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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

18. Januar 2014

Britta Kanacher, Hartz IV und Co.: wie unsere Gesellschaft Armut provoziert




Erfolg = Reichtum? Können ALLE ALLES erreichen? Wegen elitärer Machtstrukturen entscheidet vor allem die soziale Herkunft. Da dies verleugnet wird, wachsen gesellschaftlicher Druck, Versagens- und Schuldgefühle, bis hin zu psychischen Erkrankungen.
Dieses Buch nennt mit nüchterner Klarheit die prägenden gesellschaftlichen Leitbilder in Deutschland. Diese haben zu einer Erfolgs- und Leistungsorientierung geführt, die nur ein Ziel hat: das Fehlen von Chancengleichheit zu verschleiern und den Menschen die alleinige Schuld an vermeintlichem Versagen einzureden.
Als erfolgreich gilt, wer viel hat und viel konsumieren kann. Wer wenig hat, der wird automatisch als erfolglos angesehen und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Die Autorin hat selbst erlebt, dass die Wege ins Hartz IV-Dasein ganz und gar nicht gängigen Klischees entsprechen müssen.
An Gewinnmaximierung orientierte gesellschaftliche Strukturen provozieren dies – wobei es inzwischen jede und jeden treffen kann!
Statt sich einreden zu lassen, versagt zu haben, sollten Betroffene erst einmal fragen, was ihnen die Gesellschaft überhaupt ermöglicht.
Doch das Buch möchte mehr: es wendet sich gegen die Verführungen im Konsumwahn des Kapitalismus und möchte zu etwas ganz Einfachem zurückführen: zur Zufriedenheit mit sich und dem eigenen Leben.


