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31. Juli 2013

Nicholas Vega, Demor – einfach bösartig



100% Bosheit, der Rest Knochen: Als Oberfiesling hat es Lord Demor nicht leicht. Sechshundert Jahre und nie konnte er einen Helden töten. Schuld sind die Gesetze der Fantasie, in denen niedergeschrieben ist, dass das Gute stets triumphiert. Dabei gäbe sich Demor bereits mit der Weltherrschaft zufrieden. Was tun? Genau! Die Geschichte muss neu geschrieben werden. Gemeinsam mit dem kopflosen Reiter, der Eisernen Jungfrau und einem tollpatschigen Ork rückt er Erzfeind Gabriel Syxpak auf den Blechpanzer, denn der strahlende Recke kennt das Versteck der Gesetze.

Eine phantastische Geschichte für heitere bis bewölkte Stimmung, von epischem Ausmaß und mit vier Bösewichten, die man einfach gut finden muss.



Leseprobe

Dem Tod so nahe

»Demor! Lord Demor!«, hallte es durch die Gruft. Die Wassertropfen an den Gesteinswänden vibrierten unter den Worten.
Die Knochenfinger des untoten Zauberers bewegten sich in den gepanzerten Lederhandschuhen und verursachten ein schabendes Geräusch an den Armlehnen. Müde blickte er auf. »Wer wagt es, mein Reich zu betreten?«
Keine Antwort. Stattdessen Schritte auf Steinboden, unterbrochen vom Plätschern vereinzelter Wasserlachen, in die Wanderschuhe oder Stiefel hineintraten.
Demor sog scharf die Luft ein und sein Brustkorb hob sich. Eindringlinge. Er konnte ihre Arroganz förmlich riechen. Abermals rückten ihm Todesmutige zu Leibe. Weshalb kamen sie diesmal? Einer Jungfrau zuliebe? Wegen Gold oder eines seiner unschätzbaren Artefakte? Oder einfach nur, weil man erneut seinen Tod herbeisehnte?
Ein Lacher zischte durch seine Zähne, doch ein Hustenanfall erstickte ihn. Mit der Leichtigkeit eines gelenkkranken Greises wischte er sich über die Augenhöhlen. Die Atemnot verschlimmerte sich von Jahrhundert zu Jahrhundert. Lungenflügel besaß er bereits seit einem Zeitalter nicht mehr, die chronischen Atembeschwerden waren dagegen geblieben.
Er stemmte sich aus seinem Thron zu voller Größe auf. Dabei klapperten seine Glieder wie die Perlen einer Gebetskette. Wo blieben seine Schergen? Vermutlich waren sie besiegt oder geflohen.
Schwächliche Feiglinge! Mit entschlossenem Griff packte er seinen Stab, der neben ihm aufragte und bis über seinen Kopf reichte. Wie einen beständigen Wegweiser hielt er ihn empor – ehern und machtvoll. Zwischen den spiralförmigen Rillen im Griffstück pulsierte es lilafarben. Der Lichtschimmer zerstob zu feinem Nebel.
Alter Gefährte, dachte Demor, werden wir diesmal glücklicher enden?
Der Stab antwortete mit violett-weißen Blitzen, die sich vom Schaft zu einem Totenschädel emporschlängelten, dann über einen Ring mit eingelassenem Stern zuckten und an zwei Ringspitzen in die Luft gierten.
Mit dem Stabende klopfte er auf den Boden.
Augenblicklich zwängte sich ein dunkelblau behaartes Vieh hinter dem Herrschersitz hervor. Eine lebende Kugel, die ihrem Meister nicht einmal bis zu den Knien reichte. Aus immens weißen Augen starrte sie Demor an und ihr winziger Rüssel wackelte wie ein überflüssiger Fortsatz herum. »Ihr habt gerufen, Meister?«, quiekte das Kugeltier.
Demor schritt die zwei Stufen von seinem Thron hinunter, gab dem Winzling einen Stups mit dem Stiefel und würdigte ihn keines weiteren Blicks. »Habt ihr die Jungfrau vorbereitet, Wurmspin?«
Ein Quietschen, als steche man einen Goblin ab, entfuhr dem Diener, was Demor als ein »Ja« wertete.
»Wir haben alles zu Eurer Zufriedenheit bereitet. Das Mädchen ist in sein durchlässigstes Gewand gekleidet und die Ketten an ihren Gelenken passen vorzüglich.«
»Wer ist es diesmal? Ich hoffe, dass ihr nicht Rolelia genommen habt? Sie ist ein wahrer Schatz, eine, die weiß, wie man die Knochen eines betagten Mannes in Wallung bringt.« Der Satz vermischte sich mit einem neuerlichen Lacher, gefolgt von einem wiederkehrenden Hustenanfall. Demor hielt sich die rechte Rippe, ein altes Leiden.
»Nein, mein Herr! Ganz sicher nicht. Wir haben eine zarte Elfe genommen, die Tochter eines begüterten Herzogs.«
Der Untote fuhr herum. Er riss den goldverzierten, metallenen Mundschutz, der eben noch die Nasenhöhle und die hervorstehenden Zähne bedeckt hatte, zur Seite. »Was sagst du da? Seit wann befinden sich unter den Jungfrauen Elfen?«
Quietschend senkte Wurmspin seinen Rüssel vollends auf den Boden. »Sie ist ein Neuzugang. Wir dachten …«
»Ihr sollt nicht denken!«, fuhr Demor dazwischen. »Wenn ihr denken könntet, wäre ich überflüssig. Und das will keiner von uns.« Mit bedrohlicher Haltung trat er an seinen Diener heran und beugte sich über ihn. Das Ende seines schweren, roten Mantels berührte das Fell von Wurmspin, der daraufhin verängstigt zurückwich.
Mit dem vermutlich jämmerlichsten Quieken, das es kannte, entschuldigte sich das Kugeltier.
Das Gespräch wurde von Stimmen unterbrochen. Die Schritte der Eindringlinge schallten lauter.
Demor schaute in den Gang, aus dem die Gruppe auftauchen würde. Plötzlich schepperte es, gefolgt von einem dumpfen Beben und einem kurzen Schrei.
Das Fallgitter.
So weit waren sie also gekommen. Er winkelte seinen linken Arm an und hielt die Hand wie eine Kralle nach oben. Ein grünes Licht begann darin zu tanzen. Schleim tropfte durch die Finger zu Boden. Kurz darauf erschienen winzige Gesichter im Lichtstrudel und kreisten dort als klagende Geister.
Mit einer abfälligen Bewegung und ohne ihn anzublicken, bedeutete er Wurmspin zu gehen. Fast dankbar verflüchtigte sich das Quieken.
Demor sonnte sich in dem unnatürlichen Licht. Genüsslich roch er an der grünen Flamme. Tod. Ein Elixier von unersetzlichem Wert – seine Antriebskraft.
Er ballte die Hand zur Faust. Augenblicklich erstarb das Leuchten. Sein Blick wanderte entlang der spiegelglatten Wände mit den reich verzierten Krallenornamenten und den unlesbaren Runen. Eine Baukunst von einmaliger Dimension und Kunstfertigkeit. Ein Vermächtnis der Ka’ia, den allerersten Wesen auf Fantastika.
»Demor! Zeige dich!«, riss ihn jemand aus seinen Gedanken.
Obwohl die Sonne bis in diese tiefste Räumlichkeit drang – eines der Wunder dieses Tempels –, tauchte ein neues, zuckendes Licht im Gang auf.
Fackeln.
Boden und Wände trugen das Klappern von Schritten und Rüstungsgeschirr zu Demor, doch davon ließ er sich nicht einschüchtern. Nicht seit sechshundert Jahren.
