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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

5. April 2013

Stephanie-Therèse Kres, Caution! Be slip down

An der Schwelle zum größten Abenteuer ihres Lebens erzählt die Autorin über ihre Reisejahre. Sie nimmt den Leser an der Hand und führt ihn durch China, Südostasien und Indien. Eine farbenfrohe authentische Geschichte, so lebhaft geschildert, dass man meint, selbst dabei gewesen zu sein. Achtung: Macht reisehungrig!
Der Inhalt dieser Erzählung basiert auf den Tagebüchern und Reiseerlebnissen der Autorin. Sämtliche handelnden Personen sind real, existieren im wahren Leben aber unter anderem Namen. Zum Schutze ihrer Anonymität wurden sie für das Buch umgetauft.
Die Quelle für Historisches, Zahlen, Daten und Fakten ist Wikipedia. Für Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben übernimmt die Autorin keine Haftung.



Rezension:

Ein abenteuerlustiger Zugvogel ist die Autorin aus Wien
und wagt Reisen in exotische Landschaften, die ich nur aus Kultursendungen auf Arte kenne. Besuchen würde ich manchen Gegenden nur im hermetisch dichten Tauchanzug, denn meine Angst vor etlichen Kreuch- und Fleuchviechern ist groß. Nicht aber für die junge Dame, die als Rucksackreisende weder Schweißausbrüche noch unwegsame Gelände scheute, um die Welt zu entdecken.

Der Lesende entdeckt mit. Vom sicheren Lehnstuhl aus
bin ich unglaublich gern den Spuren, Entdeckungen, Erfahrungen gefolgt. Sehr sensibel und achtsam begegnet Kres fremden Menschen, oft wirklich berührend diese Kontaktaufnahmen. Farbenfroh und eindringlich beschreibt sie die fernen Ländern, die Vegetation und Mühen des Erforschens. Faszinierend auch durch die persönliche, immer authentisch wirkende Brille der Autorin, und überaus sympathisch.

Ich bin wirklich froh, dass dieses Buch
das Licht der Welt erblickt hat. Und der Grund dafür ist, dass bald noch jemand geboren wird, denn die Autorin erwartet ihr Baby, das wohl größte Abenteuer im Leben einer Frau. Vor allem für eine, die ihr Zugvogeldasein nun zugunsten des Nestbaus aufgibt. Wir wünschen das Allerbeste!

Der Tonfall des Romans ist entspannt,
auf angenehme Weise in wienerischer Modulation geschrieben, technisch einwandfrei, eine Freude, zu lesen. Ich kann das Buch jedem, der interessante Reiseerlebnisse mag, vielleicht selbst diese Länder gesehen hat, oder nicht die Möglichkeit hat, dorthin zu reisen, wärmstens empfehlen!

Elsa Rieger   




Leseprobe:


Wenn man so will
Bist du das Ziel einer langen Reise
Die Perfektion der besten Art und Weise

(Kompliment – Sportfreunde Stiller)


1 Zwei Streifen, die die Welt verändern

An einem Montag Ende August stand ich auf dem Büro-Klo und bemühte mich redlich, die Spitze des Teststreifchens zu treffen. Die Übung gelang und als Ergebnis zeichneten sich zwei zartrosa Streifen ab. Ich bin schwanger.
?!? Lange hatten wir darauf gewartet, aber schon kaum mehr daran geglaubt. Ich konnte es kaum fassen und fragte mich, wie ich eine ganze Arbeitswoche überstehen sollte, bis ich den Koproduzenten des Teststreifenergebnisses zu Gesicht bekäme, um ihm persönlich und als allererstem sagen zu können, dass wir Eltern werden?
Ich verhinderte die bevorstehende Explosion meines Brustkorbes dadurch, in der nahegelegenen Filiale einer schwedischen Billigtextilkette winzige hellgraue Söckchen mit der Aufschrift „I love Dad“ zu erstehen, im Drogeriemarkt einen Schnuller und dazu im Papiergeschäft eine quadratische Kartonbox sowie eine Karte mit Stofftieren drauf.
Alles wurde zu einem Päckchen mit kryptischen Andeutungen verschnürt und wartete im Wohnzimmer geduldig auf das Ende der Arbeitswoche.
Endlich war Freitag. Ich sagte sämtliche Termine ab, um vor ihm zu Hause zu sein. Inzwischen hatte ich einen „Gegentest“ konsultiert, um ganz sicher zu gehen. Mein Frauenarzt war natürlich gerade jetzt zwei Wochen auf Urlaub. Ich überreichte dem werdenden Vater das Paket und zückte parallel dazu die Kamera, um sein Gesicht für unser künftiges Kind fest zu halten. Der Koproduzent sah mich fragenden und zunehmend feuchtwerdenden Blickes an, als ihm dämmerte, worum es sich hier einzig handeln konnte.
Er trank einen Marillenschnaps. Ich rauchte eine. Ja, das war böse. Aber bisher hatte ich abends schon mal zwanzig Glimmstengel weggeputzt, so am Wirtshaustisch. Wir begingen unseren ersten Abend als wissentlich werdende Eltern bei einem nahegelegenen Heurigen. Definitiv nicht ganz so romantisch und intim, wie geplant, vielmehr aus Platznot am Tisch mit einem unbekannten Paar in den Fünfzigern, das offensichtlich Sprechperlen geschluckt hatte und ausgesprochen redselig war. Wobei die Redseligkeit mit jedem Achterl eine weitere Steigerung erfuhr.

