Salon

Salon

Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

4. März 2013

Hedy Loewe, Dignity Rising – Gefesselte Seelen


Als Commander Jonathan William Matthews bei einer Routinekontrolle auf der Raumstation First-Contact-3 seine verloren geglaubte Frau Shay nach Jahren wiedersieht, fällt seine emotionslose Maske und seine geordnete Welt versinkt im Chaos der Gefühle. Seine Frau ist dem Tode nahe und hat keine Erinnerungen an ihn und ihre Familie. Verfolgt von den Boten des Rates sucht sie Zuflucht im entferntesten Außenposten der Galaxien. Wird es Jon gelingen, Shay aus den Fängen des Rates zu befreien?

Denn der Rat hat Shay wegen ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten als Telepathin gewaltsam zur Botin gemacht und ihr die Erinnerung an ihre Familie und ihr Kind genommen. Doch Shay wiedersetzt sich. Sie wird Mitglied der Alten Garde, schließt sich den Rebellen an und stellt sich gegen die Korruption und die Gewalt des Rates. Damit ist ihr Todesurteil besiegelt. Durch eine gefährliche List gelingt es Jon, den Rat vom Tode Shays zu überzeugen. Jetzt ist Shay frei, doch ohne Erinnerung an ihr früheres Leben sucht sie in der Pflichterfüllung nach dem Sinn ihres Daseins. Sie fühlt sich zu Jon hingezogen und doch ist er ein Fremder für sie.

Jon will Shay um jeden Preis zurückgewinnen. Er riskiert sein Leben, um ihr seine Liebe zu beweisen. ...


Leseprobe:


Niemand hier auf dem Minenplaneten kannte mehr Cams richtigen Namen. Der Barmann hatte fünf lange Jahre Haftzeit auf Explorator 4 abgedient. Wie brutal die Arbeit in den Minen sein konnte, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Die Minen waren kein Freizeitheim. Es war nicht wichtig, wie viele Häftlinge draufgingen. Deshalb waren Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeiter zweitrangig. Der Erfolg der Mine hing von der Brutalität seiner Betreiber ab. Unfälle gab es dauernd. Cams schwerster Unfall hatte ihm einen Teil der linken Körperhälfte und den halben Kopf verbrannt. Die Zeit hier hatte ihn gezeichnet, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die schwere Arbeit in der Mine hatte seinen Körper gestählt. Die anderen Häftlinge hatten ihn hart rangenommen. Hier wurde niemand verschont, schon gar nicht ein verzogenes Jungchen aus einer guten Familie. Sie hatten ihm gezeigt, was es heißt, der Unterlegene zu sein. Und er hatte sich unterworfen und war durch den Dreck gekrochen, um zu überleben. Denn sein Überlebenswille war nicht totzukriegen. Irgendwann hatte er angefangen, so zu sein wie sie. Er hatte andere geschlagen, beraubt und vergewaltigt. Cam war weit intelligenter als der Durchschnitt seiner Mithäftlinge. Er hatte sich organisiert, sich sein Überleben erkämpft und hatte die Haftzeit überlebt. Da er keine Optionen auf eine irgendeine Zukunft hatte, blieb er einfach hier und betrieb seit seiner Haftentlassung vor drei Jahren diese Kneipe. Hier hatte er Abwechslung und bekam etwas von den Welten draußen mit. A.J., der Minenboss, war häufig hier und schätzte Cams Meinung in dem einen oder anderen Fall. A.J. war seine wichtigste Verbindung zu den Welten. Eine Zeit lang überlegte Cam noch, was er außerhalb von Explorator 4 machen könnte. Vielleicht auf eine Raumstation gehen, vielleicht auf einen neuen Planeten. Er dachte niemals daran, wieder nach Hause zu gehen.
Bis sie eines Tages hier auftauchte. Vor knapp zwei Jahren wurde eine Botin in die Mine versetzt um die mit der Zeit angefallenen Strafen zu vollstrecken. Als ob die Arbeit in den Minen nicht schon genügte! Die Botin und ihre Kriegerin mussten hierher strafversetzt worden sein, es kam sehr selten vor, dass sich noch jemand um die Häftlinge in den Todeslöchern kümmerte. Sie tat ihren Dienst und aß manchmal in seiner Kneipe. Anfangs war ihre Anwesenheit schlecht fürs Geschäft, da alle Gäste flüchteten, wenn die beiden Boten das Lokal betraten. Als sie aber bemerkten, dass die Botin nur ihren Job machte und niemanden sonst scannte, wurde ihre Anwesenheit ganz normal und die Boten waren Gäste wie die anderen auch.
Für Cam war sie kein normaler Gast. Jedes Mal, wenn sie kam, hoffte er, dass sie ihn ansah, hoffte er auf ein Erkennen. Er selbst hatte viel zu viel Schiss, sich zu erkennen zu geben, deshalb tat er so, als ob sie eine Fremde wäre.
Cam war sein eigener Rausschmeißer. Alle wussten, dass er gefährlich war, und es gab selten Ärger in seiner Kneipe. Und wenn doch, dann bereute es der Unruhestifter schnell. Nur ein einziges Mal war Cam selber in Bedrängnis geraten, als ein stockbesoffener Arbeiter eine gefährliche Waffe gegen ihn gezogen hatte. Cam hätte keine Chance gehabt. Das war auch das einzige Mal, dass die Botin ihre Fähigkeiten in seiner Kneipe eingesetzt hat. Ein Signal von ihr, und der Unruhestifter ließ die Waffe fallen. Nur Cam hatte bemerkt, dass sie es war, die ihm geholfen hatte. Immer wieder ergab sich die Gelegenheit, und sie wechselten ein paar Sätze. Sie fragte ihn nach seinem Unfall. Und warum er blieb, wenn er doch frei war. Einmal wagte er es und fragte sie nach ihrem Job. Nach ihrem Leben und ihrer Familie. Viel zu hören bekam Cam nicht. Doch das Wenige erschütterte ihn zutiefst.
Es war nicht so, dass seine Schwester ihn wegen seines entstellten Gesichtes nicht erkannte. Sie hatte keinerlei Erinnerung an ihre Familie. Ihren Bruder Thomas Cameron hatte es für sie nie gegeben.

Als sie eines Tages zum letzten Mal bei ihm war, glücklich, diesen Ort endlich verlassen zu dürfen, berührte sie mit der Hand ganz zart sein vernarbtes Gesicht und wünschte ihm viel Glück. Cam sah in ihren Augen die gütigen Augen seiner Mutter. Er dachte an diesen Soldaten, Jon Matthews, der ihnen dieses Schicksal eingebrockt hatte, weil er Shay das Theater von der großen Liebe vorspielte. Und sein Hass auf die Welt kanalisierte sich zu einem tiefen Hass auf Jonathan Matthews.

*

Patrick alarmierte die Crew. „Ein Gleitersignal!“, rief er. „Es ist die Kennung der Starflyer! Jon ist zurück!“ Ein Ruck ging durch alle Crewmitglieder. In wenigen Sekunden hatten sich alle um den Landeplatz versammelt.
Patrick rief die Starflyer über Funk an: „Kontrollzentrum an Starflyer. Herzlich Willkommen zurück!“
„Starflyer an Kontrollzentrum. Hallo Patrick. Ich bin froh, wieder hier zu sein. Das Kraftfeld wird von mir deaktiviert. Bis gleich! Commander Ende.“ Jon verspürte einen kleinen Stich, dass es nicht Shay war, die er zuerst gehört hatte. Die letzten Stunden hatte er genügend Zeit gehabt, über ihr Wiedersehen nachzudenken. Eine gute Lösung hatte er nicht gefunden. Er war unsicher wie ein Schuljunge und aufgeregt, wie vor seinem ersten Date mit ihr. Jon landete die Starflyer so nebenbei genau auf dem Landekreuz und öffnete die Ausstiegsluke. Doch Jon verließ nicht als Erster das Schiff. Die Crewmitglieder lachten, als stolz erhobenen Hauptes und mit hochgestelltem Schwanz ein großer Kater die Rampe herunter stolzierte und sich neugierig umsah. Hinter ihm kam Jon. Alle hatten sich versammelt und strahlten ihn vor Freude an.
Alle außer Shay.

Welda kam auf ihn zu und umarmte ihn. „Herzlich willkommen, Commander, auf unserer wunderbaren Zuflucht.“ Leise, so dass es keiner der Umstehenden hören konnte, flüsterte sie ihm zu: „Sie konnte dich nicht hören. Sie ist im Wald.“
„Danke Welda.“ antwortete Jon genauso leise. Und im normalen Ton: „Hallo zusammen. Schön, wieder hier zu sein. Das hier ist Jack, mein Kopilot. Er gehört von jetzt an zur Mannschaft. Ich bin ja mal gespannt, was ihr aus meinem Zufluchtsort mittlerweile gemacht habt. Geht es euch gut?“ Er sah nur zufriedene und nickende Gesichter. Nur eines war ernst, und das war Wolf. Jon registrierte das sofort.
„Warum hat es so lange gedauert?“, wollte Patrick wissen.
Und Hanout trat vor, sie hielt es nicht mehr aus. „Commander, was ist mit Hawk?“
Jon sah sie an. „Hawk ist in Sicherheit. Wir haben ihn noch rechtzeitig auf Gaia abgeliefert. Er hatte einen bösen Rückfall. Jetzt geht es ihm besser, er wird aber noch mindestens eine Woche weg sein.“ Dann drehte er sich um zu Welda und den anderen. „Ich werde euch später ausführlich alles berichten. Patrick: Ich habe ein paar nützliche Dinge mitgebracht. Du und die Jungs könnt alles ausladen. Doch zuerst will ich mit dem Commander sprechen.“
„Ich rufe sie!“
Hanout wollte schon eine telepathische Nachricht senden, doch Jon hob die Hand. „Warte. Ich will lieber zu ihr gehen. Wo ist sie?“
Welda zog ihn mit sich. „Ich zeige dir den Weg. Komm.“ Als sie drinnen allein waren, fragte Jon Welda nervös: „Weißt du, was mich erwartet?“
Sie lächelte. „Hab keine Sorge. Alles wird gut gehen. Sie war sehr verstört wegen einer falsch interpretierten Information. Eines Tages werdet ihr darüber lachen.“ Mehr wollte sie ihm nicht sagen. Sie führte ihn in den Außenbereich und wies in den Wald. „Wir haben dort in dieser Richtung eine Quelle mit Bachlauf gefunden. So eine halbe Meile im Wald.“
„Ich kenne den Platz“, sagte Jon. „Schließlich habe ich diesen Ort ausgewählt.“
„Gute Wahl. Na, dann geh. Viel Glück!“
Jon wusste genau, welchen Platz Welda meinte. Er ging aber nicht weit, sondern setzte sich auf einen umgestürzten Baumstamm. Man sah es ihm wie immer nicht an. Aber er war nervös und unsicher und wollte sich zum x-ten Mal überlegen, was er sagen sollte. Da sah er sie kommen. Alle Worte waren vergessen. Shay ging barfuß, hatte ihre Jacke und die Stiefel in der Hand. Die Haare waren nass und zu einem Zopf geflochten. Das nasse Haar hatte ihr Shirt durchnässt, so dass es eng an ihrem Körper anlag. Sie war nicht mehr ganz so dünn und ihre schönen kleinen Brüste zeichneten sich deutlich ab. Jon sah, dass sich ihre Brustwarzen erhoben hatten und erinnerte sich an die süße rosa Farbe und die etwas dunklere Mitte. Ihm wurde heiß bei ihrem Anblick und er war so glücklich, sie zu sehen, dass er meinte, sie müsste seinen Herzschlag hören. Sie schlenderte völlig in Gedanken und hatte ihn noch nicht bemerkt. Jon bewegte keinen Muskel. Erst als sie nur noch fünf Meter von ihm entfernt  war sagte er leise: „Nicht erschrecken, Commander.“
Natürlich zuckte Shay doch zusammen. Doch dann ging ein Leuchten über ihr Gesicht und Jon war wieder mit seiner Welt versöhnt. „Jon.“ Sie klang glücklich, oder? „Wie schön, dass du zurück bist.“ Das Lächeln auf ihrem Gesicht blieb.
Er hatte keine Worte, soviel Freude hatte er in seinem Herzen. Shay kam auf ihn zu. Sie sah Jon lässig auf einem Baumstamm sitzen. Seine große Gestalt war so anziehend, sie musste einfach näher kommen. Ihre Augen hatten längst seine silberfarbenen gefunden und sie war in ihrem Sog gefangen. Shay war nicht sehr groß, deshalb waren sie fast auf einer Augenhöhe, als sie vor dem immer noch schweigenden Jon stehen blieb, der sich nicht bewegte. Shay berührte mit der Hand ganz vorsichtig sein Gesicht. „Bist du ein Traumbild, das ich mir wünsche, oder bist du wirklich hier?“
Er nahm ihre Hand und küsste sanft die Innenfläche. Seine Augen ließen Shay jedoch nicht los. „Wie fühlt sich das an? Wirklichkeit oder Traum?“ sagte er mit seiner dunklen und verführerischen Stimme.
„Ich kann es nicht unterscheiden“, antwortete sie leise. Beide bewegten sich nicht und genossen die Magie des Augenblicks. „Jon, was passiert mit uns?“, musste Shay schließlich fragen.
„Etwas Gutes, Shay. Endlich etwas Gutes.“
Da zerstörte ein lauter Knall den magischen Moment. (...)


Die Autorin
Hedy Loewe, Jahrgang 1965, ist als Romanautorin ein Quereinsteiger. In ihrem „Real Life“ ist Sie Marketingspezialistin in einem Unternehmen der Gesundheitsbranche in Süddeutschland. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war sie 15 Jahre im Marketing und Vertrieb eines großen Versandhandels tätig. Seit mehr als fünf Jahren in der Gesundheitsbranche ist sie unter anderem für die Pressearbeit zuständig und verfasst und redigiert medizinische Texte für Presse und Internet.
Da diese immer trocken und sachlich sind, wurde es Zeit, Phantasie und Gefühlen in eigenen Texten einen Raum zu geben. Selbstverständlich fließen zahlreiche Lebenserfahrungen und Begegnungen im Beruf und auf den zahlreichen Reisen der Autorin in die Dialoge ein. Hedy lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in der Metropolregion Nürnberg.


Hedy Loewe, Dignity Rising – Gefesselte Seelen


eBook bei Amazon

1 Kommentar:

James Henry Burson hat gesagt…

Es ist gut geschrieben.
Mich beeindrucken Fantasyromane schon deshalb, weil mir selbst die Phantasie fehlt, um auf solche Geschichten zu kommen und sie zu konstruieren.
Respekt!