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Rezensionen

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18. November 2013

Sabine Wierlemann, Mordwoche



Friseure können mehr als Haare schneiden: Mörder jagen

Die Arbeit im „Friseursalon König“ wird jäh durch einen mysteriösen Leichenfund vor dem Geschäft gestört. Auf einen Schlag ist es aus mit der Beschaulichkeit in dem kleinen Provinzstädtchen Bärlingen. Jetzt fürchtet sich jeder vor dem unbekannten Killer. Schleicht er vielleicht schon durch die Gassen und sucht sein nächstes Opfer?

Das Friseurgeschäft von Gerda und Otto König ist der Umschlagplatz für alle Neuigkeiten der Stadt und deshalb laufen hier nicht nur die Trockenhauben heiß, sondern innerhalb kürzester Zeit auch die Mörder-Spekulationen auf Hochtouren.

Plötzlich wird das Friseurehepaar in ein Familiendrama verstrickt, das tief hineinführt in die Abgründe der menschlichen Seele. Lange können die Friseure die Augen nicht vor den Tatsachen verschließen und so beginnen sie auf unkonventionelle Art und Weise selbst mit den Ermittlungen. Die Zeit drängt und Gerda und Otto König begeben sich in große Gefahr, um das Rätsel der „Mordwoche“ zu lösen.

Der neue Krimi von Sabine Wierlemann verspricht ein spannendes Lesevergnügen. „Mordwoche“ ist ein guter Tipp für alle, die noch eine passende Urlaubslektüre suchen. Hier kommen nicht nur Krimifreunde auf ihre Kosten, sondern auch die Leser, die zwischendurch gern mit und über die sympathischen und skurrilen Figuren lachen. Das Buch ist ab sofort als E-Book und als Taschenbuch bei Amazon erhältlich.


Leseprobe

Die letzten Stunden waren zäh dahingekrochen. Sie hatte sich von einer auf die andere Seite gewälzt und kaum Schlaf gefunden. Gerda König war kein nachtragender Mensch und von Natur aus auch mit einem überaus sonnigen Gemüt gesegnet, aber das ging dann wirklich zu weit. Was wollte man ihr da eigentlich unterstellen? Dass es in ihrem Laden nicht mit rechten Dingen zuging? Dass sie krumme Geschäfte machte? Und das alles nur wegen ein paar Tuben Shampoo! Diese Griffelspitzer in ihren Amtsstuben hatten doch gar keine Ahnung davon, wie die Dinge in einem Friseur-Salon so liefen. Wenn diese Bürokraten sich tatsächlich mal hierher verirrten anstatt zur Discounter-Kette „Hip-Hair“ zu gehen, dann leisteten sie sich höchstens einen Trockenhaarschnitt, der auch lieber etwas kürzer ausfallen durfte, damit er länger hält. Und diese Bürschchen hatten ihr, Gerda Maria König, vor zwei Tagen einen Brief geschickt, in dem sie ihr mitteilten, dass die Menge an Haarwaschmittel, die sie bei der Steuerprüfung in den Büchern angegeben fanden, nicht zur Anzahl der abgerechneten Kopfwäschen passte. Entweder hatten die Mitarbeiterinnen im Salon König, einem Familienunternehmen, das bereits in der vierten Generation geführt wurde und einen untadeligen Ruf genoss, die Flüssigseife verschwendet oder die Kunden, die ebenfalls in den Genuss einer Haarwäsche mit Massage gekommen waren, wurden schwarz bedient. Das war jedenfalls die Meinung der Steuerprüfer. So eine Frechheit! Schon der Gedanke an diese Unterstellung beschleunigte den Puls von Gerda König. Sie konnte jetzt unmöglich noch länger liegen bleiben. Vielleicht würde es auch helfen, aufzustehen. Nach einem Kaffee sähe die Welt bestimmt wieder anders aus.

Ihr Mann hatte sich zwar ebenso entrüstet über das Schreiben, aber nachdem er seinem Ärger mit ein paar kräftigen Flüchen und Verwünschungen in Richtung Finanzamt Luft gemacht hatte, war die Sache für ihn anscheinend erledigt. Jetzt schlief er jedenfalls tief und fest und hatte sich beim Schnarchen auch nicht von dem unruhigen Wälzen seiner Frau stören lassen. Frau König angelte sich ihre Brille vom Nachttisch und tastete mit ihren nackten Füßen nach den Hausschuhen, die sie am Abend bereits so hingestellt hatte, dass sie morgens direkt in die warmen Fellslipper schlüpfen konnte. Es war deutlich kälter geworden. Durch das Fenster, das während der Nacht immer auf Kippe stand, strich ein frostiger Morgenwind und Gerda König schlich schnell aus dem Schlafzimmer. Sollte Otto ruhig noch ein wenig schlafen. Es war gestern Abend sicher spät geworden. Sie hatte bereits geschlafen, als er nach Hause kam.

