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Rezensionen

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21. Dezember 2013

Frederic Brake, Hölle, LTD



Die schnelle Lektüre für Dämonen-Kenner

Dämonen sind auch nur Arbeitnehmer. Und wie alle anderen auch, sind sie gelegentlich von ihrem Arbeitsalltag, ihren Kollegen oder ihren Vorgesetzten gefrustet. Der Dämon D´Shor B´On Shai, dessen Name für die Menschen eher wie George Bonsai klingt, macht da keine Ausnahme ...

4 Geschichten aus dem bewegten Unleben des Höllendieners.

Bonus: Die allererste Boregarde-Story.



Leseprobe

Dämonenfrust

»Deine Seele gehört mir«, leiere ich lustlos die traditionelle Begrüßungsformel herunter, während ich im magischen Kreis materialisiere. Ziemlich muffiger Keller. Warum eigentlich immer im Keller? Warum nie in einem gemütlichen Wohnzimmer? Oder in einem kuscheligen Schlafzimmer? Und der Kreis ist auch schlampig ausgeführt.
»Schweig, Dämon«, schallt es mir entgegen. Oh nein, nicht der schon wieder. Der verdammte Dispatcher kann was erleben, wenn ich wieder zurückkomme. Dem mache ich die Hölle heiß. Und das meine ich nicht nur bildlich! Dieser Aushilfsmagier vor mir hatte wohl wieder mal unzüchtige Gelüste. Da er auf natürlichem Wege kaum an eine Frau kommen kann - Nekrophilie ist weit weniger verbreitet, als man annimmt - beschwört er regelmäßig einen Dämon, damit der ihm ein erotisches Abenteuer verschafft. Zufälligerweise scheint dies immer dann zu geschehen, wenn ich gerade Dienst habe. Dieser verdammte … Dispatcher. Als wenn ich ihm was getan hätte. Dabei war der Schwefeltee, den ich ihm untergejubelt habe, nicht mal 600 Grad heiß. Mann, ist der nachtragend.
 »Dämon, da ich dich beschworen habe, musst du mir zu Diensten sein.«
Beschworen, hah! Der Typ kann die notwendigen Wörter nicht mal richtig aussprechen. Seine Anrufung klingt wie »George Bonsai«, nicht wie mein wohlklingender Dämonenname »D´ Shor B´on Shai«. Wenn seine Beschwörungsformeln nicht mit Blut geschrieben wären, könnte er sich den Arsch abbeschwören. Alles, was dann erscheinen würde, wären die Adern an seinen Schläfen. Okay, okay, kein Problem. Ich belege ihn mit einem Illusionszauber, kassiere den üblichen Seelentarif und rausche wieder ab.
»Diesmal wirst du mich nicht täuschen, Ausgeburt der Hölle.«
Häh?
»Ich durchschaue dein Ränkespiel! Du hättest mir nicht vorgaukeln sollen, Johanna von Orleans wäre mir zu Willen. Sie heißt nicht umsonst: Die Jungfrau.«
Mist! Er hat es gemerkt. Aber Illusion ist nun mal leichter als Erweckung von den Toten. Ist ja auch eher die Spezialität der anderen Seite. Und in der Not …
»Ich erlangte den Besitz eines Amulettes, welches mich vor deinen abgefeimten Betrügereien bewahren wird. SIEH HER!«
Doppelmist. Ein Athaniel 1600. Das wird hart. Woher hat der Typ bloß dieses … Moment mal. Ein Athaniel 1600 kostet normalerweise eine halbe Seele. Viel kann also von dem alten Zausel nicht mehr übrig sein. Vielleicht kann ich den Preis ja so hoch treiben, dass er sich meine Dienste gar nicht leisten kann. Mal sehen.
»Was ist dein Begehr, Magier?« Oh, wie ich dieses gestelzte Reden hasse. Muss ich unbedingt immer im Mittelalter Dienst tun? Ich brauche so was von Urlaub. Ein oder zwei Jahre auf einer kuscheligen Vulkaninsel, oder so. Lavabäder, Schwefelinhalation. Mmh. Statt dessen:

»Verschaff mir ein Weib, welches mir zu Willen ist. Eine Schönheit ohnegleichen, die mir
ekstatische Wonnen bereitet.«
Vielleicht sollte ich es wirklich tun, dann hätte ich ein für alle Mal Ruhe vor dem Kerl. Ekstatische Wonnen überlebt der nicht.
»Nun, Magier, so nenne mir deine Wünsche und Begierden. Ich lege dann den Preis fest.«
Gleich kommts. Jung …
»… soll sie sein und schlank. Ihr Haar soll sein von Weizen, ihre Augen wie Saphir …«
Blabla, blabla, blabla. Warum will eigentlich keiner eine fette, hässliche Frau? Oder eine Taubstumme? Das wäre wenigstens mal eine Abwechslung. Immer nur »jung blablabla Saphir-
augen blablabla Haut wie …
»… Alabaster. Eile Dämon, mich gelüstet es gar heftig.«
Und ich dachte schon, das Hecheln wäre Lungenpest. Mist. Also kein schnelles Ableben. Ich brauche echt einen neuen Job. Wärter am Fegefeuer oder so. Nehmen Sie nur als Beispiel letzte Woche. London, siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Geile Zeit. Echt starke Beschwörung. »Wow«, denke ich, »coole Beschwörung. Da geht bestimmt mal was ab«. Und was ist? So ein pickeliger Trottel hat aus Versehen eine Black Sabbath Platte rückwärts abgespielt. Bei Vollmond. An einem Freitag dem 13. Gut, ich habe vielleicht ein bisschen überreagiert und hätte sein Inneres nicht nach außen drehen sollen. Zumindest hätte ich es nicht im ganzen Zimmer verteilen müssen. Hat ´ne ganze Menge schlechte Presse gegeben. Aber hey, schließlich bin ich ein Dämon. Und ich hatte eine oberüble Woche hinter mir. Man kriegt nicht jeden Tag jemanden wie Faust serviert. Guter Bericht übrigens von diesem Goethe. Bisschen ausgeschmückt, aber recht nah dran. Na ja, jedenfalls werden die Jungs vom dritten Kreis ein bisschen Spaß mit dem Pickelgesicht haben.Wo
war ich? Ah, ja.
»Nun denn, Magier. Dies wird dich Deine Seele kosten.«
So. Und jetzt du!
»Wisse Dämon, dass ich meine Seele dem Höchsten der Höllenwesen geweiht habe. Ihm alleine ge-
hört meine Seele. Nur er hat Anspruch darauf.«
Guter Versuch. Aber nicht mit mir.
»Wisse Magier, dass ich der Mittler zwischen IHM und dir bin. Immer, wenn du einen Handel mit mir abschließt, schließt du auch einen Handel mit IHM ab und umgekehrt. Also: Deine Seele für das
Weib, das du begehrst.«
Wechsel das mal, du Zausel.
»IHM allein werde ich meine Seele überantworten, nicht dir, Kreatur der niederen Hölle.«
Okay, okay, das reicht! Nicht mit mir.
Ich nehme meine wahre Größe an, soweit das in dem magischen Kreis möglich ist, lasse ein bisschen Dampf ab - Chili zum Frühstück - und rolle ein bisschen mit den Augen. Ich sehe, dass der schwindsüchtige Trockenfurz blass wird. Gut so. Vor Angst in die Hosen machen sollst du dir.


»SCHWEIG, STERBLICHER«, donnere ich mit meiner schrecklichsten Stimme.
»Ich bin der Bote der Hölle. Verträge mit IHM sind immer Verträge mit allen edlen Wesen der
Hölle. Also, verdammt noch mal: Her mit deiner Seele, oder der Handel ist nichtig.«
So, mal sehen was jetzt kommt. Gehörig zittern tut er schon mal.
»Und … wenn ich dir eine andere Seele an meiner statt übergebe?«, fragt er mich schließlich –
halb lauernd, halb ängstlich - und leckt sich nervös über die Lippen.
Hmm, könnte interessant werden. Aber woher will der Typ eine andere Seele nehmen?
»Woher willst du armselige Kreatur eine andere Seele nehmen?«
»Ich habe eine Tochter. Sie ist unschuldig und rein. Sie kannst du haben! Töchter kann ich noch
viele zeugen, wenn Du mir meinen Wunsch erfüllt hast.«
Mein Gott, äh, Satan. Der Alte hat eine Tochter? Wie geht das denn? Und dann will er sie auch
noch opfern! Und da sagt man uns Dämonen nach, wir wären die Bösen. Ts, ts.
»Woher sollst Du eine Tochter haben, Greis?«, frage ich grollend.
»Auch ich war einmal jung und begehrenswert.«
Ja klar, weil noch keine Brillen erfunden wurden. Ob es einen Zusammenhang zwischen rückläufigen Geburtenraten und der Verbesserung von Sehhilfen in den folgenden Jahrhunderten gibt?
»Nun, egal. Wie hast du dir den Handel vorgestellt?«, sage ich und funkle böse mit den Augen.
»Ich verführe und schände sie, um ihre Seele zu verderben. Dann opfere ich sie beim Ritual des Asmodiniad.«
»Dein Plan ist …« dämlich »… interessant. Doch sag an, mit welchem Zauber willst du sie belegen,
damit sie sich dir hingibt?«
»Kein Zauber, Dämon. Allein meine Verführungskünste werden reichen.«
Oh Mann, der glaubt das wirklich. Guck dir an, wie er sich in die schmale Brust wirft. Der mit seiner Tochter? Bäh, jetzt habe ich Bilder im Kopf, die werde ich nie wieder los. Ich mache dem Spiel ein Ende. Das Ritual von Asmodiniad ist selbst den meisten Dämonen zu eklig. So ein Typ darf echt nicht frei rumlaufen. Und außerdem, wo soll ich so eine Frau herkriegen, wie er sie haben
will? Ich bin schließlich Dämon, keine Modelagentur.
»Sterblicher, du hast mich gerufen. Der Handel jedoch wird nicht geschlossen. Dein Angebot ist nicht würdig. Es verspricht keine Aussicht auf Erfolg. Für die sinnlose Anrufung jedoch wirst du bezahlen.«
Ich sprenge den mangelhaft ausgeführten magischen Kreis und schnappe mir den Alten.
»Du wirst mit mir in die Hölle fahren!«
Er wehrt sich verzweifelt, doch es nutzt ihm nichts. Das Höllentor ist schon geöffnet und ich zerre ihn hindurch. Wenigsten komme ich nicht mit leeren Händen zurück.
Ich hatte erwähnt, dass ich ein Dämon bin?
(...)


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Der Autor
Frederic Brake, geb. 1970, ist Autor und Lektor. Er schreibt für die Reihen „Armageddon – die Suche nach Eden“ und „Schattenzeit“. Außerdem ist er im Hörspielbereich aktiv und hat u.a. für die Lady Bedfort-Reihe ein Hörspielskript beigesteuert.  Seit er 2009 beim William-Voltz-Award den 3. Platz belegen konnte, veröffentlicht er regelmäßig in Anthologien diverser Verlage.

http://hinterhofderfantasie.wordpress.com/

https://www.facebook.com/brakefrederic


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