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10. Juni 2013

Eva Joachimsen, Erfolg lässt sich nicht erzwingen



Die Buchhändlerin Melanie Sturmann tanzt leidenschaftlich gern, deshalb ist sie froh, als der viel erfahrenere Turniertänzer Mirko Schönberg ihr Partner wird. Doch bald überfordert der ehrgeizige Mirko sie. Bei den Bemühungen, es ihm recht zu machen, gerät sie in finanzielle und zeitliche Schwierigkeiten. Ihr Chef ist verärgert, weil sie nicht mehr ständig Überstunden macht. Kann sie Mirkos Eifer bremsen?

Da ist auch noch der hilfsbereite Fotograf Dirk Zander. Wegen seines Berufs und seiner Familie hat er vor Jahren das Turniertanzen aufgeben. Während er Melanie beobachtet, erwacht seine alte Freude am Tanzen.

Findet Melanie das richtige Maß für Sport, Beruf und Liebesglück?

Stimmen:

„Immer nur lächeln …!“ Dieses Lied aus Lehars „Land des Lächelns“ kommt einem in den Sinn, wenn man diese Liebesgeschichte liest. Sie spielt im Turniertanzmilieu und auch da heißt es: immer nur lächeln, zumindest, wenn man sich zu Tango-, Walzer-, Rumba-, Cha-cha-cha- und anderen Melodien auf dem Parkett bewegt. Immer nur lächeln, auch wenn die Füße schmerzen oder, was vielleicht noch schwieriger ist, wenn einem zum Heulen zumute ist. Denn:„… wie’s da drin aussieht, geht niemand was an“.

Beim Lesen werden Bilder von Tanzturnieren wach, auf denen man Paare leichtfüßig, lächelnd übers Parkett hat schweben sehen. Tanzsport ist, so scheint es, das Leichteste von der Welt. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch, dass für Tanzturniererfolge hart trainiert werden muss. Das erlebt auch die 37jährige Melanie, als Mirko (34) sie zu seiner neuen Tanzpartnerin wählt. Sie ist glücklich und auch ein wenig stolz, denn Mirko ist im Tanzen schon viel weiter als sie, sogar zwei Klassen höher eingestuft. Als sich zwischen beiden neben der Tanzpartnerschaft auch privat eine Beziehung anzubahnen scheint, schwebt Melanie im siebten Himmel. Doch Mirko ist ehrgeizig und erfolgsbesessen. Er trainiert verbissen und fordert auch von Melanie vollen Einsatz bis an die Grenzen des Zumutbaren. Man fragt sich, wie lange wird sie das durchhalten? Mitleid verspürt man mit ihr und ist froh, dass andere Tanzklubmitglieder ihr Mut zusprechen. Ganz besonders auch der Fotograf Dirk, der früher selbst getanzt hat.

Auf diesen Ebenen spielt diese Liebesgeschichte, die sicher viele Herzen höher schlagen lassen wird. Sie macht am Tanzsport – hier am Turniertanz – deutlich, dass sich Erfolg nicht zwingen lässt, denn dazu braucht es nicht nur Fleiß und ständigen Drill, sondern auch Harmonie, Ausstrahlung und – ein Lächeln.
Die Geschichte ist einfühlsam und lebendig geschrieben, das Milieu des Turniertanzes anschaulich gezeichnet, die menschlichen Wünsche und Gefühle sind glaubhaft dargestellt. Fazit: ein farbenfroher Auftakt für die neue Romanreihe der Schreibwerk-AutorInnen.

Evelyn Sperber-Hummel

Leseprobe:

(...)
„Kannst du nicht mit deiner Kollegin tauschen?“, fragte Mirko nach dem Gruppentraining.
„Nein, ich habe schon am Wochenende wegen des Turniers getauscht, das kann ich nicht jeden Tag machen.“ Sie hatten eine Autorenlesung in der Buchhandlung und Melanie sollte die Eintrittsgelder kassieren. Vorher mussten sie noch Tische und Regale rücken, um Platz zu schaffen. Für das Training hatte sie wirklich keine Zeit. Und eigentlich hatte sie sich auch auf den Autor gefreut. Sie las seine Bücher gern und fand es toll, ihn persönlich kennenzulernen.
„Wie sollen wir besser werden, wenn wir nicht üben?“
„Arbeit geht vor. Wovon soll ich sonst leben?“ Zum ersten Mal war sie wirklich böse auf ihn. Was stellte er sich vor? Dass sie reiche Eltern hätte, die sie ihr Leben lang unterstützen würden?
„Kannst du dir nicht eine andere Stelle suchen?“
Sie schluckte. Was maßte er sich da an? Ihr ging es bei Weinhold gut. Ihr Chef war großzügig, ließ ihr in ihrem Bereich freie Hand. Sie hatte nette Kollegen und einen interessanten Beruf. Auch wenn sie nicht so gut verdiente. Auf keinen Fall wollte sie ihn für ihr Hobby aufs Spiel setzen. Also blieb sie hart. Auch wenn es ihr schwerfiel. Normalerweise vermied sie Auseinandersetzungen.
Zum Glück war der Autor wirklich so sympathisch und überaus witzig, dass sie Mirko und das Tanzen an dem Abend vergaß und sich für ein paar Stunden nur auf die Arbeit konzentrierte. Die Lesung war gut besucht und ein voller Erfolg, bei der sie eine Reihe seiner Bücher verkauften. Anschließend tranken sie gemeinsam Sekt, den ihr Chef spendierte.

Am nächsten Trainingsabend holte Mirko sie nicht wie sonst beim Laden ab, also musste sie mit dem Bus zum Verein fahren. Da es keine Direktverbindung gab, dauerte es natürlich länger als mit dem Auto.
Die Stunde hatte schon angefangen, als sie eintraf. Alle standen mit dem Gesicht zum Fenster und versuchten, die Kreiseldrehung mit der richtigen Hüftbewegung zu tanzen. Mirko machte fleißig mit.
Melanie grüßte und beeilte sich, ihre Trainingskleidung und die Schuhe anzuziehen, dann stellte sie sich hinter die anderen Frauen und versuchte, ihre Schritte zu kopieren.
„Ellbogen hoch“, kam es gleich von Ines.
„Gut so. Und jetzt tanzen die Damen von der Bar und die Herren von der Spiegelwand die gesamte Folge durch.“
Melanie versuchte, sich im Pulk zu verstecken, zum einen, damit sie nicht so gesehen wurde, zum anderen, um von den anderen besser abschauen zu können.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, die Melanie wie Spießrutenlaufen vorkam, durften sie paarweise tanzen.
Sie ging auf Mirko zu und ließ sich von ihm in den Arm nehmen. Er tanzte butterweich, ging ganz tief in die Knie. Melanie schaffte es nicht und bremste ihn als Störfaktor aus. Beim fünften Versuch ging es dann endlich ein bisschen besser.
Als die Stunde vorbei war, wollte Melanie sich umziehen, doch Mirko hielt sie fest. „Lass uns noch eine Durchtanzrunde machen.“
„Ich bin müde und muss ins Bett.“
„Komm schon, wenn wir nicht mehr trainieren, haben wir überhaupt keine Chance. Du bist so eine gute Tänzerin, dir fehlt nur die Übung.“
„Ich habe einen Beruf und abends bin ich abgespannt und unkonzentriert. Am Sonntagmorgen merke ich es mir viel besser“, entschuldigte sich Melanie.
„Irgendwann geht es automatisch, so lange müssen wir eben üben und immer wieder üben.“
Melanie gab nach. So tanzten sie und Andreas und Renate jeden Tanz zweimal. Eine Durchtanzrunde mehr als sie zugesagt hatte.
„Jetzt muss ich wirklich ins Bett. Morgen ist meine Kollegin nicht da, das wird ein anstrengender Tag.“
Natürlich konnte sie nach dem Training nicht sofort einschlafen, also las sie noch den neuesten Bestseller.
Am nächsten Morgen fiel es ihr schwer, aus dem Bett zu kommen. Unter der Dusche brauchte sie viel zu lange und musste deshalb das Frühstück ausfallen lassen. Immerhin kam sie auf dem Weg zum Buchladen an einer Bäckerei vorbei und besorgte sich zwei belegte Brötchen.
Der Tag war wirklich schlimm. Sie hatten ein Inserat in der Zeitung gehabt, außerdem war eine Rezension im Anzeigenblatt gewesen und jeder wollte das besprochene Buch des Kleinverlags kaufen. Es war jedoch nicht beim Grossisten gelistet und sie musste die Bücher alle einzeln beim Verlag bestellen. Da Melanie keine Zeit gehabt hatte, in die Zeitung zu schauen, traf es sie völlig unvorbereitet. Nach der dritten Bestellung beschloss sie, bis zum Abend zu warten und dann eine Sammelbestellung aufzugeben. Sie war müde und unkonzentriert. Mehrmals musste sie nachfragen, weil sie etwas nicht mitbekommen hatte. Und ihr Azubi brauchte ständig Hilfe, da er viele Vorgänge noch nicht kannte. Dementsprechend fehlte Melanie selbst mittags die Zeit zum Essen. Notgedrungen verschwand sie zwischen Beratungen nach hinten und biss von ihren Brötchen ab oder trank etwas Mineralwasser. Nicht einmal zum Kaffeekochen kamen sie.
Im Stress der Kundengespräche und der Telefonate übersah sie eine Bestellung und konnte sie erst nach Feierabend weitergeben.
Am nächsten Tag fragte der Stammkunde nach seinen Büchern.
„Oh, die sind nicht dabei.“
„Aber ich habe sie schon am Vormittag aufgegeben.“
„Es tut mir leid, wir hatten gestern so viel zu tun, dass ich Ihre Bestellung erst zum Feierabend entdeckt habe.“
„Ich brauche das Buch dringend. Es ist für einen Vortrag an der Uni. Das nächste Mal kaufe ich im Internet.“ Der Kunde drehte sich auf dem Absatz um und verließ den Laden.
(...)

Die Autorin:
Eva Joachimsen liebt es, nicht nur Unterhaltungsromane zu lesen, sondern schreibt sie seit vielen Jahren auch gern. Eine Reihe ihrer Liebesgeschichten sind in Zeitschriften erschienen. Mehr von ihr auf dem Blog: http://evajoachimsen.wordpress.com

Eva Joachimsen, Erfolg lässt sich nicht erzwingen

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Kommentare:

James Henry Burson hat gesagt…

Sehr schön geschrieben.
Mir fielen Musiker ein, deren Hornhaut man beim Gitarrenspiel nicht auf den Fingerkuppen sieht.
Das Lächeln beim Tanzen, könnte dem aufmerksamen Beobachter etwas über den Schmerz verraten...
Wie in der Musik - je leichter sich eine Weise anhört, um so schwieriger, die Komposition.
Dem Autor gelingt es, mit einem Lächeln...

Elsa Rieger hat gesagt…

Feiner Komm. lieber James, danke!