Salon

Salon

Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

14. Februar 2014

Corinna Bergmann, Friedhofsnovelle Teil 1 und Teil 2



Klappentext Teil I – „Ein Skelett auf Abwegen“
Die Toten haben sich auf dem Friedhof ihre eigene - unterirdische - Welt geschaffen. Ihr Dasein ähnelt dem der Lebenden, wenn man von der Besonderheit absieht, dass sie auf einen Teil ihres Körpers reduziert sind: ihr Skelett, das sie pflegen müssen und das ihnen die typischen leiblichen Genüsse der Lebenden nicht mehr gestattet. Sie arrangieren sich mit ihrer Situation, indem sie neue Arten von Dienstleistungen kreieren. Doch auch im Tod ist nichts umsonst. Die verschiedenen Dienste müssen abgearbeitet werden und das soziale System dient im Großen und Ganzen der Zufriedenheit der Privilegierten, die es im Übrigen faustdick hinter den Ohrenknöchelchen haben…

Im Mittelpunkt des ersten Teils steht der eitle Freiherr von Krohn, der aufgrund seiner ausschweifenden Lebensweise in einem Armengrab gelandet ist. Auch im Tod wandelt er auf Freiersfüßen und macht häufig Schulden. 
Als sich seine Angebetete, Persephone von Effenberg, plötzlich für ihn zu interessieren beginnt, muss sich der Freiherr einiges einfallen lassen, um sie zu beeindrucken. Aber wozu hat man Freunde? Und glücklicherweise lernt er einen kennen, der von sich behauptet, alles besorgen zu können. Der Freiherr jedenfalls schwebt im siebenten Himmel. Und Persephone? Was hat sie wirklich vor?


Klappentext Teil II – “Die Rache der Geächteten”

Der Freiherr, jetzt selbst ein Geächteter, trifft auf einen Gleichgesinnten, den er kurz zuvor noch besser gekannt hat, als ihm lieb war. Dennoch beschließt er, sich mit dem anderen gemeinsame Sache zu machen, um sich ihre Knochen von den kriminellen Effenbergs zurückzuholen. Doch dazu brauchen sie die Hilfe eines vollständigen Skeletts. Außerdem gibt es da einen Frischling, der einen einfachen wie genialen Plan ausheckt. Wird es den “Verfechtern der Gerechtigkeit”, wie sie sich von nun an nennen, gelingen, die Effenbergs zu überlisten?