Adriano Felice, der Inhaber vom Venezia hatte die Kollegen des Gewerbevereins zu einer dringenden Sitzung eingeladen, weil er darüber abstimmen lassen wollte, seinem alten Freund Karl Merz die goldene Ehrenmedaille des Vereins zu verleihen. Routinemäßig wurde diese höchste Auszeichnung für fünfzig Jahre Mitgliedschaft überreicht und für außerplanmäßige Würdigungen mussten die Vereinsmitglieder zur Abstimmung zusammenkommen. Gerda konnte diesen Versammlungen nichts abgewinnen. Hier trafen sich die erfolgreichen und die noch auf Erfolg hoffenden Geschäftsleute von Bärlingen, um sich wahlweise gegenseitig zu bestätigen wie gut sie im Geschäft waren oder aber um gemeinsam darauf zu schimpfen, dass sowieso alles den Bach runterging, seit das große Einkaufszentrum im Gewerbegebiet der Kleinstadt eröffnet hatte. Diese Männerabende mied sie und war froh, dass Otto nicht auf ihre Begleitung bestand. Ihr reichte es dann, beim Frühstück die Zusammenfassung zu hören. Den neuesten Tratsch bekam sie aktueller und dramatisch interessanter sowieso von ihren Kundinnen serviert. Ihr Mann dagegen ging ganz gern zu diesen gesellschaftlichen Ereignissen, weil sie nichts von den gestelzten Veranstaltungen der Bärlinger „High Society“ hatten, zu denen Königs regelmäßig geladen waren. Für die Treffen des Gewerbevereins musste sich Otto König nicht in einen Anzug zwängen, in dem er sich immer verkleidet vorkam und hier durfte man auch mal über einen deftigen Witz lachen. In der spaßbefreiten „besseren Gesellschaft“ prahlten die, die es angeblich geschafft hatten, lieber mit ihren Urlauben, Kindern oder wenn die sich nicht zum Angeben eigneten, ganz platt mit der letzten Gehaltserhöhung.
Das Wort „Gehaltserhöhung“ kam bislang im Wortschatz von Gerda König nicht vor. Lief es in einem Monat einmal nicht so gut im Salon, dann war es für Otto und Gerda König selbstverständlich, dass nur ihre eigene Lohntüte schmaler ausfiel oder auch mal leer blieb. Ihren Mitarbeiterinnen, die für sie Teil ihrer Familie waren, bezahlten die Königs jeden Monat pünktlich den tariflich vereinbarten Lohn und legten an Weihnachten und an Geburtstagen einen großzügig gefüllten Umschlag obendrauf.

Die Dielen des alten Stadthauses knarzten, als Gerda König im dunklen Flur in Richtung Küche lief. Das markante rote Gebäude in der Innenstadt von Bärlingen war schon seit mehreren Generationen im Familienbesitz und Otto König lebte hier seit seiner Kindheit. Gerda König liebte die Ruhe am Morgen und genoss das Zeitunglesen in der Küche. Seit ein paar Tagen wurde dieses Vergnügen noch von einer Tasse frisch gebrühtem Cappuccino mit fluffiger Milchschaumhaube gekrönt. Auf Knopfdruck setzte sich das Mahlwerk des Vollautomaten in Gang, die Kaffeebohnen rüttelten sich in Position und das Schnorcheln des Milchaufschäumers vollendete das Kaffee-Kunstwerk. Otto hatte sie mit diesem Hightech-Gerät überrascht und Gerda hatte es schon nach der ersten Tasse in ihr Herz geschlossen. Ihr Otto war einfach der Beste!
Dass er ihr allerdings bei der Angelegenheit mit dem Finanzamt weiterhelfen konnte, das bezweifelte Gerda König. Erstens nahm ihr Mann die Dinge so wie sie kamen und fügte sich in das, was er nicht ändern konnte und zweitens hatten sie beide nach einigen Testläufen beschlossen, dass die Buchhaltung besser in den Händen von Gerda aufgehoben sei. Otto war also weder moralisch-emotional noch in Bezug auf die Sachlage der Fakten eine wirkliche Hilfe. Es war zum Haare raufen! Diese Deppen vom Amt hatten doch keine Ahnung vom Geschäft! Die vom Finanzamt veranschlagte Menge Shampoo hatte nicht im Entferntesten etwas mit der Alltagsdosierung im Friseurgeschäft zu tun. Ganz abgesehen davon nahmen auch einige Kunden gern ein kleines Fläschchen Gratis-Shampoo mit nach Hause, dessen Verbleib vielleicht nicht immer den vorgeschriebenen Weg in die Buchführung fand. Das allerdings wollten die Buchprüfer schon bei der persönlichen Ortsbegehung nicht verstehen. Per Einschreiben war Königs die Forderung einer saftigen Nachzahlung zugestellt worden. So geärgert hatte sich die Chefin schon lange nicht mehr. Gerda König seufzte und wischte diese unerfreulichen Gedanken weg. (...)



Rezension folgt...


Die Autorin
Sabine Wierlemann ist 1973 in Münster geboren. Ihre Schulzeit hat sie im Schwäbischen verbracht und lebt nach ihrem Studium an den Universitäten Freiburg und Amherst (USA), das sie mit der Promotion abgeschlossen hat, jetzt im Badischen. Sie arbeitet als Lehrerin und Autorin. Sabine Wierlemann ist verheiratet mit dem besten Mann der Welt. Gemeinsam haben sie die Kinder, die sie sich schon immer gewünscht haben.


Sabine Wierlemann, Mordwoche

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