Salon

Salon

Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

8. Januar 2013

André Milewski, Geheimakte Labrador


Oslo 1952
Der junge Deutsche Max Falkenburg arbeitet als Museumswärter im Wikingerschiffmuseum.
Als er den Diebstahl eines geheimnisvollen Medaillons verhindert, findet er sich plötzlich auf der Suche nach Thors legendärem Hammer Mjöllnir wieder.
Gemeinsam mit dem amerikanischen Archäologen Frederick Crichton und seinen Studenten setzt Max alles daran, den mystischen Hammer zu finden. Doch eine Spezialabteilung des russischen Geheimdienstes versucht, ihnen zuvor zu kommen.
Die Jagd führt Max und seine Freunde über Island nach Grönland und schließlich an die Küste Labradors, wo es zum alles Entscheidenden Kampf um Mjöllnir kommt …




Leseprobe:

Prolog

Markland – 1000 n.C.

»Das war hoffentlich der Letzte dieser verdammten Skrälinge!«, fluchte Leif, als er mit einem kräftigen Ruck sein Schwert aus dem reglosen Körper zog. Dampfend sickerteBlut aus der Wunde, tropfte in den Schnee und färbte ihn tiefrot. Leif blickte sich um und sah auf die unzähligen niedergestreckten Feinde, die auf dem Schlachtfeld verstreutlagen. Mindestens zwanzig, dreißig der hinterhältigen Feiglinge, schätzte er. Zwischen
ihnen erblickte er auch zwei vertraute Gesichter: Thoralf und Sigurd. Beide waren grausam zugerichtet, aber Leif konnte den Blick nicht von seinen toten Kameradenabwenden. Es war seine Schuld, er führte sie in diese schrecklichen Gefilde am Endeder Welt. Im Alleingang hätte er es nicht bis hierher geschafft. Nur durch die Hilfe seiner treuen Freunde war dies möglich gewesen. Aber ihr Opfer würde nicht vergebens
gewesen sein! Schließlich wandte er den Blick von den Toten ab und er sah Heimir, der gerade versuchte seine doppelschneidige Streitaxt aus dem Oberkörper eines Skrälingers zu ziehen. Mit einem hässlichen Knacken löste sich die Axt.

»Hierfür werden uns die Götter verdammen!« Heimirs unruhige Stimme verriet, dass ihm nicht behagte, was sie getan hatten.
Leif sah seinen Freund an. Heimir überragte ihn nahezu um zwei Kopflängen und war so breitschultrig, dass auf der Ruderbank ihres Drachen kein zweiter Mann neben ihm Platz fand. Sein blondes Haar hatte er zu einem langen Zopf gebunden und geschworen, sich die Haare erst nach einem verlorenen Zweikampf wieder zu kürzen. Doch dazu war es bisher nie gekommen. Sie hatten gemeinsam die weitesten Fahrten unternommen, sich furchtlos dem Unbekannten an den Gestaden jenseits der alten Welt gestellt. Seit frühester Kindheit kannte er Heimir, aber nun gewahrte er beim Blick in dessen Augen, wie sein hünenhafter Freund, der stärkste Viking von allen, vor ihm stand und Angst hatte.
Unsagbare Angst.

Leif gab ihm keine Antwort. Er war sich nicht sicher, ob er das Richtige tat. Nur eines wusste er: Dass er handeln musste, um das Unheil zu stoppen, bevor es sie alle verschlingen würde. Mit einem verbissenen Gesichtsausdruck reinigte er sein Langschwert, steckte es zurück in die Scheide und ging zu der kleinen Holzkiste, die er beim Angriff der Skrälinge am Waldrand abgestellt hatte.

Keiner der Angreifer hatte es gewagt, sich der Kiste zu nähern. Sie strahlte eine unheilvolle Aura aus. Lange blickte Leif auf die unscheinbare Holzschatulle. Hätte er die Kiste bei dem Angriff geöffnet, würden Thoralf und Sigurd gewiss noch Leben. Aber welchen Preis hätte er, hätten sie alle dafür zu zahlen?