Ein paar Wochen davor

Wir hatten ein bewegtes Frühjahr hinter uns. Skiurlaub zu Jahresbeginn, ein paar Tage Frühlingseinläuten in Udine, Sprachferien in Nizza für die eine, Motorradfahren in Indien für den anderen und schließlich eine unvergessliche Woche New York. New York machte sich in mehrfacher Hinsicht unvergesslich, weil denkwürdig schön, romantisch und teuer. Letzteres vor allem für meinen zukünftigen Ehemann, ob des Besuches bei Tiffany’s nach seinem meinerseits positiv beschiedenen Heiratsantrag auf dem Rockefeller Center.
So kam es, dass wir bereits etwas knapp bei Kasse waren, als es an die Planung des Sommerurlaubes ging und daher entschieden, selbigen in Istrien statt - wie ursprünglich ins Auge gefasst - Schottland zu verbringen. Wir mieteten ein steinernes Bauernhaus am Hügel, fernab des Massentourismus, erfreuten uns der Ruhe, der benachbarten Hunde und eines Käuzchens, das uns abends Schlaflieder sang, während wir bei einem Gläschen Malvasia im Garten saßen und übers Leben philosophierten.
Wir verbrachten unsere Tage in einer einsamen Bucht, die gerade mal Platz für zwei bot. Vor uns kräuselte sich sanft das türkisblaue Meer, ab und an sorgte ein vorbeifahrendes Motorboot für kleine Wellen, die Sonne brannte auf die weißen Felsen, die Grillen zirpten. Wir lasen, dösten, schwatzten ein bisschen, überlegten, wo wir den Abend verbringen würden.
In der einen kleinen Konoba im Ort oder doch in Pula, Rovinji oder beim „Gelsenwirten“, wie wir das unprätentiöse aber exzellente Fischrestaurant am Hafen, ein paar Ortschaften weiter, tauften.
Hie und da unternahmen wir tagsüber Ausflüge in die Umgebung. Wir fuhren zum Leuchtturm am Südzipfel der Halbinsel. Oder zur Tauchbasis zwei Orte weiter, die aber auf Hobbytaucher keinen Wert zu legen schien. Jedenfalls blieb die versprochene Rückmeldung des arroganten Tauchschulinhabers aus.
Davon unbeeindruckt genossen wir auch ohne Unterwassererlebnis die Zeit. Wir schmausten Köstlichkeiten wie istrischen Schafkäse, Gnocchi mit Trüffeln, Fisch vom Grill und R. orderte dekadenter Weise gar häufig Trüffelsteaks. Wir kamen zufällig in den Genuss einer Volkstanzaufführung im Ort. Die Moderation verstanden wir zwar nicht, die Tänze in Trachten waren jedoch hübsch anzusehen. Zumal mit einem kühlen Bier in der Hand, von der Terrasse der Bar gegenüber aus betrachtet. So verlebten wir zwei genussreiche Wochen in der zikadenrauschenden Lavendelstille eines Istrischen Bergsommers. Und wir zeugten ein Kind.

