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8. Juni 2016

Andreas Klaene, Till Türmer und die Angst vor dem Tod




Eigentlich hat Till Türmer sein Leben bestens im Griff. Sein Talent ist es, sich in die heiklen Probleme seiner privaten Auftraggeber einzufühlen, für die er als Journalist recherchiert und schreibt. Nur die Themen Tod und Sterben meidet er wie eine ansteckende Krankheit. Nicht zufällig ist die Nordseeküste sein Zuhause, denn in der Weite Ostfrieslands kann er seine Ängste von sich wegschieben. Als er sich in die attraktive Sarah Sternfeld verliebt, ahnt er nicht, dass ausgerechnet sie täglich mit Toten zu tun hat. – www.andreasklaene.de – '›Leben und Sterben, das ist doch ein bisschen wie Nordsee‹, sagte sie. ›Wie das?‹ ›Bei Flut haben wir sie total lebendig. Bei Ebbe verschwindet sie wie eine, die stirbt. Aber sie kann die Flut nicht ohne die Ebbe haben, und so lieben wir sie.‹ In weiter Ferne lagen zwei Containerschiffe wie schwimmende Bleistifte auf dem Meer. Sie schienen sich kaum vom Fleck zu bewegen. Aber Till hatte auf einmal das Gefühl, dass er in seinen Gedanken durchaus einen Schritt weitergekommen war.


Rezension

Till Türmer, ein Mann, der – Namen ist Omen –,
sich gut in seinem Elfenbeinturm eingerichtet hat. Erfüllt von einer interessanten Tätigkeit kann er Gedanken an tote Menschen gut ausblenden. Denn die erzeugen Ekel und Angst, daher befasst er sich nicht damit – obwohl sie ihn immer wieder plagen. Till ist ein großer Verdränger, wie viele es sind, die ein Kindheitstrauma mit sich herumtragen.

Es gibt einen einzigen Zufall
in dem Roman – was sehr gut ist, denn der »deus ex machina«, der stets Wogen glättet oder aufpeitscht, wenn es dem Autor beliebt, seine Protagonisten auf einfache Weise durch die Geschichte zu führen, ist keine gute Gangart. Klaene macht es sich nicht so bequem. Der einzige Zufall ist das Kennenlernen einer Frau. Durch sie fällt Till in einen Abgrund, der da Verfall und Tod heißt. Da er nun liebt, bleibt ihm nichts übrig, als sich damit zu beschäftigen.
Die Kombination aus Liebe und seinen schlimmsten Ängsten treibt Till um. Das ist vorzüglich gemacht.   

Zwei angerissene Erzählfäden
bleiben jedoch offen, was ich sehr schade finde. Sie werden nur angerissen. Zum einen verliert sich das Thema der traumatischen Kindheit im Laufe der Geschichte, zum anderen eine ambivalente Gestalt, für die Türmer arbeiten sollte. Der Mann ist sehr genau aufgebaut worden, wirkt gefährlich und spannend, geht aber verloren. Da wäre in beiden Fällen reichlich Stoff vorhanden. Nun gut.
Zudem war durch eine spezielle Örtlichkeit, an der Till dem Objekt seiner Begierde näherkommt, sehr schnell deutlich, welches Geheimnis die Dame umweht, was ich nun nicht weiter ausführen möchte. Da und dort könnte Klaene also durchaus mit wenigen Pinselstrichen die Spannung erhöhen.

Zur Umsetzung ist zu sagen,
der Schreibstil ist exzellent, der Autor kann viel. Voller Poesie sind die Beschreibungen der Menschen und Örtlichkeiten, trotzdem aber modern und direkt. Ungewöhnliche Formulierungen, frisch, unverbraucht die Bilder, Andreas Klaene kommt ohne Phrasen und Klischee aus. Ich kann diese Buch wärmstens empfehlen, es hat mich mitgenommen, bei der Stange gehalten in seiner Dichte.

Elsa Rieger

Der Autor

Andreas Klaene, geboren 1956 in Cloppenburg, ist seit 1986 als Redakteur bei verschiedenen Verlagen tätig. Seit 2002 arbeitet er als freier Journalist, Texter und Autor, Dozent an der Frauen-Fachakademie Schloss Mondsee (Österreich), Dozent für Schreibseminare der Alumni-Clubs an der Universität Klagenfurt, an der Fachhochschule Salzburg und in Unternehmen. Bisher erschienene Bücher: Verborgene Blicke (2004), Totgeliebt (2007), Till Türmer und die Angst vor dem Tod (2016).


Andreas Klaene, Till Türmer und die Angst vor dem Tod



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