»Bist du dir immer noch sicher, dass du ihn hier vergraben willst? Die Skrälinge könnten kommen und ihn an sich nehmen«, sagte Heimir hinter ihm und riss ihn aus seinen Gedanken.
Leif hob die Kiste hoch. Sie schien ihm schwerer als zuvor.
»Das werden sie nicht. Das können sie nicht! Ganz im Gegenteil. Sie werden der beste Schutz dafür sein.«
Er verachtete die Skrälinge zutiefst. Es waren heimtückische Feiglinge. Sie griffen nur aus dem Hinterhalt an, im Zwielicht, damit ihre Opfer sie erst im letzten Moment sehen konnten. Mit den Waffen der Feiglinge: Bogen und Speer. Doch Leif brachte den Kampf zu ihnen. Unzählige Skrälinge hatten sie erschlagen, auf ihrem Weg durch den unheimMit den Waffen der Feiglinge: Bogen und Speer. Doch Leif brachte den Kampf
zu ihnen. Unzählige Skrälinge hatten sie erschlagen, auf ihrem Weg durch den unheimlichen Wald. Die Passage erforderte einen hohen Blutzoll. Nur Heimir und er waren übrig. Thoralf, Sigurd, Eirik und Gunnar waren den verfluchten Feiglingen zum Opfer gefallen. Trotzdem spielten die Skrälinge eine Rolle in seinem Plan. Sie würden die Wächter sein!

Die Landzunge, die er von der See aus gesehen hatte, lag nun offen vor ihnen.
»Komm, Heimir, wir müssen näher an die Küste heran«, sagte Leif und ging entschlossen voraus. Mit jedem Schritt spürte er, wie das Gewicht der Kiste in seinen Händen zunahm.
Als sie den Küstenstreifen erreichten, setzte leichtes Schneetreiben ein. Schweißgebadet stellte Leif die Holzkiste ab. Über dem Meer zuckte ein Blitz hinunter, dem wenige Augenblicke ein lautes Donnern folgte.
»Das ist die Stelle! Hier vergraben wir ihn!«, sagte er mit entschlossener Stimme.
Schweigend begannen Heimir und er ein Loch in dem eisigen Boden zu graben. Es kostete sie einige Zeit, den harten Untergrund zu öffnen.

Als es geschafft war, ging Leif näher an die steil abfallende Küste heran und sah sich um. Die schroffen Felsen, die fast senkrecht aus dem Wasser aufragten und vor allem die gefährlichen Untiefen machten es unmöglich, sich diesem Platz vom Meer aus zu nähern. Soweit er blicken konnte, gab es keine Möglichkeit ein Schiff anzulanden. Und der Weg über Land war gefahrvoll, das wusste er mit schrecklicher Gewissheit. Diese gottverdammten Skrälinge! Er wünschte ihnen allen den Tod. Die Hand seines Freundes auf seiner Schulter riss ihn aus diesen hasserfüllten Gedanken.
»Was hast du?«, fragte er Heimir, ohne ihn anzusehen.
»Noch können wir zurück, Leif! Wir nehmen ihn mit uns. Und entgehen so vielleicht der Verdammnis!«, sagte Heimir flehend.
Leif umklammerte den Arm seines Freundes.
»Nein, mein Freund. Du weißt genauso gut wie ich, dass es dann keine Rettung mehr für uns gibt. Niemand sollte ihn besitzen, er ist nicht für Menschen gedacht!«
Vom Meer grollte ein Sturm heran und gewaltige Wellen bauten sich auf und peitschten ohne Unterlass gegen die Klippen.
»Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Warum versenkst du ihn nicht einfach im Meer?« Heimirs Stimme klang kraftlos.
Leif wandte sich ab. Er blickte hinaus auf die See, dessen Gewoge sich wie von wilder Raserei getrieben, hoch auftürmte, um dann gnadenlos auf die Küste zu schmettern.
Weit entfernt sah er Blitze ins Meer zucken. Thors ganzer Zorn schien sich hier, am Ende der Welt, zu entladen.
»Nein, im Meer ist er nicht sicher«, sagte er fast tonlos.
Leif wusste, dass Heimir ihn keinesfalls hören konnte, bei dem Getöse um sie herum.
Fast erschien es ihm, die alten Götter würden ihm zürnen. Seine rechte Hand tastete nach dem kleinen Kreuz, das er um den Hals trug. Er umklammerte es fest. Aber Leif hatte nichts mehr zu verlieren, es war seine einzige Hoffnung seine Familie und sein Volk von dem Fluch zu befreien. Gleichwohl durfte er ihn nicht dem Meer überantworten. Vielleicht würde es ihm gelingen herauszufinden, wie man die Kräfte beherrschen kann, wenn er nur noch mehr Zeit hätte.
Er drehte sich wieder zu seinem Freund um.
»Heimir?«
»Ja?«
Leif glaubte, in Heimirs Stimme einen Funken Hoffnung zu hören. Hoffnung darauf, dass er seine Meinung geändert hatte.
»Verzeih mir!«
Ehe Heimir sich der Bedeutung von Leifs Worten klar werden konnte, zog Leif sein Schwert und trennte mit einem schnellen Hieb dessen Kopf von den Schultern. Als der Kopf zu Boden fiel, sah Leif in die vor Überraschung und Entsetzen weit aufgerissenen Augen seines Freundes.
»Lebe lang in Walhall, an Odins Tafel mein Freund!«



