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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

30. April 2014

Brigitte Teufl-Heimhilcher, Politik und rote Rosen



… eine fiktive Geschichte aus einem fiktiven Land.
Als Sybille Hold-Meixner, Kabinettschefin des Sozialministers, nach dessen Unfalltod  zu seiner Nachfolgerin gekürt wird zögert sie kurz, ehe sie das Amt annimmt - unter anderem auch, weil ihr Kanzler Elmar Reifenstein einmal sehr nahe gestanden ist.
Kaum hat sie ihr neues Büro bezogen fallen ihr Unterlagen in die Hände, die Gewerkschaftsboss Meller in arge Bedrängnis bringen. Aber ist es politisch klug sich mit der Gewerkschaft anzulegen?
Sybille überlegt nicht lange und nimmt den Kampf auf - schließlich soll Recht auch Recht bleiben.
Doch sie hat nicht nur mit dem politischen Gegner zu kämpfen, auch Elmar bringt sie in eine höchst unangenehme Lage und mit ihrer halbwüchsigen Tochter Kerstin hat sie es auch nicht immer leicht.
Gut, dass wenigstens der Chefredakteur des Tagblattes immer öfter ihre Partei ergreift, er erweist sich auch sonst als höchst angenehme Gesellschaft, aber darf sich eine Ministerin in einen Journalisten verlieben?

Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Plattform
ISBN-10: 395034784-5, ISBN-13: 978-395034784-5, 196 Seiten, EUR 8,99
Auch als E-Book (EUR 3,60) auf Amazon erhältlich


Leseprobe:

Vorwort der Autorin

Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, ist ebenso fiktiv wie das Land, in dem sie spielt: Euroreich.
Euroreich liegt im Herzen Europas, ist Mitglied der EU, hat den Euro längst eingeführt und ist eine demokratische Republik.
Dennoch essen die Menschen des Landes gerne Kaisersemmeln, Kaiserschmarren, Kaiserfleisch, und wenn sie das Gulasch aus einem ganz besonderen Stück Fleisch machen, dann nennen sie es Kaisergulasch.
Beamte, die auf der Karriereleiter schon gut vorangekommen sind, freuen sich über den Titel „Hofrat“, wie Titel in Euroreich überhaupt eine große Rolle spielen, weshalb Anreden wie „Servus, Herr Präsident“ durchaus zum Alltag gehören, selbst wenn der Angesprochene Präsident eines Taubenzüchtervereins sein sollte.
Die Probleme des Landes sind die gleichen wie anderswo auch, wenn man auch gemeinhin der Meinung ist, der Euroreicher sei ein wenig gemütlicher, vielleicht auch bequemer als der gemeine Europäer.
Politisch betrachtet gibt es zwar eine Vielzahl von Parteien, dennoch bilden zumeist die Konservativen (schwarz) und die Sozialdemokraten (rot) die Regierung. Diese sogenannte große Koalition ist ebenso erwünscht wie angefeindet, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass der typische Euroreicher sich dann am wohlsten fühlt, wenn er jammern kann. Erstaunlicherweise verzichten dennoch viele Euroreicher darauf, zur Wahl zu gehen. Politologen sehen den Grund darin, dass die Politiker des Landes nicht besonders angesehen sind, weil allgemein vermutet wird, sie würden ihre eigenen Interessen in den Mittelpunkt stellen.
Das bedeutet umgekehrt jedoch nicht, dass man nicht selbst gerne zu dieser nahen Umgebung gehören möchte oder sich nicht mit dem einen oder anderen Politiker fotografieren ließe, wenn es sich denn so ergäbe. Ganz im Gegenteil!
Bei Wahlveranstaltungen wird Politikern aller Couleur kräftig zugejubelt, um am nächsten Tag deren Abgehobenheit zu beklagen.
Alles in allem scheint Euroreich also – von lokalen Eigenheiten abgesehen - mit vielen anderen Ländern durchaus vergleichbar.


