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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

18. Dezember 2013

Helga Jursch, Butterschmalz zum Frühstück



Seit vielen Jahren nutzt Helga Jursch jede freie Minute zum Reisen. Asien hat es ihr besonders angetan. Auf ihren Streifzügen durch den Kontinent trifft sie auf Butterschmalz zum Frühstück, Sänftenträger, Bettelmönche, falsche Prinzen, ausgefranste Teppichhaie, Katzenkaffee, aufdringliche Schneider, überfällige Leichen, paradiesische Strände, prachtvollen Glanz und grausiges Elend. Sie setzt sich mit Schlangen, Mantarochen, ausgegrenzten Muschelfischern und akribischen Moosgärtnern auseinander. Ihr Weg führt sie über verdächtig schwankende Brücken, mehrstöckige Autobahnen, Pisten voller Schlaglöcher und ungezähmte Flüsse. Mit feinem Humor erzählt sie höchst subjektiv von ihren Eindrücken und Erlebnissen in Indien, Japan, Indonesien und Burma.


Leseprobe

Südindien

Nicht nur Ayurveda

Das moderne Leben ist aufregend, anregend und anstrengend. Atempausen sind nicht wirklich vorgesehen. Das hinterlässt Spuren. Bei mir äußern sie sich in Form von tief sitzender Unlust, leichter Reizbarkeit, Rückenschmerzen und chronischer Bronchitis. Von allen Methoden, die einen ins Gleichgewicht bringen sollen, spricht Ayurveda mich am meisten an. Ich beschließe, die Probe aufs Exempel zu machen. Da ich ohnehin eine Schwäche für Meeres- und Palmenrauschen habe, entscheide ich mich für eine Kur in der Wiege des Ayurveda. Und so breche ich im März 2005 zur Ayurvedaklinik Coconut Bay Beach Resort in der Nähe von Trivandrum, in Kerala, am Südzipfel Indiens auf.
Was mich in Kerala erwartet, meine ich durch die schönen, bunten Beschreibungen aus dem Prospekt und die Lektüre von „Des Mauren letzter Seufzer“ von Salman Rushdie und „Der Gott der kleinen Dinge“ von Arundhati Roy zu wissen. Beide Bücher stehen in Indien auf dem Index, weil das Land nicht übermäßig gut darin wegkommt. Doch genau das hat mir gefallen. Ich gucke gerne hinter die Kulissen. Nun ist es soweit. Indien, ich komme!