Kapitel 1

Oslo, 27. April 1952

Der Himmel über Oslo war düster und ein dichter Wolkenteppich zog vom Meer heran. Kein besonders schönes Wetter für einen Sonntagmorgen, dachte Max, als er das Wikingerschiffmuseum durch den Personaleingang an der Ostseite betrat. Er hatte noch genug mit den Nachwirkungen des gestrigen Abends zu kämpfen. In seinem Kopf tobte bereits ein Unwetter. Es war keine gute Idee gewesen, eine zweite Flasche Wodka zu öffnen. Immerhin hatte er es geschafft, halbwegs pünktlich zum Arbeitsbeginn im Museum zu sein. Eine weitere Verspätung konnte er sich nicht erlauben.
Direktor Ingstad würde kurzen Prozess mit ihm machen. Max nestelte unbeholfen an seiner Krawatte herum, aber es wollte ihm einfach nicht gelingen sie ordentlich zu binden, während er hastig die Eingangshalle betrat. Die Jacke seiner blauen Uniform hatte er über die Schulter geworfen, sein ungebügeltes Hemd hing aus der gleichfalls ungebügelten Hose heraus.
»Maximilian! Da bist du ja endlich! Ich hab mir schon Sorgen gemacht!«
Die vorwurfsvolle Stimme gehörte Selma, seiner deutlich älteren Kollegin. Sie arbeitete an der Museumskasse und hatte immer ein wachsames Auge auf Max. Sie spielte gerne die Ersatzmutter für ihn. Er hasste es, wenn sie ihn Maximilian nannte.
»Wie du wieder aussiehst! Wenn der Direktor dich so sieht, gibt es gleich wieder ärger. Komm mal her, ich mach das!« Bevor Max imstande war, irgendwelche Einwände hervorzubringen, fing Selma an seine Krawatte ordentlich zu binden. Mit wenigen geübten Handgriffen saß der Knoten einwandfrei. Max steckte sich unterdessen das Hemd in die Hose. Danach zog er die Jacke an.
»So besser?«, fragte Max.
»Etwas. Aber gegen dein zerknautschtes Gesicht hilft das leider nicht«, sagte Selma.
»Jetzt geh die Tür aufschließen. Draußen wartet bereits ein Besucher!«

Max ging dösig durch die Halle auf die Eingangstür zu. Links vom Eingang war die Kasse, rechts davon der zum Museum gehörende Andenkenladen. Direkt vor dem Einlass war ein Metallgestell, das die Gäste nach rechts leitete, zur Kasse. Er ging an der Absperrung vorbei und zog den Hauptschlüssel aus der Tasche. Vor der Tür stand in der Tat ein wartender Besucher. Todsicher wieder so ein Wikinger-Fanatiker, warum sollte sonst jemand um die Uhrzeit und bei dem Wetter hier raus kommen?
Max steckte den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür.
»Endlich, ich warte bereits seit zehn Minuten«, sagte der sichtlich verärgerte Besucher.
Max blickte ihn mit trübem Blick an.
»Hm?«
»Wo finde ich hier die Tierkopfpfosten?«
»Immer geradeaus, dann kommen Sie genau darauf zu.«

