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7. Januar 2014

Dennis Will, Depressiv leben



Der Autor Dennis Will ist selbst an einer Depression erkrankt. Er weiß, wie schwierig es für Außenstehende und Angehörige ist, die Krankheit Depression zu verstehen und nachvollziehen zu können. Aus diesem Grund schreibt er in seinem E-Book über sein nicht immer einfaches und sehr bewegendes Leben mit seiner Depression. Er erzählt über seine Kindheit, in der die Krankheit Depression bei ihm bereits präsent war, setzt sich kritisch und hinterfragend mit seiner Vergangenheit auseinander und gibt mit Hilfe von nachdenklichen Texten und Gedichten Einblicke in die Gedankenwelt eines depressiven Menschen. Er schreibt über seine negativen Gedanken, seinen Grübelzwang und seine Zukunftsängste. Zusätzlich beschreibt er die Abläufe, seine Erlebnisse und Eindrücke während seiner Zeit in einer psychosomatischen Kurklinik und in einer teilstationären Psychotherapie in einer Tagesklinik.

Dennis gewährt den Lesern mit seinem E-Book interessante Einblicke in das Seelenleben depressiver Menschen, schreibt über Rückschläge und alltägliche Hindernisse, die durch die Krankheit Depression im alltäglichen Leben auftreten können. Zudem schreibt er offen und ehrlich aus der Sicht eines Angehörigen über seine frühe Begegnung mit Suizid und schwere Schicksalsschläge, die er in seinem Leben erfahren musste.

Des Weiteren beschreibt er in seinem E-Book den langen Weg den er mit seiner Krankheit gehen musste, über die nicht einzuordnenden Gefühle und Gedanken aus seiner Kindheit, die verzweifelte Suche nach sich selbst, die Diagnose, die Ausblendung seiner Depression, bis hin zur Akzeptanz seiner Erkrankung. Darüber hinaus geht Dennis in seinem E-Book auf sehr wichtige Punkte ein, die aus Übungen und Veränderungen bestehen, die ihm dabei geholfen haben, sich mit seiner Depression zu arrangieren und dadurch ein angenehmeres und bewussteres Leben zu führen.

Dieses E-Book soll Angehörigen von depressiven Menschen und Interessierten die Krankheit Depression näher bringen und darüber informieren. Außerdem soll dieses E-Book den Menschen die unter einer Depression und Ängsten leiden Mut machen und ihnen zeigen, dass sie mit ihren Gefühlen und Gedanken nicht alleine sind.


Leseprobe

Kapitel 3

Meine Kindheit im Zeitraffer

Schon in meiner Kindheit lebte ich im verschlafenen Gödringen. Es ist ein wirklich kleines Dorf und das einzige Highlight, was dieses Dorf mir in meiner Kindheit zu bieten hatte, war der Bolzplatz. Es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht auf dem Bolzplatz war. Tag für Tag zog es den kleinen rothaarigen Burschen zum Fußballspielen dorthin. Ich hatte den Traum, den vermutlich Millionen andere Jungen auch träumen, ich wollte Fußballprofi werden. Ich lag jeden Abend im Bett und stellte mir vor, wie es doch sei, in einem großen Stadion vor Tausenden von Leuten zu spielen.
Nach meiner Einschulung mussten meine Eltern und ich schnell feststellen, dass die Schule nicht so meine Welt war. Hier musste ich ewig still sitzen, dies fiel mir sehr schwer. So kam es schon am Tag der Einschulung, an dem wir eh nur wenige Stunden hatten, dazu, dass ich im Unterricht ständig fragte, wann denn Pause sei. Wir mussten schnell erkennen, dass auch Hausaufgaben nicht so meine Welt waren. Ich sollte nach dem ersten Schultag meine Schultüte malen. Ich dachte mir: Am ersten Tag gleich Hausaufgaben aufbekommen? Gibt’s doch nicht! Ich war fest davon überzeugt, diese Aufgabe unter den Tisch fallen zu lassen, da es schließlich etwas Wichtigeres gab: Fußball spielen. Allerdings sahen meine Eltern das anders und so musste ich mich meinem Schicksal fügen. Ich begann nach langem Theater, eine Schultüte auf das Blatt zu kritzeln und malte diese dann, ich würde mal sagen grob, aus.
Ich war immer froh, wenn es mit dem Bus nach Hause ging, raus aus der Schule. Da ich schon früher ein cleveres Kerlchen war, zog ich aus dem Vorfall mit der Hausaufgabe vom ersten Schultag meine Schlüsse. Fortan meldete ich meinen Eltern, dass wir kaum noch Hausaufgaben auf hatten. Ich muss aber eingestehen, dass ich mir von dieser Argumentation mehr versprochen hatte. Meine Eltern durchschauten die Aktion nach kurzer Zeit und ich bekam ein Hausaufgabenheft, in dem der Lehrer jeden Tag abgezeichnete, was ich mir an Hausaufgaben in der Schule notierte.
Nach der Schule und den Hausaufgaben war es dann soweit, ich konnte auf den Bolzplatz. Solange ich auf dem Bolzplatz war, bestand auch für meine Eltern kein Grund zur Aufregung. Ok, es kam schon öfter mal vor, dass ich mit Blessuren und Tränen in den Augen nach Hause kam. Ich denke aber, dies ist völlig normal in diesem Alter.
Anders sah es jedoch aus, wenn wir mal nicht auf dem Bolzplatz waren und uns die Flausen in den Kopf stiegen. Meistens endete der Tag dann mit einer verärgerten Ansprache meiner Eltern, weil Nachbarn und Anwohner sich über unsere vielen Streiche bei ihnen beschwerten.
Es standen die üblichen Dinge wie Klingelstreiche auf dem Plan. Nur neigten wir Kinder oft dazu, noch einen drauf zu setzten und die Leute, die die Tür öffneten, mit Wasserpistolen, Wassereimern oder Wasserbomben nass zu machen. Auch der berühmte Hundehaufen, der in brennendem Zeitungspapier eingewickelt war, befand sich in unserem Repertoire. Leider hat dieser nicht allzu oft geklappt. Oder vielleicht sollte ich lieber zum Glück sagen, denn sonst hätte es wieder Stubenarrest gegeben - den ich als äußert unangenehm empfand!
Ich denke, dass ich in der Kindheit nicht umsonst von vielen - mehr oder weniger liebevoll - Satansbraten genannt wurde. Ich muss ehrlicherweise gestehen, dass dieser Ausdruck es in vielen Situationen auf den Punkt brachte. Ich hatte viel Mist im Kopf und man konnte sicher sein, dass es mit mir nie langweilig wurde, wenn wir Kids wieder einmal loszogen, um unsere Ortschaft unsicher zu machen. Leider besaß ich auch ein Merkmal, welches dafür sorgte, dass mich die Leute schnell erkannten. Ich hatte feuerrote Haare. Anfangs kannte kaum jemand meinen Namen, es wurde nur von dem Rothaarigen gesprochen.
Doch ich hatte nicht nur Mist im Kopf, sondern hatte auch meine lieben und fröhlichen Seiten, die gerade in den Situationen sehr hilfreich waren, in denen verärgerte Nachbarn vor dem Haus meiner Eltern standen. Ich nutzte dann mein unschuldiges, liebevolles Lächeln, um die Dinge, zumindest bei meinen Eltern, wieder in Ordnung zu bringen.
Ich interessierte mich schon immer sehr für die Natur. Meine Oma väterlicherseits, Oma Ruth, arbeitete in einer Gärtnerei, wo ich sie oft besuchte. Später verdiente ich mir in den Ferien dort sogar mein erstes Geld. Die meiste Zeit war ich ein lebensfrohes Kind. Auffällig war jedoch, dass mich schon zu dieser Zeit in meiner Kindheit, in der ich eigentlich völlig unbeschwert war, ein Gefühl innerer Traurigkeit beschlich. Doch es war nicht nur das, ich hatte auch damals schon Stimmungsschwankungen. Mal war ich melancholisch, ein anderes Mal war ich hibbelig, überdreht und teilweise verhielt ich mich aggressiv. Klar tun dies viele kleine Kinder, doch ich hatte dabei dieses komische Gefühl - dieses Gefühl, das mich in ähnlicher Weise noch heute begleitet. Ich kann es schwer beschreiben, es war so erdrückend, als wenn ich tief in mir eine schwere Last mit mir herumtrug. Ich hatte eine andere Wahrnehmung von Situationen und Dingen, als andere Kinder in meinem Alter. Mir fiel auf, dass ich ängstlicher als andere in meinem Alter war und dass ich sehr sensibel auf Streitigkeiten oder auf andere Menschen reagierte. Gerade im Dunkeln war ich sehr verängstigt und bildete mir ständig ein, dass mich jemand wegfangen könnte oder ich vielleicht nicht mehr lange lebe. Ich hatte schon immer Angst vor schweren Krankheiten. Auch Trennungen von Freunden oder mir nahestehenden Menschen nahmen mich mehr mit, als ich es bei anderen Kindern beobachtete. Dies stellte ich auch fest, als ich die ersten Freundinnen hatte. Mich plagten ständig Verlustängste. Nur konnte ich damals überhaupt nichts damit anfangen, ich konnte meine Ängste und die damit verbundenen Gefühle nicht einordnen.
Mittlerweile kann ich die damaligen Gefühle gut einordnen, denn ich kenne sie aus meinem jetzigen Leben. Ich bin mir sicher, dass schon meine damaligen Gefühle und Gedanken mit meiner Depression zu tun hatten.


Kapitel 4

Meine erste Erfahrung mit einem Suizid

In der Zeit, als ich auf der Grundschule war, ging ich nach der Schule immer zu meiner Oma mütterlicherseits, Oma Erna. Sie wohnte nur fünf Minuten von der Schule entfernt. Meine Mutter holte uns dann von dort ab, da sie halbtags arbeitete. Ich habe mich immer darauf gefreut zu Oma Erna und Opa Gerhard zu gehen. Oft waren wir nach der Schule noch gemeinsam in der Stadt in einem Spielzeugladen. Mittags habe ich auch bei meinen Großeltern gegessen. Oma konnte wirklich gut kochen, es war immer sehr lecker. Oma und Opa waren so gut wie immer zu Hause, wenn ich von der Schule kam.
Doch an einem Tag war alles anders. Ich kam von der Schule und Oma war nicht da. Opa war auch irgendwie komisch drauf. Es schien so, als wäre er aufgeregt. An diesem Tag gab es nach der Schule auch nichts zu essen. Als meine Mutter uns abholte, sprachen Opa und sie lange zusammen. Danach fuhren meine Mutter und ich nach Hause. Meine Mutter sagte im Auto nur, dass sie gleich nochmal zu Opa müsse. Zu Hause angekommen brachte sie uns zu Oma Ruth. Oma Ruth ist, wie ihr bereits wisst, die Mutter meines Vaters und wohnte direkt gegenüber. Wenn wir zu ihr gingen, mussten wir nur ein paar Meter durch unseren kleinen Garten laufen. Hier verbrachten wir den Nachmittag. Mir fiel auf, dass irgendetwas komisch war. Ich spürte es, wusste aber nicht, was los war. Auch Oma Ruth war aufgeregt und keiner konnte uns sagen, wann Mama oder Papa nach Hause kommen würden.
Am späten Nachmittag waren wir immer noch bei Oma Ruth. Nun klingelte das Telefon. Es schien, als wäre meine Mutter dran. Als ich Oma Ruth antworten hörte und in ihr Gesicht sah, hatte ich die Gewissheit, dass etwas nicht stimmt. Ungefähr eine Stunde später kamen meine Eltern heim. Wir gingen gemeinsam nach Hause und sie erzählten uns, dass etwas Schlimmes passiert sei. Sie sagten, Oma Erna würde nicht mehr wieder kommen. Sie sei in den Himmel gegangen.
Ich konnte es nicht fassen und dachte mir, warum ist sie gegangen? Ich ging auf mein Zimmer, verfolge aber, was unten im Haus vor sich ging. Papa musste Mama trösten. Später am Abend schlich ich die Treppe hinunter und belauschte ein Gespräch zwischen meiner Mutter und ihrem Bruder. Meine Mutter schilderte, was passiert war. Ich verstand nicht alles, doch hörte ich, dass Oma ins Wasser gegangen sei, obwohl sie nicht schwimmen konnte. Anfangs war es mir unverständlich, wie konnte sie so etwas tun?
Nach kurzer Zeit stieß ich die Tür auf. Meine Eltern waren überrascht. Ich fragte, warum Oma ins Wasser gegangen sei und warum sie mit ihrem Bruder über Selbstmord gesprochen habe. Mama und Papa waren ganz verdutzt, sie sagten, dass ich nicht immer lauschen solle. Danach erzählten sie mir, dass Oma ertrunken sei.
Einige Jahre später erfuhr ich Folgendes:
An diesem Tag ging meine Oma  - ohne zu irgendjemand etwas zu sagen - zu einem nahegelegenen Fluss. Sie legte ihre Sachen am Ufer ab und ging ins Wasser. Sie konnte nicht schwimmen und ertrank. Nachmittags wurde sie in einem Wasserbecken der nicht weit entfernten Mühle gefunden. (...)


Gedicht Freitod

Alle Menschen können entscheiden,
ob sie wollen bei uns bleiben.
Wollen manche Menschen gehen,
müssen wir das nicht verstehen.
Wir können die Entscheidung akzeptieren,
auch wenn es weh tut sie zu verlieren.
Doch Menschen werden nie ganz verschwinden,
sie werden sich immer in unserem Herzen befinden.


Dennis Will



Rezension hier im SALON



Der Autor Dennis Will auf seinem Blog:


Dennis Will, Depressiv leben

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Kommentare:

JamesHenry Burson hat gesagt…

Wie gut ich das kenne.
Und irgendwie sagt mir der Text, dass der Bub die Lasten übernimmt, die seine Eltern so beharrlich verdrängten - da war er noch sehenden Auges.
Die Depression, ist der Versuch der Seele, nichts mehr sehen zu wollen...
So, kommt es mir vor.
Es ist gut geschrieben.

Elsa Rieger hat gesagt…

Lieber James, das hast du gut auf den Punkt gebracht!

Danke für deinen Kommentar.

Herzlich, ELsa

Ira Krissel hat gesagt…

Liebe Elsa,
Deine Rezension ist wie immer ganz wunderbar. Toll formuliert und wertschätzend, was ich so an dir mag.
Tja, die Leseprobe ist sehr gut geschrieben. Ganz offensichtlich ein tolles Buch, interessant zu lesen auch für Menschen, ohne Depression. Einfach so zum Verständnis. :)
Liebe Grüße,
Ira

Elsa Rieger hat gesagt…

Liebe Ira, hab vielen Dank für deine lobenden Worte. Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine Rezensionen zu Büchern schreibe, die mir nichts sagen oder die ich nicht mag. Dann nehme ich mit Bedauern Abstand, da ich einfach nicht die Zeit habe, etwas intensiv zu lesen, was mir nicht zusagt. Zudem bin ich nicht der Typ, der die Werke der KollegInnen in der Luft zerreißt, dann lass ichs lieber sein :-)
Herzlich, Elsa