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4. August 2016

Manu Wirtz, Eventus Corp.: Verkaufte Unschuld

Die Eventus Corporation ist ein deutsches Security- und Militärunternehmen, das im Personenschutz, aber auch bei gefährlichen Einsätzen in internationalen Krisengebieten tätig ist. Die Teamleiterin Stefanie Audet und der IT-Spezialist Stephan Brokkenleg werden aktiv, als die 15-jährige Alina, die Tochter eines Bankers gekidnappt wird. Sie kommen über Facebook & Co. einem Mädchenhändlerring, der Alban-Liga, auf die Spur. Der eiskalte Mafiaboss Marko Berisha nutzt das Internet für geheime Versteigerungen der entführten Frauen und Mädchen. Das Eventus-Team jagt die Verbrecher quer durch Europa bis zu einem alten Atombunker an der tschechischen Grenze, dem Hauptquartier der Bande. Schaffen sie es noch rechtzeitig, die gefangene Alina vor einem Schicksal als Sexsklavin zu retten?
Ein temporeicher und ungemein spannender Thriller mit einem neuen und schlagkräftigen Team.


Leseprobe:

Kapitel 1
Sie tanzte im Lichtkreis eines einzelnen Scheinwerfers. Der Raum rundum lag in der Dunkelheit. Lasziv bewegte die junge Frau sich im Rhythmus der sinnlichen Saxofonklänge und der rauchigen Stimme Sades. Die Musik schien sie nicht sonderlich zu animieren, ihre Arme hingen teilnahmslos herab, während sie die Hüfte träge im Takt kreisen ließ. Tastend suchte sie mit den nackten Füßen Halt. Ein hauchzarter, transparenter Schleier bedeckte ihren Oberkörper, das gleiche Gespinst umschlang die Hüften. Sie zeigten den wohlgeformten Körper mehr, als sie ihn verbargen. Den Kopf mit den hochgesteckten Haaren hatte sie in den Nacken gelegt und ihr Blick verlor sich im Nirgendwo. Die grünen Augen waren verhangen, die langen Wimpern warfen zarte Schatten über die Wangen. Der rosige Mund war leicht geöffnet und ließ die weißen Zähne sehen. Sie lächelte traumverloren.
Man hätte ihr Gesicht fast mit den Fingern berühren können, so realistisch und zum Greifen nah war das 3-D-Videobild auf dem großen Monitor. In der Nahaufnahme wurden grobe Poren und Hautunreinheiten sichtbar, die Make-up und Rouge nicht vollständig kaschiert hatten. Ein zarter violetter Fleck schimmerte neben ihrer Schläfe durch die Tönung. Auf der Oberlippe glänzten kleine Schweißperlen, man konnte sie fast zählen. Auch die geweiteten Pupillen waren deutlich zu erkennen, ihr drogenumnebelter Blick sprach zudem Bände.
»Hier haben wir eine Ukrainerin, 25 Jahre alt, mit einiger Erfahrung. 1,67 Meter groß und 53 Kilo schwer. Sie ist blond und hat grüne Augen«, kam die Stimme des Moderators über den Lautsprecher. Er sprach ein akzentfreies Englisch und hatte eine sehr ruhige und volltönende Stimme, geübt darin, lange und akzentuiert zu sprechen. Mit derselben Stimme hätte er auch den Wetterbericht und die Verkehrsnachrichten im Radio übertragen können, ohne an ihrer Modulation etwas zu verändern.
»Das Startgebot liegt bei 15.000 Dollar«, sagte der Moderator, »bieten Sie, Herrschaften.« Das Mädchen tanzte noch immer im Lichtkreis eines einzelnen Scheinwerfers. Der Raum hinter ihr lag in der Dunkelheit. Auf dem unteren Rand des Monitors blinkte in dem Avatarbild eines grausigen Werwolfes der genannte Betrag auf. Rechts und links davon gab es weitere Avatare.
Im Bild erschien nun ein maskierter Mann, er trat hinter die Tänzerin und löste den Schleier von ihren Schultern, wodurch ihr Oberkörper den geilen Zuschauern an den Bildschirmen schutzlos ausgesetzt wurde. Instinktiv verdeckte sie ihre Brüste mit den Armen. Der Maskierte griff ihr an den Kopf und zog die Haarspange heraus. Eine Flut von blonden Wellen fiel ihr über Schulter und Rücken. Ihre Hände schnellten nach oben, um die Haarflut zu fassen. Dabei gab sie ihren Busen den begehrlichen Blicken der Avatare frei. Verwirrt stockte sie in ihrer Bewegung. Für einen Moment wurde ihr Blick klar, und suchend sah sie sich in der Dunkelheit um. Vor Angst richteten sich die rosa Brustwarzen erregt auf. Die Kameraoptik fuhr nah heran. Die Wirkung in dem 3-D-Bild war unvergleichlich.
»20.000 Dollar«, chattete der Avatar des Kriegers in einer futuristischen Rüstung.
»25.000 Dollar«, signalisierte sofort ein niedliches Anime-Mädchen neben ihm.
»Weitertanzen«, befahl der Moderator. Der maskierte Mann gab der Frau einen kleinen Stoß und sie drehte sich langsam im Kreis. Dann trat er wieder aus dem Lichtkreis zurück und verschmolz mit der Dunkelheit.
»28.000 Dollar«, sendete der futuristische Krieger. Ein Avatar hatte noch kein Gebot abgegeben. Es war ein geflügelter schwarzer Löwe rechts außen.
Der Moderator gab über eine Sendetaste seinem maskierten Assistenten ein Zeichen. Der trat noch einmal in den Lichtkreis und zog der Frau den letzten Schleier von den Hüften. Nun war sie völlig nackt. Er gab ihr einen kleinen Stoß, dass sie weitertanzen solle, und zog sich wieder in den Schatten zurück. Das Mädchen senkte den Kopf und begann sich zu den Klängen erneut zu bewegen.
»30.000 Dollar«, blinkte es vom Werwolf. Die Musik wechselte zu Techno, wurde schneller und auch die blonde Tänzerin wurde vom Rhythmus angesteckt. Ihr Körper drehte sich um die eigene Achse, die Arme wogten über ihrem Kopf und ihre Füße wirbelten über den Boden.
»32.000 Dollar«, kam es von Anime.
»33.000 Dollar«, überbot der Krieger.
Für eine Weile war nur das tanzende Mädchen zu sehen.
»Bietet einer mehr?«, fragte der Moderator.
»35.000 Dollar. Mein letztes Gebot«, chattete der Werwolf.
Für einen kurzen Moment meinte man, die Spannung der Auktion im Knistern des Bildschirms zu hören, dann ertönte erneut die Radiostimme des Moderators: »Verkauft an den Werwolf, ich gratuliere. Sie werden zufrieden sein, mein Freund. Die Kleine hat Erfahrung und Temperament.« Der maskierte Mann im Showroom zog die junge Frau aus dem Lichtkreis und verschwand mit ihr vom Bildschirm.
»(y) Schweinehund«, chattete das Anime-Girlie.
»More luck next time, Miststück 3:-)«, tippte der Werwolf zurück.
»Das war für heute unsere Auktion«, sprach der Moderator auf dem Audiokanal weiter, »ich danke Ihnen, dass Sie sich zugeschaltet haben. Wir informieren Sie im nächsten Newsletter, wenn wir neue Waren anbieten.« Ein Avatar nach dem anderen verschwand vom Monitor. Nur der schwarze geflügelte Löwe blieb noch online. Der Moderator kontrollierte, dass von den anderen Kunden keiner mehr im Netz war, und schaltete dann das Videosignal auf Bild und Ton um.
Ein kleines Echtzeitbild erschien mitten auf dem Monitor. Es zeigte einen orientalisch aussehenden Mann, mit schwarzen Augen und dichten Augenbrauen. Die vollen Lippen waren vom Schatten eines 3-Tage-Bartes umrahmt. Die hohe Stirn hatte der Mann in Sorgenfalten gelegt.
»As-salāmu ʿalaikum, Kadir, mein Freund. Du warst heute Abend ungewöhnlich still. Haben dir die Mädchen nicht gefallen?«, fragte der Moderator das Videobild in fließendem Arabisch.
»Wa-ʿalaikum us-salām, Jérôme. Ich danke dir, dass du mich eingeladen hast«, antwortete Kadir El Ahmar. Er fungierte als ’Einkäufer für Spezialfälle’ seines Herrn, einem Verwandten der herrschenden Rohalla-Dynastie im Emirat Umm al-Qaiwain, einem der VAE-Staaten. »Wie immer hast du eine exzellente Auswahl getroffen. Ohne Zweifel«, Kadir seufzte leise auf, »die Wünsche meines Herren werden mit zunehmendem Alter anspruchsvoller. Es reicht ihm nicht, dass es hellhäutige, westliche Frauen sein müssen. Er will immer jüngere Mädchen haben, Jérôme, und am besten sollten sie noch jungfräulich sein.«
Leise pfiff Jérôme Bourgiba durch die Lippen. Auch er zeigte sein Gesicht jetzt life per Video. Die beiden Männer kannten sich seit vielen Jahren. Sie wussten zu viel voneinander, als dass es einer weiteren Maskerade bedurft hätte. Der Moderator hatte französische und marokkanische Wurzeln und von beiden Genpools die äußeren Vorteile geerbt. Seine braunen Augen mit schön geschwungenen Brauen und den schwarzen kinnlangen Haaren bildeten einen reizvollen Kontrast zu der hellen Haut, der schmalen, langen Nase und den dünnen Lippen. In typisch französischer Manier zogen sich ein Paar ironische Kerben von den Nasenflügeln zu den Mundwinkeln.


