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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

14. April 2014

Lena Paul, Herzensfreunde



Können Frauen und Männer befreundet sein, ohne den Reizen des anderen Geschlechtes zu erliegen?

Carolin, die junge, chaotische Mitarbeiterin einer Tageszeitung lernt in einem Wellness-Urlaub Mark kennen. Mark, den unwiderstehlichen Mann mit den strahlend blauen Augen, der jede Frau haben kann, die er nur will. Als er und Carolin Freunde werden, ahnt sie nicht, dass diese Freundschaft ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Denn Mark ist nicht nur ein toller Freund, sondern eben auch ein großartiger Mann, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Ein Karussell der Gefühle setzt sich in Bewegung.

Während sie die Karriereleiter emporklettert, ist ihr Privatleben eine einzige Katastrophe. Irgendetwas läuft immer schief. Dabei wünscht sich Carolin doch nur eins: einen tollen Mann an ihrer Seite. Einen wie Mark, denn in jedem anderen sucht sie das, was sie an Mark so fasziniert. Am Ende zählen nur drei Fragen: Wo hört Freundschaft auf? Wo beginnt Liebe? Und wie geht man damit um, wenn die Grenzen zwischen beidem verschwimmen? Mutig stellt sich Carolin dem, was sie empfindet und erlebt eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle ...


Leseprobe

Wieder nur Rechnungen, Werbung und die üblichen dicken Versandhauskataloge! Carolin war es langsam leid, ihren Briefkasten aufzuschließen und darin immer dieselben uninteressanten und lieblosen Dinge vorzufinden.
„Wenn der Postbote nichts Besseres für mich in petto hat als das, dann verzichte ich demnächst komplett darauf, diesen Kasten zu öffnen!“, dachte sie erbittert, als sie das altbekannte Häufchen Elend herausholte und zum Fahrstuhl lief.
Kreditkartenabrechnung, Telefon und Strom, alle wollten immer nur Geld von ihr. Etwas Nettes hatte offensichtlich niemand für Carolin übrig. Dabei brauchte sie gerade jetzt ein wenig mehr als nur eine Streicheleinheit. Vor zwei Wochen erst hatte sie sich von ihrem Freund getrennt, nachdem dieser sie mit einer anderen Frau betrogen hatte. Zudem erwischte sie beide in flagranti in ihrem eigenen Bett! Ihre beste Freundin befand sich in den Flitterwochen und ihre Eltern erlebten gerade ihren dritten Frühling und hatten nichts anderes als sich selbst im Kopf. Dass es im Job gerade nicht besonders gut lief, kam zu allem Übel noch erschwerend hinzu. Offensichtlich hatte sie es wohl nicht verdient, glücklich zu sein.
Doch je länger sie darüber philosophierte, wie gut es doch alle anderen hatten (ihr Ex mit seiner hübschen Neuen – die Carolin am liebsten eigenhändig um die Ecke gebracht hätte –, ihre Freundin mit ihrem frisch angetrauten Ehemann in der Karibik und selbst ihre Eltern, die sie schon seit Jahrzehnten als asexuelle Wesen ansah), umso mehr nagte das schlechte Gefühl an ihr, nichts wert zu sein. Und dann noch die bevorstehende Augenoperation nach dem kommenden Wochenende! Warum konnte nicht wenigstens einer der vielen Menschen, die sie kannte, mal an sie denken, sie mit ein paar netten Worten aufmuntern und ihr Mut zusprechen? Andere Leute bekamen ständig liebevolle Briefe, witzige Karten oder zumindest eine SMS. Carolins Handy hingegen hatte schon seit Tagen keinen Ton mehr von sich gegeben.
Traurig stieg sie aus dem Fahrstuhl und öffnete ihre Wohnungstür. Wenigstens ihre Katze Diva war ihr treu ergeben und schwänzelte ihr schnurrend um die Füße, kaum dass die Tür zu ihren heiligen vier Wänden hinter ihr ins Schloss fiel. Sie räumte die Einkäufe in die Küche, machte sich in der Mikrowelle einen Auflauf aus dem Tiefkühlfach warm und setzte sich mit Diva auf die für eine Person samt Katze natürlich viel zu große Couch. Wenigstens der Blick in die Fernsehzeitung brachte keine weitere Enttäuschung, denn er versprach einen recht unterhaltsamen Abend mit den stylischen Girls von „Sex and the City“. Liebe, Leben, Lust, das war genau das, was Carolin jetzt brauchte, um nach einer anstrengenden Woche wieder runterzukommen.

