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Rezensionen

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1. März 2013

Anna Radovani, Der Walnussbaum




Die Geschichte spielt im ehemaligen Jugoslawien und beginnt Ende der 60-er, Anfang der 70-er Jahre. Die Heldin des Romans, das Mädchen Nella, lebt mit den Eltern bei ihrer Großmutter in Zagreb. Die Eltern sind Medizinstudenten und politisch stark engagiert. Dieses Engagement bringt sie jedoch ins Gefängnis. Für Nella ist das der erste Schock ihres Lebens. Sie fürchtet sich vor dem System, in dem sie leben muss, und kapselt sich von der Außenwelt ab. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis können Nellas Eltern keine Anstellung finden und emigrieren nach Deutschland. Nella bleibt bei ihrer Großmutter.


Wie habe ich diese Urlaube geliebt!
Ob die vielen Sommer als Teenager in der 1960ern auf der Insel Krk im Dörfchen Punat, oder später dann als junge Mutter in Porec, noch später im Montenegrischen, wie schön war es dort im ehemaligen Jugoslawien vor den heftigen Kriegen in den 1990ern, als das Land auseinanderfiel.
Der raue Karst, die hart arbeitenden Menschen, die so gut in die Landschaft passten: rau und ehrlich, gastfreundlich und stolz, aber auch geknechtet, was freie Meinungsäußerung betraf unter Tito. Und genau in der Zeit spielt der Roman.


Und die Liebe ...
Ich kann dieser Geschichte vielleicht deswegen so gut folgen, da meine Familie zu jenen Urlaubern gehört, die nicht abgekapselt in ihren Hotels rumsaßen und im Pulk zum Strand liefen, ohne persönlichen Kontakt zu den dort lebenden Menschen. Ich aber hatte ihn. Jung und wild tanzten wir mir der einheimischen Jugend am Strand, verliebten und entliebten uns, es war die Flower-Power-Zeit, die trotz Kommunismus die Burschen und Mädchen der Dörfer im Karst infiltriert hatte. Wir sangen House Of The Rising Sun und Yesterday, damals. Nella und Nik im Walnussbaum hatten nicht diese Art Glück, denn eine schlimme Verquickung ihrer Vorfahren macht es ihnen unmöglich, ein Paar zu sein. Ich habe mitgelitten und auf eine Wiederbegegnung gehofft. Wie die ausgeht? Verrate ich natürlich nicht!


... dann der Krieg
Die moderne Zeitgeschichte des Landes lässt die Autorin ganz hervorragend in die Liebesgeschichte einfließen, Konflikte, Ängste, die Unterdrückung durch die Politik wird ergreifend spürbar am Schicksal von Nellas Großvater und dem ihrer Eltern. Zudem ist die Zerrissenheit des Kindes, dann der jungen Frau nachvollziehbar und berührend.


Mit der Erzählsprache steht oder fällt ein Roman,
egal wie gut der Plot ist. Anna Radovani scheut nicht davor zurück, langsam und gefühlvoll, in ausgewogenen Sätzen  diese Geschichte zu formulieren. Ich habe mich während des Lesens so sehr gefreut über die liebevollen Beschreibungen der Umgebung, der Menschen, gefühlvoll, aber nie zu viel von allem. Ein großes Buch! Ich bedaure, dass dieses Werk keinen großen Verlag finden konnte. Meine wärmste Empfehlung! 

Elsa Rieger
      







Die Autorin

Anna Radovani ist das Pseudonym für eine Kunsthistorikerin, die seit vielen Jahren Zeitschriften und Bücher im Bereich Gesundheit produziert. „Der Walnussbaum“ ist ihr erster Roman, der bereits vor vielen Jahren in einem Kleinverlag veröffentlicht wurde – und dort verstaubte. Ein paar Jahre später bot die Autorin den Roman zusammen mit der Fortsetzung einigen renommierten Verlagen an. Keiner wollte sich an eine damals so aktuelle Geschichte, den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, heranwagen. „Würde der Roman im 19. Jahrhundert spielen, würden wir ihn durchaus veröffentlichen“, schrieb ein Verlag. Nun gibt es die Geschichte von Nella und Nik und dem Walnussbaum als E-Book – und vielleicht auch bald die Fortsetzung.    


Anna Radovani, Der Walnussbaum


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Kommentare:

Stefanie Marten hat gesagt…

Liebe Elsa,
wieder eine sehr schöne Rezension, aus der sich wirklich genau ableiten lässt, worüber ein Autor erzählt und vor allem wie. Das macht ja ein Buch spannend und interessant und das stellst du immer sehr schön heraus. Aufgrund dieser Rezension bin ich auf Nellis Geschichte richtig neugierig geworden.

Danke Elsa und lieben Gruß von
Stefanie

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Stefanie, vielen Dank, freut mich sehr, dass du hier kommentierst und mit mir gehst.

Liebe Grüße
ELsa