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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

21. August 2016

Michael Jordan, BERLINER ZWISCHEN WELTEN



Was macht eigentlich ein Engel den lieben langen Tag?
Wie regelt man seine Steuerrückstände unkonventionell?
Wann gibt es endlich Joghurts mit Fischgeschmack?
Haben Sie auch Vorsätze für jedes neue Jahr?
Ist das Speisen in gediegener Atmosphäre dem Fast Food vorzuziehen?
Warum gilt der Autor dieses Buches als Erfinder des "Small Talks"?
Und seit wann können Nieren tanzen?

Antworten darauf und anderes Zynische in diesem Buch.
Mit Texten über und aus Berlin.
Nicht nur für waschechte Berliner, auch für ungewaschene und den Rest der Welt.

Leseproben:

Aus der Rubrik „Aufreger: Aufregend erregend“
Auf dem Weg zur U-Bahn die obligatorisch, wöchentliche Begegnung mit dem verbitterten Rentner, der, scheinbar swingend schwingend, mit seinem hölzernen Gehstock bewaffnet, durchaus als hartnäckig liegend zu bezeichnendes Papiergedöns vom Gehweg zu befördern versucht und dabei – seine Gehhilfe zweckentfremdet natürlich nicht unterstützend zur Verfügung stehend – derart wild mit seinem anderen Arm rudert, dass man geneigt ist, sich auf die andere Straßenseite zu retten.
Das war mein langer Quotensatz.
Ich liebe solche Sätze …
Gehe trotzdem auf derselben Seite weiter, ducke mich dabei den Schwingungen ausweichend Meter für Meter voran.
Und in mir gebiert der Gedanke, des nachts die Straße abzuschreiten und kleine Papierfetzen am Boden festzutackern.

Aus der Rubrik „Aufreger: Mobile Sex-App“
„Moment!“, meinte ich, zückte mein Handy und spürte sofort die Blicke der neidischen Schulnager in meinem Rücken.
„Das da!“, meinte ich kurz und zeigte auf eine Kreation in der Auslage, während ich ein Foto davon machte.
Als die Verkäuferin grummelig das Brötchen in einer lustig bunten Papiertüte verstaute, lud ich mein Frühstück „ins Netz hinauf“.
Alle 876 Freunde auf Facebook und anderen Seiten waren nun informiert: JA, es ist ein Käsebrötchen!
Um den Schein zu wahren, zahlte ich mit allem mir zur Verfügung stehendem Kleingeld.
Mein Gott, die Welt steht einem offen mit solch einem Smartphone!

Aus der Rubrik „Schockstarre: Shopping“
Es war spät geworden, die Geschäfte nun schon fast leer, viele Menschen bereits auf dem Heimweg.
Doch ich lag noch hier – wohl unser letztes Geschäft für den heutigen Tag. „Probeliegen“ nannte sie es, obwohl ich der ganzen Sache eher nicht zugetan war. Und dann noch bei diesem blöden Verkäufertypen, den sie im vergangenen Jahr bei einem Abendkurs kennengelernt hatte. Na ja: So schön, wie wir den Tag bisher verlebt hatten, sollte es mir egal sein. Und ihr strahlendes Lächeln entschädigte mich für meine Eifersucht.

Aus der Rubrik „Berlin: Kreuzberger Gedanken“
Ich schiebe den Kinderwagen weiter die Adalbertstraße hinunter, rechts auf die Waldemarstraße und schließlich zum Mariannenplatz. Auch hier ist nichts mehr von dem zu spüren, worüber die Gruppe um Rio Reiser, Ton Steine Scherben, einst Hymnen schrieben.
„Keine Macht für niemand!“, oder passender für diesen Platz wohl: „Mensch Meier!“
Zerbrochenes Glas findet man nur noch auf Spielplätzen. Randale der Randale wegen.


Der Autor
Geboren wurde der Autor Michael Jordan in Berlin, wo er auch heute noch lebt.
Veröffentlichungen von Kurzgeschichten sind bisher in zahlreichen Anthologien erschienen. Unter anderem bei Familie.de, radioeins und dem Schreiblust-Verlag.
Zu seinen eigenen Büchern gehören: "Luzie und Sophie - Wolkengeflüster", "Dämmerung" und "Berliner Zwischen Welten".
Kontakt über: buch@engelsfluestern.de


Michael Jordan, BERLINER ZWISCHEN WELTEN




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