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Rezensionen

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21. Juni 2013

Ulrike Jansen, In Liebe verzeihen - Neuauflage



Ein Mensch zieht sich aus.
Warum tut er das? Weil er sich exhibitionieren will? Manchmal. Das ist dann unangenehm für den Betrachter, denn da wird in Tagebuchmanier voller Selbstmitleid bejammert, wie tragisch das Leben ist, wie schlecht man weggekommen ist. Es wird ein Fähnchen der Tapferkeit dem Leser entgegengehalten und Bewunderung fürs schlimme Schicksal erheischt.

Ulrike Jansen zieht sich aus.
Warum tut sie das? Weil sie eine großartige Person ist und damit anderen beweist, dass das Leben großartig sein kann, wenn man überlebt hat, was im Allgemeinen zur Traumatisierung und Abtötung der Seele führt. Oft überaus humorvoll, nie selbstmitleidig, berichtet die Autorin davon, wie es ist, als Baby „weggeworfen“ zu werden, wie es ist, in der Lieblosigkeit, der Übergriffigkeit eines Heims aufzuwachsen. Und in diesem Fall ist die Großmutter eindeutig der Wolf, denn diese Person hat das Baby Ulrike der jungen, ohnmächtigen Mutter weggenommen.

Und Wölfe sind sie alle
in diesem Kinderheim unter dem Schaffell der Nonnenkluft. Macht ausüben ist die Devise; wer nicht funktioniert – denn es geht nur ums Funktionieren, nie um Liebe, wie Jesus Christus predigte – wird verprügelt, gequält, ihm wird die Ehre abgeschnitten, bis er gedemütigt am Boden liegt. So erging es der Autorin in der frühen Kindheit.
Auch später dann während der Ausbildung war es kaum anders, denn die Autorin musste 18 werden, um dieser Hölle auf Erden zu entkommen.

Statt zu hassen lieben
ist die Devise von Ulrike Jansen. Sie, die beinahe zum seelischen Krüppel geworden ist, verzeiht einfach. Als ob das so einfach wäre! Sie ist eine der Guten, das muss ich neidlos eingestehen. Sie hat das „Rache-Gen“ jedenfalls nicht in sich, Hut ab vor so viel Nächstenliebe!
  
Zuerst ein Schmerzbuch, dann ein Glücksbuch.
Ganz ohne Wichtigtuerei beschreibt die Autorin ihren Weg aus der Eiswüste in die Liebe. Statt im Hass zu ersticken, in der Verletzung zu erstarren, sich in eine Psychose zu begeben oder als Amokläuferin Vergeltung für das Angetane zu üben, steigt Ulrike Jansen wie Phoenix aus der Asche und widmet ihr Leben der liebevollen Betreuung und Pflege.

Die schlichte Botschaft
der Ulrike Jansen an alle Kinder dieser Welt: Gebt niemals auf! Was euch auch angetan wurde, ihr habt es überlebt. Macht das Beste daraus. Verzeiht, vergebt. Nur dann besteht die Chance, ein erfülltes Leben zu haben. Und ich muss sagen, ja, recht hat sie, die Ulrike Jansen. Denn wer stets hadert, Rachegedanken wälzt, die schlimmen Erinnerungen an der Brust nährt, wird schließlich darin untergehen.

Ulrike Jansens Lebensgeschichte gibt es nun in einer 2. Auflage.  
Das freut mich ganz besonders, denn nach großen Schwierigkeiten mit dem Druckkostenzuschuss-Verlag Wagner, darf man die Autorin nun beglückwünschen, dass sie endlich ihr Buch zurückerobert hat!
 


Elsa Rieger


Die Autorin

Ulrike Jansen wurde 1961 in Wattenscheid geboren, wuchs dort bis 1979 in einem Kinderheim auf. Seit fast 30 Jahren ist sie nun schon in einer Universitätsklinik als Krankenschwester auf der gynäkologischen Station tätig.






Ulrike Jansen, In Liebe verzeihen

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Kommentare:

James Henry Burson hat gesagt…

Nein, Mitleid heischend, ist da gar nichts.
Ich nenne es schlichtweg Auferstehung, schon zur Lebzeit.
Am Ende zu sein, Kraftreserven zu finden und aus diesen Entwicklung zu beschreiten, spricht für ein hohes Maß an innerer Stärke.
Dann hat noch ein schönes Wort in dieser Geschichte Platz.
Den Peinigern zu verzeihen und zu verstehen, dass deren Schwäche das Übel gebar - das nennt man Großmut.
Eine Steigerung dazu, fällt mir beim besten Willen nicht ein.
Umgangssprachlich würde ich sagen - Saustark!


Elsa Rieger hat gesagt…

Lieber James, genau so ist es!

Vielen Dank und herzliche Grüße,
ELsa

grenzen-los-zeit-los hat gesagt…

.... und ich ergänze ganz einfach das, was James geschrieben hat... d.h.ich bestätige seine Aussage: saustark !!! Mit einem ganz herzlichen Gruß Ursa

Elsa Rieger hat gesagt…

Danke, meine liebe Ursa! Herzlich, ELsa

Marie van Klant hat gesagt…

Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mir soviel Gänsehaut beschert hat. Was müssen manche Kinder nicht alles ertragen - allein -? Es ist niemand da, der hilft. Ich meine NIEMAND. Ein Heimkind, das durchlebte und durchlitt, wird erwachsen und geht einen wohl kaum vergleichbaren Weg in ein anderes Leben. Ob ich wirkich diese Kraft und die Stärke hätte, das alles zu verzeihen, wage ich zu bezweifeln. Ich war glücklicherweise nicht in "dieser" Situation. Ein Buch zum Weiterempfehlen - immer wieder. Ich wünsche Ulrike nur das Beste für ihren Lebensweg. Und zum Verlag: Schade, dass so gute Autoren ausgenutzt werden. Aber? Alles hat ein Ende, nicht wahr? Chapeau, liebe Ulrike!

Elsa Rieger hat gesagt…

Danke für den schönen Kommentar, liebe Marie!

LG
ELsa

Ulrike Jansen hat gesagt…

Liebe Elsa! Deine Rezension treibt mir immer wieder Tränen in meine Augen, sobald ich sie lese, einfach großartig! Sprachlos sage ich Danke! Vielen Dank auch an die LeserInnen, für die sehr berührenden Kommentare hier! Herzliche Grüße, Ulrike! ♥

Elsa Rieger hat gesagt…

Liebe Ulrike,

vielen Dank! Herzlich, ELsa