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15. Dezember 2013

Véronique Ahyi-Hoesle, AYÉLÉ - Tochter im Schatten




In den sechziger Jahren in einer bürgerlichen Familie zur Welt gekommen, wird Ayélé nach ihrer Geburt und auf Befehl ihrer mütterlichen Großmutter einer Bauernfamilie anvertraut. Niemand, vor allem nicht ihr Großvater, Verteidiger der Apartheid und Sympathisant der Front National, darf von diesem Kind erfahren.
Wegen ihrer Farbe und der Gleichgültigkeit ihrer Eltern, wird Ayélé Opfer rassistischer Übergriffe an der Schule und sexueller Missbräuche in ihrer Adoptionsfamilie. Um weniger zu leiden, schafft sie sich eine imaginäre Welt, erfindet Sprachen und begleitet Youri Gagarin in den Raum.
Einige Jahre später öffnet ihre richtige Familie ihr die Haustür halb, aber Ayélé stößt sich an ihrer Mutter, dann an ihrer Großmutter, die, frustriert, nicht an der Universität studiert haben zu können, vom beruflichen Erfolg ihrer Tochter als ihre Stellvertreterin lebt und keine Demütigung auslässt, um diese zu schwarze Enkelin zu vertreiben. Ihr Vater, ein Künstler internationalen Renommees, hält Ayélé im Schatten, um den Schein der von seiner eisernen Lady geführten Ehe nicht anzukratzen.
Von ihren beiden Elternteilen verstoßen, erkennt sich Ayélé in den Minderheiten wieder, verkehrt regelmäßig unter afrikanischen Studenten und beschließt, sich im Senegal niederzulassen, wo ihre Farbe, wie sie meint, nicht mehr von Bedeutung sein würde. Aber sehr schnell sieht sie sich in Dakar einem hinterhältigen Rassismus und einer nur allzu oft heuchlerischen und opportunistischen Umwelt gegenüber.
Bei einem medizinischen Symposium begegnet Ayélé einem deutschen Biologen. Bei ihm findet sie, was sie immer gesucht hat: Liebe und Anerkennung. Er lehrt sie, ihre Farbe zu akzeptieren, lässt in ihr den Stolz entstehen, Mischling zu sein und preist ihren doppelten kulturellen Beitrag. Geleitet und heiter, verkörpert Ayélé eine Welt im Wandel, wo Rassen und Grenzen verschwimmen.


Leseprobe

1
An diesem Julinachmittag drängen die Gläubigen, vor allem aber die Ungläubigen, in die Kathedrale, um mir das letzte Geleit zu geben. Die Schaulustigen, die Leprakranken, die Behinderten, all diese von Gott Verstoßenen, belagern den Vorplatz und warten debattierend darauf, dass meine sterblichen Überreste dem Leichenwagen übergeben und – gegen meinen Willen – auf dem katholischen Friedhof von Bel Air beerdigt werden.
Ich hatte einen Unfall auf der Straße nach Kaolack. Vor acht Tagen ist ein alter, mit tausend Säcken Erdnüsse überladener Berliet-Lastwagen in mein Auto gekracht, weil er einem Schaf auswich, dessen Stündchen sowieso beim nächsten Tabaski-Opferfest geschlagen hätte. Pech, eine Ziege wäre weggesprungen. Während also das Tier durch den Glauben und die Gefräßigkeit des Fahrers gerettet ist und sich mit hängendem Kopf trollt, hinterlässt es in dem zusammengelaufenen Durcheinander eine Frau, die weder weiß noch schwarz ist. Alles, was man bei ihr findet, ist eine von der französischen Botschaft ausgegebene Kennkarte.
Nachdem die Polizei vergeblich auf den Fahrer des Lastwagens gewartet hat – er war verschwunden, weil er sonst einen Führerschein hätte vorzeigen müssen, den er nie bestanden hat – wird mein Leichnam nach Dakar überführt. Kaum in der Leichenhalle angekommen, nimmt der Wärter vorsorglich meinen ganzen Schmuck in Verwahrung. In seiner Logik eines armen Schluckers, braucht eine Tote das nicht mehr. Er jedoch, Papa Aliou, ganz lebendig, kann damit mit einem Schlag all seine Schulden beim Krämer begleichen und sich die kleine Ndèye Bintou, die kaum älter ist als seine Jüngste, als dritte Frau genehmigen. Er hatte es schon lange auf sie abgesehen. Er wird seiner künftigen Schwiegermutter die goldene Halskette vermachen, seiner Braut die Armbänder und Tante Fatou den Ring mit dem blauen Stein. Wie er glänzt! Sie wird sich freuen. Er hatte noch nie im Leben einen Saphir gesehen. Nachdem er also so die Taschen seines abgetragenen Kaftans gefüllt hat, macht er seine rituellen Waschungen, holt seinen Gebetsteppich hervor und dankt Allah für seine unendliche Güte. Alhamdulillah, die Toten reden nicht. Er hat wirklich einen guten Job.
Angetan mit einem langen weißen Seidenkleid, geschminkt und einen Rosenkranz zwischen den Fingern, liege ich bereit für meine Beerdigung. Ich will nichts. Oder doch, ich will verbrannt werden, als Staub verfliegen, meine Asche über der Unendlichkeit des Ozeans ausgestreut sehen, ich, die ich immer wasserscheu war. Ich will so schnell wie möglich die wieder treffen, die ich mochte: Vater Eugène und Ludovic. Aber man hat mich gegen meinen Willen erst noch eine Woche auf Eis gelegt und mich dann in dieser ausgerechnet mit lila Satin ausgeschlagenen Holzkiste den Blicken der Voyeure ausgesetzt.
Ich kann lila nicht ausstehen, genauso wenig wie Beerdigungen – außer denen von Harold und Maud. Diese grotesken Situationen und die Heuchelei gehen mir auf die Nerven. Aber heute betrachte ich das alles mit einem Lächeln. Als schwebende Seele beobachte ich meine Freunde in großer weißer Tunika, die vor einem verwirrten Christus ihre moslemische Bestattungslitanei hersagen. Gleich daneben meine Freunde im dunklen Anzug, denen Stundenhotels geläufiger sind als Kirchen. Sie singen die Kirchenlieder ebenso inbrünstig wie falsch. Und Berta, ja Berta, das Klageweib von den Kapverden, unterstreicht jeden Satz des Priesters mit immer herzzerreißenderen Schluchzern, um ihrem Ruf gerecht zu werden.
Meine beiden Familien haben sich wie zu Zeiten der Apartheid jede zu einer Seite des Mittelgangs gesetzt. Auf der Seite der aufgehenden Sonne der afrikanische Teil, angeführt von meinem Vater und meinem Onkel Henri, einem schlagfertigen Herrn in den Achtzigern mit funkelnden Augen, und auf der Seite der Nacht meine Mutter Marie-Eleonore, verborgen unter einem enormen Hut und wie gewöhnlich flankiert von meiner Großmutter Adele, einer Hundertjährigen, die sich mit all ihren unverwüstlichen Kräften ans Leben klammert – und an ihre Tochter. Friedrich, mein Lebensgefährte, meine Liebe, spürt meine Anwesenheit und hebt den Blick. Er kennt meine Animosität gegenüber diesem alten Puter. Ich suche Gott. Ich will begreifen. Warum holt er mich, wo doch Adele schon so lange gelebt hat, dass sie Morgen- und Abendrot verwechselt?
Die Messe verläuft in Inbrunst und Andacht. Trotz der andauernden Rezession war die Kollekte phantastisch. Die Frömmler begeben sich demonstrativ im Gänsemarsch nach vorn zur Kommunion. Sie haben sich ihr gutes Gewissen erkauft und die jetzt gefalteten Hände von allen Sünden gewaschen. Der Priester, der unter der Hitze in der überfüllten Kathedrale leidet, fordert die zusammen gekommene Gemeinde ein letztes Mal zum Gebet für die bedauerte Dahingeschiedene auf, schwenkt das Weihrauchfass um meinen Sarg, bekreuzigt sich und zieht sich von seinen Ministranten gefolgt zurück. Vier schwarz gekleidete Männer nähern sich meinem Sarg und heben ihn in perfektem Gleichtakt auf. Das Trommeln der Tamtams und der Gesang von Julien Jougas Kirchenchor füllen die Kathedrale. Diese Schönheit hätte mir wohl den Atem genommen. Die Gläubigen erheben sich und verlassen langsam die Kathedrale in Richtung Friedhof. Der Leichenzug setzt sich in Bewegung. Die Autos folgen im Schritttempo dem mit Rosen- und Gladiolenkränzen geschmückten Leichenwagen. Weißer Flieder und Veilchen wären mir lieber gewesen. Jetzt werden meine sterblichen Überreste also, von ein paar Tränen begleitet, begraben. So ist es Brauch. Ich begleite sie nicht. Meine von ihrem Körper befreite Seele lebt weiter, und bevor ich in den Himmel zurückkehre, zeichne ich ein letztes Mal in einer ganz neuen Heiterkeit mein Leben eines Mischlings nach, das Leben einer Tochter im Schatten auf der Suche nach Liebe und nach Anerkennung.

2
Adele Morin, meine Großmutter, einzige Tochter einer bekannten Modistin aus Chalons-sur-Saône und eines Unternehmers und notorischen Spielers, nährt eine Leidenschaft: die Forschung. Und sie hat einen Traum: sie will Marie Sklodowska übertreffen. Mit achtzehn Jahren sieht sie sich bereits als Leiterin eines gigantischen Laboratoriums. Natürlich nicht von so einem ordinären Kartoffelschuppen, in dem Radium und Polonium entdeckt wurden, nein, als Chefin eines richtigen Forschungslabors, schimmernd und keimfrei sogar von außen, denn ein Ausnahmewesen wie sie kann sich nur in der Maßlosigkeit entwickeln. Sie würde Universitätsprofessorin, gar Ordinarius, und selbstredend dreifache Nobelpreisträgerin werden. Ihr Name wird mit den größten wissenschaftlichen Entdeckungen der Welt verbunden sein, und Generationen von Studenten werden an Elite-Universitäten studieren, die nach ihr benannt sind. Dieser Vorsehung sicher, liest Adele in den Ferien nur noch wissenschaftliche Werke und kann den Beginn ihres ersten Semesters kaum erwarten. Ihr Abitur mit Auszeichnung war nur die erste Etappe ihres außergewöhnlichen Werdegangs.
Versunken in ihre Bücher und ihre glorreiche Zukunft, merkt sie nicht, wie sich die öden Streitigkeiten ihrer Eltern häufen. Während sie ganz ihrem Universum hingegeben ist, von Formeln bevölkert, die sie wie Popcorn verschlingt, häufen sich die Spielschulden ihres Vaters immer mehr. Der Verkauf der von der Mutter gefertigten Hüte reicht nicht mehr aus sie abzulösen. Tausend Hypotheken führen zum Bankrott und zur Auflösung der Firma. Das Haus wird beschlagnahmt und alles, außer dem Klavier und den Büchern, kommt unter den Hammer. Ruiniert zieht die Familie in eine bescheidene Wohnung in der Rue des Remparts, und damit ihnen die Tochter nicht länger auf der Tasche liegt, muss sie so schnell wie möglich unter die Haube. Zutiefst enttäuscht muss Adele auf die Universität verzichten. Eine lebenslange, tiefe Frustration entsteht. Erstickt von Hass gegen ihre, wie sie meint, weniger begabten Mitschüler, die nun in den großen Städten studieren, und einen grenzenlosen Groll gegen ihre Eltern hegend, zieht sie sich zu Chopin und Baudelaire zurück. Aber weder Musik noch Dichtung lindern ihren Schmerz. Die bisher unbekannte Armut und die Leere, die ihr zum Alltag geworden sind, führen sie lustlos und gleichgültig in die Arme Augustes, eines jungen graduierten Ingenieurs der Technischen Hochschule von Cluny. Gleich nach der Hochzeit zieht Adele zu ihrem Mann, schenkt ihm einen ersten Sohn, Charles, und zwei Jahre später ihre erste Tochter, Marie-Eleonore.
Das junge Paar lebt ohne Leidenschaft und Freude zusammen. Auguste Durand ist früh verwaist, und unter dem Schutz und der Bevormundung seiner älteren Schwester aufgewachsen, die er als Morgengabe mitbringt. Er gefällt sich als junger Hahn im Korb, lässt nicht mit sich diskutieren und duldet keinen Widerspruch. In ihrer an Hörigkeit grenzenden Hingabe verteidigt seine Schwester den Despoten, und schleudert vorwurfsvolle Blicke zu Adele, kaum dass sie in deren geblähten Nasenflügeln oder einem nur leichten Zittern ihrer Lippen Anzeichen eines schlecht unterdrückten Aufstands zu entdecken meint. Eine Schwägerin ohne Erbe, die eine auch noch so geringe Missbilligung zu zeigen wagt, muss auf der Stelle in ihre Schranken verwiesen werden. Die Minuten, die Stunden, Tage und Jahre vergehen in Verdrossenheit. Trotz des fernen Grollens der Hitlerschen Stiefel bringt Adele als pflichtbewusste Ehefrau zwei weitere Kinder zur Welt. Der Krieg bricht aus. Auguste wird Hauptmann der Reserve. Als überzeugter Anhänger Pétains verfolgt er die Abdankung der dritten französischen Republik und die Gründung der Vichy-Regierung mit Genugtuung. Der Aufruf General de Gaulles und die Befreiung Frankreichs erscheinen ihm als Hochverrat. Er schreit seine Unzufriedenheit heraus, gilt als Kollaborateur, und wäre die Familie nicht bei Nacht und Nebel nach Lyon geflohen, wäre er am nächsten Morgen abgeholt und an die Wand gestellt worden.
Ihr überstürzter Umzug in eine spartanisch eingerichtete Dreizimmerwohnung und Augustes folgende Arbeitslosigkeit sind Ursache fortwährender Spannungen. Seine politische Vergangenheit ist ihm gefolgt, und niemand will ihn mehr einstellen. Adele profitiert zum ersten Mal von ihrem Abitur und arbeitet als Sekretärin in einer Versicherungsgesellschaft. Sie ist zwar nicht Forscherin, aber wenigstens kann sie tagsüber dem Nörgeln ihrer Schwägerin und ihres Mannes entfliehen, der sie mit seinem Jammern über seine Gefangenschaft den letzten Nerv kostet. Abends lässt sie ihn seinen Unmut abladen, zuckt mit den Schultern, macht sich an ihren Haushalt und staucht mit Genugtuung die zusammen, von der sie immer so abschätzig behandelt wurde.
Aber Gott hat Mitleid mit den vier Kindern, die unter einem Feldwebel heranwachsen: Auguste wird von einer Chemiefabrik im nahen Villefranche-sur-Saône als leitender Angestellter eingestellt. Die Familie kann in eine größere Wohnung ziehen, in der die Mädchen und Jungen jeweils ein eigenes Zimmer bekommen. Auguste selbst findet seinen Status als Mann wieder und damit natürlich auch neue Gründe zum Nörgeln. Trauer erfüllt ihn, als seine geliebte Schwester allzu früh durch die Schwindsucht abberufen wird.

3
Seine älteste Tochter, Marie-Eleonore, ist zweifellos die Begabteste der Familie. Wie Adele liebt sie Bücher. Wenn die Mutter ihr Werke vorschlägt, die Auguste verboten hat, liest sie sie abends mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Die Intelligenz ihrer Tochter macht Adele glücklich. Sie fühlt es: sie wird Erfolg haben. Sie dressiert sie wie ein gelehriges Tier. Keine Auszeichnung soll ihr entgehen. Als sie ihr Abitur mit Schwerpunkt Philosophie in der Tasche hat, ist ihre weitere Laufbahn schon vorgeplant. Marie-Eleonore tauscht Aristoteles gegen Hippokrates: sie studiert Medizin. Adele hat entschieden.
Dem elterlichen Joch entsprungen, genießt Marie-Eleonore ihr Studentenleben. Sie wohnt in einem Studio in der Nähe der Grange-Blanche in Lyon. Sie entdeckt das Kino und das Theater. Sie beklatscht Gérard Philippe in Mariannes Launen von Alfred de Musset am Théâtre des Célestins, und sie verschlingt die Werke von Sartre und von Simone de Beauvoir. Die Welt bewegt sich. Der Algerienkrieg ist in vollem Gange, die Länder Afrikas fordern ihre Unabhängigkeit, und die ersten schwarzen Studenten setzen ihren Fuß auf französischen Boden.
Die Wochenenden verbringt Marie-Eleonore bei ihren Eltern. Die Diskussionen mit ihrem Vater verlaufen lebhaft. Besonders die politischen. Auguste hasst nicht nur die Franzosen, sondern auch alle Ausländer. Die Deutschen sowieso, aber auch die Engländer, weil sie General de Gaulle erlaubt haben, seinen teuflischen Aufruf an die Franzosen von England aus zu senden, die ungebildeten Kaugummi kauenden Amerikaner und die Spanier und Portugiesen, die den Franzosen die Arbeit wegnehmen. Aber vor allem und überhaupt die Neger, diese auf Palmen hockenden Bananenfresser, die meinen, einen Anspruch auf Unabhängigkeit zu haben! Und dass er diesen Dreiviertelaffen zuhört, ist der Gipfel der Ketzerei dieses verfluchten Generals.
Nach diesen sonntäglichen Debatten, die unweigerlich zum Monolog werden, zieht sich Auguste zur Siesta zurück, die für den Geschmack seiner Frau immer zu kurz ausfällt. Marie-Eleonore und sie profitieren von der Ruhe und machen es sich in ihrem geliebten kleinen Salon gemütlich. Die alten Möbel und die große Bibliothek neben dem Kamin schaffen eine schöne und vertrauliche Atmosphäre. Adele stickt und fragt, was das Studium und die Liebe machen. Sie findet ihre Tochter mit ihren langen blonden, geflochtenen Haaren und ihren strahlend blauen Augen schön. Der Nachmittag verläuft in trauter Zweisamkeit, und am Abend verlässt Marie-Eleonore ihre Eltern, begleitet vom glückseligen Lächeln ihrer Mutter und der nachdrücklichen Warnungen ihres Vaters vor all diesen Ausländern, die nur darauf lauern, den Ruf von Mädchen aus gutem Hause zu ruinieren.
Marie-Eleonore hat viele Freunde, und eines Tages begegnet sie dem Sohn eines Marquis, Pierre-Henri de Vermont. Er will Pilot werden. Er liebt sie. Sie ihn nicht. Aber Adele. Ein „Aahdliger in der Faahmilje“, das ist unverhofft. Eine solche Verbindung würde ihr endlich Zugang zu einem Milieu verschaffen, das ihrer würdig ist. Die gegenseitige Vorstellung der Familien erfolgt auf Schloss Vermont. Adele Durand ist „ent-zückkt“. Sie kann ihre guten Manieren zeigen und mit zugespitztem Mund „Litteraatuhr“ reden und sich vor allem über ihr Lieblingsthema auslassen, die Qualitäten ihrer Tochter. „Sehen Sie, Maarie-Elehonore ist schoohn im sechhsten Semester der Medizin; sie hat eine gläähnzende Zukunft vor sich“. Adele verkauft ihre Tochter so gut, dass die Verlobung noch vor der Abreise Pierre-Henris in die Vereinigten Staaten gefeiert wird. Er steckt ihr einen Ring an den Finger, der seiner väterlichen Großmutter gehört hat. Ein Diamant, der die Studentinnen im Hörsaal vor Neid erblassen lässt.
(...)


Rezension hier im SALON


Die Autorin
In Lyon geboren von einer französischen Mutter und einem Vater aus Togo, hat sie heute das Alter, wo Frauen Orchideen zum Geburtstag bekommen.
Nach ihrem Studium angewandter Fremdsprachen an der Universität von Lyon liebäugelt sie mit der Idee, Filmübersetzerin zu werden. Das Schicksal schickt sie in den Senegal, und sie wird Journalistin. Während ihrer Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Amina ist es ihr ein besonderes Vergnügen, afrikanischen Frauen zu begegnen, die sich für die Situation der Frau einsetzen und sich nicht um ihre politische Zukunft scheren. Sie arbeitet auch mit anderen Zeitschriften zusammen und beteiligt sich an der Einführung des ersten senegalesischen People-Magazins mit einem beißend ironischen Dossier über den Tjoff, den senegalesischen Yuppie. Schließlich gründet sie die erste Agentur für Presse und Public Relations von Dakar, AVA PRESS, die sie ca. zehn Jahre lang leitet.
Dann richtet sie sich in Laos ein, wo sie, überdrüssig den Mekong fließen zu sehen und den Reis wachsen zu hören, ihren ersten Roman "Ayélé, fille de l‘ombre" schreibt. Heute pendelt sie zwischen Frankreich und Burundi, und verfolgt ihre Schriftstellerberufung mit einem zweiten Roman.


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