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Rezensionen

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13. Februar 2015

Valentinstag



Herzschmerz, die wahre Liebe, Liebeskummer, Enttäuschungen – das alles bieten die fünf Geschichten, die in der Valentinstagsanthologie enthalten sind.

Diese Geschichten werden hier präsentiert:

René Deter – Inga und der Parkplatzmann
Marlies Hanelt – Familie, die Keimzelle des Hasses
Ehrenfried Mazur - Hannah und ihre späte Liebe
Claudia Timpen - Überraschung mit Hindernissen
Veronika M. Dutz – Liebe, die Komplexität der Ganzheit



Leseprobe:

Inga und der Parkplatzmann René Deter
♥♥♥
Inga hasste es. Sie hasste es abgrundtief. Dieser Tag, der nur für Pärchen gemacht schien, passte nicht in ihr Konzept. Sie war seit jeher überzeugter Single. Mehr als ein Abenteuer hier und da, gab es in ihrem Leben nicht. Bisher auch immer ohne Folgen. Warum ausgerechnet Pärchen einen Tag für sich haben sollten und dann auch noch im a...kalten Februar konnte sie nicht verstehen. Da konnte man sich ja nicht einmal nahekommen, ohne ein Haufen Wäsche tragen zu müssen. Was sollte daran schön sein? Inga hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, den Tag in einem guten Restaurant zu verbringen. Das war der einzige Luxus, den sie sich an diesem Tag erlaubte. Aber wenn sie dann die Pärchen sah, die dort ungeniert sich küssten und ihren Tag feierten, dann bereute sie zugleich wieder diesen Luxus. Trotzdem war es Jahr für Jahr das Gleiche. Wie einem inneren Zwang gehorchend, bestellte sie einen Tisch für sich allein im Restaurant und ließ die glücklichen Pärchen am Tag der Liebe rings um sich herum einfach über sich ergehen. Sie konnte ja ohnehin nichts dagegen tun.
♥♥♥
Auch in diesem Jahr war das nicht anders. Das „Sunlight“ war dieses Jahr ihr Ziel. Das Restaurant lag etwas außerhalb der Stadt in der Nähe eines Parks, dem man sicher auch im Winter einige positive Aspekte abgewinnen konnte. Ihr lag das eher fern. Inga traf gegen 17.30 Uhr auf dem Parkplatz des „Sunlight“ ein, den Tisch hatte sie für 18.00 Uhr reserviert. So hielt es sie immer, um auch einmal Verspätungen einzukalkulieren. Aber bisher war sie immer pünktlich gewesen. Doch als sie durch die Autoscheiben blickte, sah der Parkplatz randvoll aus. Da würde es schwer werden, noch eine Lücke für ihren kleinen Stadtflitzer zu finden. Sie hielt an und schaute sich erneut um, doch sehen konnte sie nichts. Der Parkplatz war ohnehin nur schwach beleuchtet. So war es nahezu unmöglich, etwas zu erkennen, geschweige denn eine Lücke zu finden. In diesem Moment klopfte es an der Seitenscheibe. Sie drehte das Fenster runter. „Guten Abend! Kann ich Ihnen helfen“, klang ihr eine tiefe, aber sehr wohltönende Männerstimme entgegen.„Ähem, ja“, stotterte Inga herum. „Ich suche einen Parkplatz, habe für den Abend einen Tisch für mich reserviert im Sunlight.“ Sie schaute den Mann an, konnte aber aufgrund des schlechten Lichtes und des tief hinuntergezogenen Huts keine weiteren Details sehen. „Einen schönen Guten Abend!“, setzte sie schließlich noch schuldbewusst hinzu. Der Mann blickte kurz um sich. Dann beugte er sich wieder zurück. „Ich glaube, dahinten in der Ecke ist noch ein Plätzchen frei. Dort könnte ihr Wagen hinein passen.“ „Oh herzlichen Dank“, freute sich Inga. „Sind Sie heute Abend ebenfalls Gast des Hauses?“ „Ja. Ich hoffe, dass ich noch einen Platz bekomme. Ich bin alleine da und eigentlich hasse ich diesen Tag.“ „Sie auch!“, entfuhr es ihr unbeabsichtigt. „Wie? Sie mögen den Valentinstag nicht?“, fragte der Mann nach und Inga hätte sich fast auf die Zunge gebissen. Eigentlich hatte sie noch nie jemanden verraten, dass sie den Tag der Verliebten einfach nicht mochte. „Sie doch offensichtlich auch nicht!“, ging sie schließlich in die Offensive. „Nun ja. Das hat aber einen bestimmten Grund, über den ich sehr ungern spreche.“ „Einen Grund?“, hakte Inga nach. Er hatte ihr Interesse geweckt. Die Gestalt nickte mit ihrem Kopf. „Sie sollten erst einmal in die Parklücke fahren, sonst ist sie weg. Dabei deutete er nach hinten, wo sich die Scheinwerfer eines weiteren Wagens näherten, dessen Ziel auch das Restaurant „Sunlight“ zu sein schien. „Sie haben recht.“ Inga kurbelte das Fenster hoch, dann fuhr sie zu der vom Mann beschriebenen Ecke und fand tatsächlich noch einen Parkplatz, auf dem sie den Wagen abstellte. Anschließend stieg die Singlefrau aus und sah, wie sich der Mann ihr näherte. „Und, hat er gepasst?“, fragte er nach, obwohl er sehen musste, dass sie erstaunlich perfekt eingeparkt hatte. „Ja, hat er.“ „Dann sollten wir uns langsam ins gemütlich warme Restaurant begeben, hier draußen ist es recht kühl.“ Inga fröstelte es in der kühlen Abendluft des Februars, in der auch ein Hauch von Schnee zu liegen schien, obwohl es wie so oft grün statt weiß war. „Da haben Sie Recht.“ Dann machten sie sich auf den Weg zum hell erleuchteten Sunlight.

Valentinstag – Anthologie

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