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18. September 2015

Lena Paul, Nächsten Herbst in Paris



Sieben Jahre hatte Carolin gekämpft, um das Herz von Mark zu erobern. Nun ist sie endlich mit ihrem Traummann zusammen. Doch nach einer Zeit des Glücks merkt sie, dass ihr bei ihm etwas fehlt und beide doch sehr verschieden sind. Ist es nur der Altersunterschied? Oder sind es auch die unterschiedlichen Lebensentwürfe, die beide immer mehr voneinander entfernen?

Oder hat es etwas mit Claude zu tun, dem Künstler aus dem malerischen Montmartre-Viertel, dem Carolin auf einer Geschäftsreise nach Paris im wahrsten Sinne des Wortes vor die Füße fällt? Ist der französische Charme des charismatischen Malers und Fotografen Schuld daran, dass sie von einem Liebesmärchen an der Seine zu träumen beginnt? Mit Claude ist einfach alles wie Magie. Doch diese Magie stellt Carolin vor schwerwiegende Fragen:

Wie viel Prinzessin steckt in einer Frau?
Wie weit geht sie für die Liebe?
Und kann aus einer Liebe wieder Freundschaft werden?

Leseprobe

(...)
„Wow!“ Carolin staunte nicht schlecht, als sie sich in Claudes Atelier umsah.
Nachdem sie ihre Baguettes verzehrt und jeder ein Glas von dem Rotwein getrunken hatten, sahen sie sich wortlos den Sonnenuntergang an, bis es dunkel geworden war und Paris nur noch ein einziges Meer aus Lichtern zu sein schien. Dann gingen sie hinunter, durch das Treppenhaus, durch die kleine Straße, auf der sie gekommen waren und zu Claudes Moped.
Mittlerweile hatte Carolin herausgefunden, dass ein Cousin Claudes in dem Haus wohnte und sie sich öfter auf jenem Dach trafen, um dort gemütlich beisammen zu sein. Und sicher, da gab es für Carolin keine Zweifel, hatten die Herren mit dem Ausblick auch so manche Frau beeindruckt.
Von ihrer Neugier getrieben, ging sie aufmerksam mit großen Augen durch das Atelier und blieb bewundernd an einer riesigen Wand mit Schwarz-Weiß-Fotografien stehen. Claude hatte das Leben, so wie es war, in Bildern eingefangen, ungekünstelt und ehrlich:
Eine alte Frau in Lumpen, die im Mülleimer nach etwas Essbarem suchte. Einen Bettler, der mit seinem Becher Passanten auf den Champs Èlysèes ansprach. Kinder, die auf der Straße spielten und mit Kreide Bilder auf den Boden malten. Ein Paar, das sich auf den Stufen vor dem Sacre Coeur stritt. Einen Hund, mager und gehetzt, mit traurigen Augen, der nach Futter zu suchen schien.
„Nur eine kleine Auswahl“, flüsterte Claude, der sich hinter sie gestellt hatte und gespannt ihren Blicken über die Fotografien folgte.
„Sie sind so real. Traurig irgendwie.“
„Nicht alle!“, berichtigte Claude sie und zeigte auf das Bild eines Brautpaares, das in einem Park glücklich bunte Luftballons steigen ließ.
„Stimmt, das ist schön. Romantisch.“
„Die anderen sind nicht schön?“, neckte Claude sie.
„Doch, aber anders.“
„Nun, Cherie, das Leben ist nicht immer schön und romantisch. Es kann kalt, grausam, einsam und voll Schmerzen sein...“, philosophierte er und strich sich nachdenklich eine seiner unbändigen Locken aus dem Gesicht.
Hatte er sie eben Cherie genannt? Carolin stockte der Atem. Verwundert sah sie ihn an, doch er ließ sich nicht anmerken, ob er das Wort mit Absicht oder gedankenlos gebraucht hatte.