Leseprobe

Befreiung vom Erfolgsdruck
Die streitbare Vorstellung von Erfolg

Als ich damit anfing, meine Gedanken um mich und meine ach so erfolglose Situation kreisen zu lassen, kamen mir zu allererst die Fragen: Was bist du eigentlich? Was willst du eigentlich? Warum bist du so erfolglos? Was macht andere erfolgreich? Wann führen Leistungen zu Erfolg? Damit hatte ich schon den entscheidenden Begriff – Erfolg! Aber: Was ist Erfolg? Und welche Rolle spielt Erfolg im Leben eines Menschen und in unserer Gesellschaft?
Es streitet wohl kaum jemand ab, dass unsere Gesellschaft erfolgsorientiert, konsumorientiert, eben an Leistung und Wirtschaftswachstum orientiert ist. Dabei bezieht sich Erfolg ausschließlich auf finanziellen Erfolg. Dies war so (zwar nicht immer und überall), ist so und wird auch so bleiben, wenn nicht endlich grundlegende Änderungen eintreten.
Bei der Beschäftigung mit der Geschichte unserer Gesellschaft wurde mir ein Zusammenhang recht deutlich bewusst. Mit dem Versprechen von Chancengleichheit und Wohlstand für alle beginnt die systematische Unterdrückung der Begeisterung für das Leben als solches und für das eigene Leben. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die Menschen glauben, was ihnen eingeredet wird: sie könnten alle in gleichem Maße durch Leistung und Bildung finanziell erfolgreich sein! In früheren gesellschaftlichen Systemen war Reichtum und Erfolg immer nur im Rahmen der eigenen Schicht möglich, in die hinein man geboren wurde. Die Menschen mussten sich mit ihrer Herkunft abfinden und diese akzeptieren.
Irgendwann erkannten die Menschen, dass demokratische Strukturen und Chancengleichheit besser sind als Klassen- oder Schichtstrukturen. Doch an welchen Kriterien sollte diese Chancengleichheit gemessen werden? Menschen sind schließlich verschieden. Im Dilemma dieser Frage rückte der Gesichtspunkt des Wohlstandes ins Zentrum des Interesses. Es wurde gesagt, dass jede und jeder das gleiche Recht auf Wohlstand habe. Gleichzeitig wurde das Versprechen formuliert, dass es allen in gleicher Weise möglich werden sollte, diesen Wohlstand zu erreichen.
Mit der Forderung vom „Wohlstand für alle“ veränderte sich aber auch die Einstellung zum Reichtum. Weil die meisten Menschen daran glauben, dass aus dem Tellerwäscher ein Millionär werden kann, glauben sie auch daran, dass der Unterschied zwischen Arm und Reich so groß nicht sein kann. Doch dies ist ein Trugschluss! Dieser Trugschluss trägt das moderne System des „Wer hat, der ist!“ Persönlicher Erfolg – an diesem Trugschluss orientiert – wurde auf finanziellen Erfolg, auf Wohlstand reduziert. Als erfolgreich gilt zurzeit ausschließlich diejenige Person, die über viel Geld verfügt und sich entsprechend viel leisten kann.
Doch warum soll es sich um einen Trugschluss handeln? Um dies zu erklären, muss näher auf die Vorstellung von Wohlstand eingegangen werden. An was macht sich Wohlstand fest? Inzwischen macht Wohlstand sich für die meisten Menschen an dem fest, was jemand hat. An seinem Eigentum. Seinem Hab und Gut. Hierbei muss auf einen psychologischen Zusammenhang besonders aufmerksam gemacht werden: Mit der Anerkennung vom sogenannten „Hab und Gut“, vom Eigentum eines Menschen verbindet sich automatisch die Ausgrenzung eines anderen. „Was mein ist, ist nicht dein!“ Dabei macht diese Feststellung deutlich, dass irgendwie immer der im Vorteil ist, der etwas als „mein“ bezeichnen kann.
Schon früh in der Geschichte der Menschheit wurde zwischen „mein“ und „dein“ unterschieden. Hierdurch wurde das Eigentum zum Maßstab für die Unterscheidung von Menschen. Eigentum ist dabei von Besitz zu unterscheiden: Eine vermietete Eigentumswohnung ist Eigentum des Vermieters. Da sie vom Mieter gegen Mietzahlung benutzt (besessen) wird, ist sie dessen Besitz. Juristisch und ökonomisch sind Eigentum und Besitz streng von einander zu unterscheiden.
Was als Eigentum von Bedeutung ist und was letztlich als Wohlstand erachtet wird, kann unterschiedlich sein. Betrachtet man z. B. die Gesellschaft und ihr Verhältnis zum Eigentum im Mittelalter, so wird deutlich, dass in dieser Zeit anderes Eigentum von Bedeutung war als heute. Vor allem Ländereien waren im Mittelalter als Eigentum von Bedeutung. Klerus (Kirchenhierarchie) und Adel besaßen einen Großteil der Ländereien. Sie konnten damit, als sogenannte Lehnsherren, Abgaben von denen verlangen, die ihre Ländereien bewirtschafteten. Nur die freien Städte konnten Eigentumsrechte gegen den Adel durchsetzen. Aus diesem Grund verteilte sich das Eigentum (Ländereien) des Mittelalters im Wesentlichen auf zwei Personengruppen. Der sogenannte dritte Stand, der die große Mehrheit der Bevölkerung bildete, konnte selten mehr als das, was er oder sie am Leibe trug, als sein Eigentum bezeichnen. Für diese Menschen waren Kinder wichtig. Reich war, wer genug Kinder hatte, die zum Lebensunterhalt beitragen konnten. Menschen konnten damals kinder-reich sein – und dies war eine durchaus anerkannte Form des Reichtums.
Wenn wir heute das Auseinanderdriften der Schere zwischen Arm und Reich beklagen, so scheinen sich darin – natürlich nur in gewisser Weise – mittelalterliche Verhältnisse wieder herzustellen. Dabei sind jedoch nicht mehr Ländereien, sondern Aktien und Industrieimperien als Eigentum interessant. Statt Klerus und Adel teilen heute Familien mit Wirtschaftsimperien und Prominente der Film-, Musik- und Sportszene den größten Teil des Eigentums unter sich auf. Alle anderen zählen zur überwiegend eigentumslosen Bevölkerung. Kinder können die eigentumslose Existenz heute nicht mehr ausgleichen; sie sorgen ja nicht mehr direkt für den Lebensunterhalt ihrer Eltern mit. Sie zahlen bestenfalls laut Generationenvertrag in die Rentenkasse ein, und die Rente sichert dann den Lebensabend. Doch vor allem Mütter, die Kinder großziehen, können von diesem System nur selten wirklich profitieren (hierzu mehr im Kapitel: Kinder und ihre Eltern im Konsumwahn). Heute haben wir ganz im Gegenteil in unserer Gesellschaftsentwicklung einen Punkt erreicht, an dem Kinder nicht nur keinen Reichtum mehr darstellen, sondern sogar zum Armutsrisiko geworden sind. Früher wäre ich mit meinen vier Kindern „kinder-reich“ gewesen; heute haben diese Kinder nur mein Armutsrisiko um ein Vielfaches erhöht.
Betrachtet man die gegenwärtigen Eigentumsverhältnisse in unserer Gesellschaft, so springt die Ungleichverteilung einem sehr deutlich ins Auge. Die Gleichung von Erfolg = Reichtum erweist sich vor allem als Folge von bereits gegebenem Eigentum. Auch in unserer modernen demokratischen Gesellschaft existiert eine – wenn auch ignorierte – Ungleichheit der Menschen. Dies vor allem durch die ungleiche Verteilung von Eigentum. Nach statistischen Erhebungen teilen sich die reichsten ZEHN Prozent der deutschen Bevölkerung fast SECHZIG Prozent des gesamten deutschen Netto-Vermögens. Die ärmsten ZEHN Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung haben gar keinen Anteil am deutschen Vermögen. Die – will man es provokant formulieren – „unteren“ FÜNFZIG Prozent (inklusive der bereits genannten ZEHN Prozent der Ärmsten) teilen sich EIN Prozent des gesamten Netto-Volksvermögens der Bundesrepublik!
Um die Dimension dieser Aussagen einmal deutlich zu machen, hier die Zahlen: Das Netto-Vermögen der Deutschen beträgt etwa 10 Billionen Euro – das sind 10.000 Milliarden (10.000.000.000.000) Euro. In der Bundesrepublik leben etwa 80 Millionen Menschen. Bei gleicher Vermögensverteilung hieße dies: 125.000 Euro Vermögen pro Bundesbürger. Das wäre schön! Doch die Sache sieht ja anders aus: 10 Prozent der Bevölkerung teilen sich 60 Prozent des Vermögens. Dies bedeutet, etwa 8.000.000 Menschen besitzen 6.000.000.000.000 (6 Billionen) Euro = pro Person im Durchschnitt 750.000 Euro. Dem gegenüber teilen sich 50 Prozent der Bevölkerung – 40 Millionen Menschen – 1 Prozent des Vermögens, also 100.000.000.000 (100 Milliarden) Euro. Das macht pro Person ein „Vermögen“ von 2.500 Euro. Daraus resultiert: Der mögliche finanzielle Erfolg, der potenzielle Wohlstand, sieht für die Hälfte der Bevölkerung doch eher bescheiden aus.
Sicherlich gibt es strahlende Beispiele für Lebensläufe, bei denen ein fleißiger Mensch allein durch seine Leistung erfolg-reich wurde. Doch solche Lebensläufe bilden noch immer die Ausnahme. Sie wurden und werden niemals zur Regel, weder in Amerika noch in Deutschland. Entgegen den Vorstellungen der meisten Menschen ist Erfolg = Reichtum in den meisten Fällen eben nicht ausschließlich das Ergebnis der eigenen Bildungs- und/oder Arbeitsleistung. Meist resultiert Erfolg = Reichtum aus bereits vorhandenem Eigentum und Reichtum. Dies ist eine nicht weg zu denkende, doch häufig ignorierte Tatsache.
Hier geht es aber nicht darum, diese Tatsache zu bewerten. Es geht ausschließlich darum, sie darzulegen und anzuerkennen. Nur Wissen um die Zusammenhänge, die rund um Eigentum und finanziellen Erfolg eine Rolle spielen, kann potenziell daraus erwachsende Selbstzweifel bis hin zu Minderwertigkeitsgefühlen beheben. Bevor ein Mensch in seinem Leben Veränderungen herbei führen kann, sollte er oder sie im ersten Schritt die eigene Situation erkennen und akzeptieren. Damit die eigene Lebenssituation akzeptiert werden kann, sollte sie möglichst objektiv betrachtet und beurteilt werden. Dazu gehört die Kenntnis der Zusammenhänge, die das Leben beeinflussen. Die ungleiche Verteilung von Eigentum und Vermögen führt zu ungleichen Startbedingungen. Und auch später führen ungleiche finanzielle Möglichkeiten in unserer Gesellschaft zu Unterschieden in den Erfolgsmöglichkeiten. Lassen Sie also nicht mehr zu, dass ausschließlich finanzieller Erfolg und damit das Geld als einziger Maßstab Ihr Leben bestimmt, so groß der Druck auch ist, den die entfesselte Weltwirtschaft heute in diesem Punkt auf unser Leben ausübt. Hierzu ein Zitat, das sich auf einen Text bezieht, der schon Jahrhunderte alt ist: „Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Maßstäbe. Von alters her dient das Geld, das einer hat oder nicht hat, zur Bestimmung des persönlichen Werts. In seinem Buch ‚The Anatomy of Melancholy‘ (1621) schrieb Robert Burton: >Mit einem Wort, jeder für seine eigenen Ziele. Unser Summum Bonum ist die Ware; die Göttin, die wir verehren, ist die Dea Moneta, Königin Geld, der wir täglich opfern, die unsere Herzen, Hände, Gefühle, alles steuert: Diese mächtigste Göttin, von der wir emporgezogen, hinabgestoßen, erhöht, anerkannt werden, die einzige Herrin unserer Handlungen, für die wir beten, laufen, reiten, gehen, kommen, arbeiten und uns kabbeln wie die Fische um eine ins Wasser gefallene Brotkrume. Nicht Wert, Tugend, Weisheit, Tapferkeit, Wissen, Ehrlichkeit, Frömmigkeit oder sonst eine Eigenschaft ist es, für die wir geachtet werden, sondern Geld, Größe, Amt, Ehre, Autorität.< Die enge Beziehung, die heute mehr denn je zwischen Geld und Selbstachtung besteht, ist überall sichtbar. Nicht selten fühlen die Menschen sich nur dann einigermaßen wohl, wenn sie eine gewisse Summe auf dem Bankkonto haben. Man kann beobachten, wie die Stimmung mancher Leute mit dem Auf und Ab an der Börse schwankt.“ (Flach, Frederic F.: Versklavende Gedanken als Lebenschance. Seelische Krisen und wie man sie nutzt. Hamburg 1975, S. 167 f.)
Geld bestimmt in unserer Gesellschaft weitestgehend den Wert, den ein Mensch sich selbst beimisst. Wie stark diese Beziehung zwischen Selbstwert und finanziellem Wohlergehen heutzutage ist, belegt der Selbstmord eines Mannes, der zu den fünf reichsten Menschen Deutschlands gehörte, Adolf Merckle. Seine Familie erklärte: „Die Finanzkrise und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet.“ (Bonner General-Anzeiger vom 07. Januar 2009) Wie stark musste der Selbstwert dieses Menschen von seiner finanziellen Situation abhängig gewesen sein, damit Selbstmord ihm als einziger Ausweg erschien?

Statt Selbstzweifel, die aus finanzieller Erfolglosigkeit erwachsen können, sollten Sie die tatsächliche Ungleichheit der Lebensbedingungen erkennen und akzeptieren. Machen Sie sich frei von dem inneren Zwang, unbedingt mithalten zu müssen. Der Götzendienst an Geld und Gut birgt mehr negative als positive Potenziale für ein zufriedenes Lebensgefühl. Frust darüber, nichts im Sinne von „mein Haus, mein Auto, mein Pferd“ vorzeigen zu können, muss nicht sein, wenn man sich einen Ruck gibt und den Mut hat, Erfolg für sich neu zu definieren. Erfolg ist nicht an materielle Dinge gebunden! Jedes positive Ergebnis und Erlebnis ist ein Erfolg! Freunde, Kinder, schöne Begegnungen, die eigene Gesundheit, ein Lachen mit anderen – das alles sind Erfolge! Am Abend den Tag zu einem guten Tag zu erklären, ist ein Erfolg. Leider verdrängt das Streben nach Konsumgütern und vorzeigbaren Statussymbolen diese einfachen Quellen des Glücks.
Auch bei mir war das so. Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern, bei der ich wieder einmal traurig darüber war, etwas nicht tun oder anschaffen zu können, da mir das nötige Kleingeld fehlte. Da sagte mein Sohn, damals etwa dreizehn oder vierzehn Jahre alt, zu mir: „Ach Mama, mach dir nicht so viele Sorgen! Wir haben zwar kein Geld, aber wir haben uns alle lieb!“ Wie recht er doch hatte! Leider war ich zu jener Zeit schon so tief im Sumpf der Widrigkeiten versunken, dass ich dies nicht mehr wahrnehmen konnte. Heute sehe ich wieder klarer und erinnere mich immer wieder gern an jene Begebenheit.
Grund dafür, dass Menschen sich so leicht in den Konsumterror treiben lassen, ist wohl ihr natürliches Bedürfnis nach Anerkennung. Dabei verstehen sie aber Anerkennung falsch. Das natürliche Bedürfnis nach Anerkennung – das bezieht sich darauf, um seiner selbst willen angenommen zu werden. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, um seiner selbst willen geliebt zu werden. Wenn Sie Babys betrachten, dann können sie dies genau beobachten, und wenn sie ganz genau hinschauen, dann sehen sie auch, wie gut es dem Baby damit geht. Es lacht und ist von seiner Umwelt und seinen Mitmenschen begeistert, wenn es gerade keine existenziellen Bedürfnisse hat. Weil es lacht und begeistert ist, wird es geliebt – so, wie es gerade ist. Das Heranwachsen in einer leistungs- und konsumorientierten Umwelt verändert aber dieses natürliche Bedürfnis nach Anerkennung. Es degeneriert zum Verlangen nach Anerkennung durch Leistung, Konsum und Geld. Menschen, die ihr Bedürfnis nach Anerkennung an finanziellen Erfolg knüpfen, nehmen die damit verbundenen negativen Seiten wie Stress und Verlust von Menschlichkeit viel zu leicht in kauf. Sie machen sich die falsche Überzeugung „Haste was, biste was“ zueigen und kritisieren im Falle ihres Scheiterns nicht die gesellschaftlichen Bedingungen, sondern sich selbst. Weil sie sich selbst kritisieren, trauen sie sich in der Folge immer weniger zu. Sie gehen das Risiko einer möglichen Veränderung nicht ein, weil sie Angst haben zu versagen. Dies verstärkt ihre Selbstzweifel nur noch mehr. Ein Teufelskreis...
Laut Definition des Brockhaus (dtv Brockhaus Lexikon, Mannheim, 1988, Band 5 Eit-Fle) kennt der Begriff Erfolg zwei Bezugsebenen: „1) Betriebswirtschaftlich: das Ergebnis der wirtschaftlichen Tätigkeit der Unternehmung. Der Erfolg kann positiv (Gewinn) oder negativ (Verlust) sein. … 2) Psychologie: das von Anspruchsniveau und Leistungsmotivation bestimmte Betätigungsergebnis bei der geglückten Verwirklichung selbstgesteckter Ziele, das seinerseits wiederum in der Regel als Ergebnis-Erwartung oder Ergebnis-Erleben positiv motivierende und anspruchssteigernde Wirkung hat.“ Viele Menschen könnten ihr Leben als viel erfolgreicher erleben, würden sie sich nicht allzu starr auf das betriebswirtschaftlich ausgerichtete Verständnis von Erfolg konzentrieren.
Machen Sie sich frei von den Zwangsvorstellungen einer Gesellschaft, die nur wirtschaftlichen Erfolg anerkennt. Hetzen Sie nicht länger derart reduzierten und daher falschen Erfolgsvorstellungen hinterher. Erkennen Sie wieder, dass jedes Leben und damit auch jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit wertvoll ist. Ihr Wert ist nicht von Ihrem Kontostand oder von dem, was Sie an wirtschaftlichem Erfolg vorweisen können, abhängig. Fragen Sie wieder nach Ihren Wünschen! Uns allen wurde in der Kindheit beigebracht, dass nicht wir als Person zählen, sondern das, was wir als wirtschaftliche Erfolge vorzeigen können. Wir haben gelernt, dass unsere Persönlichkeit und unsere sozialen Stärken nicht von besonderer Bedeutung sind. Als Spiegel unseres Selbst werden vielmehr unser Auftreten, unser Aussehen und unser äußerlich sichtbares Eigentum erachtet. Unser Eigenwert, unser Selbstwertgefühl bleiben bei einer solchen Wertezuordnung jedoch auf Dauer auf der Strecke. Das Leben, Ihr Leben wurde Ihnen sicher nicht anvertraut, um dem Geld und damit verbundenen Konsumglücken hinterher zu rennen. Konzentrieren Sie sich auf ein wesentliches Gefühl, das aus dem Blick geraten ist. Ein Lied-Text bringt dieses Gefühl, wenn auch in leicht abgewandelter Form, schön auf den Punkt:

„Du bist gewollt,
kein Kind des Zufalls,
keine Laune der Natur,
ganz egal, ob du dein Lebenslied
in Moll singst oder Dur.
Du bist ein Gedanke des Lebens,
ein genialer noch dazu,
du bist du.“
(Werth, Jürgen: I Got You, im Original heißt es „ein Gedanke Gottes“)

Sie sind Sie! Sie leben Ihr Leben! Auch wenn Sie an Wiedergeburt oder das Leben nach dem Tod glauben, im Hier und Jetzt haben Sie nur dieses eine Leben, diese eine Chance, ein gutes Leben zu leben! Das Leben ist ein Geschenk von unschätzbarem Wert. Von wem oder was auch immer, ist es uns anvertraut, um sorgsam damit umzugehen und es nach bestem Wissen und Gewissen selbst zu gestalten – mit Lebenslust statt mit Lebensfrust!


Die Autorin
Britta Kanacher, geb. 1963

Religionswissenschaftlerin M.A., promovierte Soziologin, Dozentin im Bereich interkultureller Bildung, Qualitätsmanagement Lead Auditorin, Autorin.
Seit 2003 Leitung des eigenen Unternehmens: Kompetenz Center Inklusion(-ismus) - Infos unter www.kci-bonn.de.

In zweiter Ehe getrennt lebend, vier Kinder.
Ich schreibe seit vielen Jahren und habe bereits einige Bücher veröffentlicht.
Im Internet veröffentliche ich unter: http://britta-kanacher.de/
und unter http://kci-bonn.de als auch bei You Tube unter dem Kanalnamen: ErkenntnisWelten.
Nachdem ich ausschließlich Sachtexte veröffentlicht habe, gehe ich seit 2002 auch mit literarischen Texten an die Öffentlichkeit. Bisher wurden eine Kurzgeschichte und einige Gedichte veröffentlicht.


Britta Kanacher, Hartz IV und Co.: wie unsere Gesellschaft Armut provoziert

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