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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

23. Februar 2013

Susanne Meyer, Mailo


Mit einem Pferd als Hochzeitsgeschenk beginnt für eine junge Frau eine bewegte Karriere als Sportreiterin. Reitabzeichen und Trainerscheine dokumentieren ihr Talent und ihren Ehrgeiz ebenso, wie Turniererfolge bis zur Klasse M und öffentliche Auftritte mit einem von ihr selbst ausgebildeten Pferd. Es ist ein ganz normaler Weg im Amateursport, bis sie einem besonderen Pferd begegnet, dessen Traumatisierung sie vollkommen herausfordert. Damit beginnt ein Weg der etwas anderen Art. Es ist eine Reise zur Heilung, nicht nur des Pferdes, sondern immer mehr auch seiner Besitzerin. Diese Reise führt beide zu verschiedenen alternativen Heilmethoden und hilft ihnen, sich auf ungeahnte Weise einer neuen Ebene des Verständnisses und Vertrauens zu öffnen. Mit ursprünglichem norddeutschen Charme berichtet die Autorin in ihrem Tagebuch von den alltäglichen Begebenheiten, in denen sich die vielen kleinen Fort- und Rückschritte letztlich zu einer tiefen Freundschaft zwischen Mensch und Tier summieren.
Sie spannt den Bogen von der auf Funktionieren ausgerichteten Sportreiterei hinzu einer Beziehung, die heilen und entwickeln hilft. Um auch anderen Menschen Mut zu machen, ihr Pferd mit anderen Augen zu betrachten und sie zum Nachdenken anzuregen, öffnet sie ihr Tagebuch für uns.

Leseprobe:

Einleitung

Wenn ich mir eines nicht vorstellen konnte, dann, dass ich jemals ein Buch schreiben würde. Ich entschuldige mich auch schon vorab, dass ich nie gelernt habe, solche zu schreiben. Ich berichte aus dem Bauch heraus, was ich erlebt habe und wie ein Pferd mein Leben verändert. Wer also einen tollen Roman erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Es ist eine Geschichte, die das Leben für mich bereithält. Ich muss sie einfach aufschreiben, denn ich finde sie eigentlich selbst unglaublich. Vorab muss ich meine Vorgeschichte mit meinen anderen Pferden beschreiben, damit man sich ein ungefähres Bild von meiner Person machen kann. Ab der Zeit, wo Mailos Geschichte beginnt, gebe ich meine Aufzeichnungen aus meinem Tagebuch wieder. Leider beginnt das Tagebuch erst ein Jahr nachdem ich Mailo schon hatte. Das erste Jahr kann ich daher nicht mehr so detailliert wieder geben. Ich erhoffe mir, dem einen oder anderen Menschen mit dieser wahren Geschichte ein wenig die Augen zu öffnen. Alle diejenigen, die gerne verfolgen möchten, wie Mailos Weg inzwischen weiter gegangen ist und weitergeht, sind herzlich eingeladen, dies auf meinem Webblog unter  www.lusitano-mailo.ibk.me nachzulesen, wo ich mein Tagebuch weiterführe.


