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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

6. November 2012

Sam Miskull, Abschied nehmen

Schottland 1730: Als der junge William des Verrats beschuldigt wird, muss er schweren Herzens für immer seine Familie zurücklassen und fliehen. Bei seinem Freund Marcus, dem Clansoberhaupt der Maccallums, findet er Unterschlupf und beginnt ein neues Leben. Doch die Angst, von seinem Widersacher Wentworth aufgespürt zu werden, ist allgegenwärtig und auch die ständigen Anfeindungen von Marcus' Tochter Kate machen es ihm nicht leicht, vor allem dann nicht, als er entdeckt, dass er ihre Abneigung so gar nicht teilt...

Ein mitreißender Roman über Freundschaft, Williams tragisches Schicksal und eine große, allen Widrigkeiten trotzende Liebe.



Leseprobe:
William drehte sich um und ging wieder ins Innere der Schmiede. Er war noch nicht wieder an seinem Arbeitsplatz angelangt, als er ein weibliches Räuspern von der Tür her vernahm.
„Na das ging aber schn …“, begann er, doch als er sich herumgedreht hatte, verstummte er plötzlich.
Es waren nicht Janet und Marsaili, sondern eher jemand, den er hier ganz und gar nicht erwartet hätte.
„Kate!“, brachte er lediglich hervor, denn seine Kehle war wie zugeschnürt.
„Guten Tag, William“, gab sie gepresst zurück und ihr Herz raste.
Na los, Kate, nun mach schon, du bist doch nicht hierhergekommen, um ein blödes Guten Tag von dir zu geben, dachte sie bei sich und vor Angst versagten ihr beinahe die Beine. Sie versuchte seine Einstellung abzuschätzen, doch sein Gesichtsausdruck drückte im Moment einfach nur absolute Verwirrung aus.
Und verwirrt war er auch. Er konnte nicht glauben, dass sie hier vor ihm stand und dabei beinahe so angespannt zu sein schien, wie er es war. In ihrem Gesicht sah er Furcht und Unsicherheit und William fragte sich, warum es ihr so ging. War sie ihm etwa doch nicht so abgeneigt, wie er immer dachte? Weshalb sollte sie sonst diese so deutlich sichtbaren Gefühle hegen, wenn er ihr vollkommen egal wäre? Er beschloss, es herauszufinden.
„Was kann ich für dich tun, Kate?“, fragte er mit einer einladenden Sanftheit in der Stimme, sehr darum bemüht, nicht zu zittern.
Doch Kate war noch nicht bereit. Sie wandte ihren Blick ab und ließ ihre Finger über die, auf der neben ihr stehenden Bank, liegenden Werkzeuge gleiten. Würde sie nun den Mund aufmachen, dann würden wahrscheinlich lauter Sachen herauskommen, die sie ihm noch überhaupt nicht sagen wollte und so nahm sie sich noch etwas Zeit, um diese Gefühle soweit es ging, zur Seite zu drängen. Ihr Blick strich wie flüchtig über seine vom Schweiß glänzenden Arme und sie wünschte, er würde sie einfach an sich ziehen und ihr durch einen Kuss das ersparen, was sie nun zu sagen hatte.
Doch er tat es nicht, er stand nur geduldig da und gab ihr alle Zeit, die sie brauchte, um ihre Gefühle zu ordnen und ihr Anliegen vorzubringen. Sie sah ihn an und sah keinerlei Abneigung, weder in seiner Haltung noch in seinem Gesicht. Es lag wieder dieser gleiche Ausdruck in seinen Augen, den sie bereits heute Morgen gesehen hatte, lediglich mit dem Unterschied, dass sie meinte, auch eine Spur von Angst entdeckt zu haben. Was hatte das nur zu bedeuten, fragte sie sich und kam zu dem Schluss, dass sie nun bereit war, ihr Vorhaben durchzuführen, da es, wenn sie die Zeichen richtig deutete, doch nicht so aussichtslos war. 
„Ich bin gekommen, weil …“, begann sie, kam jedoch nicht sehr weit, denn Janets und Marsailis Stimmen drangen von der Tür her zu ihnen.
William fluchte innerlich.
„Hier ist etwas zu essen und zu trinken! Damit haben wir unseren Teil der Abmachung erfüllt und nun bist du dran. Du musst uns die ganze Geschichte bis ins kleinste Detail erzählen“, sprach Janet voller Enthusiasmus, und als sie Kate entdeckte, fügte sie noch hinzu: „Oh, Kate, du bist zwar selbst dabei gewesen aber eine solche Heldengeschichte kann doch sicherlich nicht langweilig werden!“ Während sie sprach, räumte sie die Werkzeuge zur Seite, um Platz für ihre Mitbringsel zu schaffen.
Kate blieb derweil wie erstarrt stehen. Sie sah Marsaili an, wie sie ihn aus ihren Rehaugen anhimmelte und mit jeder einzelnen Silbe aus Janets Mund zog sie sich tiefer in sich zurück. Wie hatte sie nur so dumm sein können, anzunehmen, es würde ihn interessieren, was sie zu sagen hatte. Er hatte doch stets irgendwelche Frauen um sich, die ihn anschwärmten und ihm all seine Wünsche erfüllten, wozu brauchte er dann sie.
Sie sah ihn an und sein Blick schnellte zwischen Marsaili und ihr hin und her. Sie fühlte sich so tief verletzt, dass sie glaubte, jeden Augenblick zusammenzubrechen, doch sie blieb aufrecht stehen und reckte ihr Kinn sogar um einen Deut höher. Mühsam schob sie schließlich die in ihr brennende Eifersucht zur Seite und legte ihr missgestimmtes Gesicht der letzten Wochen wieder auf, um so ihr zerbrechliches Herz vor weiteren Angriffen seinerseits zu schützen. 
Bitte nicht, schrie es in seinem Inneren, als er merkte, wie Kate ihm wieder entglitt. Sie war hierhergekommen und hatte ihm etwas sagen wollen, etwas das mal zur Abwechslung nicht feindlich gesinnt war und Janet und Marsaili waren ihnen in die Quere gekommen. Sie konnten nichts dafür und trotzdem verdammte er sie dafür.
Er verdammte sie, weil er mit ansehen musste, wie Kate sich ihm ein wenig geöffnet hatte und wie sie nun mit ihrem Auftauchen immer weiter davon schwand. Sie hatte Marsaili angesehen und ein bekümmerter Ausdruck war über ihr Gesicht gehuscht, der so schnell er aufgetaucht auch wieder unter der Maske der Missbilligung verschwunden war. Was hatte das alles zu bedeuten?
„Ich werde wohl besser gehen“, sprach sie plötzlich kühl und ohne die Anwesenden eines weiteren Blickes zu würdigen, entfernte sie sich mit eiligen Schritten.
William blieb für einen Augenblick wie erstarrt stehen. Er sah die beiden Frauen mit gerunzelter Stirn an, und noch bevor sie etwas sagen konnten, eilte er hinter Kate her.
„Kate, warte!“, rief er, doch sie verlangsamte ihren Schritt keinesfalls, vielmehr legte sie noch das an Geschwindigkeit zu, was sie bislang nicht ausgenutzt hatte.
Doch William hatte die längeren Beine, immerhin überragte er sie um einen Kopf und holte sie schnell ein.
     „Kate, bitte!“, sagte er und griff nach ihrem Arm, um sie zurückzuhalten, da wirbelte sie zu ihm herum.

