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6. Oktober 2013

Brigitte Teufl-Heimhilcher, Humor und Hausverstand erwünscht



Die alleinerziehende Hausverwalterin Thessa ist froh, endlich einen geeigneten Job gefunden zu haben, auch wenn sie ihren neuen Chef einen eitlen Laffen nennt, weil er immer wieder an ihrer legeren Kleidung Anstoß nimmt. Da ist ihr Exmann Wolfgang, mit dem sie immer noch eine Art 'Urlaubs-Ehe' führt, und der als Förster im fernen Vorarlberg lebt, aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Doch als sie und Sohn Nicky, wie jedes Jahr, ins Forsthaus kommen, um gemeinsam das Weihnachtsfest zu feiern, muss Thessa erkennen, dass Wolfgang eine Affäre mit seiner jungen Praktikantin hat.
Für Thessa ein Grund mehr, sich in ihre Arbeit zu stürzen. Sie meistert den turbulenten Alltag mit ihrem pubertierenden Sohn ebenso wie die geschäftlichen Herausforderungen und stellt langsam fest, dass der ‚Laffe‘ so eitel gar nicht ist. Zumindest weiß er ihre Einsatzbereitschaft, ihre Loyalität und ihren Verstand sehr bald zu schätzen und langsam entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, aus der Liebe werden könnte. Doch Sohn Nicky hat andere Pläne und unternimmt alles um das zu verhindern.
Aber auch von anderer Seite droht Ungemach, denn Michaels neue Geschäftspartnerin hat auch schon ein Auge auf ihn geworfen.

Leseprobe:

Anstelle eines Prologs

Inserat im Samstag Kurier vom 15. Mai 2013

Wiener Immobilienverwaltung sucht BetriebswirtIn zur Unterstützung der Geschäftsleitung. Einsatz- und Kommunikationsbereitschaft vorausgesetzt, Humor und Hausverstand erwünscht. Bewerbungsschreiben richten Sie bitte unter „HV-MH-1“  an den Verlag.

Bewerbungsschreiben vom 16. Mai 2013

Betrifft: Bewerbung

Sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf Ihr Inserat im gestrigen Kurier bewerbe ich mich hiermit um die ausgeschriebene Stelle.
Details entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Lebenslauf.
Ich gelte als durchaus kommunikativ und versichere Sie schon jetzt meines vollen Einsatzes. Über Humor und Hausverstand mögen sie später selbst urteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Thessa Bachmann