Ihm waren diese ständigen Fragesteller zuwider. Wozu lag am Eingang des Museums das Ausstellungsprogramm aus? Aber das war wohl sein Los als Museumswärter. In seinem Kopf nahm das Unwetter allmählich an Stärke zu.
Der Besucher ging zur Kasse, an der Selma in der Zwischenzeit Platz genommen hatte, und zahlte. Max ging wieder zurück und bog in Richtung des Andenkenladens ab.
Die kleine Blonde, die gestern dort aushalf, war noch nirgends zu sehen. Schade! Max sah nur den alten Magnus im Laden stehen. Der winkte ihm zu, als er ihn durch das mit kleinen Wikingerschiffmodellen vollgestellte Schaufenster sah.
»Herr Falkenburg!«
Max zuckte zusammen, als die tiefe, dröhnende Stimme jäh hinter seinem Rücken erklang. Mit einem Schlag war er hellwach. Er machte auf dem Absatz kehrt und blickte in das strenge Gesicht von Haakon Ingstad. Max wusste was jetzt folgen würde.

*

»Ja, Herr Direktor?«
»Haben Sie unser letztes Gespräch vergessen? Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt, was ich davon halte, wenn Sie verkatert zur Arbeit erscheinen!«
Haakon Ingstad musterte Maximilian Falkenburg genau. Abgesehen von den Ringen unter seinen Augen, dem unrasierten Gesicht und den ungekämmten braunen Haaren, fiel ihm besonders die schlampige Uniform unangenehm auf. Mit Ausnahme der Krawatte.
Der Knoten saß wahrhaftig ausgezeichnet.
»Äh ja, das äh, natürlich haben Sie das, aber äh ... Es war eine Geburtstagsfeier und na ja, Sie wissen schon ...« Der junge Deutsche stammelte, als sei er ein beim Lügen ertappter Halbstarker. Haakon Ingstad sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an.
»Nein, ich weiß nicht! Das Einzige, was ich mit Bestimmtheit weiß: Wenn das noch einmal vorkommen sollte, sind Sie die Stellung hier los! Ich hoffe, wir verstehen uns? Und jetzt gehen Sie an die Arbeit und seien Sie um Himmels willen höflicher zu den Besuchern!«
»Jawohl Herr Direktor. Wird gemacht! Bin schon weg.«

Haakon Ingstad schaute dem Deutschen hinterher, während dieser hastig den Vorraum der Haupthalle verließ. Er könnte ihn nicht entlassen. Schließlich hatte er eine Schuld zu begleichen. Trotzdem musste er versuchen, dem Jungen Disziplin einzubläuen. Wenn auch seine bisherigen Anstrengungen nicht sonderlich viel Erfolg brachten, würde er nicht aufgeben.

*

Max atmete tief durch, als er die Eingangshalle hinter sich gelassen hatte und rechts abbog, in die Osthalle, wo die Überreste des Tuneschiffs aufgebahrt waren. Das hätte schlimmer kommen können. Immerhin hatte er seinen Job noch – vorerst. Er hasste zwar die Arbeit im Museum, aber seit seinem unrühmlichen Abgang von der Universität brauchte er diesen Job. Arbeit war für Deutsche in Oslo schwer zu kriegen, eigentlich beinahe unmöglich. Dass er diesen Job von Direktor Ingstad aus heiterem Himmel angeboten bekam, war für ihn ein echter Glücksfall. Der Direktor hatte ihm gesagt, er sei ein guter Freund seines Vaters gewesen. Max konnte sich zugegebenermaßen nicht daran erinnern, Ingstad früher schon mal gesehen zu haben, aber es schien was dran zu sein. Jedenfalls hatte er den Job ohne irgendwelche Probleme bekommen. Trotzdem hätte er lieber weiter studiert. Doch das konnte er sich fürs Erste in Oslo abschminken. Und vor allen anderen Dingen brauchte er erst mal Geld.

Er umrundete die armseligen Überreste des Tuneschiffs und ging in die gegenüberliegende Halle des Gokstadschiffes. Max fand die riesigen Hallen des alten Klosters, in denen das Wikingerschiffmuseum untergebracht war, immer noch beeindruckend. Das alte Gemäuer war in Form eines Kreuzes gebaut, mit vier gleich großen Kirchenschiffen.
Und in diesen Kirchenschiffen standen jetzt die Wikingerschiffe. Wie passend! Max musste lächeln. Wie in einer Kathedrale. Eine gottverdammte Schiffskathedrale! In der Halle rührte sich nichts. Still und majestätisch erhob sich in der Mitte des gewölbeartigen Raums das Gokstadschiff. Im Gegensatz zum Tuneschiff bot das Gokstadschiff schon einen imposanteren Anblick. Es wurde im Auftrag des Museums aufwendig restauriert. Das alte Eichenholz war nicht zu unterscheiden von den neu eingesetzten Bordplanken. Aber durch die vielen kleinen Fenster fiel auch nur kümmerlich Licht in den Raum. Draußen wurde es stetig dunkler. Das Unwetter kam näher.

Plötzlich hörte Max ein kratzendes Geräusch aus der Südhalle. In dieser Halle stand kein Schiff. Hier waren die kleineren Exponate, im Regelfall Grabbeigaben, ausgestellt. Es gab kunstvoll verzierte Bettgestelle, kleine Wagen, bestickte Stoffe, Medaillen und andere Alltagsgegenstände aus der Zeit der Wikinger. An der Stirnseite des Raumes waren vier große Tierkopfpfosten platziert. Diese bestanden aus Ahorn-Holz und waren Paradebeispiele für die technischen und künstlerischen Leistungen der Wikinger. Der obere Teil des Pfostens stellte einen Raubtierkopf mit aufgerissenem Maul dar. Die gesamte Pfostenoberfläche war darüber hinaus mit anderen, kunstvoll ineinander verflochtenen Tieren bedeckt. Am Tierkopf hinten links sah Max jetzt den Besucher herumwerken.
Er hatte ein Taschenmesser in der Hand und stocherte damit am Auge des Kopfes herum. Mit einem Knacken sprang das Auge plötzlich hinaus. Der Kerl griff in die Augenhöhle und nahm etwas Kleines heraus, dass aus der Entfernung wie ein Medaillon aussah. Er hatte noch nicht bemerkt, dass ihn jemand beobachtete. Max ging bedächtig auf ihn zu.
»Hej! Was machen Sie da?«
Der Besucher zuckte zusammen und drehte sich um. Max sah jetzt den Gegenstand in seiner linken Hand. Es war tatsächlich ein Medaillon. Woher konnte der Kerl das Wissen? Erst jetzt sah Max sich den Mann genauer an. Ein Kerl wie ein Kleiderschrank, mindestens zwei Meter groß. Den athletischen Oberkörper hatte er in ein viel zu enges Jackett gequetscht. Seine Statur ließ erahnen, dass er schon einmal Kampfsport betrieben hatte. Seine Gesichtszüge wirkten kantig und unter seinem kurz geschorenen blonden Haar blitzten zwei stahlblaue Augen Max feindselig an.
»Es ist nicht erlaubt, die Ausstellungsstücke zu berühren. Und Beschädigung ist ebenfalls nicht vorgesehen!« Max zeigte mit der rechten Hand auf die leere Augenhöhle des Tierkopfs.
Sein Gegenüber zeigte keinerlei Regung.
»Wir gehen jetzt gemeinsam zum Direktor. Folgen Sie ...«
Max konnte den Satz nicht beenden. Der Mann sprang unvermittelt auf ihn zu und schlug ihm mit der rechten Faust brutal ins Gesicht. Max taumelte rückwärts und stürzte gegen eine der kleineren Vitrinen. Mit einem lauten Knall zersplitterte das Glas der Vitrine.
Sein Angreifer stürmte an ihm vorbei, geradewegs auf den Haupteingang zu. Max brauchte einen Augenblick um sich zu orientieren. Seine linke Gesichtshälfte pochte. Ohne weiter darauf zu achten, rappelte er sich auf und lief dem Flüchtenden hinterher.
Der Kerl hatte bereits einen kleinen Vorsprung. (...)



Der Autor

André Milewski wurde 1978 in Neumünster geboren.
Nach der Schule Ausbildung zum Maler und Lackierer. Nach abgeschlossener Ausbildung zog es ihn zur Marine, wo er als Zeitsoldat acht Jahre „diente“. In dieser Zeit mehrere Auslandseinsätze absolviert.
Nach einer Weiterbildung zum Betriebswirt seit 2007 als Einkaufsleiter bei einem Medizinprodukthersteller tätig.
Wenn er nicht gerade schreibt, verbringt er die meiste Zeit mit seinem Hund oder widmet sich der Gartenarbeit.

Referenzen/ Veröffentlichungen
„Geheimakte Labrador“ ist seine erste Veröffentlichung.
 
 
André Milewski, Geheimakte Labrador

eBook bei Amazon

Keine Kommentare: