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Rezensionen

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15. Oktober 2013

Bernd Töpfer, Erfüllende Wärme



Jeder Mensch sucht ein wärmendes Gegenüber. 
Bernd Töpfer hat sich in seinen Geschichten auf diese Suche gemacht. Das Wort Suche beinhaltet aber auch Sucht. Und süchtig war Bernd Töpfer sein halbes Leben lang. Auch darüber schreibt er. 
Und wie das Leben sich danach mit Neuem füllen durfte.












Leseprobe:

Verboten

Du stehst am Fenster, stierst in die Nacht und denkst Verbotenes. Deine Frau liegt im Bett und schläft; was sie denkt, weißt du nicht.
Du grübelst über die ewige Liebe nach. Gibt es sie? Deine Antwort ist nein, es gibt sie nicht.
Dreißig Jahre bist du jetzt verheiratet, und in dieser Zeit hat sich einiges geändert. Die Gefühle von einst gibt es nicht mehr. Die innige Zuneigung, das Begehren, alles verloren gegangen. Du konntest nie verstehen, wenn Paare sich scheiden lassen.
Jetzt denkst du selbst daran.
Das Leben ist nicht gerecht. Überhaupt nicht. Obwohl das Feuer der Liebe zu deiner Frau erloschen ist; ihr habt keinen Streit, ihr lebt euer Leben wie ein normales Ehepaar, oder ein nichtnormales, aber normales nach außen hin, wie so viele andere bestimmt auch. Du hast sie eigentlich noch lieb, möchtest ihr nicht wehtun, aber du sehnst dich nach Liebe, nach Zärtlichkeit, vertraute Gemeinsamkeit, Geborgenheit und natürlich auch nach Sex. All dies bekommst du von deiner Frau nicht mehr, oder du willst es von ihr nicht mehr, hast das Verlangen mit der Zeit selber abgetötet.
Du stehst am Fenster, du denkst nach, viel zu viel, am Ende wirst du ins Bett gehen und nicht wissen, wie es weitergehen wird. Du hast Angst, dich zu entscheiden.
Im Bett findest du keinen Schlaf. Du denkst an sie, die andere, für die dein Herz jetzt schlägt. Immer hast du diese Männer verachtet, diese Fremdgeher, die ihre Frauen und Familien für eine andere opfern. Jetzt stehst du auf ihrer Seite.
Wie kann so etwas passieren?
Man glaubt an die ewige Liebe, heiratet, bekommt Kinder, das Leben ist ein Glückstaumel ... bis man aufwacht und erkennt, so ist es nicht. Deine Frau und du, ihr seid verschiedene Wege gegangen. Du interessierst dich für Sachen, für die sie sich nicht begeistern kann.
In der anderen Frau hast du gefunden, wonach du gesucht hast, sie teilt deine Interessen, sie hat sogar ein höheres Wissen, du lernst noch dazu.
Du wolltest immer schon ein Instrument spielen – verpasst –, sie spielt Geige und Klavier, ist sogar Mitglied im Orchester des Opernhauses.
Deine Frau kann mit Musik nichts anfangen, mit Oper schon gar nicht. Du hattest auch deine Schwierigkeiten mit der ernsten Musik, aber durch diese Frau wurde dein Interesse geweckt. Und außerdem schreibt sie Gedichte. Neuerdings nur für dich.
Du trägst ein ständiges Glücksgefühl in dir, allerdings gepaart mit dem schlechten Gewissen, etwas Verbotenes zu tun. Aber das Glücksgefühl ist stärker.
Du willst einen Schritt machen, eine Grenze überschreiten, aber es fällt dir schwer, den Zeitpunkt festzulegen, obwohl du weißt, nach diesem Schritt wirst du dich besser fühlen.
Es ist ziemlich spät, du liegst in der Dunkelheit, findest keinen Schlaf, denkst an sie ... und sie liegt neben ihrem schnarchenden Mann und denkt an dich. Ihr geht es wie dir, dieser eine Schritt, er scheint so schwer.
Eure Herzen haben sich schon gefunden.

Vor fünfzehn Monaten hattet ihr den ersten Kontakt übers Internet. Sie hat eine Homepage, durch Zufall bist du darauf gestoßen, hast Gedichte von ihr gelesen, romantische, sehnsuchtsvolle Liebesgedichte. Du hast in ihr Gästebuch geschrieben, sie hat geantwortet, du hast wieder geschrieben, ihr wart euch sympathisch, ihr habt ein Treffen vereinbart, in ihrer Stadt.
Ihr habt euch gesehen, und die schon vorhandene Sympathie begann zu wachsen, aus ihr wurde große Zuneigung. Ihr wurdet Gefangene eurer Gefühle, konntet euch nicht mehr wehren, eure Partner wurden zur Nebensache.
Öfters bist du die 180 Kilometer zu ihr in die Oper gefahren, anschließend habt ihr die Nacht im Hotel verbracht. Ihr Mann ist Arzt im Krankenhaus, hat oft auch Nachtdienst.
Und beim letzten Opernbesuch, später dann, im Hotel, gab sie dir ein Blatt Papier. Im Internet hatte sie eine Webseite gefunden, Kostblog.de, da veröffentlichen unter anderem Hobbyliteraten ihre kleinen Werke. Dort ist sie auf eine Abhandlung gestoßen, und diese hat sie für dich ausgedruckt.
„Glücklichsein macht glücklich“, so der Titel, geschrieben von Anita Hendrich.
Einen bestimmten Satz hat sie dir unterstrichen:
„Der gerade Weg wird bevorzugt, auch wenn unser Herz schon längst abbiegen wollte.“
Du liegst noch immer wach im Bett, dieser Satz beschäftigt dich ...


Der Autor
Schon als Jugendlicher habe ich Gedichte geschrieben, inspiriert durch die alten Klassiker.
Ab 1972 - 2011 Schichtdienst bei der Bahn, das Hobby Schreiben geriet in Vergessenheit.
Aber es war immer der Drang zu schreiben da.
Aber über was? Keine Ideen.
Seit Herbst 2011 infolge Altersteilzeit von der Arbeit freigestellt (und seit Juli 2013 vorzeitig in Rente).
Ich lernte dann eine Dichterin kennen, die Annegret Kronenberg, und wurde durch sie inspiriert, wieder zu schreiben.
Fing dann mit Gedichten an. Die ersten waren wirklich schwer, mittlerweile habe ich "Übung" darin.
Dann begann ich kleinere Erzählungen , so aus dem Alltag. Des Weiteren fing ich mit unheimlichen, mystischen Geschichten an. Ich glaube das ist meine Spezialschiene.
Erstaunlicherweise gehen mir die Ideen nicht aus.
Es macht mir Spaß zu Schreiben.


Bernd Töpfer, Erfüllende Wärme

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