Leseprobe Teil I – „Ein Skelett auf Abwegen“

Es lebe der Friedhof. Die allerletzte Heimat.
Denkt das Skelett, während es sich seinen Weg durch das Rohr nach oben bahnt. Freiheit. Frische Luft. Angenehme Brise. Der Wind rauscht sanft in den Bäumen. Das Skelett ist jedes Mal aufs Neue überwältigt von der wilden Schönheit der Natur.
Es lebe der Tod.
Denkt das Skelett, während es scheppernd über verwitterte Gräber klettert, durch verwuchertes Gestrüpp kriecht, immer darauf bedacht, keinen seiner noch vorhandenen Knochen zu verlieren. Es sind derer immerhin noch viele, was man beileibe nicht von allen Bewohnern des alten Friedhofs sagen kann.
Das ist Leben.
Denkt das Skelett, dessen fahle Knochen im flackernden Licht der Grabkerzen auf und ab schwingen, während es mit ungeahnter Gelenkigkeit über uralte Grabsteine turnt. Knochen klappern gegeneinander wie Kastagnetten. Gelenke wippen wie geölt in den Pfannen. Auf und nieder, nach rechts, nach links. In Anbetracht der vielen Jahre unter feuchter Erde sollte man meinen, dieser sterbliche Überrest müsse längst zu einer klebrig-weichen Masse verklumpt sein und kein einziges Beinchen mehr bewegen können. Doch das Skelett hält sich gut. Bis auf eine unschöne Delle über dem Jochbein ist das stattliche Gerüst beinahe unversehrt. Fast wie zu Lebzeiten.
Es versucht sich zu erinnern, wie man Luft tief in die Lungen saugt und langsam wieder ausatmet. Die Erinnerung an gewisse Dinge verblasst mit der Zeit, wird mehr und mehr zu etwas Unwirklichem, Unvorstellbarem. Man wundert sich nur noch. Hat man all das wirklich einmal getan? Wie war das mit dem Essen und Trinken? Dem Atmen? Dem Sich-An- und Auskleiden, Tag für Tag? Zähne putzen und rasieren. Schminken und Frisieren. Das Skelett wird wirr im Hohlschädel. Es erinnert sich, weil es sich erinnern will. Weil es etwas von dem, was einmal gewesen ist, behalten will. Es ist zwar tot, aber es existiert. Um existieren zu können, muss man sich erinnern. Man darf sich nicht abnabeln von dem, was war.
Eine schöne Nacht… Hoppla! Denkt das Skelett und kann sich gerade noch rechtzeitig hinter ein Gebüsch verschwinden, als eine gebückte Gestalt im schwarzen Umhang vorübereilt. Schon wieder dieser Totengräber, denkt das Skelett, das die dunkle Gestalt sehr schnell identifiziert hat. Was der wohl immer mitten in der Nacht auf dem Friedhof zu schaffen hat? Das Skelett schüttelt den Schädel und lässt dabei die obersten Halswirbel knacken. Der Totengräber fährt herum. Das Skelett schlendert weiter seiner Wege, ohne sich groß darum zu kümmern. Soll der doch denken, was er will, wer würde einem Totengräber schon glauben?
So glaubt das Skelett und schleppt seine Knochen zurück zu dem verwachsenen Rohr. Zeit, nach Hause zu gehen. Ein Windhauch zieht  durch die Nasenlöcher des Verblichenen. Es hört sich an wie ein Seufzer. Es ist ein Seufzer. Sie war wieder nicht da. Fast jede Nacht sitzt sie vor der Kapelle und rupft Grashalme aus. Sie scheint nachzudenken. Aber worüber? Das Skelett, einst männlicher Mensch, würde gern wissen, was das andere Skelett, einst weiblicher Mensch, denkt. Manchmal sieht sie ihm gedankenverloren nach, wenn er vorüber flaniert. Gern würde er, wie zu Lebzeiten noch, seinen Hut ziehen, ihr eine Zigarette anbieten oder sonst etwas tun, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Sie sieht aus, als sei sie noch frisch. Jedes Beinchen am rechten Platz. Fast lautlos gleiten ihre elfenbeinfarbenen Fußknöchelchen über die gefrorene Erde, als würde sie schweben. Kein Scheppern, kein Rasseln, kein Klappern gelockerter Scharniere. Als sei sie aus Fleisch und Blut. Der anmutige Gang einer Prinzessin. Was gäbe dieser Verblichene darum, einen Blick auf ihre zarten Rippchen werfen zu dürfen. Einen einzigen nur. Doch im Gegensatz zu ihren nur notdürftig bedeckten Geschlechtsgenossinnen ist die geheimnisvolle Schöne von der Nasenspitze bis zu den Knöcheln in schweren Brokat und duftige Seide gehüllt.
Ein neuerlicher Windstoß fährt durch seinen Brustkorb und lässt ein schauerliches, asthmatisch anmutendes Pfeifen erklingen. Sogar im Tod büßt man noch für die Laster eines ausschweifenden Lebens. Dabei ist es so einfach, den Zigaretten zu entsagen. Man braucht bloß zu sterben. Das ist alles. Mit dem Alkohol verhält es sich nicht anders. Möge er, in der richtigen Menge genossen, alle Symptome der Trunkenheit bewirken im Tod bewirkt er nichts mehr. Mit fleischlichen Genüssen und Gelüsten haben die hier Beheimateten nicht mehr viel zu schaffen. Dann und wann verziehen sich zwei Verliebte ins Buschwerk, wo sie zärtlich ihre Beckenschaufeln aneinander reiben. Welch armseliges Vergnügen, findet das Skelett und denkt dabei an die schöne Elfenbeinfarbene
Klappernd kriecht es durch das Rohr, um seine letzte Ruhestätte aufzusuchen. Die einzelnen Gräber sind durch mehrere unterirdische Gänge miteinander verbunden. Die Toten können sich frei bewegen zwischen ihren vermoderten Gemächern, ohne dass die Friedhofsbesucher etwas von dem unterirdischen Leben, wenn man es denn Leben nennen kann, auch nur das Geringste mitbekommen. Bloß die hochherrschaftlichen Grüfte sind fest verschlossen. Kaum einer der knöchernen Verblichenen niedriger Herkunft hat die Chance, jemals in so eine Gruft geladen zu werden. (...)