... und dann trat Mailo in mein Leben

Bei einem Spanienurlaub 2005 stieß ich auf die Iberer. Mein Herz war entflammt, das wird's diesmal sein! Sie sind so unglaublich schön und haben etwas Mystisches an sich. Wichtig für mich war das bequeme Sitzen. Mein Rücken schmerzte kaum bei den Proberitten und sie vermittelten mir Freude am Reiten. Natürlich musste ich dafür die beiden springbegabten Dressurpferde verkaufen, denn die Iberer haben recht stolze Preise. Wie es mein „Glück“ so wollte war ich im März 2006 schon bald stolze Besitzerin eines PRE Hengstes (PRE ist die Abkürzung für Pura Raza Espanol, eine spanische Pferderasse). Leider hatte der Tierarzt bei der Ankaufsuntersuchung übersehen, dass der rechte Hüfthöcker abgebrochen war. Es folgte ein leidiges Hin- und Herklagen, doch ich bekam Recht. Da ich ja nicht so schnell aufgebe, kaufte ich den nächsten PRE und dachte, ich hätte nun endlich meinen Frieden und ein tolles Dressurpferd! Da die Züchterin mir einige Auflagen machte und meinte, ihre Zucht sei gesund, verzichtete ich diesmal auf eine Ankaufsuntersuchung. Da das Pferd ja auch erst sechs Jahre und ungeritten war, fühlte ich mich auf der sicheren Seite, weil man froh sein konnte bei dieser Frau ein Pferd kaufen zu dürfen. Dieses Gefühl hatte wohl nicht nur ich, wie ich von anderen Seiten später erfuhr. Nach fast einem Jahr hatte ich dann endlich eine handfeste Diagnose, warum dieses Pferd taktunrein lief- Spat und Chips in beiden Sprunggelenken. Natürlich ließ ich ihn sofort operieren und meldete mich wieder bei der Züchterin. Sie wies jegliche Schuld von sich und wieder einmal musste ich den Anwalt einschalten. Fast ein Jahr war vergangen, ich war mir sehr sicher auch diesen Rechtsstreit zu gewinnen und machte mich auf die erneute Suche nach einem spanischen Pferd. In der Krankheitsphase des Schimmels durchforstete ich immer wieder das Netz um endlich mein Traumpferd zu finden. Bei einer Händlerin war mir ein hübscher brauner Hengst schon länger ins Auge gefallen. Na ja, gucken kann man ja mal.
Im Jahr 2008, kurz vor Prozessende, fuhr ich nur mal so mit meiner Nichte und einem Freund los zum Gucken.
Matador, so hieß er, war schon sehr zurückhaltend, aber da ich nun in den Jahren zwischendurch auch mal was vom Händler zum Päppeln gekauft hatte, wusste ich, dass man den Tieren recht schnell Vertrauen beibringen konnte. Mir wurde sehr ausführlich gezeigt, wie sich der Braune von der Koppel holen ließ, dabei gab die Händlerin zu, dass er sich von ihr nicht greifen ließ, da er sie nicht mochte. Ok, kein Problem, dachte ich. Der Pferdepfleger bekam ihn auch fast sofort. Dann wurde sehr ruhig und langsam geputzt, getrenst und gesattelt. Zwischendurch erzählte die Händlerin, wie das Handling mit diesem Pferd sein sollte. Sie berichtete auch von einem Proberitt mit einem Interessenten vor uns, der aber schon einige Monate zurück lag. Da wäre eine Reitlehrerin Probe geritten, hätte ihn zu fest angepackt und er hatte sie dann abgebockt und leider mitgeschleift da der Fuß noch im Bügel hing. Ah, danke für die Ehrlichkeit. Sie gab auch zu, dass das Pferd drei Monate gebraucht hatte, bis wieder jemand aufsteigen konnte. Das hätte mich stutzig machen müssen. Aber man meint, man hätte ja schon so viele Pferde gehabt, eingeritten und ausgebildet ...