1. Zeit der Veränderung

Der Montagmorgen begann grau und regnerisch. Thessa war es egal. Sie eilte singend ins Bad, verwöhnte die verspannten Muskeln erst mit heißem Wasser, ehe sie die morgendliche Dusche mit einem kalten Guss beendete und gönnte sich dann ein gemütliches Frühstück, mit allem was dazu gehört: duftender Kaffee, frisch gepresster Orangensaft, knusprigen Brot, Butter, Käse, ein Ei und Honig. So ein Frühstück alleine, hat doch auch Vorteile, dachte sie, und aß mit gutem Appetit, während ihre Gedanken zu ihrem Sohn wanderten. Sicher schlief er noch. Obwohl, man konnte nie wissen. In den Ferien war Nicky ja deutlich aktiver, und wenn er sich bei seinem Vater im Forsthaus aufhielt erst recht. Sicher würde er jeden Moment genießen – und vor Ende August nicht freiwillig nach Wien zurückkommen. Sie war ja froh, dass die beiden sich so gut verstanden, dennoch seufzte sie. Sie hatte mit Nicky immer nur den Alltag, Wolfgang immer nur die Ferien.
Nachdem sie ihr Frühstück beendet hatte, stellte sie sich vor den Kleiderkasten und überlegt, was sie an ihrem ersten Arbeitstag anziehen sollte. Ihr zukünftiger Chef war ihr beim Vorstellungsgespräch wahnsinnig elegant erschienen, auch seine Sekretärin schien ziemlich durchgestylt, also würde ein Kostüm wohl angemessen sein. So ein Blaues für alle Fälle musste doch da noch irgendwo sein. Ob das noch passte? Sch...wanenbraten! Der Rock kniff und die Jacke ließ sich auch nur noch mit Mühe schließen. Jetzt blieb nur noch das Jägerleinene, das sie zu Ostern gekauft hatte. Wolfgang hatte es gut gefallen, aber was verstand Wolfgang schon von Mode?
Egal. Schließlich sollte sie nicht als Modell arbeiten. Hoffentlich konnte sie in ein, zwei Tagen zu ihren gewohnten Jeans zurückkehren.
So wenig, wie sie sich für Kleider interessierte, so wenig interessierte sie sich normaler Weise für ihre Frisur und ihr Make-up. Nicht, dass sie eines gehabt hätte – ihre Wimpern waren von Natur aus dicht und dunkel, die Augenbrauen ebenso, ein wenig Lippenstift am Morgen – das musste für den Tag reichen. Und Frisur – mein Gott. Das dichte brünette Haar wurde regelmäßig gewaschen und zu einem Pferdeschwanz gekämmt. Früher hatte sie es manchmal offen getragen, aber dann hatte ihre Mutter immer auf sie eingeredet, dass sie es in Form föhnen solle. Aber das war ihr meistens zu mühsam gewesen, so war es eben beim Pferdeschwanz geblieben.
Normaler Weise war sie mit sich zufrieden, doch seltsamer Weise blickte sie heute schon zum zweiten Mal in den Spiegel, während sie auf Dr. Hausner wartete. Nervös zupfte sie an ihrer Trachtenbluse herum. Komisches Teil. Vielleicht hätte sie...
„Frau Magister Bachmann …“
Ein letzter Blick in den Spiegel.
Michael Hausner kam ihr entgegen und reichte ihr die Hand.
„Kaffee?“
„Gerne.“
Er drückte den Knopf der Sprechanlage: „Frau Schaffer, zwei Tassen Kaffee bitte, danke.“
Dann fragte er nach ihrem Befinden und erkundigte sich noch einmal nach ihrer bisherigen Tätigkeit.

Natürlich stand das alles in seinen Unterlagen, aber Michael Hausner war kein Morgenmensch und während Thessa noch einmal ausführlich berichtete, welche Aufgaben sie bisher erledigt hatte, hatte er noch ein wenig Muße sie zu betrachten. Er hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass sie gar so bieder aussah. Dabei hat sie ein hübsches Gesicht, aber diese Trachtenbluse war einfach furchtbar. Ihre Konkurrentin war schlank und chic gewesen, aber er hatte sich für Magister Bachmann entschieden, weil er das Gefühl hatte, dass sie belastbar war und mit beiden Beinen im Leben stand. Als sie endliche eine Pause machte sagte er, nur um irgendetwas zu sagen: „Sie haben doch Betriebswirtschaft studiert. Waren Sie da nicht etwas unterfordert?“


Die Autorin
Brigitte Teufl-Heimhilcher
1955  in Wien geboren
1974  Matura an der Handelsakademie und
      Einstieg in das Berufsleben
1986  Schritt in die Selbständigkeit
1997  Angelobung zur Sachverständigen für den Immobilienbereich
2003  Verlag Hubert Krenn, Wien  
      „Kochen und genießen ohne Milch“    
2010 Sieben-Verlag
     „Genießen statt verzichten – frei von Allergien
     und Lebensmittelunverträglichkeiten mit NAET“
     ein Sachbuch zum Thema Allergiebekämpfung
2011 Personal-Novel unter dem Pseudonym Gitta Teheim
     „Tanten, Tee und Taxitänzer“

Derzeit arbeite ich an einem neuen Roman für Personal-Novel sowie an einem Allergie-Kochbuch für den Sieben-Verlag.


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