Als nächstes inspizierte Carolin die Gemälde, die Claude auf Staffeleien überall in dem großen Raum aufgestellt hatte. Einige der Werke waren offenkundig fertig, andere noch nicht beendet worden.
„Wann machst du das alles?“ Claudes Tage, so kam es Carolin vor, mussten weitaus mehr als vierundzwanzig Stunden haben.
„Oft male ich nachts, wenn ich nicht schlafen kann. Manchmal früh am Morgen, bevor ich auf den Platz gehe, oder bei schlechtem Wetter, wenn es sich nicht lohnt, dort die Staffelei aufzubauen“, war seine leicht nachvollziehbare Antwort. „Meine Wohnung liegt nur zwei Straßen weiter, ich bin in fünf Minuten hier unten“, ließ er Carolin weiter wissen.
Seine Wohnung also. Sie ahnte, was nun kommen würde. Schon den ganzen Abend über hatte sie dieses merkwürdige Grummeln in ihrem Bauch gespürt, das jedoch nicht daher rührte, dass sie Claude misstraute oder nicht gern mit ihm zusammen war. Ganz im Gegenteil. Es war eher einer freudigen Erwartung zuzuschreiben. Sie war in seiner Nähe leicht wie eine Feder. Fühlte sich wohl und begehrenswert, und etwas an der Art, wie er mit ihr umging, machte sie nahezu wahnsinnig.
So sehr, dass sie Mark, der sie auf einer ganz normalen Geschäftsreise wähnte, fast vollkommen vergessen hatte. Nur ab und an flammte ein Gedanke an ihn auf. Doch wenn Claude sie dann mit seinen warmen, braunen Augen ansah und etwas in diesem verführerischen Akzent sagte, dabei lachte und sie wie zufällig berührte, war sie sogleich wieder in einer völlig anderen Welt. Er verzauberte sie, wie sonst nur Clowns im Zirkus es mit Kindern taten, die ebenso entzückt von deren Kunststücken waren, wie Carolin es von Claudes Werben um sie war. Sicher hatte Mark sich auch die größte Mühe gegeben, ihr zu zeigen, dass er sie liebte und begehrte. Doch die Art, mit der Claude sie um den Finger wickelte, war unvergleichlich.
Es war Sünde, das wusste Carolin. Aber es tat auch so gut, wieder einmal zu schweben und sich treiben zu lassen. Die Leidenschaft zwischen ihr und Mark war mit der Zeit doch sehr abgekühlt. Aber hier in Paris, mit Claude, begann das Feuer in ihr wieder zu lodern und es fiel ihr mehr als schwer, ihren Empfindungen nicht ohne Gegenwehr nachzugeben.
„Lass uns gehen!“, fiel Claudes Stimme in die Stille, die eingezogen war, während sie ein Ölgemälde näher betrachtete.
„Wohin?“, fragte Carolin und drehte sich um.
„Zu mir...?“ Claude ließ keinen Zweifel daran, dass er sie nicht so schnell würde gehen lassen.
„Komm, nur ein Glas Wein!“
Da war es wieder! Dieses verschmitzte Lächeln, dem sich Carolin schon den ganzen Tag über kaum entziehen konnte. Sollte sie ihm wirklich folgen? Was würde wohl passieren, wenn sie erst einmal in seiner Wohnung waren? Was hatte er vor? Und wollte sie nicht insgeheim genau das gleiche?
Zaghaft folgte sie ihm durch die schwere Eisentür nach draußen, die er sorgsam hinter ihnen schloss. Zusammen gingen sie über den dunklen Hinterhof auf eine kleine beleuchtete Straße hinaus.
„Hier entlang!“, deutete Claude in eine Richtung und nahm sie an die Hand.
Was machte er nur mit ihr, dass sie ihm so bereitwillig folgte? Alles fühlte sich einfach gut und richtig an, als sie mit ihm durch die kleinen, nahezu menschenleeren Gassen des Montmartre ging. Die Touristenströme waren längst weitergezogen und amüsierten sich womöglich gerade im Moulin Rouge.