Und ein paar Wochen danach …

Inzwischen war mein Frauenarzt aus dem Urlaub zurück. Mittels Brief hatte ich angekündigt, dass die Frucht unseres Urlaubs gern zu einem ersten Fotoshooting vorstellig würde.
Dem folgten inzwischen zahlreiche weitere sowie die Vermessung der kindlichen Nackenfalte und seiner Organe. Beim zweiten Ultraschall kam der Herzmensch mit, um seinen Nachwuchs zu beäugen. Da maß das Dreikäsehoch knapp Gummibärchen Größe. Aber es winkte und strampelte bereits eifrig. Wir waren augenblicklich sehr verliebt. Wobei ich nicht sicher bin, ob mein Frauenarzt nicht noch einen Hauch mehr bewegt war…
Das anschließend geplante romantische Mittagessen zum Bemurmeln des bewegenden Erlebnisses fiel einem Anruf der lebensgefährtlichen Firma aus Kanada zum Opfer. So fuhr jeder in sein Büro zurück und arbeitete weiter, als sei nichts gewesen. Tage später noch entfuhr abwechselnd dem einen, dann der anderen: Es hat gestrampelt und und seine Ärmchen bewegt!
Der Gedanke, Eltern zu werden, nimmt mit jedem Tag mehr Gestalt an und wird zunehmend realer. So real es eben sein kann, sich auf ein Leben zu dritt mit Unbekannt einzustellen. Immer wieder unternehmen wir kleine Ausflüge und Wochenendtrips, um die Zeit zu zweit noch ein bisschen auszukosten.
So verbrachten wir im Frühherbst ein Wochenende auf einer romantischen Burg in den Voralpen. Nur wir zwei mit dem blinden Passagier. Ein anderes, wie jeden Herbst, über Allerheiligen wiederum in Udine.
Ja, das Reisen. Unsere alte Leidenschaft. Seit ich weiß, dass ich schwanger bin, tauchen immer wieder Bilder aus Indien, China, aus Südostasien oder Lateinamerika vor meinem geistigen Auge auf. Sie rufen sich in Erinnerung und sind geradezu lästig, begehren, zu Papier gebracht zu werden. Vor einiger Zeit war ich bei einer Kartenlegerin.
Sie orakelte: Da ist ein kreatives Projekt offen. Schließ es ab, es wird dich befreien. Und da ich davon ausgehe, dass ab dem Frühjahr nächsten Jahres Reisen wie Schreiben vorerst mal hint angestellt werden, tippe ich eifrig in die Tastatur. Besuchen Sie Europa, solange es noch steht ….

2 Wie alles begann

Es wäre zweifelsohne ruhmreicher zu behaupten, dass bereits im Zwergenalter ein schwerer Fall von Abenteuervirus in meinen Adern pulsierte und mich dazu trieb, auf der erstbesten Schullandwoche einen Bus ins Ungewisse zu besteigen, um die Welt an den Hörnern zu packen. Allein, dem war nicht so.
Vielmehr trieb ich in jungen Jahren vornehmlich im gesicherten Hort Oberitaliens oder der grünen Steiermark im Zuge allsommerlicher Familienurlaube mein Unwesen. Der Familienurlaubszeit entwachsen, hüpften meine Freunde einige Jahre später wochenlang mit Rucksack und Zelt bewehrt am Peloppones von Insel zu Insel. Ich pflegte hingegen, den Sommer über in Wien zu weilen. Die Donauinsel hatte schließlich auch ihre Reize. 
So wurde ich neunzehn, bis ich das erste Mal längerfristig der Heimat den Rücken kehrte, um mich ein halbes Jahr als Au Pair Mädchen in Italien zu verdingen.
Mit einer zum Bersten vollgepackten Reisetasche, die an eine Kobra nach dem Verzehr eines Schweins erinnerte, bestieg ich den legendären Romulus, der seine  Passagiere sanft ruckelnd über Nacht von Wien nach Rom transferierte. Nach ein paar Wochen allein in Italien spross die erste zarte Knospe eines Fernwehs. Was aber möglicherweise unter anderem auf meinen Schützling Andrea, den verzogenen achtjährigen Filius der Familie Sacerdoti zurückzuführen war, der mich regelmäßig zur Weißglut trieb, weshalb der Gedanke an ein längerfristiges Ausharren vor Ort nicht näher zur Diskussion stand. Trotzdem sollte es noch Jahre dauern, bis sich die Reiselust zu einem chronischen, malariagleichen Fieber auswuchs.
Erst als ich mit fünfundzwanzig etwas überarbeitet ventilierte, entweder sofort unflätige Worte schimpfend alles hinzuwerfen oder wenigstens drei Wochen Urlaub am Stück zu nehmen, um nochmal abzuwägen, bevor ich alles hinschmiss, begann sich das Fieber auszubreiten. Zwei Marketingjobs zum – nebenbei - Gehalt von einem und dazu eine unglückliche Liaison aus dem Kollegendunstkreis ließen mich nicht lange fackeln. Ich entschied mich gegen unflätiges Schimpfen und für Reflektieren, vorzugsweise an einem Strand. So buchte ich mich in der Einser-Destination des zaghaften Exotikmuffels mit Palmensichtungswunsch, der Dominikanischen Republik ein. Selbstverständlich in einem Clubhotel, um allfällige Risken überschaubar zu halten.
Ich lernte eine Gruppe Italo-Schwaben kennen, mit denen ich Dörfer und lokale Bars sowie Diskotheken eroberte, denn zu mehrt erschien mir dies Unterfangen gleich sicherer. Von Tag zu Tag wuchs mein Mut und die Berührungsängste mit der fremden Welt sanken. Bis ich im Sonnenuntergang Strände entlang ritt und leichtsinniger Weise auf dem Sozius eines Leih-Motorrades Platz nahm, das ein nicht allzu erfahrener Biker lenkte.
Letzteres stellte sich im Nachhinein als wenig vorteilhaft heraus. Gruppe hin oder her. Airbag ist so eine Gruppe keine. Spätestens als das Eisen auf mir in einem Straßengraben zu liegen kam, wusste ich: Ich hätte auf meine Mutter hören sollen. Ich war also – wie die Geschichte zeigt - nicht nur Nesthäkchen, sondern darüber hinaus auffällig unüberlegt und blauäugig. Blauäugig in diesem Fall im Wortsinne, da sich als Folge der Straßengrabenbekanntschaft ein Bluterguss links und rechts meiner Nase erstreckte, der meinem Antlitz etwas Pandahaftes verlieh …
Als ich schließlich – etwas spät berufen – das unter europäischen Jugendlichen in den Achtziger- und Neunzigerjahren weit verbreitete Interrail mit achtundzwanzig Jahren, also gute Zehn nach meinen Kommilitonen, in Angriff nahm, entlockte dies einer Freundin meiner Mutter ein durchwegs zynisches „pubertiert sie jetzt?“.

