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18. Februar 2015

Carmen Bauer, Vatermorde und andere Intrigen



Angelina lebt mit ihrem Mann in einem kleinen Dorf in Südengland. Wann immer sie eine Gelegenheit findet, besucht sie ihren Vater und dessen dritte Frau in Deutschland. An ihrem Geburtstag ruft er sie an und gratuliert ihr mit ungewöhnlich knappen Worten. Kurze Zeit später erfährt Angelina, dass er gestorben ist.
Bald keimt in ihr der Verdacht auf, dass ihr Vater nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist.

Sie beginnt seinen Tod zu hinterfragen und kommt dabei einem makabren Geheimnis, das nie entdeckt werden sollte, auf die Spur.



Leseprobe:

(...) Ein anderer, kurioser Gedanke kam Angelina jetzt aber in den Sinn. Tante Antonia war von jeher der Meinung gewesen, ihre Schwägerin Molly hätte ihren Bruder auf dem Gewissen.
„Angelina, du weißt, dein Vater rauchte wie ein Schlot und keuchte in letzter Zeit ziemlich“, sagte sie zu Angelina am Telefon. „Molly hat ihn wahrscheinlich so aufgeregt, dass er einen Herzinfarkt bekommen hat.“
„Aber mein Vater ist doch gar nicht an einem Herzinfarkt gestorben“, gab Angelina zu bedenken.
„Na, dann weiß ich es auch nicht – aber er könnte bestimmt noch am Leben sein, wenn er sich nicht immer so über Molly aufgeregt hätte“, reagierte Tante Antonia trotzig, weil ihre Nichte ihr keinen Glauben schenkte.
„Tante Gertrud meinte, Molly wäre mit dem Teufel verbunden und hätte meinen Vater auf dem Gewissen“, nahm Angelina den Gesprächsfaden wieder auf.
„Oh, lass mich bloß mit Gertrud zufrieden! Ich bin froh, keinen Kontakt mehr mit der zu haben“, empörte sich Tante Antonia daraufhin, wobei sie das „der“ bewusst laut betonte.
Angelina hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Die beiden Schwestern waren – ebenfalls auf Betreiben von Molly hin – bereits seit etlichen Jahren verfeindet gewesen. Keine sprach mehr mit der anderen. Ein Umstand, der Molly seinerzeit sehr recht gewesen sein musste. Denn so hatte sie, nachdem sie es geschafft hatte, Lothar mit seiner Schwester Gertrud zu entzweien, die liebenswerte, aber labile kleine Antonia nach Everdingen gelockt. Aber nicht nur das. Fernab von jeglichen Verwandten war Tante Antonia auf Molly angewiesen gewesen. Und dies dann umso mehr, seit ihr Bruder Lothar gestorben war.

Je mehr Angelina jetzt darüber nachdachte, desto wütender wurde sie. „Diese Schlange hat ja die ganze Familie auseinandergebracht!“, entrüstete sie sich, während sie sich an die schöne Zeit mit Antonia zurückerinnerte.

Das letzte Mal, dass sie ihre kleine Tante lebend gesehen hatte, war unmittelbar nach der Beerdigung ihres Vaters vor drei Jahren gewesen. Angelina, wie auch die anderen Verwanden des Vaters, die zur Beisetzung anwesend waren, konnten es überhaupt nicht nachvollziehen, weshalb Molly nicht wollte, dass sich Angelina in dem großen neuen Haus, in dem sie ihr einst sogar ein eigenes Zimmer versprochen hatte, aufhielt. Dabei hatte Molly ganz genau gewusst, dass Angelina eine weite, anstrengende Reise hinter sich hatte und der Anstand es verlangt hätte, dass sie Angelina für die Dauer ihres Aufenthaltes in Deutschland eine Bleibe anbot. Angelina erinnerte sich, wie sie seinerzeit gute Mine zu bösem Spiel machte und sich kurzerhand bei ihrer Tante Antonia einquartierte. Das war ihr sowieso lieber gewesen, und die Tante freute sich natürlich über den Besuch ihrer Nichte.

Später, als Angelina dann wieder zuhause in Devon war, sagte ihr Antonia noch einmal am Telefon, dass Molly es nicht wünsche, dass Tante und Nichte Umgang miteinander hätten. „Molly sagt immer, solange du mit meiner Schwester Gertrud Kontakt hast, soll ich die Verbindung zu dir einstellen. Es wäre nur zu meinem Besten“, erklärte ihr Tante Antonia nachdrücklich, und Angelina meinte so etwas wie Panik in der Stimme ihrer Tante zu hören.

Sie erinnerte sich wieder sehr gut daran, dass sie über das Verhalten von Molly äußerst bestürzt gewesen war. Seit langem hatte sie vermutet, dass Molly verdeckt feindselig war, und dass sie die labile Antonia seelisch-moralisch unter Druck setzen würde. Jetzt, bei Tageslicht betrachtet, erkannte sie das dunkle Spiel Mollys und im Nachhinein war sie schlauer, aber das machte Tante Antonia auch nicht wieder lebendig.

„Diese Frau hatte es tatsächlich geschafft, meine kleine Tante und mich voneinander zu entfremden!“ Angelina war den Tränen nahe. Sie war wütend und traurig zugleich und hatte das ganz starke Bedürfnis, ihre Wut mit jemandem zu teilen. „Tante Gertrud ist dafür genau die Richtige“, sagte sie, griff zum Telefonhörer und wählte die Nummer der Tante in Deutschland. Sie hatte Glück, denn Gertrud war sogleich am Telefon.
„Ich frage mich, weshalb Molly mich mit Tante Antonia auseinandergebracht hat“, wollte sie ohne Umschweife von ihrer Tante Gertrud wissen.
„Weil sie eine Teufelin ist“, kam prompt die Antwort. Das war typisch für die Tante, aber es reichte Angelina als Begründung natürlich nicht.
„Ja, aber es muss doch einen Grund geben“, gab Angelina zu Bedenken.
„Was denn für einen Grund?! Diese Schlange wollte doch nur Zwietracht und Streit zwischen uns allen“, erwiderte Gertrud. „Alles zerstören – das war und ist die Absicht dieser Intrigantin. Diese Teufelin“, regte sich Tante Gertrud wieder einmal sehr auf.
Angelina ließ nicht locker: „Aber was hatte sie denn gegen Tante Antonia, die hatte ja nun wirklich nie einer Fliege etwas zuleide getan. Und überhaupt: Wieso ist Tante Antonia denn auf einmal gestorben und keiner wusste etwas davon?“(...)


Die Autorin
„Ich liebe alles, was mit Sprache und Wörtern zu tun hat. Es hat mich schon immer fasziniert, wie aus einer Reihe von Gedanken Wörter entstehen, die dann einen lesbaren Text ergeben. Texte, die zum Nachdenken anregen, oder Texte, die das Herz berühren.“

Dr. Carmen Bauer, 1956 in Wiesbaden geboren, studierte in Hamburg und London Politikwissenschaft. Sie ist eine Frau mit vielen Talenten. Schon in der Schule hatte sie in den Pausen handschriftlich „Bücher“ verfasst, die mit großem Interesse schneller gelesen wurden, als sie schreiben konnte.
Das Talent des Schreibens setzte sie später fort. Sie veröffentlichte diverse wissenschaftliche Artikel und 1993 ihre Promotion. Danach folgten Jahre der Berufstätigkeit, in denen sie u.a. auch als Redenschreiberin gearbeitet hatte. Neben ihren beruflichen Tätigkeiten in unterschiedlichen Bereichen, betätigte sie sich immer schon gerne kreativ: Nähen, Stricken Schreiben und wann immer möglich, werkelt(e) sie im Garten.
Sie lebt seit etlichen Jahren in Nordirland. Dort hatte es sie einst nach anstrengenden Berufsjahren, zuletzt in Brüssel, der Liebe wegen hingezogen. Während sie früher immer viel für andere Menschen schreiben musste, schreibt sie inzwischen ihre eigenen Bücher und ihren Blog.

Bisher sind acht Bücher aus unterschiedlichen Genres erschienen.



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