Salon

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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

19. November 2012

Sylvia Wolff, Die Stadtwölfin

„Das bin ich nicht!“ - Eva, die unscheinbare BWL-Studentin, kann nicht glauben, was sie im Spiegel sieht: Seit einem harmlosen Flirt in der Bonner Altstadt hat ihr Körper ein haariges Eigenleben begonnen. Mit der aufregenden Figur, den langen Beinen und ungewohnt scharfen Sinnen könnte sie ja leben, aber wieso hat sie auf einmal Heißhunger auf das WG-Meerschweinchen? 
Und wie soll sie alles dem charmanten Tierarzt Thorsten erklären, der längst ein Auge auf sie geworfen hat? Doch auch die internationale Werwolf-Gemeinde reagiert verstört auf den ungeplanten Neuzugang … 

Eine Werwolf-Komödie, die den Mythos vom „Bösen Wolf“ gehörig auf den Kopf stellt.



Leseprobe:
Prolog

Eigentlich führte ich bis vor kurzem ein eher unbeschwertes und behütetes Leben: Kindheit, Studium, Beruf, Familie - ein typischer Lebenslauf für eine Frau im 21. Jahrhundert eben. Bis sich eines Morgens in der Bahn eine wildfremde Frau neben mich setzte und fragte, ob ich zufällig Autorin sei, sie hätte da so etwas gehört.
Wegen der grauen, zu einem Dutt zusammengesteckten Haare und dem eher strengen Kostüm schätzte ich sie auf Anfang fünfzig, hätte aber nicht darauf gewettet. Sie wirkte gepflegt, war gut gekleidet und drückte sich trotz eines leichten Akzents sehr gewählt aus. Alles in allem machte sie einen angenehmen Eindruck, und so nickte ich ihr zu und fragte, warum sie das interessiere - der Morgen versprach interessant zu werden
„Soweit ich informiert bin, schreiben Sie Romane“, raunte die Dame. „Haben Sie schon einmal daran gedacht, so etwas auch im Auftrag für andere zu machen? Als Ghostwriter sozusagen?“ Als ich zögerte fügte sie hinzu: „Gegen ein angemessenes Honorar natürlich.“
Die Frau wirkte zwar ältlich, sah aber nicht so aus, als bräuchte sie Hilfe bei irgendwas. „Möchten Sie denn ein Buch schreiben?“, hakte ich daher nach.
„Ja und nein“, erklärte sie und setzte sich wieder gerade. „Im Grunde spreche ich auch nicht für mich allein. Wir arbeiten zu dritt an diesem Projekt, das uns sehr am Herzen liegt. Drei enge Freundinnen – ja, so könnte man in Ihrer Welt wohl sagen. Drei Frauen, die dieselbe unglaubliche Geschichte erzählen wollen, sich aber auf das wie oder was partout nicht einigen können. Darum haben wir nach langem Hin und Her beschlossen, eine geeignete vierte Person mit der Umsetzung zu betrauen.“
„Und da sind Sie ausgerechnet auf mich gekommen? Ich könnte ohne nachzudenken mindestens fünf erfolgreiche Autoren nennen, die mit so etwas mehr Erfahrung haben als ich!“
„Das mag sein“, antwortete die Dame und zog ein ledernes Etui aus ihrer Handtasche, das mehr wert sein musste als meine gesamte Garderobe. „Aber Erfahrung bedeutet nicht automatisch Eignung, meine Liebe, und Sie erscheinen mir durchaus geeignet zu sein: jung genug, um neugierig zu sein, und alt genug, um sich nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Und nun lassen Sie es dabei bewenden und sagen mir, ob Sie bereit sind, sich unser Projekt vorstellen zu lassen, völlig unverbindlich natürlich. In diesem Fall erwarte ich Sie heute Abend gegen 20:00 Uhr in unserer Suite.“
Damit drückte sie mir die Karte des ersten Hotels am Platz in die Hand und lächelte verbindlich. „Melden Sie sich an der Rezeption, man wird Sie dann zu uns bringen. Aber ich muss Sie warnen“, fügte sie leise hinzu. „Wenn Sie sich auf dieses Projekt einlassen, könnten Sie Dinge erfahren, von denen Sie lieber nie etwas gehört hätten. Mehr noch: Ihr gesamtes Weltbild könnte ins Wanken geraten.“
Nun mal ehrlich: Kennen Sie einen Autoren, dessen Fantasie nicht augenblicklich losgerannt wäre? Eben, ich auch nicht, und so sagte ich zu. Etwas beklommen zwar, da mir das Ganze doch ziemlich merkwürdig vorkam, aber trotzdem aufgeregt. Ich hatte eine Geschichte! Eine ungewöhnliche und spannende Geschichte, hoffentlich stellte sie sich im Nachhinein nicht als Spinnerei einer durchgedrehten alten Frau heraus!

Pünktlich um 20:00 Uhr geleitete mich der Hotelpage zur Penthouse-Suite. Ich bewunderte die gehobene Atmosphäre, die aus jedem Winkel des Gebäudes atmete, und hatte Mühe, nicht vor Ehrfurcht in den Boden zu versinken.
Die Dame aus der Bahn begrüßte mich reserviert, aber freundlich. Sie stellte sich als Leila Lyk vor, stellvertretende Geschäftsführerin eines internationalen Unternehmens namens Vukodlak SA., und führte mich in den geschmackvoll eingerichteten Salon.
Dort wartete bereits eine zweite Dame und musterte mich mit hungrigem Blick. Ihre Präsenz war fast körperlich zu spüren und erzeugte das Verlangen, den Blick zu senken. Was ich mir aber verkniff, da ich die beeindruckende Gestalt keinen Moment aus den Augen lassen wollte: Mindestens 1,85 Meter groß, sportlich schlank und durchtrainiert, konnte sie es trotz ihrer schätzungsweise 35 Jahre noch immer mit jedem Model aufnehmen. Was für eine Frau!
„Das ist also deine Kandidatin, Leila?“, schnappte sie unvermittelt, als sei ich eine Puppe ohne Ohren und Verstand, und schritt abschätzend um mich herum. „Die habe ich mir anders vorgestellt, irgendwie beeindruckender. Bist du sicher, dass sie die Richtige ist?“
Ich hielt ihrem Blick stand, bemühte mich gleichzeitig, sie nicht anzustarren, und wartete darauf, dass die Dame in Grau mich erlöste.
„Vertrau mir, Urbana“, antwortete die prompt. „Du hast versprochen, sie nicht zu erschrecken, also halte dich zu-rück.“ Damit ließ sie ihr Gegenüber stehen und lud mich ein, auf der prunkvollen Sitzgruppe Platz zu nehmen.
In was war ich da nur hinein geraten? Sollte ich dem Ganzen vielleicht besser ein Ende machen und sehen, dass ich mit heiler Haut davon kam, ehe die beiden sich ernsthaft in die Haare gerieten?
„Urbana hat manchmal diese Wirkung auf andere, und sie genießt es!“ Unbemerkt hatte eine dritte Frau das Zimmer betreten. „Zeigen Sie ja nicht, dass sie Sie erschreckt hat, das stachelt sie bloß zusätzlich an!“
Neben mir stand eine junge Frau Mitte zwanzig und zwinkerte mir zu. „Nur keine Angst, sie beißt nicht, in Wirklichkeit will sie nur spielen!“ Sie lachte leise über ihren eigenen Witz, nickte der Angesprochenen zu und wendete sich mit einem freundlichen Lächeln wieder an mich. „Wir müssen Sie verwirrt haben, das tut mir Leid. Vielleicht sollte ich uns erst einmal anständig vorstellen: Ich bin Eva Wolff; Leila haben Sie ja heute Morgen schon kennen gelernt, und die Dame mit den schlechten Manieren ist unsere Chefin, Urbana Lupa.“
Das Untier hatte also einen Namen. Ich atmete auf und beschloss, mich nicht weiter ins Bockshorn jagen zu lassen. Zumindest diese Eva schien eine ganz normale Person zu sein, wenngleich sie wohl nicht wirklich etwas zu sagen hatte.
„Entschuldigen Sie unsere Unhöflichkeit“, meldete sich auch die Dame in Grau zurück und bot etwas zu Trinken an. „Und nun lehnen Sie sich zurück und hören sich an, was wir zu erzählen haben.“
Ich nickte, lehnte mich zurück – und hörte eine so unglaubliche Geschichte, dass ich nur immer wieder den Kopf schütteln konnte.

„Nun entscheiden Sie sich“, beendete Leila den Abend mit einem Blick auf die Uhr, die deutlich nach Mitternacht zeigte. „Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten, mit dem Gehörten umzugehen: Entweder Sie halten uns allesamt für verrückt – dann sollten Sie nach Hause gehen und alles vergessen, was Sie gehört haben. Verarbeiten Sie den Stoff von mir aus zu einem Roman, das ist mir egal, solange Sie darauf hinweisen, dass die Geschichte völlig frei erfunden ist und keinerlei Verbindungen zu lebenden oder verstorbenen Personen bestehen.“ Dabei blickte sie mich so direkt an, dass ich zu schwitzen begann. „Oder aber Sie halten es für möglich, dass unsere Geschichte stimmen könnte. In dem Fall werden wir Sie bitten, alles aufzuschreiben.“
Ich wäre keine Autorin, wenn ich eine solche Chance verstreichen lassen würde, und so schlug ich ein. Leila wies mich noch einmal darauf hin, dass unter ihresgleichen eine mündliche Absprache ebenso bindend sei wie bei uns ein Vertrag, und ließ mich nach Hause bringen, dann war ich mit meinen Gedanken und Zweifeln allein.

Unsere Zusammenarbeit gestaltete sich nicht eben einfach, da jede der Damen eine andere Vorstellung davon hatte, was und wie ich erzählen sollte. Einig waren sich die Drei lediglich in einem: Das Ergebnis sollte den unwissenden Menschen dabei helfen, Wesen wie uns für möglich zu halten, und Neuzugänge auf unser Leben vorbereiten.
Wir einigten uns schließlich auf eine Art Mischform: Eva als jüngstes Mitglied der Familie sollte ihre Geschichte erzählen. Leila, die Besonnene, wollte parallel dazu die Ereignisse aus unserer Sicht darstellen, die Eva zum damaligen Zeitpunkt ja noch nicht kannte. Urbana beschränkte sich darauf, hin und wieder bissige Kommentare einzustreuen und dem Ganzen so ihre besondere Note zu geben.
Meine Rolle bestand darin, die Erzählungen aufzuzeichnen, durch Nachfragen zu strukturieren und schließlich ein großes Ganzes daraus zu machen, das Menschen lesen können. Darum sollten Sie es sich jetzt bequem machen und diese wirklich unglaubliche Geschichte lesen.
(…)


Rezension folgt ...


Die Autorin
Sylvia Görnert-Stuckmann / Sylvie Wolff
geboren1959, verheiratet, 1 Tochter 
Ausbildung zur Bankkauffrau in Bonn, anschließend Studium der Sozialpädagogik an der Kath. Fachhochschule in Köln
Seit 1994 Krankenhaus-Sozialdienst im Schwarzwald
1996  - 2011Unterricht an der Krankenpflegeschule in den Fächern Psychologie,  Soziologie, Pädagogik, Gesprächsführung, Rehabilitation

Bisher veröffentlicht:

Sachbücher unter Sylvia Görnert-Stuckmann:
Elternratgeber Frühförderung: „Mit Kindern Geschichten erfinden
Ernst-Reinhardt-Verlag, München, März 2003
Senioren-Ratgeber: „Wenn man im Alter Hilfe braucht
HERDER-Verlag/Reihe spektrum, Freiburg, März 2004
Grundschularbeitsmappe: „Aus die Laus!“
AUER-Schulbuchverlag, Donauwörth, November 2004
Wegweiser Altenwohnen: „Umzug in die dritte Lebensphase
HERDER-Verlag/Reihe spektrum, Freiburg, Oktober 2005
Seniorenratgeber: „Oma ist die Beste – Warum Großeltern wichtig sind
HERDER-Verlag/Reihe spektrum, Freiburg, November 2007
Seniorenratgeber: „Hilfe im Alter
BC Publishing, München 2010
Seniorenratgeber: „Wohnen im Alter
BC Publications 2010

Jugendbücher unter Sylvia Stuckmann:
Kaja in der Außenwelt“ - Jugendroman ab 13
Fischer-Verlag/Reihe Schatzinsel, Frankfurt 2007
Pestmarie“  Historischer Jugendroman ab 12
Fischer-Verlag/Reihe Schatzinsel, Frankfurt 2011

Neue Fantasy-Reihe für verschiedene Altersstufen unter Sylvie Wolff:
Die Stadtwölfin“ – Werwolfkomödie für junge Erwachsene und Erwachsene
Amazon E-Book und TB (2012)
In Vorbereitung:
Wolfswasser“ – RomanAmazon E-Book und TB (vorauss. Oktober 2012)



Sylvia Wolff, Die Stadtwölfin

eBook und Taschenbuch bei Amazon

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