Mein Ding war eigentlich immer „flott voran, das klappt schon“. Etwas mehr Geduld wollte ich diesem Pferd aber schon zugestehen, wenn ich bis dato auch nie so richtig Geduld beweisen musste, geschweige denn wusste, was das zu bedeuten hat. Seine Narben auf dem Nasenbein und an allen vier Beinen im oberen Bereich sind mir erst zu Hause aufgefallen. Meine Nichte, die Bereiterin und Reitlehrerin ist, sollte also Probe reiten.
Nach der langen Prozedur, das Pferd fertig zu machen, folgte ausgiebiges Longieren. Dann setzte sich der Pfleger drauf und es wurde auch ausgiebig vorgeritten. Er schaffte es nicht immer, auf dem richtigen Fuß leichtzutraben und ich dachte so bei mir, seine Reitkunst könne ja nicht so groß sein. Endlich durfte meine Nichte drauf. Sie hatte schon ihr Tun, Matador vorwärts zu bekommen. Er lief unter dem Pfleger, wie auch unter ihr, recht spannig. Aber ich machte mir da immer noch keine großen Sorgen. Das ist zu schaffen!
Natürlich musste ich dieses Pferd haben! Diesmal bestand ich auch auf eine große Ankaufsuntersuchung, denn ich hatte schon genug Lehrgeld gezahlt. Für uns hatte er genug Bewegung, was man für den Dressursport halt braucht. Der Rest, so dachte ich, würde schon funktionieren.
Nun hatte ich ja noch den Rechtsstreit um den Schimmel. Der Anwalt rechnete mir so etwa 12.000 € aus, die ich zurückbekommen müsste. So handelte ich mit der Verkäuferin einen guten Preis aus und ging zur Bank, um mir kurz Geld zu leihen, was ich, wenn ich den Streit gewonnen hatte, sofort zurückzahlen wollte. Eine Woche später hatte ich das Geld und ich holte mein Dressurpferd! Da „Matador“ übersetzt der „Töter“ oder „Mörder“ heißt, taufte ich ihn um in „Mailo“. An dem Tag, als ich ihn kaufte, konnte ich ihn natürlich auch auf seinem Paddock nicht anfassen. Man holte ihn mir und band ihn auf der Stallgasse an. Toll, wie absolut ruhig dieser Hengst doch war! Das Verladen ging recht gut und die Heimfahrt war ruhig. Nach fast 300 Kilometern Fahrt stieg er vom Hänger und ich brachte ihn erstmal auf den Paddock. Er schaute kurz und steckte gleich die Nase ins Gras. Toll, wie ruhig er ist! Drei Tage ließ ich ihn dort und versuchte des Öfteren am Tag ihn mal anzufassen. Das funktionierte zu 90% eher nicht oder ich fasste gerade noch einen Hauch des Pferdes an. Bald wollte ich ja nun probieren, wie er sich reiten lässt. Am Probetag war ich krank und saß nur für eine Schrittrunde drauf. Ich longierte also vorher ab und setzte mich drauf. Das ganze Pferd war recht zäh, aber lief einigermaßen.

