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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

25. März 2013

Stefan Lehner, Phantastika

Dieses Buch führt uns auf die dunkle Seite unserer Welt, dorthin wo etwas Mystisches, Unheimliches, Diabolisches, Erschreckendes, Übernatürliches oder Subtiles wartet.
In unserer hochtechnisierten Welt, in der wir nahezu alles zu wissen und zu können scheinen, hat trotzdem auch das Phantastische, Unerklärliche und Diabolische seinen Platz. Aber es ist ein Platz weit hinten, ganz tief unten, im Dunklen. Versteckt, selten sichtbar und unheimlich.
Sehen wir gemeinsam vorsichtig nach …

Eine Sammlung von unheimlichen Kurzgeschichten aus der Feder von Stefan Lehner mit einer Kurzgeschichte der Gastautorin Nathalie C. Kutscher


Leseprobe

aus der Kurzgeschichte "Roadmovie" aus Phantastika:

Er wollte sich jetzt irgendwo einen Film ansehen. Um 20.15 Uhr sollte das machbar sein, dachte er. Eine Programmzeitschrift hatte er vergessen zu besorgen. Wieder so eine Sache, die bei Grit nicht vorgekommen wäre.
Er landete beim Herumzappen bei einem Sender, der sich »Kanal 8« nannte. Das Logo hatte er noch nie gesehen und der Sendername sagte ihm auch überhaupt nichts, aber da lief gerade eine Vorschau, dass gleich ein Film kommen sollte. Ein Roadmovie, amerikanisch, heiß, brutal und mit viel Action. Er hatte ihn schon öfter gesehen, aber das machte nichts. Ok, also dann das Roadmovie, dachte Sebastian.
»Kanal 8«, das musste einer dieser neuen digitalen Sender sein, von denen der Verkäufer gesprochen hatte. Wahrscheinlich hätte er ihn auch schon auf dem alten Receiver empfangen können, wenn er bei dem mal den Suchlauf gestartet hätte, aber egal. Jetzt hatte er diesen hier und der Kanal war eingestellt, der Film fing gleich an, alles war bestens.
Gar nichts war bestens, dass sollte Sebastian gleich merken.
Der Film lief schon fast eineinhalb Stunden und Sebastian konnte sich noch gut an die Handlung erinnern, er hatte ihn wirklich schon öfter gesehen. Aber er war auch echt große Klasse. Sebastian wunderte sich ein wenig, dass es bisher gar keine Werbeunterbrechung gab, aber eigentlich ist das ja nur von Vorteil. Man musste sich halt nur ein bisschen beeilen, wenn man mal auf's Klo musste, aber ansonsten konnte man der Handlung so viel besser folgen. Mal abwarten, wann die erste Werbung kommt, dachte er noch, als er sich plötzlich im Sessel aufrichtete.
Was war das denn?

Die Hauptfiguren des Films flohen nach einem Bankraub in dem geklauten Kombi der Urlauberfamilie, nachdem der Polizist die Reifen an ihrem alten 60er-Jahre-Cabrio zerschossen hatte. Sie flohen über den staubigen Highway Richtung Grenze. Alles wie gehabt. Nur jetzt tauchte plötzlich am Horizont ein kleines Flugzeug auf, welches immer tiefer flog. Es kam von hinten genau über den Highway auf den Kombi der Bankräuber zu. Sebastian konnte sich gar nicht daran erinnern, dass da ein Flugzeug kam und er konnte sich bisher an fast alles in dem Film erinnern. Gebannt stierte er auf den Bildschirm.
Das Flugzeug kam immer näher und tiefer. Der Motor setzte immer wieder aus und stotterte. Die Helden des Films merkten in ihrem Kombi nichts davon.
Das Flugzeug war immer noch sehr schnell und im rasanten Sinkflug. Offenbar hatte der Pilot Probleme mit dem Motor und wollte auf dem Highway notlanden. Aber genau da waren die flüchtigen Bankräuber. Die Maschine steuerte genau auf sie zu. Der Pilot versuchte offenbar, die Maschine noch einmal hochzuziehen, um nicht genau hinter sondern vor dem Kombi zu landen, der das einzige Fahrzeug weit und breit auf dem Highway war. Wenn er hinter dem Kombi landen würde, dann würde das sehr knapp werden und durch die höhere Geschwindigkeit des Flugzeugs käme es wahrscheinlich zum Zusammenstoß mit dem Kombi. Der Pilot zerrte mit Schweißperlen auf der Stirn und angstverzerrtem Gesicht voller Panik am Steuerknüppel, aber er schaffte es nicht mehr. Das Flugzeug setzte krachend auf dem Highway auf und knallte mit immer noch irrwitziger Geschwindigkeit hinten in den Kombi. Der fing sofort Feuer, kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich. Lichterloh brennend stand der Wagen schließlich wieder auf den Rädern, aber die Helden des Films kamen nicht mehr heraus. Sie verbrannten in dem Wrack. Das Flugzeug überschlug sich ebenfalls, drehte sich und kam in einem großen Feuerball mitten auf dem Highway zum Stehen. Auch der Pilot verbrannte. Aus der Ferne hörte man schon die Polizeisirenen...

Sebastian sah geschockt auf den Bildschirm. Das war alles falsch! Das war so gar nicht passiert! Er hatte den Film so oft gesehen! Die Helden entkamen nach Mexiko. Nur einer starb noch im Kugelhagel der Polizei an der Grenze, die anderen kamen durch. Da war kein Flugzeugabsturz! Das war alles falsch! Was zum Teufel sollte das? Der Film war fast 15 Jahre alt und nie ist da ein Flugzeug abgestürzt! Es konnte doch unmöglich zwei Versionen von dem Film geben, oder?
Die Polizeisirenen kamen immer näher und gleich darauf waren die ersten Polizeiwagen vor Ort. Der Sheriff, der die Gruppe schon durch drei Bundesstaaten gejagt hatte, war einer der ersten an der Unfallstelle. Er sah sich ganz cool um, zündete sich eine Zigarette an, schob seinen Cowboyhut ein Stück in den Nacken und murmelte: »Hier ist also Eure Flucht zu Ende, die Gerechtigkeit hat gesiegt!« Dann stieg er in seinen Wagen und fuhr zurück in Richtung der untergehenden Sonne, während ihm immer mehr Polizeiautos und Krankenwagen mit heulenden Sirenen entgegen kamen, die alle auf dem Weg zur Unfallstelle waren.
Dann kam der Abspann!
Sebastian konnte es nicht fassen! Das war ein völlig anderes Ende, als er es kannte. Das war unglaublich! Es musste so sein, dass es zwei Versionen des Endes des Films gab. Scheinbar wurde bislang immer nur die eine Version, die er kannte, gezeigt. Wouh! (…)


Der Autor
Stefan Lehner, Jahrgang 1966, lebt mit seiner Frau und vielen Tieren im Westerwald. Der Hobbyautor ist von Beruf Polizeibeamter, und das Schreiben ist sein perfekter Ausgleich für die beruflichen Belastungen. Er schreibt Romane und Kurzgeschichten aus den Genres Krimi/Thriller und der Phantastik (Mystery, Fantasy, Horror). Neben bislang zwei Romanen erschienen mehrere Kurzgeschichten, u.a. in einer Anthologie. Stefan Lehner ist Mitglied bei den Polizei-Poeten (www.polizei-poeten.de), ein Zusammenschluss schriftstellerisch tätiger Polizeibeamter. Schon von Kindheit an war das Schreiben sein Hobby, aber bis zur Erstveröffentlichung eines seiner Werke hat es beruflich bedingt etwas gedauert. 

Mehr Infos auf www.stefan-lehner.de


Stefan Lehner, Phantastika - Kurzgeschichten

Erhältlich als Taschenbuch, ISBN 9781481911214 für 9,90 € bei Amazon und als eBook in allen gängigen Formaten, ISBN 9783730906095 für 3,99 € in allen eBook-Stores



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Kommentare:

James Henry Burson hat gesagt…

Wie geht das?
Verwunderung, allenthalben.
Den Film...äh...das Buch, schau ich mir genauer an.
Wär doch gelacht, wenn ich nicht dahinter käme, was es damit auf sich hat...
Tolle Idee!

Elsa Rieger hat gesagt…

:-)))) Danke, lieber James!