Sie stiegen eine steile Treppen empor und Claude öffnete ihr galant die Tür zu seinem Reich.
Der Dielenfußboden knarrte unter ihren Füßen, der Flur war klein und eng. Claude nahm sie an die Hand und führte sie in ein Zimmer, dass offenbar sein Wohnzimmer war. Das vermutete sie zumindest, denn es standen eine Couch und ein Fernseher darin. Doch sonst sah das Zimmer aus wie eine kleinere Kopie seines Ateliers.
Mitten im Raum stand eine Staffelei. In einer Ecke ein Schreibtisch, auf dem sich stapelweise Fotos befanden. Gleich daneben entdeckte Carolin einen kleinen, hohen Schrank, dessen Tür weit offenstand und in dessen Innerem Claude seine Kameras aufbewahrte, ordentlich nach Größe und Funktion sortiert. Dieser Schrank schien jedoch das Einzige zu sein, das in Claudes Leben eine gewisse Ordnung hatte, denn als er nach einem Augenblick wieder zu ihr trat, hielt er zwei verschiedene Weingläser in der Hand, von denen er ihr eines reichte.
„Setz dich doch!“, bat er sie und deutete auf einen Stuhl, der vor der Staffelei stand. Er selbst nahm hinter dem Holzgestell Platz und begann sogleich zu malen. Ein Bild nach dem anderen skizzierte er von Carolin und fing so jede Gefühlsregung, die sich auf ihrem Gesicht zeigte, ein. Und immer wieder sah er sie dabei mit diesem Blick an...
Plötzlich sprang Carolin von ihrem Stuhl auf und ging forschen Schrittes direkt auf Claude zu, der sie ein wenig erschrocken, aber belustigt ansah. Kurz vor ihm kam sie zum Stehen. Sie konnte den Duft seiner Haut riechen, die Wärme seines Atems auf ihrem Hals spüren.
Er saß noch immer auf seinem Stuhl, doch sie war so nah an ihn herangetreten, dass gerade einmal eine Faust zwischen sie beide passte. Vorsichtig hob er seine rechte Hand und legte sie an Carolins Wange. Langsam zog er ihr Gesicht zu sich heran, so eng, dass ihre Lippen sich beinahe trafen. Er sah ihr tief in die Augen und richtete sich auf. Seine Hand griff in ihren Nacken, streichelte sanft darüber. Fordernd zog er sie zu sich heran, so dass sie die Hitze seines Körpers spüren konnte. Völlig berauscht drängte sie sich enger und enger an ihn, bis nicht einmal mehr ein Blatt Papier von seiner Staffelei zwischen ihnen Platz gehabt hätte.
Er küsste sie. Zuerst zart, nahezu schüchtern, doch mit jedem Mal, das ihre Lippen sich trafen, wurden ihre Küsse leidenschaftlicher. Sie spürte seine Erregung, fühlte, wie auch sie selbst Feuer fing, und ließ sich fallen, fallen in einen schier endlosen Taumel...
(...)



Die Autorin

Ich wurde 1980 in einer brandenburgischen Kleinstadt geboren, ging dort zur Schule und habe mit 18 Jahren eine schulische Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. In diesem Beruf habe ich dann auch ein paar Jahre gearbeitet, meine große Liebe war er jedoch nie. Seit ich 15 Jahre alt war, wollte ich schreiben, habe meinen Traum aber erst mit 27 nach einer Reise nach New York wieder aufgenommen und endlich wahr gemacht. Zum Schreiben kam ich durch ein Schulprojekt, das mich so begeistert hat, dass ich ursprünglich Journalismus studieren wollte. Seit meinem 18. Lebensjahr war ich zudem viele Jahre haupt- wie nebenberuflich für einige Reisebüros sowohl im Büro als auch als Reiseleiterin tätig. Mein Debüt als Autorin gab ich 2009 mit meinem Buch „Miss Liberty“. Mein Roman „Herzensfreunde“ ist im März 2014 erschienen und sollte nicht mein letzter Roman bleiben. Im Oktober 2014 folgte „Ab heute ist es mein Leben“. Mit „Nächsten Herbst in Paris habe ich die Fortsetzung meines Romans „Herzensfreunde“ geschrieben.

Lena Paul, Nächsten Herbst in Paris