Gemächlich hängte er die Haken des Mundschutzes in die Krone ein. Obwohl er sie auf seinem Haupt nicht sehen konnte, fühlte er die prunkvolle Erhabenheit dieses sagenhaften Artefakts – des Ursprungs seines Unlebens.
Drei Gestalten tauchten im Bogen des Ganges auf. Demor umfasste seinen Stab fester.
»Demor, du Lich! Endlich sehen wir uns!«, schrie der Erste, ein prächtig gebauter Krieger mit einer Lanze, so gewaltig wie ein Eifenbaum von fünfzehn Sommern. Seine Stimme klang kräftig und doch jugendlich.
Abschätzend betrachtete Demor seine Gegner. Ja, er war ein Lich, eine wandelnde Leiche – allerdings mit einer Macht, welche die Zähne der Lebenden zum Klappern brachte. Obwohl in ihm kein Herz mehr schlug und er keine Muskeln mehr hatte, war er mächtiger als das gesamte Pack, das jetzt vor ihm posierte.
»Ein Mensch, ein Zwerg und ein Elf. Das ist in der Tat etwas ganz Neues«, spottete er. »Ist es dieser Wicht, der vorhin diesen Krach verursacht hat?«
Der Zwerg schob die wulstigen Brauen zusammen, schwang seinen Doppelhammer von der Schulter und schnaufte wie vor seinem letzten Krug Bräu. Durch die zerstörten Ringe seines Kettenhemds über der Brust quoll Blut hervor.
»Ich bin Konrad Brinhelm und wir sind gekommen, um Eure Schreckensherrschaft zu beenden!«, gellte der wuchtig gerüstete Mensch.
Demor blieb ungerührt stehen. Mit seinem Stab hieb er erneut auf den Boden. »Möglicherweise seid ihr aber auch deswegen aufgetaucht.«
Ein steinernes Grollen ertönte. Die Dreiergruppe schaute zur linken Wand. Mit einem Rattern schob sich das Gestein nach oben. Noch bevor das Licht gänzlich in die dunkle Nische drang, erklangen die Hilferufe einer Frau.
»Ihr müsst mich retten! Lord Demor wird mich sonst fressen! Ich flehe euch an!«, kreischte die Elfe, während die Ketten an Arm- und Beingelenken spöttisch klapperten.
»Nemana!«, schrie der Elfenkämpfer und tat einen Schritt auf sie zu, verharrte jedoch, um sich erneut seinem Feind zuzuwenden. Der grünliche Teint im Gesicht des Spitzohrs färbte sich dunkel. »Etnasch’esch Demor! Ich bin Enlas, des Enleas’ Sohn! Für diesen Verrat werdet Ihr büßen!«, brüllte er und seine Zähne stachen silberweiß hervor.
Demor beantwortete diese Kühnheit mit einem bösen Lachen und je stärker seine Elfenfreundin jammerte, umso mehr erheiterte es ihn.
Ein Summen erklang, das sich zu einem Gesang verstärkte. Hunderte von unsichtbaren Mündern stimmten in das Gelächter des Lichs ein. Es waren die Toten – die Quellen seiner Zaubermacht.
»Genug jetzt!«, durchschnitt Konrad den Chor.


Rezension folgt...


Der Autor
Nicholas Vega, Jahrgang 1977, flüchtete sich bereits seit Kindertagen in phantastische Welten. Schwert und Magie waren für ihn die verführerischen Mächte, der Hauch des Mystischen und das Gefühl von Abenteuer. Die Faszination für das Fantasy-Genre lässt ihn bis heute nicht los.
Neben einem Vollzeitjob, in dem er versucht die Welt zu retten, einer lieben Ehefrau, die seine »Macken« tapfer unterstützt, und zwei kleinen Rabauken, die ihrem Vater in vielen Dingen nacheifern, schreibt er Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Seit Juni 2012 wird er von einer wunderbaren Literaturagentur vertreten. Professionelles Self Publishing ist für ihn ein inspirierender Teil des Buchmarkts.



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