Nach sechs Wochen longierte ich ihn das erste Mal nicht vor dem Reiten, sondern wollte gleich vom Hof los zum Ausreiten, was zwei Tage zuvor ganz gut gegangen war. Ich war ja eigentlich ein mutiger Mensch. Pferd also fertig gemacht und aufgestiegen. Nach etwa zehn Sekunden hatte ich eine bockende Stahlkrampe unter mir, die aus dem Stand gefühlte anderthalb Meter in die Luft sprang. Nach dem vierten Bocksprung lag ich auf dem Pflaster und das Pferd galoppierte auf der Straße davon. Wir haben eine schnell befahrene Landstraße vor dem Haus. Zum Glück hatte ich mir körperlich nichts getan, aber ich fing an nachzudenken: Warum!? Ich war doch nur aufgestiegen! Leider wurde mein Unbehagen diesem Pferd gegenüber immer größer. Ich ließ zweimal in der Woche meine Nichte kommen und sie machte dann den Beritt. Was wir nie vorher versäumten, war das Ablongieren. Danach war er zwar immer noch unter Strom, der nicht so richtig nach außen hin sichtbar war, aber man spürte es. Es war ihm alles unheimlich. Wenn man sich im Sattel zurechtsetzte, wenn er seitlich die Hand sah, eben alles was der Mensch tat. Man merkte auch, dass er sehr in sich zurückgezogen lebte. Nun wurde mir dieses Pferd langsam unheimlich. Er klebte förmlich an der Wand, wenn man nur den Stall betrat. Auch nach zehn Monaten besserte sich dieser Zustand nicht, obwohl ich jeden Tag versuchte, mit ihm einen Kontakt aufzubauen.
Durch Zufall berichtete mir zu der Zeit eine Freundin, sie hätte per Tierkommunikation mit ihrem Pferd sprechen lassen und es seien erstaunliche Dinge dabei herausgekommen, die die Tierkommunikatorin nicht hatte wissen können. Ich als große Skeptikerin belächelte das Ganze. Aus Neugier machte ich bei der Dame auch den Versuch mit einer Tierkommunikation, aber es kam nichts Weltbewegendes dabei raus. Ich solle nur Geduld haben, mit ihm ausreiten, er möge sein Futter, die Zähne wären nicht in Ordnung. Er hätte zu mir gewollt, er hätte eine schlechte Vergangenheit gehabt usw. Da ich gern schnell zum Ziel kommen wollte, kontaktierte ich noch eine Dame per Mail, die mir von einer Heilpraktikerin empfohlen worden war. Sie sollte zu einer Begutachtung von Mailo kommen. Sie ließ mir ein paar Globuli da und meinte, ich bräuchte viel Geduld. Nicht schon wieder! Ich nahm also zu der besagten Dame Kontakt auf, um Mailo Reiki über die Ferne geben zu lassen. Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. Diese Frau machte auch Tierkommunikation, aber das wollte ich nicht, mir langte schon das, was ich bis dahin gehört hatte. Seltsamerweise kamen alle drei Tierkommunikatorinnen aber zu einer fast gleichen Aussage: Warum ausgerechnet dieses Pferd!? Unter tausenden findet man einmal so einen ... Ich hatte das Pferd nun fast ein Jahr, in unserer Beziehung gab es keine großen Fortschritte, aber meine Nichte konnte ihn reiten. Das Pferd funktionierte irgendwie und mit Sporen, aber es lief. Aufgefallen war mir, dass er immer, wenn er geritten oder longiert wurde, zwei- oder dreimal hustete. Kein Tierarzt konnte je dazu etwas feststellen. Meinen Rechtsstreit hatte ich nun verloren und zwei Pferde. Für mich war klar, der Schimmel muss ein neues Zuhause haben! Eine andere Freundin hatte auch eine Tierkommunikatorin an ihrem Pferd und war sehr begeistert. Für mein Gewissen dem Schimmel gegenüber dachte ich, dann darf er sich ein neues Frauchen über diese Frau aussuchen! Diese Tierkommunikatorin war nicht so bekannt wie die vorherige, aber halt günstiger. Ich rief also an und bekam schon eine Stunde später den Rückruf. „Guten Tag, Fr. Meyer, ihr Schimmel möchte nicht weg, er meint, er wäre nun gesund und möchte geritten werden!“ Ich musste schon schlucken. Dann sagte sie noch: „Und da ist noch ein Brauner, der möchte nicht geritten werden.“ Von dem Braunen hatte ich ihr gar nichts erzählt. Sie fragte mich, ob die Möglichkeit bestehen würde, dass Beso bleibt und meine Tochter Janina ihn übernehmen könnte, denn beide Pferde hätten gern ihre eigene Bezugsperson. Janina brauchte etwas Bedenkzeit, da ihr Herz ja eher für ein Deutsches Reitpony schlug, doch Beso umgarnte sie an dem Abend, als sie sich entscheiden sollte, so sehr, dass er sogar sein Futter draußen liegen ließ. (...)


Rezension folgt ...


Die Autorin
Susanne Meyer wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Tierarzthelferin zog sie mit ihrem Mann aufs Land.
Dort konnte sie sich den Traum vom eigenen Pferd am Haus ermöglichen. 1990 begann sie eine zweite Ausbildung zur Krankenschwester und übt diese Tätigkeit zurzeit aus. Ihr reiterlicher Werdegang begann in ihrer Kindheit zunächst als Freizeitreiterin.
Später erlernte sie die Reitweise der FN und blieb über 20 Jahre dabei.
Neben der Absolvierung aller Reitabzeichen schloss sie 1995 die Prüfung zum Reitwart erfolgreich ab. In dieser Zeit war sie über dreizehn Jahre als Turnierreiterin erfolgreich.


Susanne Meyer, Mailo. Shaker-Media Verlag

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