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21. März 2014

Rosemarie Benke-Bursian, Tödliche Begegnungen




Es muss nicht unbedingt eine Begegnung der anderen Art sein, die eine eindringliche Geschichte von Weltraumpionieren erzählt, auch andere Begegnungen können alles andere als einfach und alltäglich sein und nicht unbedingt das Überleben garantieren:
Eine Frau erwacht verletzt im Krankenhaus und kann sich nur schwer erinnern, eine andere trifft auf eine Jugendfreundin, die Opfer eines Unfalls wurde, eine dritte ist mit ihrem Mann auf dem Liebesweg unterwegs …
4 Kurzgeschichten.



Leseprobe

Was wirklich geschah

„Hallo, können Sie mich hören?“ Simone versuchte sich zu erinnern, wem diese Stimme gehören könnte, doch es gelang ihr nicht.
„Frau Weber, haallooo.“ Die Stimme klang, als käme sie von irgendwo über ihr. Wenn da nur nicht dieses grelle Licht wäre.
„Versuchen Sie doch einmal, Ihre Augen ganz aufzumachen.“
Gut gesagt. Knips doch bitte mal einer diese grässliche Lampe aus. Aus Simones Mund purzelten ein paar unverständliche Töne und es dauerte eine Weile, bis sie begriff, dass sie es war, die dieses Kauderwelsch fabrizierte. Als nächstes registrierte sie, dass sie eigentlich fürchterliche Kopfschmerzen hatte, während ihr übriger Körper, taub oder gefesselt war oder ... gar nicht mehr da? Mit aller Kraft riss Simone die Augen auf, stöhnte und sank mit dem Kopf in ein Kissen zurück. Über sich gebeugt sah sie ein unbekanntes Gesicht, das zu einer jungen Frau mit weißem Kittel gehörte. Eine Lampe brannte nirgends, vielmehr war es taghell und durch das Fenster auf ihrer linken Seite schien die Sonne herein. Simone blinzelte. Die junge Frau lächelte.
„Es fühlt sich schlimmer an, als es ist“, sagte die Unbekannte, „Sie haben viel Glück gehabt.“
Glück gehabt? Simone versuchte sich zu erinnern. Wieso Glück gehabt? Wobei Glück gehabt? Fragend schaute sie die junge Frau an.
„Sie sind hier in der Theresien-Klinik, auf der Unfall-Station. Sie hatten einen Auto-Unfall. Erinnern Sie sich? Aber Sie haben viel Glück gehabt, Frau Weber. Ich hole jetzt Dr. Ackermann.“

Als die Krankenschwester das Zimmer verlassen hatte, versuchte sich Simone umzublicken. An der Wand rechts von ihr stand ein weiteres Bett. Es war leer, soweit sie erkennen konnte. Links an ihrem Bett war ein Ausziehtischchen, auf dem ein Glas mit einer klaren Flüssigkeit stand. Beim Versuch das Glas zu ergreifen, schoss ihr ein stechender Schmerz durch die Schulter.
Und das nennt die Glück gehabt?, dachte sie, trank gierig ein paar Schlucke und sank erschöpft zurück auf das Kopfkissen.
„Na, prima, sie trinken ja schon“, erklang eine sonore Stimme. Ein Arzt trat an Simones Bett. „Ich bin Dr. Ackermann. Wie fühlen Sie sich?“
Simone versuchte es noch einmal mit Sprechen und diesmal klappte es schon besser: „Ich habe fürchterliche Kopfschmerzen und meinen rechten Arm kann ich nicht richtig bewegen und sonst ... benommen. Müde. Nicht gut“, gurgelte sie hervor.
Der Doktor nickte. „Sie haben eine Gehirnerschütterung, ein paar harmlose Schnittwunden im Gesicht, aber am Kopf habe ich Sie nähen müssen, deshalb haben wir ein paar Ihrer schönen blonden Haare abrasiert. Also erschrecken Sie nicht, wenn Sie in den Spiegel schauen. Das wird alles wieder. Außerdem haben Sie sich eine Rippe gebrochen und das rechte Schlüsselbein. Der Bruch ist aber glatt und wird gut verheilen. Das war´s. Sie haben verdammt Glück gehabt, nach allem, was ich weiß.“ (...)


Die Autorin

Rosemarie Benke-Bursian studierte Biologie mit Abschluss Diplom und veröffentlichte während der Promotion die ersten wissenschaftlichen Beiträge. Es folgten einige Jahre im wissenschaftlichen Produktmanagement der Industrie, wo sie u.a. für journalistische Artikel und Informationsbroschüren verantwortlich war. Mittlerweile ist sie freiberufliche Journalistin, Autorin und (Werbe-)Texterin und hat zahlreiche Texte für Fachleute und interessierte Laien aus Naturwissenschaft, Medizin und Gesundheit konzipiert. Weiterhin wirkte sie an diversen Sachbüchern zu Mathematik, Physik, Astronomie und Biologie mit. Außerdem hat sie einige  Gedichte und Kurzgeschichten veröffentlicht. Ihre große Liebe ist jedoch das Verfassen von Kindergeschichten und Krimis. Viele der Kurzgeschichten und Kurzkrimis sind bereits in Literaturzeitschriften und diversen Anthologien veröffentlicht, einige davon mir Auszeichnung. Im Jahre 2003 hat sie beim ABDA-Literaturwettbewerb den „Sonderpreis Kindergeschichte“ gewonnen. Mittlerweile hat sie einige Sachbücher, drei Kinderbücher (eines davon als E-Book) sowie zwei  Sammlungen von Kurzkrimis (E-Book) veröffentlicht, eine dritte Sammlung und weitere Projekte sind in Vorbereitung. Daneben hält sie Lesungen und leitet an ihrem Wohnort Tutzing eine kreative Schreibwerkstatt. Seit 2013 Mitglied bei der Krimibuch-Autorinnenvereinigung „Mörderische Schwestern“.

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