Rezension:

Über den Inhalt
erzähle ich jetzt nichts, das haben andere schon getan, ich rede lieber über die Machart. Die Frage, ob dieser Auftakt zu einer Serie über das Security-Unternehmen mit militärischem Potenzial, das über tolle technische Mittel verfügt, ein „Thriller“ ist, beantworte ich mit nein. Es ist ein handfester Kriminalroman.

Ein starker Hook
eröffnet die Geschichte. Ich war sogleich gebannt von dem ersten Kapitel, denn es ist großartig geschrieben. Die immer schon grausame „Branche“ des Mädchenhandels wird durch die virtuellen Möglichkeiten um ein Vielfaches perfider, was hier wunderbar nachzulesen ist. Schauerlich, was da abgeht! Naive Mädchen, fast Kinder, werden von „Loverboys“ kirre gemacht und schon sitzen sie in der Falle. Das ist wirklich gut gemacht.

Fast journalistisch
geht es dann weiter durch sehr genaue Beschreibungen der Methoden der Eventus Corp., da fehlt mir ein wenig das „Schreiberische“. Nun, ich nehme an, das muss so sein, da dieser Band die Basis für weitere Fälle des Unternehmens ist, und irgendwo ja beschrieben werden muss, wie die Eventus arbeitet.

Die Hauptermittler
sind (noch) nicht griffig, ihr Privatleben wird zunächst angerissen, da wird sicher in den Folgebänden noch mehr kommen. Alles in allem sind sie gut dargestellt, ich bin neugierig, wie sie sich entwickeln werden.

Im Showdown
wird es wieder supergut! Hochspannung setzt ein, effektvoll ist die Auflösung gebaut, klasse. Würden die fast an Reportagen erinnernden Sequenzen zur Beschreibung der Eventus literarischer geformt sein, wäre der Kriminalroman perfekt. Denn erschüttert war ich durchaus aufgrund der abscheulichen Machenschaften der Verbrecher.

Elsa Rieger  



Die Autorin

Manu Wirtz ist Jahrgang 1959 und gebürtige Solingerin. Nach einer Lehre absolvierte sie an der Bergischen Universität Wuppertal ein Studium zur Kommunikationsdesignerin.
Seit Jahren arbeitet sie als freiberufliche Grafikdesignerin für Buchverlage und in der Werbung. Daneben ist sie Autorin von Katzenkrimis, Kurzgeschichten und Sachbüchern.
Mitglied bei: Mörderischen Schwestern e.V., Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar e.V. (Schatzmeisterin), Selfpublisher Verband.
Manu Wirtz organisiert seit 2012 die Gemeinschaftslesung LIT-West, ein Forum für Indie-Autoren und Selfpublisher. Infos unter www.lit-west.de

"Ich liebe den Umgang mit Büchern, nicht nur lesen, sondern vor allem den kreativen Prozess des Schreiben und Gestalten. Waren es vor Jahren noch Sachbücher und Fachartikel, die ich geschrieben habe, so hatte ich mehr und mehr den Wunsch, Geschichten zu erzählen."

Romane
Eventus Corp. - Verkaufte Unschuld, Amazon KDP, 2016, ASIN: B01IALGGZS
Murilega, Die Legionärskatze, Ammianus Verlag, 2014, ISBN 978-3945025048
Katzenfeuer, Samtpfote jagt Feuerteufel, BoD, 2012, ISBN: 978-3848222421
Todeswind: Eifel-Katzenkrimi #1, Neue überarbeitete Auflage 2015, Create Space Amazon, ISBN-13: 978-1515034414



Manu Wirtz, Eventus Corp.: Verkaufte Unschuld



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