH-Verlag, 2001 (vergriffen)
·        Manuela Eckenbach-Arndt und Daniela Neika Erste Hilfe am Hund, Cadmos Verlag, 2000, ISBN: 978-3-86127-717-0



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Kommentare:

James Henry Burson hat gesagt…

Es müssen ganz besondere Katzen sein - sie gurren.
Das kenne ich eigentlich nur von Tauben.
Teil der Tarnung?
Kann die Katze am Ende sogar fliegen?
Genaues, weiß man nicht.
Also - lesen!
Gruß, James (zwinker)

schreibtalk hat gesagt…

Lieber James, ich kenne auch gurrende Katzen. Die machen dan so ein kehliges rrrRRRrrr, das noch lustvoller als schnurren klingt :-)

Liebe Grüße
Elsa

James Henry Burson hat gesagt…

Jetzt, wo du es sagst und ich so drüber nachdenke...
Wieder was gelernt - danke.

schreibtalk hat gesagt…

Gurr gurr ...

Manu Wirtz hat gesagt…

Eigentlich ist eher ein MRRrrr MMRrrrr, aber ich konnte ja schlecht schreiben, dass Jule murrte ;-)

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Manu, *schmunzel* nein, murren wär jetzt nicht richtig gewesen, gurren passt wunderbar!