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Rezensionen

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7. März 2013

Annette Paul, Rattenprinzessin Rapunzel




Ich bin Prinz, eine kleine goldfarbene Ratte, und lebe freiwillig bei Rapunzel und ihrer verrückten Familie. Häufig muss ich mich eisern an Rapunzels Pulli festklammern, weil ich sonst bei ihrem Herumtoben hinunterfallen würde. Niemand nimmt hier Rücksicht auf eine kleine Ratte. Jeder denkt nur an sich!
Ohne mich hätte Rapunzel ihre Geschwister und Künstlereltern bisher nicht so unbeschadet überstanden. Ich sorge dafür, dass sie in der Schule gut mitkommt, notfalls sage ich ihr leise vor, und zu einer netten, hilfsbereiten Rattenprinzessin heranwächst. Schließlich will ich sie eines Tages heiraten.
Für Kinder ab 8 Jahre mit liebevollen Illustrationen von Krisi-Sz.-Pöhl.


Leseprobe

13. Mutprobe
Rapunzel hat mich ins Freibad mitgenommen. Hier gibt es viel zu sehen, aber für eine Ratte ist es auch recht gefährlich. So viele Menschen, die aus Versehen auf einen treten können oder die Ratten hassen und mich jagen. Nein, da bleibe ich lieber bei Rapunzel und bin in Sicherheit. Es gibt auch von hier aus viel zu sehen. Die zwei kleinen Kinder, die ihrer Mutter davonlaufen. Sie rennt hinter dem Kleineren her, aber das andere Kind ist weg. Mit dem schreienden Kleinen an der Hand sucht sie das ganze Schwimmbad ab. Aber sie findet es erst, als der Bademeister durch den Lautsprecher ruft: „Die kleine Lisa sucht ihre Mutter.“
Oder die zwei Mädchen, die sich streiten, ob sie das Geld lieber für Pommes mit Majo oder Eiscreme ausgeben. Richtig Hunger kriege ich von dem Gespräch. Hoffentlich kauft Rapunzel auch etwas und gibt mir davon ab.
Die Kinder ziehen sich aus und cremen sich gegenseitig ein. Die Sonnencreme riecht widerlich. Ich kann meine Menschen gar nicht mehr am Geruch erkennen.
Benni hat keine Lust, sich eincremen zu lassen.
„Das muss sein, sonst kriegst du Hautkrebs“, sagt Henny und läuft mit der Flasche hinter ihm her. Aber er lacht nur, läuft vor ihr weg und springt ins Wasser.
„Den Sonnenbrand finde ich schrecklich. Im letzten Jahr konnte ich kaum schlafen, weil meine Schultern so wehtaten“, sagt Mara und dreht sich zu Rapunzel, damit sie eingecremt wird.
„Machen wir ein Wettschwimmen!“ Rapunzel packt die Flasche in den Rucksack, dann zieht sie ihren Pulli aus und setzt mich ebenfalls in den Rucksack. Gemein ist sie, sie macht nämlich die Schnallen zu. Dabei habe ich ihr hoch und heilig versprochen, im Rucksack zu bleiben. Ratten dürfen nämlich nicht im Freibad baden gehen. Außerdem würde ich gar nicht mehr aus dem Becken herauskommen, weil die Betonwände so hoch sind. Aber sie traut mir nicht, sie weiß, wie gern ich schwimme.
Ich luge durch einen Ritz. Die Wilden toben zum Schwimmbecken, springen vom Startblock ins Wasser und schwimmen. Das sieht komisch aus, wie bei Fröschen. Und so angestrengt. Nicht so elegant wie bei uns Ratten.
Irgendwann wird es langweilig, den Menschen zuzusehen, also beschäftige ich mich lieber mit dem Inhalt des Rucksacks. Die große eckige Packung sind Kekse, mir läuft das Wasser im Mund zusammen Aber Rapunzel wäre sauer auf mich, wenn ich sie auffressen würde, selbst mit Anknabbern wäre sie nicht einverstanden.. Dabei reicht die Packung doch für uns alle. Die kleinere, weichere Packung sind Fruchtgummis, das kann ich riechen. Die interessieren mich nicht, die schmecken nämlich nach gar nichts. Aber der Apfel, der ist lecker. Und ich brauche mich nicht durch so eine dumme Verpackung zu beißen. Also nage ich an ihm. Von unten, damit Rapunzel es nicht sieht. Hm, oder sollte ich ihn ganz auffressen, damit nicht auffällt, dass etwas fehlt?







Die Autorin

Annette Paul fing vor vielen Jahren, kurz bevor sie zwischen Windeln, Beschwerden der Nachbarn und Brei-von-der-Decke-wischen völlig verblödete, mit dem Schreiben an. Passend zur Lebenssituation natürlich mit Kindergeschichten. Mittlerweile hat der Nachwuchs die Flucht ergriffen. Trotzdem schreibt sie weiterhin Kinder- und Alltagsgeschichten und veröffentlicht sie in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen oder E-Books.



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