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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

13. Dezember 2012

Helmut Pöll, Die Elefanten meines Bruders

Eine schrecklich traurige Geschichte,
die mich dennoch zutiefst glücklich gemacht hat.
Denn Billy Hoffman, seine Familie und Freunde sind von einer Lebendigkeit, wie ich sie selten lesen durfte. Die Art und Weise, wie die Familie, allen voran Billy, einen Weg suchen, mit dem Verlust Philipps, des Bruders und Sohns zurechtzukommen, ist vom Autor unglaublich menschlich und gut vermittelt. Der Leser sitzt mit am Tisch, auf dem kein Salat oder Kräuter stehen dürfen, die direkt auf der Erde wachsen. Denn Billy, der außer mit der Trauer um seinen großen Bruder auch noch mit dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom zu kämpfen hat, kann nichts sehen, geschweige denn essen, was vielleicht mit „Tier-Pipi“ in Berührung gekommen ist. Dafür liebt er Pistazieneis und natürlich Elefanten, als Erbe seines toten Bruders.

Der Leser weint und lacht
während er durch Billy Hoffmans Augen die Welt sieht. Er rast mit dem 11-jährigen Jungen durch die nächtliche Wohnung, bewaffnet mit dem Todesstern, um die Übermotorik abzubauen, wenn sie ihn überfällt. Man liebt Mona mit ihrem Chamäleon, ihrer alternativen Mutter, die Billys beste Freundin ist. Man könnte Serrano, den alten „Bombenleger“, dafür abküssen, wie er mit Billy umgeht, ebenso die wilde Psychotherapeutin mit Mundgeruch und ihren Kater Mr. Tinkle, die den Jungen halbwegs versteht. Denn sowohl Serrano als auch sie sind voll informiert über „Krieg der Sterne“ und können Billy fast alle seine Fragen dazu wunderbar beantworten. Und vor allem liebt man Billy, der in all den Wirrnissen einen zauberhaften Charme versprüht. Ich bin ganz sicher, der Junge wird seinen Weg machen!

Eine große Kunst und Herausforderung
für jeden Autor hat Helmut Pöll hier hervorragend bedient. Einen ganzen Roman aus der Perspektive eines ADS-Kindes ohne jegliche Entgleisung in die erwachsene Erzählstimme zu schreiben, ist beachtlich. Die Welt des kleinen Billy tut sich auf, füllt sich mit Freude und Schrecken, mit Abenteuern und tiefen Gedanken zu Leben und Tod. Chapeau!

Einzigartig nahe bringt
der Autor einem dieses Thema, einzigartig schön endet die Geschichte. Nun sitz ich da, in Tränen des Mitgefühls und des Glücks aufgelöst und bedanke mich herzlich für diesen Lesegenuss.

Technische Kleinigkeiten
an denen das Buch litt, wurden mittlerweile alle bereinigt.
Dieser meisterliche Roman von Helmut Pöll strahlt nun einwandfrei.       

Elsa Rieger


Leseprobe hier im SALON




Der Autor
Helmut Pöll - Geboren am 29.05.1964 in Moosburg / Isar
Ausbildung zum Tageszeitungsredakteur
Arbeitet als Softwareentwickler und IT Consultant, lebt in München
Bibliografie
Nudelsuppe Online“, Kurzgeschichte,
erschienen bei Heise Online, 1996
Emails von Wilhelm Tell“, Fortsetzungsroman, erschienen bei Heise Online, 1996
Sketche für Fernsehen (Bayerischer Rundfunk)
Der Schoßhunddestruktor“, ein Roman über intelligente Straßenkehrmaschinen, die Schosshunde umbringen und die Frage, wie viele elektrische Hundeheizdecken ein städtisches Stromnetz zusammenbrechen lassen, Elfenbein-Verlag, Berlin, 2001
Daneben Satiren und Kurzgeschichten, u.a. für die Satirezeitung HERBST.
Gründung des Satireportals


Helmut Pöll, Die Elefanten meines Bruders


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Kommentare:

James Henry Burson hat gesagt…

Er muss ihn lieben, den Jungen, so wie er ihn beschreibt.
Ändert sich die Welt, wenn man sie - wie der Knabe das tut - auf den Kopf stellt?
Sicher nicht, lediglich die Sichtweise, auf diese.
Das ist sowas von humorvoll beschrieben, dass ich mir fast auch so einen Jungen wünschen würde.
Er bringt sowas von Leben in die Bude, dass ich beim Lesen ständig versucht war, mir auszumalen, was er nun wieder aus einer Situation, oder einer Person machen könnte.
Nein, besser, wie dem Autoren ist mir das nicht gelungen - das ist kaum Steigerungsfähig.
Es rührt mich, mit welch nachsichtigem und wohlwollenden Blick die Eltern mit dem Kind agieren.
Die Geschichte hat Humor, Seele und Tiefgang.
Sie zeigt den Blick auf die Weltsicht eines Kindes und dessen unglaublichen Reichtum an Phantasie.
Keine Angst - die Welt ändert sich dadurch nicht.
Mein Dank gilt auch Elsa Rieger, für die Vorstellung, des Werkes - toll!

schreibtalk hat gesagt…

Lieber Ja,es, vielen Dank für den wunderschönen Kommentar zu diesem Buch, du hast so recht!

Liebe Grüße
ELsa

Helmut Poll hat gesagt…

Hallo James,

ich habe es erst jetzt gesehen. Vielen Dank für diesen schönen Kommentar.

Viele Grüße und Ackackack, wie Billy sagen würde.

Helmut

Helmut Poll hat gesagt…

Hallo James,

ich habe es erst jetzt gesehen. Vielen Dank für diesen schönen Kommentar.

Viele Grüße und Ackackack, wie Billy sagen würde.

Helmut