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Rezensionen

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17. Dezember 2014

Florian Tietgen, Aus sich hinaus



Fünf Erzählungen, deren Erzähler eines gemeinsam haben. Ihr Coming out. 
Doch über dieses Bekenntnis zur Homosexualität hinaus haben sie sich weiteren Aufgaben zu stellen. 
Während Kolja wegen einer Wette nicht allein ins Hotelzimmer kommen darf, mus Felix sich mit der Lust daran, sich an anschauen zu lassen, anfreunden. 
Mika, muss sich der Frage nach seinem Vater stellen, Daniel muss die lautstarke Stille überwinden und Simon gleich um zwei Freunde kämpfen, um aus sich hinaus ins Leben gehen zu können und glücklich zu werden. 
Finden sie ihr Glück und ihre Liebe? 
Für Leser ab 14.


Rezension

Zu begreifen, dass man „anders“ ist
als die Freunde, Mitschüler, andere Sehnsüchte in sich trägt, sie selbst erst
verdauen muss, sich dazu zu bekennen, ist eines der Themen in Florian Tietgens Kurzgeschichten. Da geht es um Scham, Mobbing, Erwachen. Auch um pädophilen Missbrauch sowie um Bösartigkeit, deren Basis Verliebtheit ist.

Diese jungen Männer oder Jungs
in den Geschichten möchte ich alle an mein Herz drücken, ihnen ihre Verletzungen abnehmen. Das liegt wohl an der überaus sensiblen Annäherung des Autors an die verschiedenen Protagonisten. Bezaubernd Verehrung, dann Missverständnis und zuletzt wieder Klärung zwischen Maler und Modell (nur als Beispiel erwähnt).

Von intensiven, jedoch nie übertriebenen Bilder
und Emotionen getragen sind die mal kürzeren, mal fast in Länge von Novellen geschriebenen Ereignisse, die schlichtweg berühren. Zärtliche Wünsche, die man nicht wagt, in dem jungen Alter auszusprechen, da ist ein großes Hoffen, der andere möge Gedankenlesen können. Dazu schmerzvolle Erinnerungen an Schreckliches, welches niemals als Tageslicht kommen sollte, aber tränenreich aufbricht, sobald jemand einfach lieb zu der geplagten Seele ist.

Nicht immer geht die Rechnung auf.
In einer langen Geschichte kann einer der Jungs nicht verarbeiten, was ihm angetan wurde, trotz aller Bemühungen wird er letztlich ein tödliches Fazit aus seinem Leben ziehen. Diese Geschichte ist einfach großartig, meine Lieblingsgeschichte.  

Florian Tietgen ist ein ganz besonderer Autor, den ich wärmstens empfehle.


Elsa Rieger


Der Autor
Geboren wurde ich im November 1959 zehn Minuten nach meinem Zwillingsbruder. 1977 erlangte ich die mittlere Reife, an die ich eine Ausbildung zum Erzieher anschloss. Schon im zarten Alter von 13 auf den Brettern, die die Welt bedeuten, durfte ich früh Erfahrungen als Schauspieler, Inspizient, Regieassistent und Autor machen. Das alles trainiert die Empathie, geht es doch im Schauspiel auch darum, sich in Charaktere, in Mensch und Stücke hineinzufühlen und diese Gefühle für andere greifbar und plausibel zu machen.
Als Autor beschäftigte ich mich immer wieder mit der Seele des Menschen, mit den Auswirkungen, die ungewöhnliche und traumatisierende Ereignisse auf das Weiterleben haben. Dabei helfen der Blick auf das Alltägliche und die Fähigkeit, wie ein Schauspieler zu schreiben, sich also in die Rolle eines Protagonisten zu versetzen, sie zu fühlen und aus ihr heraus die Geschichte zu entwickeln.


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