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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

5. Dezember 2012

Marlon Baker, Fiakers Blut

Es lebe der Zentralfriedhof mit alle seine Toten
singt Wolferl Ambros, und ebenso singt Marlon Bakers alter Ego in seiner Ode an die Wiener Fiaker. Wie ein Bullterrier verbeißt er sich in alten Aufzeichnungen, die er zufällig entdeckt. Der mysteriöse Tod eines Kutschers lässt ihn nicht mehr los.

Auf der Spurensuche
begegnet ihm, dem Schriftsteller im Roman, der aufgrund dieser Aufzeichnungen einen Krimi über den Franz Wagner schreiben will, allerhand in Wien. So fährt er zum Beispiel mit einem Fiaker zum Zentralfriedhof, was in realo gar nicht machbar wäre, denn nur die kleine Stadtrundfahrt von 15 Minuten kostet mit dem Pferdewagen heutzutage 55 Euro. Aber das ist dichterische Freiheit.
Ebenso, dass Stricher im Buch als Strizzi bezeichnet werden. Strizzis sind Zuhälter von Prostituierten, aber keine Stricher. Das macht aber nichts, für eine Wienerin ist das alles sehr amüsant zu lesen. Und der Autor macht ja kein Hehl daraus, dass er nur ein "Zuweg'raster" ist, ein Zugereister. Die Story selbst ist sehr gut zu lesen, ich glaube, noch keiner hat in der Art über Wien und seine Fiaker nebst Lokalkolorit geschrieben, ich bin gern mitspaziert auf den düsteren Wegen durch meine Stadt.

Wien der späten 1960er
also der Hippiezeit, bezeichnet der Autor als beschauliches Wien. Ich selbst war damals 17-18 Jahre alt. Von Beschaulichkeit habe ich nichts gesehen. Zumindest nicht in den Kreisen, in denen ich mich umgetan habe. Das waren wilde Zeiten, schamlos, anarchistisch, und wer nicht wenigstens bisexuell war (am besten aber schwul), hat kein Leiberl gerissen in der Gesellschaft (siehe Song von Georg Danzer), die kiffte, Rolling Stones hörte und im Voom Voom (ganz witzig der Artikel dazu) abtanzte. Ich glaube sogar, die Welt ist heute wesentlich prüder geworden. Vielleicht aber war es in Fiakerkreisen anders, das weiß ich nicht.

Ich vermute, bei Lesern aus Wien
wie ich  eine bin, wird es das Buch nicht leicht haben wegen der oben genannten Beispiele, für andere ist es aber sicher spannende, farbenfrohe Lektüre.




Elsa Rieger  







Der Autor:
Ich würde mich selbst einen Schriftsteller, Verleger & Filmemacher aus Leidenschaft nennen, denn in jedes meiner Werke stecke ich sehr viel Herzblut ... wenn ich denn an einer Geschichte "Blut geleckt" habe! Ich blicke auf eine über 20-jährige Karriere zurück, in der ich bis dato weit über 30 Titel veröffentlicht habe; darunter auch die erfolgreichste eBook-Trilogie aller Zeiten KANNIBALEN UNTER UNS, die es schon bald auch in Deutscher Sprache zu kaufen geben wird (ab Herbst 2012). Ich schreibe vor allem Krimis, Thriller und "experimentelle Bücher", wie ich sie gerne nenne. Seit 2012 veröffentliche ich pünktlich zum 01.Januar eines Jahres den “Ersten Krimi des Jahres” aus meiner Neuseeland-Krimi-Reihe. Januar 2012 ist auf amazon erschienen: “Autorenzirkel – Hier schließt sich der Kreis – Inspector Nathan Fridges erster Fall” und im Frühjahr 2012 verfilmte ich das AMOKLAUF TAGEBUCH. Zur Zeit stehen zwei weitere Film-Projekte sowie viele weitere Bücher an, sowie meine eigene Büchersendung “LeseLust”, die am 14.09. zum ersten Mal ausgestrahlt und auch online gestellt werden wird: http://maniax.cc/live/index.php
Im DNL-E-Book kann man die ersten 3 Kapitel kostenlos lesen:
den DNL-Reader gibt es hier: http://iboox.eu/assets/dnlsetup.exe

Marlon Baker, Fiakers Blut

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Kommentare:

James Henry Burson hat gesagt…

Hi, hi, ist doch ganz witzig, wenn ein "Touri" seine Story in eine Stadt verlegt, in die er sich offensichtlich verknallt hat.
Es lebe das Klischee, aber ich sehe ja, dass der Wiener ob der oberflächlichen Betrachtungsweise, seine Stadt in der Beschreibung durchaus wiedererkennt und - schmunzelt.
In diesem Sinne - so eine Kutschfahrt, würde mir auch noch Spaß machen!

schreibtalk hat gesagt…

Ohja, James, ich war wirklich amüsiert, auch gespannt, weil es ja ein Krimi ist. Die Fehlerchen würde ich jedoch ausmerzen, habe dem Autor meine Ideen und Vorschläge dazu geschickt.

Liebe Grüße!

James Henry Burson hat gesagt…

Ganz so, wie es deiner Art entspricht.
Ich kann ihm nur wünschen, dass er deinen Vorschlägen entspricht - der Gewinn läge in jedem Fall bei ihm.
Seid beide gegrüßt und einmal mehr bin ich von deinem Engagement beeindruckt, liebe Elsa.
Alles gute, für euch, James.

schreibtalk hat gesagt…

:-)