(...)



Rezension folgt ...



Die Autorin
Sam Miskull, verheiratet und Mutter eines kleinen Jungen, wurde 1978 in Oberschlesien geboren und lebt seit ihrem 11. Lebensjahr in Deutschland.

Bereits in ihrer Jugend schrieb sie mit Begeisterung Gedichte und Kurzgeschichten, bis sie sich schließlich mit Mitte zwanzig an ihren langgehegten Traum von einem eigenen Roman wagte.
Selbst absolute Liebhaberin des historischen Romans, bestand kein Zweifel daran, dass die Geschichte ebenfalls in diesem Genre spielen sollte. Auch Schottland, für die Autorin eines der schönsten Länder der Welt und mit seinen Highlands eine einzige Inspiration, stand als Ort des Geschehens von Beginn an fest. So siedelte sie ihren ersten Roman, der von Freundschaft, Williams tragischem Schicksal und einer großen Liebe handelt, eben dort an.

Als sie dann Ende 2011 von der Möglichkeit der Selbstveröffentlichung bei Kindle erfuhr, beschloss sie diesen Weg zu beschreiten und brachte schließlich ihren ersten Roman unter dem Titel „Abschied nehmen“ als Kindle-eBook heraus.

Wie viele ihrer deutschen Kollegen, die in diesem Genre schreiben, fand auch Sam nach Fertigstellung ihres Romans keinen Verlag, da diese eher auf amerikanische Autoren setzen.



Sam Miskull, Abschied nehmen

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Kommentare:

James Henry Burson hat gesagt…

Schwierig zu beschreiben, was sich zwei - die sich zugetan sind - dank ihrer Schüchternheit, nicht wagen, auszusprechen.
Das steht zwischen den Zeilen hervorragend beschrieben.
Mir gefällt das ausnehmend gut.
Gruß, James.

schreibtalk hat gesagt…

Ja, lieber James, ein sehr schönes Buch!

Dankesgruß
ELsa