Und trotzdem

Die Jahre zogen ins Land. Vorerst verlegte ich mich mehr auf Städtetrips im benachbarten Europa, im Zuge welcher ich zwar öfters wahlweise meiner kompletten oder Teilen meiner Barschaft verlustig ging.
Das Bereisen europäischer Städte erschien mir dem zum Trotze dennoch insgesamt überschaubarer, als Fernreisen. Das mit der Barschaft war natürlich ein Anfängerfehler…
Einmal, als ich in Bologna meinen Rucksack auf dem – suggeriert doch der Name schon - Rücken trug und sich jemand dadurch eingeladen fühlte, mein Geldbörsel an sich zu nehmen. Ein andermal, weil die beiden auf den ersten Blick sympathischen Herren im Abteil im Zug nach Florenz leider nur oberflächlich betrachtet sympathisch waren, dafür aber schnell erkannt hatten, dass mein Schlaf fest und es folglich kein Problem war, den Rucksack unter meinem Kopf unbemerkt hervor zu ziehen und darin befindliches Bargeld zu entwenden. Doch ist Geld bekanntlich nicht alles. Ich feierte anderweitig Erfolge, als mir nur Stunden später gelang, in der florentinischen Jugendherberge zwanzig Franzosen mehrere Strophen eines italienischen Gassenhauers beizubringen.
Ich war freilich keineswegs entmutigt. Vielleicht ein bisschen geläutert, dass doch nicht alle Welt gut und der Mensch grundehrlich war. Kurz die Ganglien bemüht, hätte ich mir das aber sowieso denken können.

Rucksack-Tourismus

Die erste Rucksackreise meines Lebens hatte ich sodann meinem künftigen Ehemann zu verdanken. Er hatte sich wesentlich früher den Zugvögeln angeschlossen als ich und war einer von jenen, die in meiner Donauinselphase mit dem Rucksack Inselhüpften oder ihr Ferialjob-Salaire in mehrwöchige Australien-, Südostasien- und USA-Reisen investierte.
Nichts außer Hin- und Rückflug in den Süden Mexikos hatten wir gebucht und so zogen wir neben knappstem Gepäck mit einem Reisehandbuch bewaffnet los. Ich hielt zum ersten Mal in meinem Leben die Bibel der Reisenden in Händen. Sie sollte einer meiner liebsten Weggefährten durch aller Herren  Länder werden. Der goldeswerte Lonely Planet. Seine nicht gerade bild-, aber informationsreichen Seiten erzählten uns sogleich, wie wir von der Geschmacksfrage Cancuns per Bus in das (damals!) unumstritten chillige Tulúm gelangen würden und von dort weiter an den palmengesäumten Strand zu jenen strohgedeckten Hütten, die zwar jedweden Komforts entbehrten, aber von ungeschlagener Romantik waren. Nach über zehn Jahren des Tourismus und vor allem einem Hurricane, dem die Strohhütten nichts entgegen zu setzen hatten, mag sich dem Besucher Tulúm heute eventuell anders darstellen.
Wir verbrachten drei Wochen auf der Halbinsel Yucatán, teilten unser Essen mit Strandhunden, ich absolvierte den Tauchschein und wir durchblubberten Süßwasserhöhlen, die sogenannten Cenoten.
Man inspizierte die Überbleibsel der Maya Kultur, staunte in Anbetracht zahlreicher US-Touristen offenen Mundes, welche Ausmaße das menschliche Gesäß unter chronischem Burgereinfluss annehmen konnte und mietete einen fabriksneuen VW-Käfer, mit dem man in die umliegenden Städte und weiter nördlich gelegenen Ruinen sowie den Nationalpark Homónimo gelangte.
Wir querten den Dschungel, begegneten den ersten „berufsmäßig“ bettelnden Kindern meines Lebens, Erwachsenen verschiedenster Profession und entdeckten ein spanisch geprägtes koloniales Stadtbild, wo immer sich mehr als zehn Häuser zusammen rotteten, dessen Charme mich auf prekäre Weise ansprach.
Es war die erste Kolonialarchitektur, die ich zu Gesicht bekam und ich wusste mir keinen Reim darauf zu machen, was ich davon halten sollte, etwas irgendwie schön zu finden, das an jener Stelle aber eigentlich nichts verloren hatte. Nicht von Rechtswegen jedenfalls.
Beim durch die Straßen schlendern begegnete uns kaum ein Tourist. Die Nacht verbrachten wir in der Stadt Valladolid in einem kleinen Hotel, das ob des Glockenspiels auf seinem Dach an „Spiel mir das Lied vom Tod“ gemahnte, was etwas Verwegenes ausstrahlte. Das Beste an diesem Haus aber waren der Swimmingpool im Innenhof und die Dusche am Zimmer! Luxuriöser Kontrast zur Strohhütte am Strand. Zwischendurch füllten wir unsere Mägen mit allerlei Leckereien von der Straße und tranken Aguas, frische Säfte aus Mango, Papaya oder Wassermelone von Händlern mit fahrbaren Marktständen.
Es war wildromantisch und mich erfüllte ein nie empfundenes Gefühl der Freiheit. Am ehesten kann ich es so beschreiben: ich war verliebt. In R. und das Leben. Und zum ersten Mal ins Reisen an sich. Nach unserer Rückkehr aus Mexiko fieberte ich förmlich den nächsten Expeditionen entgegen. Und Hermes, nicht nur Götterbote, auch Gott der Diebe (sic!) und Reisenden war mir wohl gesonnen. So führte mich das Reisefieber in den folgenden Jahren nach Sri Lanka, Peru und Bolivien sowie Tobago, bevor wir uns entschieden, auf Zeit auszuwandern und ich mir für neun Monate ein Sabbatical, eine Auszeit vom Job nahm und nach Asien aufbrach.


Die Autorin
Kres wuchs in Wien auf, wo sie auch ihre Schulzeit verbrachte und bis zur Matura blieb.
Danach begann sie an der Uni Wien Geschichte, Publizistik und Politikwissenschaften zu studieren. Nach einem halbjährigen Au Pair Aufenthalt in Italien brach sie das Studium ab und absolvierte ein Tourismuskolleg.
Sie arbeitete viele Jahre im Medienmarketing und derzeit im Tourismus, lebte über längere Strecken im Ausland, so einige Zeit in Shanghai und Mysore/Indien und bereiste den Großteil Südostasiens und Lateinamerikas.

2012 erschien ihr Debütroman „Caution! Be slip down“ - eine farbenfrohe Reiseerzählung, in der sie den Leser mit auf die Reise durch China, Südostasien und Indien nimmt.


Stephanie-Therèse Kres, Caution! Be slip down

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Kommentare:

James Henry Burson hat gesagt…

Wenn einer eine Reise tut...
Eingängiger, beschwingter Erzählstil.
Mir gefällt das.

Elsa Rieger hat gesagt…

Vielen Dank, lieber James!