1. Die Beerdigung

Als Sybille schlaftrunken die Jalousien hochzog, war es draußen dunkel und nebelig. Ihre Tochter Kerstin wollte auch nicht aus den Federn. Das konnte sie ja verstehen, aber dass sie dann auch noch das Bad stundenlang blockierte, zerrte schon ziemlich an ihren Nerven, und als sie beim Frühstück mit einem ihrer Igitt-igitt-Blicke sagte: „Wie siehst du denn heute aus?“, schien das Maß voll.
Wie immer zählte Sybille erst heimlich bis zehn, ehe sie, schon etwas weniger gereizt, antwortete: „Lass mich raten: schwarz und traurig? Genauso fühle ich mich, heute ist doch das Begräbnis von Doktor Winter.“
„Okay, aber du bist seine Kabinettschefin, nicht seine Witwe“, antwortete Kerstin gelangweilt, trank ihren Orangensaft, schnappte sich einen Apfel und ging.
„Du sollst doch …“, den Rest konnte sie sich sparen, die Tür war bereits hinter Kerstin ins Schloss gefallen.
Lustlos aß sie ein paar Löffel von ihrem Müsli, verstaute die restlichen Lebensmittel wieder im Eiskasten und betrachtete sich im Vorzimmerspiegel. Vielleicht war die schwarze Bluse zusammen mit dem schwarzen Kostüm und ihrem schwarzen Haar doch etwas zu viel. Seufzend ging sie zurück ins Schlafzimmer.
Weiß? Rosa? Ach, hier war noch diese silbergraue Schleifenbluse. Die hatte sie schon eine Ewigkeit nicht getragen, aber zusammen mit der Blutsteinkette und den dazu passenden Ohrgehängen sah sie gar nicht so übel aus. Noch ein wenig Lippenstift, dann machte sie sich auf den Weg zu ihrem Vater.
Sie konnte zwar nicht verstehen, warum er sich diese Tortur freiwillig antat, aber er behauptete, als alter Parteifreund wäre es seine Pflicht, an den Trauerfeierlichkeiten teilzunehmen. Sie vermutete eher, dass er Langeweile hatte, jetzt, wo die Golfsaison endgültig vorbei zu sein schien.
Obwohl sie fünf Minuten vor der Zeit da war, stand er schon vor dem Haus. Gut sah er aus, mit seinem schwarzen Mantel und dem schlohweißen Haar.
Er bedeutete ihr einzuparken, doch sie öffnete nur das Fenster: „Komm, steig ein, mit deinem Schlitten bekommen wir doch nie einen Parkplatz.“
„Irrtum Kind, mit meinem Schlitten brauchen wir keinen Parkplatz.“
Dieser Logik konnte sie zwar nicht folgen, aber sie wollte nicht schon jetzt mit ihm diskutieren. Also sagte sie nur: „Okay, aber ich fahre.“
„Meinetwegen.“
Sie parkte seufzend ein und nahm in seinem großen, alten Mercedes Platz. Schön war er ja, mit seinen weinroten Ledersitzen und den Rosenholzeinlagen auf dem Armaturenbrett, aber verdammt unpraktisch.
Während sie den Wagen vorsichtig durch den dichten Morgenverkehr lenkte, fragte er: „Wie geht’s meiner Enkelin?“
„Im Moment vermutlich gar nicht gut, sie hat heute Literatur-Test und bestimmt zu wenig gelernt.“
„Das arme Kind, muss sich mit toten Dichtern herumschlagen, wo es doch so viel Spannenderes gibt.“
„Ich kann mich nicht erinnern, dass du mir gegenüber jemals auch nur halb so viel Bedauern ausgedrückt hättest.“
„Du warst sowieso immer eine Streberin. Deswegen hast du heute so wenig Verständnis für deine Tochter. Kerstin ist halt mehr der praktische Typ.“
Da sie sich bereits dem Friedhof näherten, enthielt sie sich einer Antwort, obwohl es sie schon längere Zeit wurmte, dass ihr Vater, wie auch ihr Exmann, immer die Verständnisvollen spielten und es ihr überließen, sich um den nervigen Alltag zu kümmern.
„Hier gleich rechts“, dirigierte er sie eben auf den Parkplatz der Ehrengäste.
„Ich weiß nicht, ich bin doch kein Ehrengast.“
„Ich schon“, antwortete er mit Würde und kletterte aus dem Auto. Der Parkwächter grüßte respektvoll und steckte eine Nummer hinter die Windschutzscheibe.
„Na bitte, geht doch“, lächelte er und reichte ihr seinen Arm.