Leseprobe Teil II – „Die Rache der Geächteten“

Endlich Ruhe. Denkt ein Geächteter, der seinen Hinterhauptschädel auf das weiche Moos zwischen zwei Ginsterbüschen gebettet hat.
Endlich schlafen können wie ein Toter. Denkt der, den man auf seinen bloßen Schädel reduziert hat. Und selbst dieser ist nicht mehr vollständig. Denn seinen Unterkiefer haben sie sich ebenfalls unter den Sargnagel gerissen - unter höhnischem Gelächter, das ihm sogar jetzt noch den Schrecken des Allmächtigen durch sämtliche Glieder jagen würde ja, wenn er sie denn noch hätte. 
Die Nacht neigt sich ihrem Ende zu. Überlässt die Zeit einem neuen Morgen, der einen weiteren nebligen Novembertag einläuten wird.
Endlich in Sicherheit vor den Knochenmassen, die sich promenierenderweise zwischen Gräbern und Gestrüpp fortbewegen und rücksichtslos auf alles treten, was ihre Wege blockiert. Denkt sich der Geächtete, den niemand mehr zur nächtlichen Promenade auffordern wird.
Der Tod ist nicht die Endstation. Nein, bei weitem nicht. Es gibt immer noch eine Steigerung. Und das hat er, der Geächtete, auf beinharte Weise erfahren müssen.
Krampfhaft versucht der, der nichts mehr zu verlieren hat, sich zu erinnern. Über sein erfülltes Leben nach dem Tode sinniert der Geächtete, zu Lebzeiten als Freiherr von Krohn vielmehr noch als Bohemien durch und durch bekannt.
Die Erinnerung wie schmerzvoll sie doch ist. Aber selbst der hohlste Schädel weiß, wie wichtig es ist, der alten Zeiten zu gedenken. Denn die Erinnerung stirbt nie. Das wissen wir mittlerweile…
Doch -  halt! Was ist das für ein Geräusch? Ein Kreischen und Zischen. Ein Poltern und Klappern. Der Freiherr lauscht andächtig in seinem Versteck. Neugierig ist er, fürwahr

„Hilfe! Hilft mir denn keiner? Ihr da – glaubt mir doch ich bin unschuldig, ich ich - gehöre nicht zu denen! Ich bin doch einer von euch. Die Schweine haben mir alles genommen, was ich auf Grabeserden noch besaß!
Die drei Skelette, die da des Weges kommen, weichen angstvoll zurück.
„Ein Geächteter. Mir scheint, ´s werden immer mehr. Verschwinden wir. Er könnte gefährlich sein. Man weiß nie, ob….“
Das kleinste der drei Skelette zögert noch. Sehnsüchtig blickt es auf den Schädel, der vor seinen Zehenknöchelchen auf und ab rollt und wirres Zeug brabbelt. Das Teil gäbe einen prima Fußball ab
„Komm jetzt, Burschi! Das ist kein Spielzeug! Das ist IGITT! Fass es nicht an!“, zischelt das mittelgroße Skelett durch die bräunlich verfärbten Zähne und zerrt an Burschis zartgliedrigem Händchen. Schwupps – so schnell kanns gehen und ein Fingerglied ist ab. Burschis Milchgebiss öffnet sich langsam. Mit weit auseinanderklaffendem Kiefer starrt er das mittelgroße Skelett an und gleich darauf zerreißt ein durchdringender Schrei die friedliche Stille.
„Dass unsereins zu derartig volltönender Kommunikation überhaupt noch fähig ist!, denkt sich der zwischen den Sträuchern verharrende Freiherr, der mit den Konflikten der Privilegierten nichts mehr zu schaffen hat und daher dem kreischenden Schädel jede Art von Hilfeleistung verweigert.
Er hat im Gegensatz zu jener armseligen Kreatur verstanden, wie willkommen die Marginalexistenz ist nämlich gar nicht. Und er hält sich an die Spielregeln, was soll er auch sonst machen?
„So – das haben wir jetzt davon! Fluchend sieht sich das große Skelett um. Los kommt! Wir gehen zum Leimkameraden. Der soll das wieder richten.
Das mittelgroße Skelett murmelt etwas von wegen wusst ichs doch, dass die gefährlich sind und trabt, den immer noch aus Knochenkräften brüllenden Burschi vor sich her schubsend, hinter dem großen Skelett her.
Der geknechtete Geächtete, der seinem Schicksal, als Burschi-Spielzeug herhalten zu müssen, nur knapp entronnen ist, stößt einen grabestiefen Seufzer aus.
„Kaum tot und schon am Ende. Ach, ich arme Sau!“
(...)


Die Autorin
Mein Name ist Corinna Annemarie Bergmann, ich bin 1972 in St. Pölten geboren. Nach jahrelanger Berufstätigkeit als Büroangestellte habe ich Skandinavistik und Sprachwissenschaft studiert, später Nachhilfe in Deutsch gegeben, als Korrektorin gearbeitet und verschiedene andere Jobs gehabt.
Die “Friedhofsnovelle” (insgesamt 3 Teile) ist mein erstes E-Book. In den letzten Jahren habe ich Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften, wie Reibeisen und et cetera sowie in der Anthologie St. Pöltner Geschichten veröffentlicht.
Weiters habe ich zwei Kindergeschichten verfasst – “Vampirchen will fliegen” und “Frau Holle, der Zwerg, die Trollfrau und noch viele andere…”. Erstere habe ich in zwei ersten Klassen der Volksschule Wagram (St. Pölten) vorgelesen.
Der dritte Teil der “Friedhofsnovelle” soll spätestens Ende März bei Amazon erscheinen.


Corinna Bergmann, Ein Skelett auf Abwegen

eBook bei Amazon



Corinna Bergmann, Rache der Geächteten

eBook bei Amazon

Keine Kommentare: