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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

4. Januar 2013

Andrea Froh, Die Welt um mich schien irgendwie traurig



Annabella ist Ende dreißig, hat zwei Kinder, einen Mann, ein schönes Haus und ist mit den Problemen ihrer Mitmenschen so sehr beschäftigt, dass sie für ihr eigenes Familienleben kaum Zeit findet. Als ihr Mann überraschend stirbt, ändert sich ihr Leben von Grund auf. Sie bekommt finanzielle Probleme und verliebt sich in den jüngeren Leon, der aber schon liiert ist. 

Annabella durchlebt eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit Leon ...




Leseprobe:

Kapitel 1

Die menschlichen Probleme um mich herum schlichen sich an mich heran wie Nacktschnecken an Kürbisblüten. So schlug das Schicksalsgewitter zunächst bei meiner Freundin Maria ein. Gleich einem Blitz, der einen jungen Baum trifft, der dabei völlig abbrennt und bei dem nur die Wurzeln überleben.
Marias Ehemann, mit dem 60er Namen Bernd, der Bär, war wohl nicht mehr mit Frau als Ehefrau zufrieden; vielleicht hatte sie zu wenig Silikon in den Brüsten, vielleicht war ihre Cellulitis zu unansehnlich, vielleicht hatte er zu viele schöne Frauen in Magazinen gesehen oder vielleicht wollte er einfach nur anderen Sex. Er sagte jedenfalls nur lapidar: „Ich liebe dich nicht mehr!“ ohne weitere überzeugende Gründe zu nennen.

Als ich von dieser schlechten Szene erfuhr, standen meine Gesichtshärchen senkrecht und meine Augen trugen zwei dicke schwarze Fragezeichen in den Pupillen. Was war das für ein Grund sich zu trennen? Das wäre so, als würde ich meinen Kindern sagen: „Ich mag euch nicht mehr! Sucht euch eine andere Mama!“ Sicher, die Liebe kann nach einiger Zeit auf dem Weg liegenbleiben wie ein verlorenes Schmuckstück, das man zunächst nicht vermisst, das einem dann aber doch irgendwann fehlt ,wenn man es tragen möchte. Man muss doch nach der verlorenen Liebe suchen und kann sie nicht aus nichtigen Gründen kampflos aufgeben, nur weil man zwei Probleme findet. Man kämpft doch auch sonst um alles, um die günstigen Angebote im Supermarkt oder um eine Gehaltserhöhung.
Man kann nicht wissen was nach dem Eheversprechen so alles kommt; da kann es schon passieren, dass die großartigen ersten Gefühle über Bord gehen und mit den Wellen davongetragen werden. Ab und zu werden sie vielleicht zurückgespült und schwappen wieder ins Boot, plätschern dort lange herum und verdunsten irgendwann. Emotionen kann man nicht beeinflussen, sie sind einfach da und kommen über einen wie der Rostbrand am Apfelbaum, dachte sich vermutlich Bernd, der Apfelbaum; er kann sich nicht wehren gegen die Krankheit, doch er kann von anderen geheilt werden, was dieser Apfelbaum jedoch gar nicht wollte oder ist er zu einem Eheberater gegangen oder hat mit seiner Frau über seine Unzufriedenheit gesprochen? Nein! Er wollte seiner Ehe gar keine Chance geben; wollte möglichst unkompliziert raus aus der Gefangenschaft. Vielleicht hätte Maria sich geändert, um ihre Ehe zu retten, um für ihre Kinder eine Familie zu bleiben, die er auch immer haben wollte. Wie viele Männer verlassen wohl leichtfertig ihre Nester, um sich jüngeren, schlanken Frauen zwischen die Beine zu werfen? Irgendwann kommt bei einigen der Punkt, an dem sie sich fragen, ob ihr Leben und vor allem ihr „Bettleben“ nicht zu langweilig sei. Irgendetwas lässt sie zu Robotern werden, die sich in die weit geöffneten Arme von einsamen Frauen stürzen, die diese Orientierungslosen aufnehmen, obwohl diese Frauen, die sofort ihre Arme fest um den Mann schließen, wissen, dass dieser eigentlich gebundene Mann drei Schnäbel zu füttern hat und vielleicht auch noch ein Ei im Nest ausgebrütet wird.

