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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

26. April 2015

Regina Weber, Buch auf der Suche nach Liebhabern von Kriminalromanen: ÜberLeben3




Kein Buch, in dem der Leser im Blut watet, das ihm nächtliche Albträume beschert. Statt Grusel und Leichenteilen zuhauf, eine fesselnde Handlung, unterlegt mit viel Humor. 
Polizist Leo erhält Post von seinem vermeintlich vor 37 Jahren verstorbenen Vater und, da er sich in diesem Wellnesshotel vor Langeweile „zu Tode wellt“, beginnt er zu lesen, erst den Brief, in dem er um Vergebung gebeten wird, dann die ausführlichen schriftlichen Erinnerungen an ein Leben voll Tragik. Leo möchte dem Absender glauben, ist bereit, sich mit ihm zu treffen, und gerät so in einen Strudel von, seine bisherige Existenz bedrohenden, Ereignissen, traurig, aufregend und spannend nicht nur für ihn selbst, sondern auch für den Leser.


Rezension

Es gibt ein Wienerlied, das heißt:
Einer hat immer das Bummerl
einer muß immer verlier'n
ich hab' mei Lebenlang das Bummerl
ja weil ich vom Glück ein Stiefkind bin.

Bummerl heißt bei uns der Verliererpunkt bei einem Kartenspiel namens Schnapsen.
Nun, das Leben des totgeglaubten Vaters von Leo, dem Kriminalkommissar , besteht aus einem riesengroßen Bummerl. Die Mistbiene Bettina ist schuld dran, dass der arme Mann einfach nicht mehr hochkommt.

Leo staunt nicht schlecht,
als er in dem von seiner Holden verordneten todlangweiligen Wellnessurlaub die Niederschriften seinen Vaters liest, der eben nicht tot ist.

Diese Aufzeichnungen faszinieren Leo,
er kann nicht fassen, was seinem Vater alles widerfahren ist. Ist das überhaupt sein Erzeuger, den er vor Jahrzehnten verloren hat? Wird er ihm begegnen wollen/müssen? Das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Verraten möchte ich aber,
dass sich diese Aufzeichnungen lesen, als wäre man dabeigewesen. Allein die hierarchische Ordnung im Knast, die Bezeichnungen für diese oder jene Opfer der Mächtigen, die hinter Gittern das Sagen haben, sind offensichtlich recherchiert und das ausgezeichnet. Ich habe wirklich mitgelitten, war gespannt und fasziniert von dem Buch. Top!

Einziger Einwand
ist, dass mich rein technisch gestört hat, dieses Lebensbekenntnis von Leos Vater in kursiv zu lesen. Der Hauptteil des Buches besteht nämlich daraus. Ich hätte das nicht so formatiert. Man weiß auch ohne den kursiven Text, dass es sich um des Vaters Bericht handelt. Ein Sternchen jeweils zur Absetzung von Leos Leben und dem Bericht hätte dem Genüge getan.

Das tut der Geschichte selbst
aber keinen Abbruch, sie ist und bleibt richtig gut erzählt, Kompliment an die Autorin!

Elsa Rieger
  

Die Autorin
Regina Weber, geboren in Berlin, weitere Spuren hinterlassen in Augsburg und Friedberg, studierte Anglistik und Geschichte, ein Wissen, das sie einige Jahre lang in Schülerköpfen zu verankern suchte.
Ein Leben voller Höhen und Tiefen, meist himmelhoch jauchzend, bisweilen aber auch zu Tode betrübt. Ein Kopf voller Ideen, Träume, Erfahrungen, voller teils skurriler Geschichten, die hinausdrängen. Endlich Zeit, die Gedanken sprudeln zu lassen, sie zu Papier zu bringen, ganz egoistisch, weil es ihr Freude macht, aber auch in der Hoffnung auf einige zufriedene Leser.


 Regina Weber, Buch auf der Suche nach Liebhabern von Kriminalromanen: ÜberLeben3



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