*

Die Trauerfeier für Doktor Winter zog sich endlos dahin.
Auf dem Sarg stand ein Gesteck aus roten Rosen, davor der Kranz der Witwe, ebenfalls aus roten Rosen, flankiert von einer Vielzahl anderer Kränze mit schwarzen, roten und goldenen Schleifen.
Mein Gott, die arme Frau, dachte Sybille mit einem Blick auf die Mutter des Toten, die von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn flankiert wurde. Daneben saß die Witwe, Linda Winter. Eine schlanke Schönheit, vielleicht Anfang vierzig, mit blondem Haar. Kerzengerade saß sie da, mit breitkrempigem Hut und Sonnenbrille. Sie kannte sie von einigen Veranstaltungen, hatte aber nie mehr als ein paar Höflichkeitsfloskeln mir ihr getauscht.
Als letzter Redner trat nun der Kanzler, Elmar Reifenstein, an das Rednerpult.
„Wir alle sind zutiefst erschüttert vom Unfalltod unseres Sozialministers. Mit Richard Winter verliert nicht nur eine Frau ihren Mann, eine Mutter ihren Sohn, unser Land verliert einen überaus beliebten Politiker, einen aufrechten Demokraten - wir alle verlieren einen Freund.“
Schleimer, dachte Sybille. Die beiden hatten sich nie gemocht. Sie erinnerte sich noch allzu gut an die Auseinandersetzung, die sie erst vor wenigen Tagen gehabt hatten; von Freundschaft war da wenig zu spüren gewesen.
Nun ja, im Angesicht des Todes sah manches anders aus, dennoch nahm sie dem Kanzler seine Trauer nicht ab.
„… couragiert beteiligte er sich an kontroversen Debatten, setzte Akzente, kämpfte für seine Überzeugung und verlor dabei nie das eine große Ziel aus den Augen …“
Papperlapapp. Einen engstirnigen Technokraten hatte er ihn genannt.
Nachdem der Kanzler seine Rede beendet hatte, spielte das Orchester das Largo aus Händels Oper Xerxes, ein ihr unbekannter Kammersänger sang das Ave Maria, dann, endlich,  setzte sich der Trauerzug in Bewegung.
(...)


Rezension folgt ...


Über die Autorin

1955  in Wien geboren, verheiratet, arbeitete lange Zeit im Bereich Immobilienverwaltung und
–vermittlung und ist derzeit als Sachverständige im Bereich der Immobilienbewertung tätig.
Seit 2011 veröffentlich sie heitere Gesellschaftsromane.
Bisher sind folgende Werke erschienen:
2011 Personal-Novel - das personalisierbare Buch
     „Tanten, Tee und Taxitänzer“
2012 Personal-Novel – das personalisierbare Buch
     „Grießbrei und kandierte Chilischote“
2012 Amazon Selfpublishing, als E-Book und Taschenbuch
     „Paragrafen und Grafen“
2012 Amazon Selfpublishing, als E-Book und Taschenbuch
     „Die andere Schwester des Papstes“
2012 Amazon Selfpublishing, als E-Book und Taschenbuch
     „Humor und Hausverstand erwünscht“
2012 Amazon Selfpublishing, als E-Book und Taschenbuch
     „Mütter, Töchter und andere Krisen“ (Neuveröffentlichung durch Amazon Crossing im Mai 2014)


Brigitte Teufl-Heimhilcher, Politik und rote Rosen


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Kommentare:

Daggi Geiselmann hat gesagt…

Tolle Buchvorstellung Elsa. Wie Du das immer schaffst uns neugierig zu machen ist mir ein Rätsel. Ich muss das unbedingt lesen jetzt.

Elsa Rieger hat gesagt…

Da wird sich die Autorin freuen, fein! Ich muss es auch noch lesen, dann gibts eine Rezension dazu.

Liebe Grüße