15. März 2005
Abschalten geht nicht so einfach

Vor den Tropenstrand hat die moderne Welt das Flugzeug gesetzt. Doch ich hasse Fliegen! Zu den üblichen Unannehmlichkeiten kommt noch die feste Überzeugung, dass ausgerechnet mein Flieger abstürzen wird. Richtig stressig wird es, als ich feststelle, dass wir genau über den Irak fliegen, wo gerade der Krieg tobt. Bagdad, Falludscha, Nadschab, die ganzen grässlichen Namen aus der Tagesschau direkt unter uns. Dann Landung in Kuwait mit einer Stunde Verspätung. Mir schwant schon das Schlimmste, aber mein nächster Flieger hat ebenfalls eine komfortable Verspätung. Kaum angeschnallt versuche ich zu schlafen, doch ich wache auf, weil ein Krankenwagen mit Tatütata durch meinen Kopf fährt. Das nächste Schläfchen wird durch das Klingeln meines ausgeschalteten Handys unterbrochen, das Dritte durch den Ruf meines abwesenden Sohnes nach mir. Mir steht noch ein hartes Stück Arbeit bevor, um den Alltag mental hinter mir zu lassen.
Da ich keinen Flug mehr zum nächsten Flughafen Trivandrum bekommen habe, weiche ich ins 250 Kilometer entfernte Cochin aus. Dort werde ich vom Hotelfahrer abgeholt. Er sagt, wir bräuchten fünf Stunden bis zum Ziel. Fünf Stunden! Das erschüttert mich ein wenig. Dann fährt er los. Die Verkehrsregeln sind einfach: Es gibt keine, es gilt das Recht der lauteren Hupe. Auf der Straße bewegen sich nicht nur alle möglichen und unmöglichen Fahrzeuge, sondern alles, was sich irgendwie fortbewegen kann: Menschen, Elefanten, Ochsen, Ziegen. Es ist wie eine Achterbahnfahrt, nur dass es hier ums wirkliche Leben geht. Ich merke, dass mein Fahrer nicht mehr richtig fit ist. Seine Reaktionen sind etwas zu träge und schreckhaft. Kein Wunder, er muss mitten in der Nacht aufgestanden und schon fünf Stunden durch den mörderischen Verkehr hierher gefahren sein, um mich abzuholen. Ich schlage deswegen öfter ein Teepäuschen vor, was er gerne annimmt. Während er ein anregendes Getränk nach Art des Hauses zu sich nimmt, stürze ich mich mit Begeisterung auf die Kokosnüsse. Nach sechs Stunden sind wir endlich da.
Das Hotel ist wirklich so schön wie im Prospekt. Ich bin völlig groggy und übermüdet. Aber jetzt gibt's erst mal Essen. Ich nehme Sambar. Das ist Reis mit gemischtem Gemüse in Kokossoße, dazu scharfe Linsenpaste. Zu trinken gibt es Ingwertee. Dann werde ich vom Hotelarzt untersucht. Morgen kommt noch der große Guru Dr. Franklin, der mich auch ansehen wird, dann bekomme ich die endgültige Diagnose. Jetzt bekomme ich erst mal eine Entspannungsmassage und ein bisschen Reinigung.
Deepa, meine Masseurin, fragt mich, ob ich es lieber hart oder weich hätte. Ich sage „weich“ und sie legt los. Möchte nicht wissen, was dann eine harte Massage ist. Ich werde fast zwei Stunden wie ein Pizzateig durchgewalkt, wobei Deepa mir auch eine Fußmassage verpasst. Sie hält sich an einem Deckenseil fest und massiert mich druckvoll mit den Füßen. Schließlich wird mein Nasen- und Nebenhöhlensystem mit Öl gereinigt, und zum Schluss muss ich noch ein Glas Milch, auf dem oben eine Schicht Butterschmalz (Ghee) schwimmt, trinken. Ich hoffe, dass das ein Versehen ist, aber es ist Absicht und zudem noch ernst gemeint. „Yes Ma'am, you must!“ Deepa ist sehr nett, aber durchaus durchsetzungsfähig. Danach bin ich mehr tot als lebendig und falle ins Bett. Zum Glück habe ich Ohropax dabei. Normalerweise liebe ich Meeresrauschen, aber das Meer hier rauscht nicht, es tobt. Es tobt regelrecht tsunamiartig und brächte mich ohne Gehörschutz um den Schlaf.
Ich wache am nächsten Morgen gut erholt auf und mache erst mal Yoga. Der Yogi ist ein alter Inder mit Rauschebart, dennoch, im Gegensatz zu mir, ungemein beweglich. Die Yoga-Session ist richtig anstrengend. Entweder sind meine Arme zu kurz oder meine Beine zu lang, um die Übungen nachzumachen, die der Lehrer so locker-flockig vorführt. Dann gibt’s Frühstück: Ambar, Pfannkuchen aus Reismehl mit gewürztem Bananenmus. Wenn ich geahnt hätte, was Dr. Franklin sagen würde, hätte ich mehr gegessen. Dr. Franklin wettert erst mal gegen die Europäer, die nur zwei Wochen kommen und fit gemacht werden wollen. Unter drei Wochen kann man gar nichts Vernünftiges machen. Ich beschließe, die Woche, die ich für eine Rundreise geplant hatte, an die Kur anzuhängen. Er sagt streng, eine echte Kur sei kein Vergnügen und ob ich mir bewusst wäre, dass einige unangenehme Dinge auf mich zukämen. Ich sage „ja“, obwohl ich gar nicht so recht weiß, was mir bevorsteht. Ich vertraue aber darauf, dass es mir gut tun wird, und interessieren tut es mich ohnehin. Als Erstes streicht er mir das Frühstück. Stattdessen bekomme ich ein halbes Glas pures, flüssiges Butterschmalz zu trinken, das jeden Tag etwas voller sein wird. Ungerührt erklärt mir Dr. Franklin trotz meines entsetzten Blickes die außergewöhnliche Reinigungskraft von Butterschmalz und die dringende Notwendigkeit, diese Kraft auf meinen Körper wirken zu lassen.
Gegen meine chronische Bronchitis will er mir einen Tag eingeleitetes Erbrechen verordnen. Wird normalerweise bei Europäern nicht gemacht, weil das wellnessfixierte Waschlappen sind, die einen falschen Eindruck von Ayurveda haben. Das sagt er zwar nicht so, aber sein ganzes Mienenspiel lässt keinen Zweifel daran, dass er es so meint. Aber ich, ich werde das authentische Ayurveda kennenlernen.

17. März 2005

Vorwäsche fürs Körperinnere
Frühstück. Ein halb volles Glas Butterschmalz steht vor mir. Schon der erste Schluck schmeckt magenhebend. Dazu der Geruch! Es riecht an sich nicht schlecht, doch es riecht nach zu viel. Mein Körper sträubt sich, das Fett zu schlucken. Wird meine Leber nicht durchdrehen, wenn es nichts außer schierem Fett gibt? Ich quäle mich und leide bis zur Massage.
Deepa walkt mich wieder tüchtig durch, als wäre ich ein dreckiges Laken auf dem Waschbrett. Ein sehr dreckiges Laken. Sie wird mich die ganze Zeit betreuen. Am Ende der Einheit reibt sie mein Gesicht mit einer sehr wohlriechenden Salbe ein und verpasst mir eine äußerst angenehme Gesichtsmassage. Danach wieder Nasenreinigung und Milch mit Ghee.
Es gibt im Ayurveda drei Energieprinzipien, die Doshas. Sie kommen in jedem Menschen in einzigartiger und ursprünglich harmonischer Weise vor. Verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen den Doshas, wird man auf Dauer krank. Sinn einer Ayurvedakur ist es, die Doshas wieder zu harmonisieren. Diese Doshas heißen Vata, Pitta und Kapha (sprich Kappa). Bei den meisten Menschen dominiert ein Dosha. Ich habe das Glück, ein Kapha-Typ zu sein. Kapha hat nämlich den vielfältigsten Speiseplan. Dazu zählen Fisch und Lamm, Kokosnüsse sind ausgesprochen empfehlenswert. Normalerweise ist eine ayurvedische Diät streng vegetarisch, Genussgifte sind verboten. Dafür habe ich das Pech, in nächster Zeit zum Frühstück das Glas Ghee trinken zu müssen, und das ist wirklich abartig.
Zusätzlich zum üblichen Durchgewalke bekomme ich heute eine Pulvermassage. Ich werde mit einem Zeug eingerieben, das wie Currypulver aussieht, welches dann synchron von zwei Masseurinnen in meinen Körper eingearbeitet wird. Das ist richtig toll. Aber obwohl ich seitdem zweimal geduscht habe, färbt meine Haut immer noch gelb ab.
Nach der Behandlung muss ich immer ein Glas Bananenstängellimo trinken. Schmeckt fad, aber mittlerweile finde ich es großartig, wenn's nichts Schlimmeres ist. Diese Art der Behandlung wird die nächsten Tage so weiter gehen. Überhaupt ist mein Behandlungsplan sehr heftig. Möglicherweise werde ich nicht mal kurze Ausflüge machen können. Jetzt zum Beispiel wirken die Ghee-Massen sehr anregend auf meine Verdauung, und ich sollte mich immer in der Nähe einer Toilette aufhalten. Ich kann also das Hotel kaum verlassen.
Dennoch bekommt man von dieser Insel der Seligen aus etwas vom echten Indien mit. Was mich schon immer auf den Prospektbildern irritiert hat, waren die Zäune und Tore. Warum ist alles so abgeschlossen? Ganz einfach. Die Strandhändler sind furchtbar aufdringlich. Das Hotel befindet sich in der Nähe des Fischerdorfes Vizhinjam. Und kaum, dass man aus dem Hotel tritt, überrennen sie einen förmlich. Wenn kein Zaun da wäre, würden sie die Anlage stürmen. Zusätzlich steht vor dem Tor noch ein Wachmann, an dem keiner vorbei kommt. Die Anlage ist sehr verwinkelt gebaut, weil alle Felsvorsprünge am Meer ausgenutzt werden. Kleine Bungalows stehen voneinander abgesetzt auf dem ganzen Areal. Um in mein Zimmer zu gelangen, muss ich etwa zehn Meter über den Strand gehen. Und da stehen die Händler immer und lauern auf mögliche Kundschaft. Der Versuch, sie zu verjagen, kümmert sie nicht. Sie bleiben einem einfach auf den Fersen. Deshalb ist der Strand nur für Hartgesottene.
Obwohl das Hotel ein ganzes Stück vom Dorf entfernt ist, bekommen wir was vom Leben draußen mit. Im Augenblick wird das Krishna-Festival gefeiert. Das heißt, morgens ab fünf bis in die späte Nacht spielt Musik. Diese fremdartigen Klänge stoßen nicht unbedingt auf das Wohlgefallen westlicher Ohren. Doch in meinem abgelegenen Zimmer höre ich nicht allzu viel davon. Gestern war der Höhepunkt. Da kamen Priester auf einem geschmückten Elefanten und segneten alle Häuser im Ort. Ich wette, der Elefant stand unter Drogen, denn direkt neben ihm wurden Böller abgeschossen, und er hat nicht mal mit den Ohren gewackelt. Die Atmosphäre war gespenstisch und geheimnisvoll und die Trommelklänge verursachten mir Gänsehaut. Das wird noch ein wenig so weitergehen, denn das Krishna-Festival dauert insgesamt zwei Wochen. Ich versuche, herauszubekommen, was da nun gefeiert wird, aber ein Inder meint, ich würde das sowieso nicht verstehen. Das wäre auch nicht nötig. Es reiche, wenn ich mitmache.

18. März 2005

Oh, dieses Butterschmalz!

Ich sitze neben dem Arzt auf der Terrasse, ein Diener bringt auf dem Silbertablett das Ghee und ein Glas Wasser. Ich sage dem Arzt, dass ich es nicht hier trinken möchte, sondern irgendwo, wo ich mich gut übergeben kann. Der Arzt sagt, das kommt nicht infrage. Das Ghee muss drinnen bleiben. Ich finde es aber jeden Tag ekliger und komme an meine Grenzen – und staune. Ich übergebe mich normalerweise nur, wenn ich was wirklich Schlechtes gegessen habe. Überfressen oder Nervenkrieg hält mein starker Magen gelassen aus. Deshalb habe ich mich schon gefragt, wie die bei mir das Erbrechen einleiten wollen. Aber nun weiß ich, das wird ganz einfach sein. Jetzt wird aber nicht erbrochen, und wenn ich nicht mehr kann, muss ich nicht mehr weitertrinken. Ich bin heldenhaft. Nase zu und rein mit dem Zeug. Ich schaffe ziemlich viel, aber dann bin ich drauf und dran, die so mühsam aufgenommene Flüssigkeit wieder nach draußen zu befördern.
Bei der Massage beruhige ich mich langsam wieder. Deepa erzählt mir, dass die Massage verjüngend wirkt. Sie ist nicht nur handfest, sondern zwischendrin sehr sanft, auch werden bestimmte Akupressurpunkte gedrückt. Bevor sie beginnt, macht Deepa erst mal eine rituelle Geste wie eine Bekreuzigung, dann bekomme ich einen Tupfer Öl auf die Stirn, auf die Hände und auf die Fußsohlen. Es ist ein dunkelrotes, mit Kräutern versetztes Kokosöl. Damit massiert sie auch meinen Kopf, Haare und Kopfhaut werden mit einer Inbrunst massiert, dass ich befürchten muss, am Ende meines Aufenthaltes kahl zu sein. Aber Deepa behauptet, meine Haare würden davon besser wachsen. Anschließend geht es mit dem restlichen Körper weiter. Bei der Nasenreinigung bekomme ich Öl in die Nase eingeträufelt, dann massieren zwei Frauen gleichzeitig meine Hand- und Fußflächen, bis sie vor Hitze glühen. Anschließend geht es mit der Pudermassage weiter, die von meinen Synchronmasseurinnen Jyoti und Usha gemacht wird. Auch sie werden mir für die Dauer der Therapie erhalten bleiben. Die beiden sind unglaublich: Der Druck, der Rhythmus, alles stimmt, und ich habe den Eindruck, von einem vierhändigen Wesen massiert zu werden.
Mir geht die heutige Yogastunde noch nach. Sie wird immer mit Meditation abgeschlossen und der Lehrer hält dann noch eine kleine Vorlesung über das wahrhafte spirituelle Leben. Richtig atmen kann ein um Jahre längeres Leben bringen, und gute Meditation hat unbestreitbare Vorteile. Heute ging es um den Tod. Wenn ein echter Yogi merkt, dass seine Zeit gekommen ist, entlässt er seinen Geist ins Universum, zurück bleibt die leblose Hülle. Kein Yogi quält sich mit Schläuchen und Maschinen in einem Krankenhaus. Ein echter Grund, Yoga intensiver zu praktizieren.
Nach der Behandlung gehe ich an den Strand und sehe Thomas, einen Einheimischen, der zum Ärger des Hoteldirektors immer da ist. Er ist sehr aufdringlich, hat andererseits aber ein sehr feines Gespür dafür, was die Touristen wollen. Ich habe den Eindruck, dass er sich in der Rolle des Maklers versucht. Mich nimmt er zu einer Tempelfeier mit ins Dorf. Riesige Lautsprecher sorgen für eine weiträumige Beschallung. Dazu versuchen sich mehrere Musikgruppen gegenseitig zu übertönen. Die Böller, die auch noch abgeschossen werden, gehen fast unter. In dieser Geräuschkulisse schreitet ein geschmückter Elefant mit Devotionalien um den Altar. Es werden Blumen gestreut und Kerzen angezündet.
Dann zeigt Thomas mir den neuen Arbeitselefanten, den das Dorf wegen des Krishna-Festivals bekommen hat. Sehr beeindruckend. Dennoch finde ich den Umgang mit den Einheimischen schwierig. Sie sind sehr freundlich und neugierig. Dann wieder bekomme ich den Eindruck, dass alles nur aufgesetzt ist. Das schwankt die ganze Zeit hin und her und ich weiß nicht, was nun stimmt.
Das Hotel liegt direkt an einem kleinen, gepflegten Strand. Wenn man durchs Dorf geht oder über Felsen klettert, kommt man in die nächste Bucht, wo sich der riesige und wunderschöne Dorfstrand befindet. Unendlich lang, unendlich breit, weicher Sand und jede Menge Palmen. Heute habe ich durch ein Labyrinth enger, hoher Gassen des Dorfes den Zugang zu diesem Strand gefunden. In den Ecken der Gassen muss man aufpassen, dass man nicht in Scheiße tritt. Menschenscheiße. Die Inder sind diesbezüglich ziemlich ungeniert. Gelesen habe ich das schon mehrfach. Jetzt erlebe ich es. Möglicherweise ist das der Grund dafür, dass diese paradiesartigen Strände so unberührt sind. Derartige Sitten halten die Touristen fern.
Schwimmen im Meer verträgt sich nicht sonderlich mit Ayurveda, da es den Ausscheidungsprozess der Haut unterbricht. Aber ich kann nicht auf alles Rücksicht nehmen. Morgens trinke ich erst mal artig meinen Ingwertee, dann verdaue ich, ebenfalls artig. Anschließend gehe ich ins Meer. Danach habe ich eine gute Stunde Yoga, um hinterher mein köstliches Butterschmalz-Frühstück einzunehmen. Dann brauche ich ein wenig Entspannung. Wenn es nicht zu heiß ist, mache ich einen Spaziergang am menschenleeren Dorfstrand. Ansonsten ruhe ich mich viel aus und lese, hier im Hotel gibt es nicht nur jede Menge gute Bücher, sondern eine persönliche Liege und eine Hängematte für jeden Gast.
Meistens habe ich nach dem Essen meine Anwendung, die gut zwei Stunden dauert. Danach hänge ich ölig oder pulvrig in meinem grünen Kimono herum, der aus einem ölfesten Material ist und den jeder nach der Behandlung bekommt. Also wimmelt es nur so von grünen Frauen. Die Männer gehen auch in Grün, aber von denen wimmelt's nicht. Die Behandlung soll man so lange wie möglich einwirken lassen. Richtig Freizeit hat man wenig. Zwischendrin ein Spaziergang, eine Pirschtour mit der Kamera. Durch das lockere Umfeld findet man aber immer jemanden zum Reden, und so geht ein Gutteil der Zeit mit Schwätzchen drauf. (...)


Rezension folgt...


Die Autorin



Helga Jursch wurde 1960 in Hamburg geboren und lebte schon als Kind im Ausland. Dies führte zu einem bislang unstillbaren Drang in die Ferne, der in regelmäßigen Abständen ausbricht. Wenn sie nicht auf Reisen ist, lebt sie mit ihrer Familie und einer Katze in der Nähe von Stuttgart.



Auf ihrer Homepage www.helga-jursch.de gibt es reichlich Bildmaterial zu den Reisen.




Helga Jursch, Butterschmalz zum Frühstück

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