Salon

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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

16. Juni 2014

Enya K. und Victoria S., Das Murmelglas





Für jeden schönen Tag eine bunte Murmel in das Glas legen, um die Erinnerungen daran aufzubewahren – das ist das Vorhaben der kleinen Lala, einem Mädchen voller Fantasie und Wissensdurst.

Doch mit der Rückkehr des Stiefvaters aus dem Kosovo verändert sich alles.

Vorbei sind die Momente voller Liebe und Lachen.
Stattdessen bestimmen Angst und Schmerz Lalas Leben.
Wird sie es trotzdem schaffen, ihr Murmelglas zu füllen?


Rezension

Tausende Kinder werden jährlich allein in Deutschland missbraucht.
Die Dunkelziffer ist enorm, denn die meisten dieser Verbrechen an Leib und Seele gelangen nicht ans Tageslicht. Übrig bleiben Menschen, die für ihr Leben gezeichnet sind und selten eine Chance auf Glück haben. Wahrscheinlich gab es immer schon Pädophilie, wahrscheinlich gab es immer schon zerbrochene Kinderseelen. Meist wurde den Opfern keine Beachtung, kein Glauben geschenkt. Das wenigstens hat sich halbwegs geändert im Laufe der Zeit.

Nicht aber für die kleine Lala.
Sie gehört zu jenen Kindern, denen nicht einmal die eigene Mutter glaubt, was sie erzählt. Oder will es nicht glauben, denn schließlich liebt sie den Kosovo-Veteranen, Lalas Stiefvater, abgöttisch. Oder liebte ihn, ehe er schwer traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrte und zu saufen anfing. Aber sie hält dennoch fest an der Erinnerung der einstigen Liebe. Es ist erschütternd, wie schrecklich allein das kleine Mädchen mit ihrem Entsetzen, ihren Ängsten bleibt.

Ganz vorzüglich geschriebener Roman
von den beiden Autorinnen. Stilsicher, bildhaft ist die Erzählsprache, man kann sich der Tragik nicht entziehen, möchte das Kind an der Hand nehmen und aus dem Sumpf herausziehen, der Familie das Jugendamt schicken, Lala retten. Ich möchte nicht mehr über den Inhalt erzählen, denn wie es ausgeht, müssen Sie selbst lesen.

Was ich mich jedoch frage ist,
wieso der ehemalige Soldat erst durch sein Trauma die pädophile Neigung entdeckt? Oder war er es schon immer? Das habe ich nicht herausfinden können. Daher vermute ich, es handelt sich nicht um eine angelegte Neigung, sondern um pure, grausame Machtausübung aus totaler Frustration in diesem Fall. Ähnlich wie bei dem aktuellen Thema der Vergewaltigungen in Indien; es kann nicht um Lustgewinn gehen, es geht um Macht und Erniedrigung von Mädchen und Frauen.

Unter diesem Aspekt
kann ich mit dieser Frage oben leben. Also nein, ich kann auch damit nicht leben, denn die Grausamkeit in unserer Welt greift um sich. Wie dem beizukommen ist? Wohl gar nicht. Nur im kleinen Rahmen sollen und müssen wir hellhörig sein, achtsam beobachten, was mit unseren Kindern los ist, kleine Signale wahrnehmen und nicht aus Bequemlichkeit wegschauen.

Dieser Roman drückt dies aus.
Murmelglas ist zudem ein gelungener Titel für eine wunderbare Idee, die Lala durch das Leid begleitet.

Empfehlung!

Elsa Rieger 


Die Autorinnen

Enya K. 
fing bereits als Kind an zu schreiben: kleine Geschichten, später auch Gedichte.
Aus einem Hobby wurde eine Passion.
Es folgten Kurzgeschichten und Biographisches.
Ihr bevorzugtes Genre ist jedoch die Lyrik.
In ihren Geschichten fühlt sich der Leser wie ein Geist, der durch die Seiten schwebt
und die Protagonisten auf Schritt und Tritt begleitet,
sich mit ihnen freut oder mit ihnen leidet.
Wenn sie schreibt, dann spricht die Seele, ihre, die des Lesers.
Enya K ist in Norddeutschland geboren und wohnt mit ihrer Familie in Hessen.
 
Victoria S. 
schreibt aus dem Leben – ungeschönt, mit allen Höhen und Tiefen,
aber immer fesselnd.
Bereits ihr Buch „Mein wundervolles Pariser Mädchen: Kurz(e) Geschichten“ zieht
den Leser in verschiedene Welten, erzählt unterschiedliche Schicksale
und „schubst“ ihn dann in die Realität zurück, nachdenklich,
voller unterschiedlicher Emotionen.

Enya K. und Victoria S., Das Murmelglas

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