Maria konnte zunächst nur Weinen, konnte die Realität nicht realisieren. Es war auch für mich ein Schock, den ich verdauen musste wie ein Nahrungsmittel, das nicht für meinen Magen geeignet war. Maria suchte bei mir Hilfe, Trost und Erstversorgung in Notdienstgeschwindigkeit, die ich ihr schlecht geben konnte, da ich noch keine Erfahrungen mit verlassenen Ehefrauen hatte. Nein, der Ehe-Kaputtmacher hatte keine andere! Natürlich, nie haben diese Wesen der männlichen Menschenart eine andere; nie ist die Wahl eines frischen Subjektes ein Trennungsgrund. Oh, diese verlogenen ... Nein! ich benutze hier kein Schimpfwort, obwohl es mir an dieser Stelle gut getan hätte. Er, der Bernd, war einfach eine armselige Kreatur, mit der wir vielleicht einfach nur Mitleid haben sollten. Irgendetwas in seinem Körper musste passiert sein und ich vermute stark, dass es mit dem Teil zwischen seinen Beinen zu tun hatte.

Nach Monaten stellte sich heraus, dass Bernd schon lange eine Freundin in Brasilien hatte, wo er sich beruflich häufig aufhielt. Es war grausam aber wahr. Sein Austauschsubjekt war Anfang zwanzig, gehorsam, jung und konnte seinem Teil all seine Wünsche erfüllen. Tja, hätte Maria das gewusst, hätte sie seine Wichtigkeit vielleicht doch mal häufiger zwischen ihre Zähne genommen; obwohl ihr davon - besonders in der prämenstruellen Phase - übel wurde. Hätte sie sich prostituieren sollen, nur um ihren Mann zu halten?
„Nein! Auf gar keinen Fall!“, sagte ich der Betrogenen und tröstete sie mit den üblichen Phrasen: „Er ist es nicht wert, um ihn zu kämpfen und blablabla ...“
Man konnte gar nicht so schnell über diesen Fall nachdenken, da war der Ehemann, der Vater schon ausgezogen. Es war ihm scheinbar so egal wie die Schuhgröße der Kanzlerin, seine süßen Mädchen zu verlassen, so sehr zog ihn sein Schwanz nach Südamerika, wo er es vielleicht besser haben sollte.
Ich war mir sicher, dass Bernd es nach einigen Jahren bereuen würde, aber das half Maria im Moment auch nicht weiter. Sie war wie ein zusammengebrochenes Hochhaus und ich hatte Mühe, wenigstens den Keller wieder aufzubauen. (...)


Die Autorin
Als gebürtige Hamburgerin zog ich mit 13 Jahren in ein kleines Dorf nach Schleswig-Holstein. Das Interesse am Schreiben entwickelte sich bereits im Kindesalter. Ich verfasste Gedichte und schrieb kritische Leserbriefe.
Bereits während meiner Schulzeit arbeitete ich für ein Regionalblatt als Reporterin; eine Tätigkeit, die ich auch in der Zeit meines Geographie-Studiums fortführte. Nach Beendigung des Studiums begann ich ein Volontariat bei einem Regionalblatt. Allerdings stellte sich rasch heraus, dass das Schreiben über Kaninchenzüchtervereine und Schützenfeste nicht die Erfüllung meiner journalistischen Träume war. Der Versuch in der Henri-Nannen-Schule unterzukommen scheiterte knapp.
Allerdings wurde ich schnell abgelenkt, da ich mit meinem Freund und späterem Mann nach Nürnberg zog. Dort hatte ich aufgrund der Tatsache, dass ich als Geographin keinen Job fand, die Möglichkeit, intensiv an meinem ersten Buch „First“ zu schreiben. Wie bei vielen Erstlingswerken handelt es sich auch bei „First“ um eine fiktive Geschichte mit einigen autobiographischen Zügen. Ohne mich darum zu kümmern, das erste Werk bei einem Verlag zu platzieren, begann ich mit meinem zweiten Buch „Nina und Ich“.
Nach drei schönen Jahren in Nürnberg bekamen wir unser erstes Baby und die Schriftstellerei ruhte. Nach der Rückkehr nach Hamburg kam unser zweites Kind zur Welt. Ich zog mit meiner Familie in den kleinen Ort nach Schleswig-Holstein zurück, in dem ich schon meine Jugend verbracht hatte.
Nachdem die Kinder aus den Windeln waren, begann ich wieder mit dem Schreiben, aber nicht so intensiv wie in meiner Nürnberger Zeit. Zur Freude und mit Hilfe meiner Kinder verfasste ich das Kinderbuch „Forbilt“. Ein weiteres ungewöhnliches Projekt ist der Roman „Poesie des Krieges“, ein reales Kriegstagebuch aus dem Zweiten Weltkrieg habe ich mit einer fiktiven Rahmenhandlung verflochten. Meinen dritten Roman „Die Welt um mich schien irgendwie traurig“ schrieb ich im Jahr 2005.


Andrea Froh, Die Welt um mich schien irgendwie traurig
2. überarbeitete Auflage


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