In der Redaktion war wieder einmal alles drunter und drüber gegangen und während ihre Kollegen die wirklich interessanten Stories schreiben durften, landeten auf Carolins Schreibtisch nur Sachen, mit denen sich sonst niemand befassen wollte. Tagelang hatte sie nur Korrektur gelesen, was ihre Kollegen in ihre Tastaturen gehämmert hatten, hatte die Ablage ihrer im Urlaub befindlichen Kollegin auf Vordermann gebracht und dafür gesorgt, dass auch der eitelste und begabteste ihrer Mitarbeiter den Redaktionsschluss nicht verpasste. Der einzige von ihr selbstverfasste Artikel in dieser Woche drehte sich um einen Spieler der Kreisliga, der in den Himmel gelobt werden sollte, bis es nicht mehr ging, damit überhaupt jemand zu dem Spiel aufkreuzte. Fußball war nun wirklich nicht Carolins Thema. Was hätte sie nicht dafür gegeben, einmal über die Pret-à-porter-Modeschauen berichten zu dürfen … Über Schuhe, Taschen, die neuesten Modetrends! Doch dafür war eine Tageszeitung deutlich ungeeignet und Carolin konnte froh sein, als Quereinsteigerin überhaupt bei irgendeiner Zeitung arbeiten zu dürfen. Von der großen, weiten Medienwelt und einem Job bei der von ihr heißgeliebten Cosmolita konnte sie bisher allerdings nur träumen.
Gerade als sie ihre Tasche eingepackt, den Computer ausgeschaltet und sich auf den Feierabend gefreut hatte, wurde sie zur späten freitäglichen Stunde auch noch von einem schmierigen Kerl aufgehalten, der die Siebzig längst überschritten hatte, aber offenbar noch immer glaubte, unwiderstehlich zu sein.
„Wahrscheinlich war er in seinen besseren Jahren ein Playboy, so wie er sich aufführt. Einfach widerlich!“, dachte Carolin bei sich, als sie den Mann in ihr Büro lotste, wohl wissend, dass er ihr dabei die ganze Zeit auf den Hintern starrte.
„Nun fehlt nur noch, dass er seine Hände nicht bei sich behält!“, ging es ihr dabei durch den Kopf. Eine billige Hugh-Hefner-Kopie war das Allerletzte, das sie an diesem Abend um sich haben wollte. Schnell fuhr sie den Computer noch einmal hoch und nahm die Kontaktanzeige auf, für die der gute Herr sich in die Redaktion bemüht hatte.
„Mädels, seht zu, dass ihr auf die Bäume kommt, der Mr. Big Frankfurts ist auf Brautschau. Oder nein! Hugh Hefners kleiner Bruder sucht ein neues Bunny. Interessentinnen bitte in einer Reihe aufstellen!“
Carolin konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, sah sie doch einen kleinen, hageren, grauhaarigen Herrn sich gegenübersitzen, der meinte, in seinem hohen Alter noch immer jede Frau haben zu können. Zu allem Übel flirtete dieses verwitterte Wesen sie auch noch ganz ungeniert an. Frechheit!
„Also, junges Fräulein, hat Ihnen eigentlich heute schon jemand gesagt, wie bezaubernd Sie aussehen? Tolles Kleid!“
„Du willst wohl eher sagen, toller Ausschnitt!“, dachte Carolin bei sich. „Dumm nur, dass es für dich hier nichts zu holen gibt! Ich stehe zwar auf reifere Männer, aber auf Männer, älter als die Steinkohle, gewiss nicht!“
„Wenn ich vierzig Jahre jünger wäre, würde ich Sie jetzt fragen, ob sie mich spontan zum Abendessen begleiten. Wir hätten uns sicher viel zu erzählen und würden anschließend in die Nacht hinein tanzen. Und wer weiß, was uns sonst noch Hübsches einfallen würde, was? Mit Ihnen, hübsches Kind, hat man(n) bestimmt viel Spaß ...“ Die Anzüglichkeiten dieses ekelhaften Kerls waren wirklich kaum zu überbieten.
Carolin zog angewidert ihre Augenbrauen hoch und verkniff sich nur mit Müh und Not einen abweisenden Kommentar, der sich gewaschen hatte. Schließlich lebte die Main News auch von Anzeigenkunden wie diesem Ekel da und ließ nicht zu, dass sich ihre Mitarbeiter persönliche Befindlichkeiten erlaubten, die sich dem Erfolg des Blattes entgegenstellten. Also Augen zu und durch!

Nach jener nicht gerade aufbauenden Episode ihres Berufslebens arbeitete Carolin noch flugs die Einkaufsliste ab, die sie in der Mittagspause geschrieben hatte, und machte sich auf den Weg zur U-Bahn.
Vor einem Jahr war sie auf das Bitten und Betteln ihrer Freundin Marie hin endlich vom Land in einen Vorort Frankfurts umgezogen und hatte in der Mainmetropole schließlich ihren Job in der Redaktion der Main News ergattert. Einen Traumjob, wenn man bedachte, dass Carolin außer ein paar Volontariaten und schriftlichen Proben ihres Könnens nicht besonders viel vorzuweisen hatte. Jahrelang hatte sie in der Verwaltung einer Behörde als Sekretärin gearbeitet und tagein, tagaus den gleichen öden Tagesablauf gehabt. Bis sie eines schönen Tages auf die Anzeige der Main News stieß, die Quereinsteigern wie ihr die einmalige Chance offerierte, in der Redaktion einer bekannten Tageszeitung kreativ zu arbeiten und jeden Tag aufs Neue aufregende Dinge zu erleben, über die es zu berichten galt. Die bisher spannendsten Episoden ihrer Medienlaufbahn waren ein Interview mit Til Schweiger anlässlich eines neuen Films und ihr Besuch der Berliner Modewoche, über die sie auf sage und schreibe einer halben Seite berichten durfte. Für sie als Fashionista der ersten Stunde waren die Tage im fernen Berlin, in denen sie sich ausschließlich mit einem ihrer Lieblingsthemen (Mode) beschäftigen durfte, der Himmel auf Erden. Doch im Allgemeinen bestand ihr Job darin, die Nachrichten zu verkünden, die alle anderen Tageszeitungen und Rundfunkanstalten ebenfalls brachten, nur in ureigener Main News-Form.

Abwesend blätterte Carolin in ihrer Cosmolita und versank dabei in einem Tagtraum.
Sie sah sich durch eine riesige Glastür treten und einen langen Flur entlangschlendern, während ihr alle Menschen nachsahen und sie freundlich grüßten. Sie öffnete die Tür zu ihrem Büro, das nur mit edelstem Interieur ausgestattet war und an dessen Türschild in großen Lettern stand: Carolin Weidner, Cosmolita-Chefredakteurin. Von ihrem Schreibtisch aus genoss sie einen überwältigenden Blick über die Skyline der Stadt.
Es klopfte an der Tür und ein sexy Moderedakteur bat um Einlass in ihr Refugium, um Carolin die neuesten Modelle von Louis Vuitton und Prada vorzuführen. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum reichgefüllten Kostümfundus, um eine Modestrecke aus den neuen Herbstkollektionen zusammenzustellen und zu überlegen, welche Models dafür gebucht werden sollten.
Carolin lächelte selig, während sie sich all die schönen Dinge von Escada, Dolce & Gabbana, Versace und Co. vorstellte, die sie sich privat nie leisten konnte. Sie war schon froh, dass ihr Kleiderschrank überhaupt einige wenige Teile mit Namen aufwies. Natürlich keine großen Labels, aber immerhin ein paar Sachen, die man nicht mit 08/15 bezeichnen konnte.
Von all den schönen Dingen zu träumen, die sie besitzen könnte, wäre sie eine der Großen im Medienbusiness (mit entsprechend gefülltem Konto) ließ sie ihren Alltagstrott und die unliebsamen Gefühle des Nichts-wert-Seins kurz vergessen. Allerdings nur so lange, bis sich Divas Krallen unsanft in ihren Oberschenkel bohrten und ihr Stubentiger auf diese Weise ihre volle Aufmerksamkeit einforderte. Schnell füllte sie den Fressnapf ihrer treuen Begleiterin mit Futter und verschwand im Bad, um sich vor der freudig erwarteten Episode ihrer Lieblingssoap noch die Strapazen des Tages vom Leib zu waschen.

Frisch geduscht begab sich Carolin sodann mit Chipstüte und Schokolade bewaffnet auf die Couch, auf der Diva schon auf sie wartete. Ihre Serienheldin erschien eben auf dem Bildschirm und vollführte zum wiederholten Male den Balanceakt zwischen Kumpel und Vamp, auf den ein gewisser Mr. Big zu stehen schien. Carolin sog das Geschehen auf und erwischte sich dabei, dass ihr – wie jedes Mal, wenn sie Bilder von ihrem heimlichen Nabel der Welt (New York) sah – die Tränen über die Wangen liefen. Wie gern wäre sie jetzt an diesem Ort!
Als sie schließlich ins Bett ging, wusste Carolin, dass es gegen ihren Kummer nur eines gab: Shoppen!
Da traf es sich gut, dass sie noch einige Dinge für ihren Aufenthalt in der Augenklinik und den anschließenden Urlaub besorgen musste. Schnell war der Plan gefasst, dass es nicht bei den notwendigen Erledigungen bleiben würde, sondern dass nach langer Zeit wieder einmal ein ausgiebiger Bummel durch die Stadt fällig war. Morgen würde sie so richtig shoppen gehen!
Sicher würde sie sich keine Manolo Blahniks kaufen, aber Schuhe mit Sicherheit, denn Schuhe zu kaufen beruhigt erwiesenermaßen ungemein. Vor allem aber ruinierten Schuhe nicht die Figur, so wie die Süßwaren es taten, die Carolin soeben vor dem Fernseher in sich hineingestopft hatte! (...)

(...)
Zwei Tage waren vergangen, seit Carolin im Sea Palace eingecheckt hatte. Zwei Tage, in denen sie bis zehn Uhr geschlafen und sich nach einem ausgedehnten späten Frühstück erst einmal eine Massage gegönnt hatte. Anschließend hatte sie noch einmal etwas geruht, war dann zu Mittag ins Restaurant gegangen und hatte danach den Friseur besucht und ihre kaputten Nägel auf Vordermann bringen lassen. Gegen Abend, als die Sonne nicht mehr so gleißend hoch am Himmel stand, hatte sie sich im Park an einem Buch gütlich getan und die Schwäne auf dem See beobachtet.
Schon bei ihrer Ankunft hatte sie verschiedene Behandlungen für Körper und Geist gebucht, um zu testen, welche der vielen Möglichkeiten ihr am besten gefielen und am wohlsten taten. Die Ruhe der letzten Tage, die Massagen, ein Bad in Rosenblättern und eine Schokoladenmaske waren herrlich gewesen und hatten keine Langeweile aufkommen lassen. Die vielfältigen Möglichkeiten des Sea Palace gefielen ihr so gut, dass sie noch weitere Wellnessbehandlungen bis zum Ende ihres Aufenthaltes vereinbart hatte und jeden Tag etwas auf dem Programm stand, worauf sie sich freuen konnte.
Auch das Essen war wieder zu einem Genuss geworden. Schließlich hatte sie die Mahlzeiten in letzter Zeit berufsbedingt oft gar nicht oder nur sehr unregelmäßig zu sich genommen. Gewöhnlich schlang sie abends nur schnell etwas aus der Mikrowelle in sich hinein, um nicht hungrig ins Bett gehen zu müssen. Ihren Herd hatte sie schon lange nicht mehr benützt, um genüsslich zu kochen und sich selbst oder irgendwen anderen zu verwöhnen. Woher auch die Zeit nehmen? Als Singlefrau ohne jeglichen Anhang war es für sie keine Seltenheit, dass sie auch zu Hause an ihren Job dachte, selbst wenn sie längst Feierabend hatte. Manchmal fielen ihr mitten in der Nacht Aufmacher für einen neuen Artikel ein oder sie konnte nicht schlafen, weil ihr die Nachrichten aus aller Welt nicht mehr aus dem Kopf gingen. Und oft genug erwischte sie sich dabei, dass sie in solchen Momenten dachte, wie schön es doch wäre, wenn es jemand in ihrem Leben gäbe, der sie von ihrem Arbeitseifer befreite, der dazu führte, dass sie nicht zur Ruhe kam. Jemand, der für sie da war, wenn sie nach Hause kam. Jemand, neben dem sie am Abend einschlafen und am nächsten Morgen wieder aufwachen würde. Jemand anderer als ihre Katze Diva. Ein Mensch, der ihr Leben mit ihr teilte und ihr zeigte, dass es auch noch etwas anderes gab als die Redaktion und die eigenen vier Wände.
Die einzige Konstante in Carolins Leben war, seitdem sie nach Frankfurt gezogen war, ihre Freundin Marie. Doch die war ja jetzt verheiratet und genoss ihr Glück als frischgebackene Ehefrau. Das fünfte Rad am Wagen zu sein, war nie Carolins Lieblingsrolle gewesen. Sie wollte die Hauptrolle in ihrer eigenen Liebesgeschichte spielen und nicht die des Zaungastes in Maries Lovestory.
Und so wünschte sie sich sehnlich, auch einen Mann zu finden, mit dem sie ihr momentanes Singledasein wieder beenden konnte.
Nur leider ließ dieser Mann auf sich warten und auch unter ihren Kollegen war nichts Brauchbares zu finden. Das hatte Carolin schon ausgekundschaftet, kaum dass sie in der Redaktion angefangen hatte. Dabei war sie zu dieser Zeit noch mit ihrem Exfreund Constantin liiert gewesen.
„Schon komisch...“, fiel ihr jetzt auf. Sah man sich denn, wenn man eigentlich glücklich war, nach anderen Männern um? Sie tat es. Doch alle Männer, die in ihren Augen halbwegs etwas hermachten, waren entweder verheiratet, liiert oder schwul.
„Irgendwann kommt der Tag, an dem auch mir das Schicksal meinen Traumprinzen auf einem Silbertablett serviert!“, sagte Carolin sich nun.
Noch hatte sie den Glauben an die große Liebe nicht verloren.

In ihre Cosmolita vertieft saß Carolin auf der Terrasse des Restaurants und wartete auf das leckere Gratin, dass sie kurz zuvor bestellt hatte. Sie ließ ihren Blick dabei kurz durch den Raum schweifen, in dem sich gerade viele der Hotelgäste einfanden, um ebenfalls zu Mittag zu essen.
Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, durchzuckte Carolin ein Blitz, der ihr durch Mark und Bein ging. Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie sich vehement gegen etwas wehren, schloss für einen kurzen Augenblick ihre Augen und öffnete sie dann ganz vorsichtig wieder.
NEIN, sie hatte sich nicht getäuscht. Inmitten einer Menschenmenge hatte sie soeben die schönsten blauen Augen des Universums entdeckt. Leuchtende, vor Fröhlichkeit strahlende Augen, die sie sofort in ihren Bann zogen. Die Menge lichtete sich und im nächsten Augenblick wusste Carolin: Das ist er!
Sie war wirklich wie vom Blitz getroffen. Keine zwanzig Meter von ihr entfernt hatte Carolins Traummann den Raum betreten und von jetzt auf gleich gab es nichts mehr, das wichtiger war als dieser Mann.
Warum, weshalb, wieso? Carolin hatte keine Ahnung. Sie sah ihn und wusste, dass dieser Mann ihr Mann war. Der eine, auf den sie schon so lange gewartet hatte und den sie ein Leben lang lieben würde. Derjenige, der für sie bestimmt war. Sie war sich einfach sicher, auch wenn sie noch kein einziges Wort mit ihm gewechselt, keinen noch so kleinen Blick oder ein Lächeln mit ihm getauscht hatte.
„Das ist mein Traummann!“, war der erste und einzige Gedanke, der Carolin bei seinem Anblick durch den Kopf ging.
Fortan konnte sie nicht anders, als ihn immer und immer wieder anzusehen. Ihr Herz stolperte vor Aufregung und machte Luftsprünge, als er sich an einem Tisch in ihrer Nähe niederließ und ein Wasser bestellte. Seine Stimme war klar, ruhig und sanft. Stundenlang hätte er weiterreden können, hätte die Speisekarte von oben nach unten und zurück vorlesen oder über Gott und die Welt philosophieren können, wenn er nur nie wieder damit aufhörte. (...)

Die Autorin Lena Paul
Ich wurde 1980 in einer brandenburgischen Kleinstadt geboren, ging dort zur Schule und habe mit 18 Jahren eine schulische Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. In diesem Beruf habe ich dann auch ein paar Jahre gearbeitet, meine große Liebe war er jedoch nie. Seit ich 15 Jahre alt war, wollte ich schreiben, habe meinen Traum aber erst mit 27 nach einer Reise nach New York wieder aufgenommen und endlich wahr gemacht. Zum Schreiben kam ich durch ein Schulprojekt, das mich so begeistert hat, dass ich ursprünglich Journalismus studieren wollte. Seit meinem 18. Lebensjahr war ich zudem viele Jahre haupt- wie nebenberuflich für einige Reisebüros sowohl im Büro als auch als Reiseleiterin tätig. Mein Debüt als Autorin gab ich 2009 mit meinem Buch „Miss Liberty“. Mein Roman „Herzensfreunde“ ist im März 2014 erschienen und soll nicht mein letzter Roman bleiben. Zurzeit arbeite ich an einem literarischen Road-Movie.



Lena Paul, Herzensfreunde

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